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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Das hier ist keine Abhandlung über Hufrehe. Streng genommen ist es ein umgemodelltes Email, das ich einmal einer unserer Besucherinnen von Ofsi-Online geschickt habe, welche mit dem Problem Hufrehe konfrontiert worden war und nun mit einem flauen Gefühl in der Magengrube dasaß, alles tun wollte, um ihrem Pferd zu helfen und eine Wiederholung zu vermeiden. Ich denke, es ist vielleicht über den konkreten Einzelfall hinaus auch für andere interessant. Darum:

Hufrehe ist eine wahrlich unschöne Angelegenheit, sowohl für's Pferd als auch den Halter. Und es kann Jahre und länger dauern, bis beide wieder frei aufatmen können, weil die Folgen und die Gefahr einer Wiederholung einem so lange hinterherjagen. Zum Aspekt einer speziellen Nachbehandlung kann ich Euch wenig sagen, Skotti und Sjöfn, die bei uns Betroffenen, liefen trotz ihrer Reheanfälle immer weiter barfuß. Es ist nämlich nie eine erkennbare Veränderung des Hufes eingetreten, weil die höheren Instanzen bei den Anfällen sofort reagiert hatten und der Tierarzt das Schlimmste verhindern konnte. Nur eine geringfügige Verbreiterung der weißen Linie ist/war festzustellen. Das einzige, was die höheren Instanzen in der Richtung taten, war zur Entlastung des Hufabrollens die Zehen kurz zu halten und den Huf immer gut zu berunden und natürlich die Raspel weit weg von den Trachten zu halten. Die werden durch die Trachtenhufung von Rehepferden schon von selber stark abgenutzt. Die kurze Zehe wiederum hilft das Abrollen gerade bei der Trachtenhufung zu erleichtern. Aber vorsichtig: eine Rehe läßt sich auch mechanisch aktivieren, durch eine zu kurze Zehe oder zu dünne Sohle. Haben wir leider auch mal erlebt.

