Bertolt (Bert) Brecht
eigentl. Berthold Eugen Friedrich Brecht
Lebensdaten Werk
begraben: Berlin,
Dorotheenstädtischer Friedhof |
|
Sohn des kaufmännischen Angestellten, späteren Prokuristen und Direktors der Haindl´schen Papierfabrik Berthold Friedrich Brecht (1869-1939) und seiner Frau Sophie geb. Brezing (1871-1920).
1917-21 |
Beziehung zur Arzttochter Paula ("Bi") Banholzer (1901-1989); Sohn: Frank (1919-1943, gefallen in Russland) |
1922-27 |
Ehe mit der Opernsängerin Marianne Zoff (1893-1984, Halbjüdin; 1928 2. Ehe mit dem Schauspieler Theo Lingen); Tochter: Hanne Marianne (Hiob) (*1923) |
1929 |
Heirat mit der Wiener Prokuristen-Tochter Helene Weigel (1900-1971, Jüdin); Sohn Stefan (*1924), Tochter Barbara (*1930) |
Antibürger, ab
1926 überzeugter Marxist, umstrittener und unbequemer moderner Klassiker; einer der
einflussreichsten Dramatiker und Lyriker des 20. Jhs. Lange Jahre meistgespielter Autor
auf deutschen Bühnen. Das Thema seiner Stücke ist die Kritik an der
bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Die politische Haltung seiner letzten
Lebensjahre - vor allem hinsichtlich seines Verhältnisses zu den DDR-Machthabern - ist
umstritten: B. entscheidet sich nach dem Krieg für die DDR, ist überzeugt, dass nur ein
sozialistisches Deutschland Zukunft haben könne.
Kritische Stimmen weisen auf sein wirklichkeitsfremdes, die Welt stark vereinfachendes
Denken, auf seine allzu rationalistische Geisteshaltung hin; Max Frisch spricht von der "durchschlagenden
Wirkungslosigkeit" des "Klassikers Brecht".
Begründer des "epischen Theaters": B. stellt der "klassischen" ("aristotelischen") Form des Theaters die "epische" ("nicht-aristotelische") gegenüber; sein pädagogisches Theater will den Eindruck von der "Wirklichkeit des Spiels" zerstören (Verwendung desillusionierender Mittel, sog. "Verfremdungseffekte": rampenlose Bühne, Zwischentexte, Songs, kommentierende Sprecher, Plakate etc.), um so ein komplexes Weltbild darstellen und mit Hilfe von Kommentaren die Richtung des zu Lehrenden angeben zu können. Die "neue Bühne" hat so den Illusionscharakter des bürgerlichen Theaters abgeschafft, will den Zuschauer vom kulinarischen Genießer zum Betrachter machen, seine intellektuelle und moralische Entscheidung erzwingen.
Auszeichnungen:
1922 |
Kleist-Preis für Trommeln in der Nacht |
1951 |
Nationalpreis 1. Klasse der DDR |
1954 |
Internationaler Stalin-Friedenspreis |
1904-08 |
Volksschule. |
1908 |
Peutinger-Realgymnasium Augsburg. |
|
1916 |
Androhung des Schulausschlusses wegen eines pazifistischen Schulaufsatzes (über Horazens Dulce et decorum est pro patria mori - süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben). |
1917 |
Erste
Begegnung mit Paula Banholzer. |
1918 |
Kriegsdienst in einem Augsburger Seuchenlazarett. Fortsetzung des Studiums in München. Freundschaft mit Feuchtwanger und Becher. |
|
1919 |
Theaterkritiken für
den Augsburger Volkswillen (bis 1920); in einer Literatengruppe im Café
Stephanie in München. Mitwirken in Trude Hesterbergs Wilder Bühne
