Vortrag von Dr. med. Beyerlein-Buchner: Die Versuchung der Drogen

Fast alle Jugendlichen sind drogengefährdet

Wachsamkeit angemahnt

Gut einhundertfünfzig Zuhörer, Lehrer, Eltern und Schüler, begrüßte Oberstudiendirektor Hans Sonnentag am Dienstag im Forum des Copernicus-Gymnasiums in Philippsburg zum Vortrag von Dr. med. Beyerlein-Buchner über „Die Versuchung der Drogen“, zu dem außer der Schule auch der Freundeskreis geladen hatte. Auch wenn die Welt in Ordnung scheine, sei Wachsamkeit geboten: Damit forderte der Schulleiter die Anwesenden zur Auseinandersetzung mit der Drogenproblematik auf.
  Der Referent des Abends hat sich als leitender Internist und Ärztlicher Direktor der Asklepios Südpfalzklinik Germersheim jahrelang mit dem Thema Suchtmedizin befasst und fühlt sich in seiner Eigenschaft als Vater dreier schulpflichtiger Kinder und Elternbeiratsvorsitzender des Goethe-Gymnasium Germersheim in besonderer Verantwortung.
  Vier Grundaussagen stellte der Redner seinen übersichtlich gegliederten Ausführungen voran. Demnach wird die Haltung gegenüber Alkohol und Drogen schon sehr frühzeitig, vor der Pubertät geprägt. Je früher dann mit dem Konsum legaler Drogen begonnen werde, desto wahrscheinlicher entstehe eine Abhängigkeit und desto wahrscheinlicher finde ein Umstieg auf harte Drogen statt. Jugendlichen diene Drogenkonsum oft als Provokation oder Opposition, er erfolge aber auch aus Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Fürsorge. Dabei nähmen sie den Gruppendruck, unter dem sie stehen, oft nicht wahr. In einer Umwelt, die suggeriert, dass man mit Hilfe von Drogen Schwierigkeiten überwindet, seien fast alle Jugendliche drogengefährdet.
  In seinen weiteren Erläuterungen stellte der Mediziner verschiedene Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale als besonders gefährdend heraus. Mit Suche nach Anerkennung, Risikofreudigkeit, Neugierde und Langeweile nannte er Merkmale, die bei Jugendlichen wohl häufiger anzutreffen sind, während spezifische Familiengeschichten, damit meinte er die Tatsache, dass in manchen Familien gehäuft Suchtprobleme auftreten, schulische Probleme und häusliche Problemlagen auf kleinere Gruppen zutreffen dürften. Besonders hob der Vortragende jedoch eine unklare Haltung der Eltern zu Drogen als ein Risiko hervor.
  Wie in seinen weiteren Ausführungen erkennbar wurde, macht Dr. Beyerlein-Buchner dabei keinen Unterschied zwischen legalen und illegalen Drogen. In seiner Übersicht über Drogen, die er in Aufputschmittel, Betäubungsmittel und bewusstseinsverändernde Mittel untergliederte, stellte er ausdrücklich Nikotin und Alkohol heraus.
  Die meisten Menschen würden Rauchen nicht als Drogenmissbrauch ansehen. Dabei fordere Tabak die meisten Opfer überhaupt. Nikotin sei eine Substanz mit einem Suchtpotential, das nur mit Kokain und Heroin vergleichbar sei. 38% aller Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren würden rauchen, obwohl Raucher mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko rechnen müssten und damit, dass ihr Aussehen beeinträchtigt werde. Rauchen schade außerdem dem ungeborenen Leben und schließlich seien Kinder, die in einem Haushalt mit Raucher leben, öfter krank. Zwar treten Gesundheitsschäden erst durch Langzeitkonsum auf, aber nur wenige Menschen, die mit dem Rauchen begonnen haben, werden nicht abhängig.
  Der Redner betonte, dass Jugendliche durch Alkohol besonders gefährdet seien, und befürwortete ausdrücklich die entsprechenden Einschränkungen für Jugendliche durch das Jugendschutzgesetz. Die Droge Alkohol ist leicht erhältlich und wegen des niedrigen Preises für Jugendliche erschwinglich. Alkoholkonsum beeinträchtige sowohl die körperliche als auch die seelische Entwicklung der Jugendlichen. Eine Abhängigkeit bilde sich bei Kindern und Jugendlichen besonders schnell heraus. Alkohol führe aber auch zu weiterem Problemverhalten. So erinnerte Dr. Beyerlein-Buchner an die bekanntlich hohe Todesrate Jugendlicher durch Verkehrsunfälle, aber auch durch Mutproben und Selbstmorde, Todesursachen, die fast immer in Verbindung mit Alkoholkonsum stehen.
