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Gewußt wie! - Basiswissen für den Pferdehalter

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Der Nageltritt gehört zu den Huferkrankungen. Der Nageltritt i.e.S. ist eine Verletzung des von der Hornkapsel umschlossenen Hufes durch Eindringen von spitzen Gegenständen wie Nägeln, Schrauben oder starren Drähten in die Bodenfläche des Hufes sei es durch die Sohle, den Strahl oder die Strahlfurchen. I.w.S. wird mit Nageltritt jede Form der Verletzung des Hufes durch eingedrungene Fremdkörper jeglicher Art wie z.B. scharfkantige Bleche oder Scherben bezeichnet. Die nachfolgenden Ausführungen beschränken sich ausschließlich auf den Nageltritt, im folgenden einfach nur Nageltritt genannt. Nageltritte i.w.S. stellen Hufwunden dar. Hufwunden unterscheiden sich vom Nageltritt aufgrund der deutlichen Verletzung an der Oberfläche der Hornkapsel in ihrer Erkenntbarkeit und in ihrer Ernsthaftigkeit. Das Pferd wird in der Regel auf Grund der Verletzung sofort lahm gehen, der Reiter wird umgehend den Tierarzt informieren. Nageltritte führen häufig erst nach Tagen zu Lahmheiten. Unter Umständen steckt der Nagel noch nicht einmal im Huf, wenn er im Gelände senkrecht aus einem halbwegs eingegrabenen Holzbrett herausgeragt hat, so daß der Nageltritt auch bei beginnender Lahmheit zunächst überhaupt nicht als Nageltritt in Erscheinung tritt. So wurden rund 50% aller Nageltritte in den Jahren 1986-1999 als Lahmheiten unbekannter Ursache in der Klinik der Uni Gießen vorgestellt. Oder der Reiter hat den eingetretenen Nagel herausgezogen. Da sich der Einstichkanal sehr schnell schließt und das Pferd nicht lahm geht, läßt er den Nageltritt auf sich beruhen. Wegen dieser so häufig vorzufindenden Unterschätzung des Nageltritts ist dieser im Vergleich zu Hufwunden deutlich gefährlicher einzustufen. Nageltritte bedürfen im Gegensatz zu Hufwunden einer zusätzlichen Diagnose, was Lage und Tiefe der Verletzung und damit der betroffenen Hufstrukturen betrifft und in Abhängigkeit der verletzten Strukturen im Huf einer differenzierteren Behandlung als Hufwunden.

Der Nageltritt ist ein echter Notfall, da durch den eindringenden Fremdkörper immer Bakterien in den Huf gelangen und dort unbehandelt zu schweren Infektionen wie eitrige Huflederhautentzündung (Pododermatitis infectiosa), Hufabzesses (Pododermatitis purulenta), Hufgelenksentzündung (Podarthritis purulenta), Hufrollenentzündung (Podotrochlitis infectiosa) führen. Zusätzlich können Phlegmonen entstehen. Ferner besteht die Gefahr, daß das Hufbein, das Strahlbein, die tiefe Beugesehne, das Strahlbein-Hufbein-Band (lig. impar) oder der Hufrollenschleimbeutel (Bursa podotrochlearis) verletzt worden sind. Insofern ist der Nageltritt immmer ein Fall für den Tierarzt.