und Karl Valentins Theater. Exmatrikulation. |
|
1920 |
1.5.: Tod der Mutter. Freundschaft mit Karl Valentin. Aufenthalte in Berlin, um sich als Autor durchzusetzen. |
|
1921 |
In Berlin Bekanntschaft mit Arnolt Bronnen (Namensänderung Bertolt analog zu Arnolt). |
1922 |
3.11.: Heirat mit Marianne Zoff. |
1923 |
12.3.: Geburt der Tochter Hanne Marianne. Dramaturg an den Münchener Kammerspielen. Beim Hitlerputsch zusammen mit Feuchtwanger auf der Verhaftungsliste. In Berlin erste Begegnung mit Helene Weigel. |
1924 |
Endgültige
Übersiedlung nach Berlin; zusammen mit Carl Zuckmayer als Dramaturg an Max Reinhardts
Deutschem Theater (bis 1926). Gründliche
Marx-Studien. Beginn der Zusammenarbeit mit Elisabeth Hauptmann. |
1926 |
Erste Konzeption des "epischen Theaters". |
|
1929 |
Bekanntschaft mit Walter Benjamin. Heirat mit Helene Weigel. |
1930 |
Mai: zur Erholung in Le Lavandou, Provence; anschließend in einem Münchener Sanatorium. 18.10.: Geburt der Tochter Maria Barbara. |
1931 |
Zusammentreffen mit Kurt Weill und Walter Benjamin in Le Lavandou. |
1932 |
Arbeits- und Liebesbeziehung mit Margarete Steffin (1908-1941). |
1933 |
28.1.: Aufführung der Maßnahme in Erfurt wird von der Polizei abgebrochen; Verfahren wegen Hochverrats gegen die Veranstalter; 28. Februar: am Tag nach dem Reichstagsbrand Flucht der Familie (zusammen mit Margarete Steffin) aus Deutschland über Prag, Wien nach Zürich. April - Sept.: in Carona (Tessin). Mai: öffentliche Verbrennung der Bücher Brechts durch die Nazis. In Sanary-sur-Mer Zusammentreffen mit den Brüdern Mann, Feuchtwanger, A. Zweig und Toller; Paris; Übersiedlung nach Skovbostrand bei Svendborg auf der dänischen Insel Fünen. |
1935 |
Reise nach Moskau. Juni: offizielle Ausbürgerung durch die Nationalsozialisten; Reisen nach Paris und New York. |
1936 |
New York; London. Redaktion der Monatsschrift Das Wort (Moskau) zusammen mit Feuchtwanger und Bredel (bis 1939). |
1938 |
Juli: Expressionismus-Realismus-Debatte im Wort (Auseinandersetzung mit Lukács). |
1939 |
Apr.: Übersiedlung auf die Insel Linigö bei Stockholm. 20.5.: Tod des Vaters. |
1940 |
Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Dänemark und Norwegen Flucht nach Helsinki; Juli - Okt. in Marlebäk, dem Gut der Dichterin Hella Wuolijoki. |
1941 |
Mai: im Sibirienexpress über Moskau (Tod Margarete Steffins; Tuberkulose) nach Wladiwostok; Juni: von dort aus mit dem Schiff in die USA: San Pedro/Kalifornien; Haus in Santa Monica (Feuchtwanger, Lorre, Kortner, Lang, L. Frank, Huxley, H. Mann, H. Marcuse, Döblin u.a.); Freundschaft mit Charlie Chaplin. |
|
1946 |
Mit Charles Laughton Übersetzung und Inszenierung von Leben des Galilei. |
1947 |
Okt.: Verhör wegen "unamerikanischen Verhaltens" in Washington; danach Abflug über Paris nach Zürich. |
1948 |
Haus am Züriberg am Zürcher See; Einreisegenehmigung nach Westdeutschland wird von den alliierten Behörden abgelehnt; mit tschechischem Pass über Prag nach Ostberlin. Okt.: Haus in Weißensee; Generalintendant des Deutschen Theaters. |
1949 |