Zum Thema Vermeidung einer Wiederholung: Erst müßt ihr mal rausfinden, was wohl die Ursache für die Rehe war: Zuviel Futter, verdorbenes oder vergiftetes Futter, Überbeanspruchung, Stress. War euer Pferd übergewichtig und stand trotzdem viel auf der Weide, dann könnte das Ganze eine Fütterungsrehe gewesen sein. Der Zeit nach muß es Juni oder so gewesen sein. Noch vor der Kleeblüte. Da hat das Gras seinen höchsten Eiweißgehalt des Jahres. Wenn ihr von einer Fütterungsrehe ausgehen könnt, dann heißt das für sehr viele Jahre strengste Futterkontrolle, was die Futtermenge/-gehalt betrifft. Das kann sehr hart für Pferd und Halter werden. Aber jede Weichheit wird drastisch bestraft. Jeder Reheanfall setzt die Empfindlichkeitsgrenze herab, aber umgekehrt sinkt mit jedem Jahr mehr zwischen zwei Anfällen die Wahrscheinlichkeit für den nächsten Anfall. Der Weidegang muß dann wirklich nach der Uhr erfolgen. 30 Minuten am Morgen und dreißig Minuten am Abend. So konsequent, daß euer Pferd spätestens nach der 35 Minute freiwillig von der Weide kommt, weil es garnichts anderes mehr kennt. Wir Pferde spielen da trotz allem Unbill erstaunlich, ja fast unglaublich gut mit und machen es unseren Haltern leichter, diese erforderliche Härte zu zeigen. Später kann man die 30 Minuten ausdehnen auf eine dreiviertel Stunde oder gar eine. Bei jungem Gras, das eigentlich tabu sein sollte, ich kenne etliche Halter, bei denen dürfen Hufrehepferde erst ab Juli auf die Weide, gilt natürlich die untere Grenze, im Herbst, bei einer dünnen Weide eher die obere Grenze. Ansonsten gibt es eiweißarmes (spät geerntet, aber bitte auch kein Holz) Heu und Stroh. Eiweißreiches Kraftfutter ist verboten. Zur Kontrolle des Futterzustandes dient weniger die Fettschicht auf den Rippen, sondern der Zustand des Kammes. Er schwillt bei zu hohem Eiweißgehalt richtig dick an. Passiert das, sofort runter mit der Futterration. Ihr könnt auch, die Pulsation der Arterien an den Vorderbeinen direkt oberhalb/beidseitig des Fesselkopfes kontrollieren. Kräftiges Klopfen, das auch nicht über Nacht abklingt, bedeutet höchste Alarmstufe und Fasten und alle beiden Vorderhufe mehrmals am Tage ins Wasserbad. Kaltes Wasser bis zu dreißig Minuten. Beim Reiten jeden Bach ausnützen. Vermehrtes Reiten ist so ne zwiespältige Sache. Schwitzen baut zwar körpereigenes Eiweiß ab, aber nur wenn das Schwitzen schon sehr stark und lang andauert. Das bedeutet aber umgekehrt eine hohe mechanische Beanspruchung der Vorderbeine und damit auch wieder Rehegefahr. Ansonsten verläßt Eiweiß denn Körper nur über den Urin - das heißt auch Unterstützung der Nieren und Leberfunktionen; deren Störungen könnten auch eine mögliche Ursache für die Rehe sein. Außerdem hat die Rehe jede Menge giftiger Stoffwechselprodukte erzeugt, die aus dem Körper müssen. Wir haben dazu Gingko bilabo verwendet. Allerdings will und kann ich nicht ausschließen, daß diese Art der Entgiftung bei Skotti mal zu einer schweren Nierenkolik geführt hat, weil die Nieren nicht mehr mit den Stoffwechselprodukten fertig wurden. Kann aber auch zufällige Übereinstimmung gewesen sein. Das ist leider nicht feststellbar. Das meiste Eiweiß geht noch mit dem wenig wohlriechenden Zeugs ab, daß den Pferden so aus den Geschlechts- und Ausscheidungsorganen entweicht und als klebende Masse sich bei Wallachen am Schlauch und im Präputium ansammelt (=Smegma). Bei den Stuten ist das weniger ausgeprägt, aber auch da sammelt sich in der Pofalte bis hin zum Euter eine unangenehm riechende Masse an. Je mehr sich da bildet, um so höher ist der Eiweißgehalt im Pferd. Kammdicke, Pulsation am Fesselkopf und die Smegmabildung sind die immer zu kontrollierenden Frühindikatoren, welche auf einen möglichen Reheanfall infolge Überfütterung hinweisen. Sie dienen deshalb gut zur Futtersteuerung. Hinzu kommt noch die Temperatur der Hufwand und deren Klopfempfindlichkeit. Aber wenn da was festzustellen ist, seid ihr fast schon mitten im Reheanfall drin. Und nichts zu vergessen: Das geänderte Bewegungsverhalten und der gesamte Bewegungsablauf. Hufrehe fällt als Fütterungsrehe nicht von jetzt auf nachher vom Himmel. Wir Pferde spüren sie schon lange zuvor. Das Auftreten wird unangenehm. Konsequenz: Wir bewegen uns weniger, wir liegen mehr herum. Und wenn wir uns bewegen, dann als ob wir auf Reißnägel gingen. Je mehr die Zweibeiner uns kennen, desto früher nehmen sie derartige Veränderungen wahr und können reagieren, lange bevor wir mit unsagbaren Schmerzen wie ein Sägebock mit allen Vieren davongestreckt dastehen und freiwillig keinen Millimeter mehr zu bewegen sind. Da war z.B. Sjöfns Glück. Die Erfahrungen mit Skotti zehn Jahre zuvor ließen meinen Boß das drohende Unheil an ihren Bewegungen mehr erahnen als daß es soweit war, so daß mit einer Spritze innerhalb von drei Tagen alles vorbei war. Abgesehen von all den Vorsichtsmaßnahmen, die seit damals zu ihrem Leidwesen aufrechterhalten wurden.