Da das Eindringen des Fremdkörpers für das Pferd nicht oder nur geringartig schmerzhaft ist, besteht die Gefahr den Nageltritt zunächst zu übersehen, insbesondere dann wenn der Fremkörper nicht steckenbleibt oder nach dem Ausritt die Hufe nicht gesäubert werden, um dabei einen eingedrungenen Fremdkörper zu entdecken. Ich - Ofsi, wer denn sonst - bin gerade mal ein paar Schritte unsauber gegangen, als ich draußen im Gelände versteckt im Gras mitten auf dem Weg auf ein Brett getreten bin, aus dem ein Nagel senkrecht herausgeragt hat. Dann waren schon wieder alle Anzeichen weg. Außer dem Blutstropfen auf der Sohle. Aber der reichte, daß mein Boß einige Meter zurückging und das Brett samt Nagel fand. Damit war dann alles klar. Wird der Nageltritt hingegen übersehen, sind die ersten Anzeichen meist eine verändert Fussung. Je nachdem wo der Fremdkörper eingedrungen ist (Sohle oder Strahl) wird das Pferd bevorzugt mit der Hufspitze oder umgekehrt mit den Trachten aufsetzen bzw. im letzten Fall die Belastung der Gließmaße sogar weitgehend vermeiden. Eine ausgeprägte (Stützbein)Lahmheit tritt oft erst nach Tagen auf, wenn entstehendes Wundsekret durch den durch quellförmiges Horn verschlossenen Stichkanal nicht nach außen abfließen kann und ins umgebende Gewebe gedrückt wird. Da die Hornkapsel kaum nachgeben kann, entsteht wie bei einer Hufrehe ein starker Druck in der Hornkapsel, der für das Pferd sehr schmerzhaft ist, und Ursache für die beobachtbare Lahmheit ist. Wird erst jetzt der Tierarzt gerufen, kann bereits umfangsreiches Gewebe irreparabel zerstört sein. Weitere mögliche Symptome: Blutspuren an der Eintrittsstelle, pochender Puls an der Mittelfußarterie am Fesselkopf, erwärmter Huf, Lustlosigkeit und Freßunlust aufgrund des Schmerzes, erhöhte Körpertemperatur, Herz- und Atemfrequenz infolge der Infektionen.

Auslösend für die Infektionen sind Bakterien, welche mit dem Fremdkörper in den Huf eindringen. Sie können sich sehr schnell vermehren und ins Hufinnere vordringen, da sie durch den schnellen Verschluß des Stichkanal durch quellförmiges Horn ideale Lebensbedingungen vorfinden - Sauerstoff würde sie abtöten - und es im Bereich Hufbein, Strahlbein oder der tiefen Beugesehne keine gut funktionierende Immunabwehr wie in vergleichsweise gut durchblutetem Gewebe gibt. Wird die entstehende eitrige Huflederhautentzündung nicht behandelt, greift die Infektion rasch auf Hufbein, Strahlbein, Hufgelenk, die tiefe Beugesehne oder den Hufrollenschleimbeutel über. Jetzt droht selbst bei einer Operation chronische Lahmheit. Sollte Eiter am Kronsaum durchbrechen, besteht die Gefahr des Ausschuhens, d.h. der Ablösung des Hornschuhs.

Häufig erlaubt bereits die Lage der Eintrittsstelle und die Länge des eingedrungenen Fremdkörpers einen Rückschluß auf die verletzten Strukturen. Gefährlicher als im Sohlenbereich sind Eintrittstellen im Strahl und den Strahlfurchen einzuschätzen, da hier leicht tiefere und synoviale Strukturen verletzt werden können.

1a, 1bFremdkörper bleibt in der Hornsohle bzw. dem Hornstrahl stecken.
2Fremdkörper dringt über die Hornsohle in die Huflederhaut ein.
3Fremdkörper dringt über die Spitze der Hornsohle durch die Huflederhaut in das Hufbein ein.
4 Fremdkörper dringt über den Mittelstrahl durch die Huflederhaut in die tiefe Beugesehne ein.
5Fremdkörper dringt über die seitliche Strahlfurche durch die Huflederhaut und die Beugesehne in den Hufrollenschleimbeutel und evtl. das Strahlbein ein.
6Fremdkörper dringt durch die Huflederhaut in das Strahlpolster ein.
7Fremdkörper dringt über Strahlspitze durch die Huflederhaut in das Hufgelenk ein.