Zusammen mit Helene Weigel Gründung des Berliner Ensembles. |
1950 |
Apr.: österreichische Staatsbürgerschaft; Haus in Buckow. |
1953 |
Mai: Wahl zum Präsidenten des PEN-Zentrums (Ost und West). Anlässlich des Aufstandes am 17. Juni Brief an Ulbricht: Zustimmung zum Eingreifen der Staatsmacht. Herbst: Umzug in das Hinterhaus Chausseestr. 125. |
|
1954 |
In Moskau persönliche Entgegennahme des Stalin-Preises. |
1955 |
Kauf eines Hauses in Dänemark. |
1956 |
Mai: in der Charité infolge einer Grippe-Erkrankung; 10. August: letzte Theaterprobe für die Galilei-Aufführung des Berliner Ensembles. 12. Aug.: Herzinfarkt; 14. Aug.: Tod in der Charité. |
Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in;
F = Fassung)
Dramen
1914 |
Die Bibel. Drama in 1 Act (u.d. Pseudonym Bertold Eugen) |
1922 |
Baal (3. F. u.d.T.: Lebenslauf des Mannes Baal) |
1922 |
Trommeln in der Nacht. Komödie |
1961 |
Die Kleinbürgerhochzeit (Einakter; urspr. Titel: Die Hochzeit) |
1965 |
Der Bettler oder Der tote Hund (Einakter) |
1966 |
Er treibt einen Teufel aus (Einakter) |
1966 |
Lux in Tenebris (Einakter) |
1966 |
Der Fischzug (Einakter) |
1927 |
Im Dickicht der Städte. Der Kampf zweier Männer in der Riesenstadt Chicago. Schauspiel (usrpr. T. Im Dickicht) |
1924 |
Leben Eduards des Zweiten von England. Historie (nach Marlowe; zus. mit Lion Feuchtwanger) |
1926 |
Mann ist Mann. Lustspiel |
1928/29 (a Berlin) |
Die Dreigroschenoper (Musik: Kurt Weill; nach John Gay´s The Beggar´s Opera, 1728) |
1929 |
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Oper (Musik: Kurt Weill) |
1929 |
Der Flug der Lindberghs. Ein Radiolehrstück für Knaben und Mädchen (2. F. 1930; urspr. T.: Lindbergh; a u.d.T. Der Lindberghflug; 1950 u.d.T. Der Ozeanflug) (Musik: Kurt Weill) |
1929 |
Das Badener Lehrstück vom Einverständnis (2. F. 1930; urspr. T.: Lehrstück) (Musik: Paul Hindemith) |
1930/31 |
Der Jasager und Der Neinsager. Schulopern (Musik: Kurt Weill) |
1930 |
Die Maßnahme. Lehrstück (Musik: Hanns Eisler) |
1931 |
Die heilige Johanna der Schlachthöfe |
1937 |
Die Ausnahme und die Regel. Lehrstück |
1933 |
Die Mutter. Nach Gorki. Schauspiel |
1933
e |
Die sieben Todsünden der Kleinbürger. Ballett (Musik: Kurt Weill) |
1936 |
Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder Reich und Reich gesellt sich gern. Ein Greuelmärchen |
1936 |
Die Horatier und die Kuratier. Schulstück |
1945 |
Furcht und Elend des Dritten Reiches. 24 Szenen (a u.d.T. 99%) |
1937 |
Die Gewehre der Frau Carrar |
1948 |
Leben des Galilei. Schauspiel (a u.d.T. Galileo Galilei) |
1949 |
Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg |
1940 |
Das Verhör des Lukullus. Radiostück (1951, 1950 e Das Verhör des Lukullus. Oper in 12 Bildern; Musik: Paul Dessau; a u.d.T. Die Verurteilung des Lukullus) |
1966 |
Dansen. Einakter (a u.d.T. Dansen I) |
1966 |
Was kostet das Eisen? Einakter (u.d.Ps. John Kent; urspr. T.: Kleine Geschäfte mit Eisen) |
1953 |
Der gute Mensch von Sezuan. Parabelstück |
1950 |
Herr Puntila und sein Knecht Matti. Volksstück |
1957 |