Jeder Pferdehalter übernimmt mit seinem und für sein Pferd eine Verantwortung, der Rehepferdehalter die zehnfache. Es gilt wirklich, daß man als Halter mit einem Rehepferd jahrelang angebunden ist, wenn man dieser Verantwortung gerecht werden will und nicht sein Pferd unnötigen Qualen aussetzen will. Man ist zeitlich sehr angebunden, durch die begrenzte Art der Weidehaltung - aber auch im Winter ist Vorsicht angesagt, wir hatten auch mal im Dezember eine Rehe - , und man wird zwischen einem Wechselbad der Gefühle hinundhergerissen: Der Angst, das Pferd durch zuviel Futter zu gefährden, und der Angst, das Pferd wegen der ersten Angst vielleicht unnötig zu sehr einzuengen. Ist eine echt blöde Situation, an die man sich erst nach langer Zeit gewöhnt.

Eine Hufrehe ist ein echter Einschnitt in der Pferdehaltung, aber kein Weltuntergang. Mit einiger Disziplin kann euer Pferd uralt werden, ohne je wieder einen Reheanfall zu erleiden. Die Erfahrung zeigt aber auch, daß man die dazu erforderliche Härte und Konsequenz leider erst nach dem zweiten oder gar dritten Anfall aufbringt. Zuvor passiert es, daß man z.B. meint, ach was, es kann doch auch mal eine Stunde länger auf der Weide bleiben, morgen gibt's dann weniger. Das ist leider ein folgeschwerer Irrtum.

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Nachtrag 1: Die neueren Erkenntnisse der Medizin verlagern das Problem der Rehe immer mehr von den Einweißen weg hin zu den Kohlehydraten. Insbesondere ein bislang unbekannter Zucker Fructan genannt, gerät immer mehr in das Blickfeld als möglicher Reheauslöser. Fructan ist ein Speicherzucker, den die Pflanze bei der Assimilation immer dann bildet, wenn die Umstände derart beschaffen sind, daß die Pflanze aufgrund Sonnenscheins assimiliert und mehr Stärke produziert als sie verbraucht,z.B. an sonnigen, frostigen Frühjahrs- und und insb. Herbst-/Wintertagen, da die Pflanze da kaum wachsen will. Ohne Sonnenschein z.B. über Nacht wird der Speicherzucker wieder abgebaut. Das hat Konsequenzen für das Weidemanagement: Frühe und späte auf das Jahr bezogene Weidezeiten sind außer an verhangenen Regentagen verboten. Gefährdete Pferde kommen am besten über Nacht auf die Weide. Der häufig praktizierte Ansatz, gefährdete Pferde insbesondere auf stark abgeweidete Weiden zu stellen, ist insoweit zu überdenken, als eine stark abgefressene Pflanze erst einmal viel mehr Stärke produziert als sie zunächst zum Wachsen braucht. Hier stellt der Halter vor der schwierigen Frage: Hohe Fructankonzentration in kleiner Futtermenge kontra geringerer Fructankonzentration in großer Futtermenge auf einer nicht abgefressenen Weide bei gleicher Weidezeit.

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Nachtrag 2: All das vorstehend genannte Wissen hat nichts genutzt, um die schlimmste Rehe unseres Lebens zu verhindern, weil ungeachtet der nie klar erkannten Ursache drei Dinge zusammentrafen. Es gibt neben dem bekannten Erscheinungbild einer Rehe noch ein zweites weit weniger bekanntes Erscheinungsbild, die atypische oder schleichende Rehe. Bei dieser Form spielen sich im Huf all die bekannten zerstörenden Vorgänge ab, nur werden sie nach außen hin kaum ersichtlich. Das Pferd zeigt keine der typischen Symptome für Rehe. Es bewegt sich vielleicht ein bißchen weniger und dafür vorsichtiger beim Auftreten, aber so gering verstärkt, daß insbesondere bei nicht gerittenen Pferden dem Halter in der Regel nichts auffällt und die 48 Stunden, innerhalb derer eine Rehe chronisch wird, verpaßt werden. Die atypische Rehe befällt meistens auch alle vier Hufe, wodurch die Feststellung einer Lahmheit zusätzlich verstärkt wird. In der wenigen Literatur fanden wir denn auch den Hinweis, daß die atypische Rehe in der Regel zuerst fälschlicherweise als Hinterbeinlahmheit diagnostiziert wird, eine Erfahrung, die wir leider am eigenen Leib bestätigt bekamen. Zweitens passierte das alles ausgerechnet im Winter, als Schnee lag, der Boden also weich und naß war, sprich ein vorsichtiges Aufsetzen nicht gleich zu sehen war und die Kühlung den Vorgang verlangsamte. Und drittens hatten wir den Kopf voll wegen anderer Probleme, so daß viel Aufmerksamkeit auf andere Dinge gerichtet war und vielleicht auch daß Unterbewußtsein weitere Probleme verdrängen wollte, weil es einfach zuviel war. Und so ist es dann halt passiert. Näheres findet ihr dazu in unserem Tagebuch.