Die beschriebenen Fälle lassen sich zu folgenden erkrankten Strukturen zusammenfassen:

Oberflächliche StrukturenStrahl- und Sohlenlederhaut1a, 1b, 2
Tiefere StrukturenStrahl- und/oder Ballenpolster
Tiefe Beugesehne
Hufbein
6
4
3
Synoviale StrukturenHufrollenschleimbeutel
Hufgelenk
5
7

Der Tierarzt wird deshalb in Abhängigkeit von der Lage der Eintrittsstelle, der Richtung des Stichkanals und der Länge des Fremdkörpers weitere Untersuchungen vornehmen, wenn er befürchtet, daß mehr als nur oberflächliche Strukturen verletzt sein können. Steckt der Fremdkörper noch im Huf, kann der Tierarzt durch Röntgen (1-1, d-p) Lage und Tiefe der Verletzung feststellen und dementsprechende Maßnahmen ergreifen. Blieb der Fremdkörper nicht stecken oder wurde er entfernt, ist eine Röntgenkontrastuntersuchung erforderlich. Das Kontrastmittel wird entweder über den Stichkanal oder über den Hufrollenschleimbeutel eingebracht. Bei Einbringung über den Stichkanal besteht die Gefahr, daß eingedrungener Schmutz weiter vorangetrieben wird. Bei Einbringung über den Schleimbeutel kann obendrein ein höherer Druck ausgeübt werden. Die genaueste Diagnose erlaubt die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), welche allerdings ohne Vollnarkose bislang nur in drei Kliniken in Deutschland am stehenden nur sedierten Pferd durchgeführt werden kann. Anhand der eingesetzten bildgebenden Verfahren kann festgestellt werden, ob nur oberflächliche oder auch tiefere Strukturen im Huf verletzt worden sind. Besteht der Verdacht auf eine Verletzung des Hufgelenks - hochgradige Lahmheit mit Entlastung des Beins im Stand und zirkuläre koronäre Phlegmone - , kann durch eine heterotope Punktion des Hufgelenks und Abfluss der Spülflüssigkeit (Ringer-Lösung oder Kochsalz-Lösung) über den Stichkanal der Diagnose gesichert werden. Die Möglichkeiten einer Synoviaanalyse nach Gelenkpunktion werden hingegen kontrovers diskutiert.

Wie behandelt der Tierarzt? Auf jedenfall wird er sich nach dem Tetanusimpfschutz erkundigen und im Zweifelsfall Tetanusserum spritzen, wegen der Infektionsgefahr Antibiotika spritzen (systemisch, regional, lokal) und entzündungshemmende Medikamente (nichtsteoridale Antiphlogistika) überreichen, nach einer genauen Untersuchung der Eintrittsstelle einschließlich der evtl. Entfernung des Fremdkörpers dieselbe trichterförmig erweitern, damit Eiter und Sekret abfließen kann, sie desinfizieren, gegebenenfalls zerstörtes Gewebe entfernen - im Zweifelsfalle chirugisch in der Pferdeklinik in Allgemeinanästesie einschließlich einer antibiotischen Gelenksspülung, wenn ein Gelenk beschädigt sein könnte -, und einen Verband anlegen, der häufig gewechselt werden muß. Beim Verbandswechsel wird die Wunde entweder mit Jodoformether oder Penicillin-Sulfonamid-Pulver versorgt. Auch das Anbringen eines Anguss-Verbandes zur Förderung der lokalen Abwehrkräfte durch die entstehende feuchte Wärme bzw. zur Hornerweichung für eine evtl. erforderliche Operation wird erwähnt. Wenn der Tierarzt gleich verständigt wurde und der Nagel nur bis in die Lederhaut eingedrungen ist, ist das Pferd im allgemeinen bereits wieder nach zwei Wochen einsatzbereit. Bei verschleppten Infektionen oder gar bei Knochen-/Gelenksbeteiligung kann es dagegen bis zu fünf und sechs Monate dauern. Mögliche Komplikationen, die insbesondere bei Verschleppung auftreten: Hufbeininfektion mit anschließend erforderlicher Kürettage (oberflächliche Abtragung von Knochenhautveränderungen miteiner Kurette oder einem sog. scharfen Löffel) des Hufbeins, Ostitis mit anschließender Hufbeinsenkung bei osteolytischen Defekt am Hufbein, Podotrochlitis infectiosa (Hufrollenentzündung) mit Osteolyse (Knochenabbau) im Strahlbein, eitrige Hufgelenksentzündung (Poarthritis), Fokalherde (versteckte durch Bakterien/Viren ausgelöste Infektionen, die sich an den Stellen, wo sie existieren, nicht bemerkbar machen), Osteomyelitis (infektiöse Entzündung des Knochenmarks), Belastungsrehe des kontralateralen Beines. Die klassische Nageltrittoperation, bei denen man sich über die Öffnung des Hufes durch den Strahl Zugang zu tieferen und synovialen Strukturen verschafft, soll mit einem großen chirugischen Trauma verbunden sein und häufig zu einem schlechten Ergebnis führen. Mit chronischer Lahmheit ist hier immer zu rechnen. Die Bursoskopie (Arthroskopie nicht präformierter Räume) als mögliche Therapieform chronischer Bursitiden durch Extirpation soll bei einer Verletzung des Hufrollenschleimbeutels deutlich bessere Ergebnisse bieten. Die Diskussion, ob die Verletzung des Hufgelenks oder eher die Verletzung der tiefen Beugesehne bzw. des Schleimbeutels zu einer infausten Prognose (keine Heilung möglich, Euthanasie ist zu empfehlen), verläuft jedoch sehr kontrovers. Ist die durch den Nageltritt und seine Behandlung entstandene Wunde überhornt, erhält das Pferd meistens einen Hufbeschlag mit Ledersohle.