  Von den illegalen Drogen wurde die Problematik von Haschisch erläutert. Hier würden die Konsumenten immer jünger. Haschisch führe nicht nur zu körperlichen und seelischen Schäden, sondern auch zu sozialen Schäden, da es zu einem regelrechten Drogencharakter führe. Im Einzelnen führte der Referent Lernstörungen, Sexualstörungen, Störungen des Immunsystem und eine Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens als Folgen des Hachischkonsums an und verwies ausdrücklich auf seine erschreckenden Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen aufgrund der oft verharmlosten Droge hin.
  Jugendliche müssten in der Lage sein, zu einem Erstkontakt „Nein“ zu sagen, Eltern könnten durch ihr gutes Beispiel und die von ihnen gelebten Werte dabei helfen. Sie sollten als Vorbeugung mit ihren Kindern offen über die Gefahren des Drogenkonsums reden, sie müssten ihren Kindern aber auch offen zuhören. Sicherheit vor Drogen biete bei Jugendlichen die Entwicklung eines Selbstvertrauens und die Übernahme eines glaubwürdigen Wertesystems. Dabei helfe es, wenn Eltern positive Handlungsansätze ihrer Kinder unterstützen würden. Unsicherheiten könnten durch Kontakte zu anderen Eltern abgebaut werden. Schließlich riet der Referent Eltern Hinweise von Freunden und Lehrern Ernst zu nehmen.
  An dieser Stelle wurde aus dem Kreis der Zuhörer die Frage nach Verhalten der Schule bei Drogenproblemen gestellt. Oberstudiendirektor Sonnentag verwies auf die gerade stattfindenden Veranstaltungen des Suchtpräventionslehrers der Schule in den achten Klassen und sicherte die Hilfe der Schule zu. Aus seiner Erfahrung könne einzelnen Schülern durchaus zu einer Rückkehr zu einem normalen Leben und einem folgenden Schulerfolg verholfen werden. Die Schule gehe solche Fälle mit Diskretion an. Stelle ein Schüler jedoch eine Gefahr für seine Mitschüler dar, weil er zum Beispiel Drogen weitergebe, ergreife die Schule unverzüglich die gebotenen Ordnungsmaßnahmen zum Schutz der Mitschüler. Bei der Drogenproblematik käme es zudem zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Polizei.
  Im Folgenden versuchte der Referent die sicher drängende Frage der Eltern zu beantworten, wie man Drogenkonsum bei Jugendlichen erkennen könne. Ein Hinweis seien auffällige Veränderungen in der äußeren Erscheinung und bei Ess- und Schlafgewohnheiten. Hinweise könnten aber auch bestimmte Verhaltensweisen liefern: Stimmungsschwankungen, Feindseligkeit, Verantwortungslosigkeit, die Suche nach Schuldigen und Ausflüchten, Gedächtnisschwund, Aufmerksamkeitsverlust und Gedankenverwirrung. Schlechte Noten können nicht nur Ursachen, sondern auch Folgen von Drogenkonsum sein. In der Schule fallen diese Schüler durch fehlende Hausaufgaben, Zuspätkommen, unentschuldigtes Fehlen, Einschlafen im Unterricht und Disziplinschwierigkeiten auf. Schließlich wechseln Drogenkonsumenten oft ihre Freunde und ihre Interessen ändern sich deutlich.
  Zum Schluss relativierte Dr. Beyerlein-Buchner seine Aussagen zu Alkohol. Alkohol sei seit Jahrhunderten ein Bestandteil unserer Kultur. Soziale Kontrolle erziehe zu mäßigem Genuss, der nicht verteufelt werden dürfe. In Maßen habe er auch medizinische Wirksamkeit.

Das rege Interesse der Zuhörer äußerte sich in zahlreichen Zwischenfragen der Besucher, zu denen der Redner immer wieder aufforderte. Beifall dankte ihm für seinen interessanten und nachdenkenswerten Vortrag. Material von diesem Abend zu Sucht und Drogen kann über den Suchtpräventionslehrer der Schule, Wendel Lehr, bezogen werden. Der Schulleiter kündigte an, dass die Schule und der Freundeskreis dem anhaltenden Interesse an weiteren Informationen über Drogen durch eine Veranstaltung mit einem Referenten der Kriminalpolizei zu Beginn des nächsten Schuljahres entgegenkommen wird.

W. Lehr

 

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