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Nachtrag 3: Nachdem nun einige Monate zwischen der oben erwähnten Katastrophe vergangen sind, beide Stuten wieder geritten werden und keine größeren Einschränkungen zu beobachten sind, insb. sich auch trotz der starken Hufbeinrotation bei Garun sich bislang kein typischer Rehehuf ausgebildet hat, können wir nun, was die Behandlung einer chronischen Hufrehe betrifft, nur folgendes empfehlen: Pferd schnellstens in eine Klinik bringen, wo anhand eines stationären Röntgengerätes die Stärke der bereits eingetretenen Veränderungen im Huf exakt festgestellt werden kann und wo das Pferd über einen Tropf die erforderlichen Medikamente in idealer Weise erhalten kann. Weiter: schnelle Korrektur des Hufes und Anbringung eines orthopädischen Beschlages durch einen erfahrenen Hufschmied nach Sichtung der Röntgenaufnahmen durch den Schmied noch in der Klinik. Korrektur heißt hier extremes Wegnehmen der Wand von Kronrand bis zur Zehe, um die Wand wieder parallel zum rotierten Hufbein zu bringen - ich weiß, daß jetzt einige laut aufschreien werden, weil es total andere Ansichten gibt, aber es hat in unserem Fall ganz offensichtlich geholfen -; orthopädischer Beschlag heißt hier Eisen mit eingeschweißten Steg, der anfangs mit Huflederkitt und später mit Erkosil unterfüttert wird. Das Eisen wird dabei nur mit den vorderen vier Nägel befestigt. Die Zehe wird zur Entlastung soweit gekürzt, daß sie frei über dem Eisen schwebt. Korrektur und Beschlag regelmäßig alle sechs Wochen durchführen. Ansonsten Pferd auf Diät setzen und weich stellen. Hufe elastisch halten. Es genügt dazu Wasser. Hufe mit Schlauch abspritzen oder in Wassereimer stellen (mehrmals am Tag für 30 Minuten). Ideal wäre ein Bach. Das Wasser hält nicht nur den Huf elastisch, sondern beeinflußt auch den Entzündungsprozeß, der noch lange nach dem Klinikaufenthalt weiteragiert, positiv, so daß die erforderliche Dosis an Phenylbutazon wegen der Nebenwirkungen so gering als möglich gehalten werden kann. Zu überlegen wäre, Phenylbutazon durch Ingwer zu ersetzen. Und starke Nerven für den Halter und viel Geduld.

Nachtrag 4: Und noch eine Erfahrung zum Thema Hufrehe, um die wir leider inzwischen reicher sind. Hufrehe, die so ganz unverständlich eintritt, weil die wohl häufigste Ursache Fütterung ausgeschlossen werden kann, deutet auf eine Vergiftung hin. Und dabei ist nicht nur an von außen aufgenommene sondern auch an körpereigene erzeugte Gifte zu denken, wie sie z.B. als Folge einer Dickdarmverstopfung auftreten können. Die infolge der Dickdarmverstopfung entstehenden Stoffwechselprodukte bleiben in den dünnen Kapillaren im Huf stecken und lösen die Rehe aus, und das schon, bevor man die Verstopfung überhaupt als solches diagnostiziert. Hufrehe ist eine typische Begleiterscheinung einer Dickdarmverstopfung. Also denkt an diese Möglichkeit, wenn eine Hufrehe so scheinbar grundlos eintritt und das Pferd gleichzeitig Probleme bei der Futteraufnahme (Appetitlosigkeit) und beim Kotabsatz (Durchfall bis nur Brühe) hat.

Nachtrag 5: Es gibt inzwischem im Internet eine Website nur zum Thema Hufrehe einschließlich einem Diskussionsforum. Ihr findet sie unter der URL www.hufrehe.de

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