Und die Moral von der ganzen Geschicht: Achtet auf Nageltritte und nehmt sie nicht auf die leichte Schulter. Innerhalb von 1-2 Tagen als solcher erkannt, genügt meistens das Umschneiden des Stichkanals in Kombination mit der Verabreichung von Antibiotika. Ist der Nageltritt erst einmal verschleppt, muß demarktiertes Gewebe im Gesunden operativ entfernt werden, um die Ausbreitung der Infektion zu stoppen. Die Dauer der Behandlung und die Prognose des Behandlungserfolgs hängen demnach unmittelbar von der Zeit zwischen dem Beginn der Behandlung und dem Eintritt des Fremdkörpers ab.

Und last not least die immer wieder diskutierte Frage: Soll ich den eingedrungenen Fremdkörper an Ort und Stelle belassen oder entfernen? Die Frage stellt sich insbesondere dann, wenn der Nageltritt sich beim Ausritt im Gelände ereignet. Grundsätzlich sollte der Fremdkörper nicht entfernt werden, es sei denn, es besteht die Gefahr, daß der Gegenstand noch weiter eindringt. Also einen Nagel, der bis zum Kopf in der Sohle sitzt, bleibt stecken, ein Nagel, der noch halb raus ragt, sollte entfernt werden. Bei steckengelassenem Nagel kann der Tierarzt per Röntgenbild später feststellen, welche Strukturen durch den Nagel verletzt worden sind. Wird der Nagel entfernt, verschließt quellförmiges Horn den Stichkanal und macht die Eintrittsstelle unkenntlich. Merkt euch deshalb auf jeden Fall vor der Entfernung die Stelle des Eindringens (am bestens mit dem Taschenmesser die Sohle anritzen) und Richtung, wie der Nagel in die Sohle/Strahl eingedrungen ist, und nehmt den Nagel mit, um ihn dem Tierarzt zu zeigen. Im übrigen läßt sich ein fest eingetretener Nagel mit bloßen Händen sehr schlecht entfernen. Wird der Fremdkörper wegen der Gefahr des weiteren Eindringens entfernt, so sollte um das Eindringen weiteren Schmutzes/Erde zu verhindern ein provisorischer Hufverband angeflegt werden, bevor das Pferd Richtung Stall geführt wird.

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