Der aufhaltsame Aufsteig des Arturo Ui. Parabelstück |
1956 |
Die Gesichte der Simone Machard (zus. m. Lion Feuchtwanger) |
1959 |
Schweyk im Zweiten Weltkrieg |
1949 |
Der kaukasische Kreidekreis |
1949 |
Die Tage der Commune |
1967 |
Turandot oder der Kongreß der Weißwäscher |
1948 a Chur |
Die Antigone des Sophokles. Nach der Hölderlinschen Übertragung für die Bühne bearbeitet |
1950 e |
Der Hofmeister (J. M. R. Lenz) |
1951-52 e |
Coriolan (W. Shakespeare) |
1952 e |
Der Prozeß der Jeanne d´Arc zu Rouen 1431 (Anna Seghers) |
1953 e |
Don Juan (Molière) |
1954 e |
Pauken und Trompeten (George Farquhar, The Recruiting Officer) |
1922 |
Hannibal |
1924 |
Gösta Berling |
1927-30 e |
Untergang des Egoisten Johann Fatzer |
1929-30
e |
Der Brotladen |
1929-30 e |
Aus Nichts wird Nichts |
1935-36 e |
Das wirkliche Leben des Jakob Geherda (zus. m. Margarete Steffin) |
1958 |
Leben des Konfutse |
1963 |
Salzburger Totentanz |
1930-33 |
Versuche 1-16. H. 1-7 (Kiepenheuer) |
1938 |
Gesammelte Werke. 2 Bde. (London, Malik) [Auswahl der Stücke] |
1949-57 |
Versuche 19-27;
29; 31-32; 35; 37. H. 9-15 (Suhrkamp) |
1953 |
Versuche. Sonderheft (Aufbau) |
1953-67 |
Stücke. 14 Bde.
(Suhrkamp) |
Gedichtbände
1927
|
Bertolt Brechts Hauspostille (1926: Taschenpostille; 1951 Hauspostille) (Slg.; u.a. Von des Cortez Leuten, 1919 e; Erinnerung an die Marie A., 1920 e; Vom armen B. B., 1922 e) |
1934 |
Lieder, Gedichte, Chöre |
1939 |
Svendborger Gedichte (u.a. Fragen eines lesenden Arbeiters, 1935 e; Legende von der Entstehung des Buches Taoteking..., 1938 e; An die Nachgeborenen, 1938 e) |
1943 |
Gedichte im Exil |
1951 |
Hundert Gedichte |
1954 |
Buckower Elegien (u.a. Der Radwechsel; Der Rauch; Beim Lesen des Horaz) |
1955 |
Die Kriegsfibel |
1956 |
Gedichte und Lieder |
Erzählungen - sonstige Prosa (Auswahl)
1924 |
Der Tod des Cesare Malatesta |
1926 |
Der Lebenslauf des Boxers Samson-Körner |
1928 |
Die Bestie |
1937 (1935 e) |
Der Soldat von La Ciotat |
1949 (1939 e) |
Das Experiment (urspr.
T. Der Stalljunge) |
1939 |
Der Mantel des Ketzers (u.d.T. Der Mantel des Nolaners) |
1949 (1939 e) |
Die unwürdige Greisin |
1962 (1939 e) |
Die Trophäen des Lukullus |
1949 (1940 e) |
Der Augsburger Kreidekreis |
1961 (1940-44 e) |
Flüchtlingsgespräche |
1949 (1942 e) |
Cäsar und sein Legionär |
1949 (1946 e) |
Die zwei Söhne |
1948 e |
Eulenspiegel-Geschichten |
1949 |
Kalendergeschichten (8 Erz. + 8 Ged. [u.a. Kinderkreuzzug, 1941 e] + 39 Geschichten vom Herrn Keuner) |
1930
/32/53/49/57/ |
Geschichten vom Herrn Keuner |
ab 1934 e |
Me-ti/Buch der Wendungen |
Romane
1934 (1933-34 e) |
Dreigroschenroman |
1967 (1933-42 e) |
Der Tui-Roman (Frgm.) |
1957 (1938-42 e) |
Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar (Frgm.) |
Schriften zum Theater (Auswahl)
1939-40 e |
Der Messingkauf ("Gespräch über eine neue Art Theater zu spielen") |
1949 (1948 e) |
Kleines Organon für das Theater |
1953 e |
"Katzgraben"-Notate (Probennotate zur Inszenierung der Strittmatter-Komödie) |
1951-56 e |
Die Dialektik auf dem Theater (Aufsätze und Notizen) |