Bertolt (Bert) Brecht
eigentl. Berthold Eugen Friedrich Brecht
Lebensdaten Werk



*10. Februar 1898
Augsburg

+14. August 1956 Berlin (Herzinfarkt)

begraben: Berlin, Dorotheenstädtischer Friedhof
 


1948
Bildquelle: wikipedia/Deutsches Bundesarchiv
 

Sohn des kaufmännischen Angestellten, späteren Prokuristen und Direktors der Haindl´schen Papierfabrik Berthold Friedrich Brecht (1869-1939) und seiner Frau Sophie geb. Brezing (1871-1920).

1917-21

Beziehung zur Arzttochter Paula ("Bi") Banholzer (1901-1989); Sohn: Frank (1919-1943, gefallen in Russland)

1922-27

Ehe mit der Opernsängerin Marianne Zoff (1893-1984, Halbjüdin; 1928 2. Ehe mit dem Schauspieler Theo Lingen); Tochter: Hanne Marianne (Hiob) (*1923)

1929

Heirat mit der Wiener Prokuristen-Tochter Helene Weigel (1900-1971, Jüdin); Sohn Stefan (*1924), Tochter Barbara (*1930)

Antibürger, ab 1926 überzeugter Marxist, umstrittener und unbequemer moderner Klassiker; einer der einflussreichsten Dramatiker und Lyriker des 20. Jhs. Lange Jahre meistgespielter Autor auf deutschen Bühnen. Das Thema seiner Stücke ist die Kritik an der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Die politische Haltung seiner letzten Lebensjahre - vor allem hinsichtlich seines Verhältnisses zu den DDR-Machthabern - ist umstritten: B. entscheidet sich nach dem Krieg für die DDR, ist überzeugt, dass nur ein sozialistisches Deutschland Zukunft haben könne.
Kritische Stimmen weisen auf sein wirklichkeitsfremdes, die Welt stark vereinfachendes Denken, auf seine allzu rationalistische Geisteshaltung hin; Max Frisch spricht von der "durchschlagenden Wirkungslosigkeit" des "Klassikers Brecht".

Begründer des "epischen Theaters": B. stellt der "klassischen" ("aristotelischen") Form des Theaters die "epische" ("nicht-aristotelische") gegenüber; sein pädagogisches Theater will den Eindruck von der "Wirklichkeit des Spiels" zerstören (Verwendung desillusionierender Mittel, sog. "Verfremdungseffekte": rampenlose Bühne, Zwischentexte, Songs, kommentierende Sprecher, Plakate etc.), um so ein komplexes Weltbild darstellen und mit Hilfe von Kommentaren die Richtung des zu Lehrenden angeben zu können. Die "neue Bühne" hat so den Illusionscharakter des bürgerlichen Theaters abgeschafft, will den Zuschauer vom kulinarischen Genießer zum Betrachter machen, seine intellektuelle und moralische Entscheidung erzwingen.

Auszeichnungen:

1922

Kleist-Preis für Trommeln in der Nacht

1951

Nationalpreis 1. Klasse der DDR

1954

Internationaler Stalin-Friedenspreis


wichtige Lebensdaten:

1904-08

Volksschule.

1908

Peutinger-Realgymnasium Augsburg.

1916

Androhung des Schulausschlusses wegen eines pazifistischen Schulaufsatzes (über Horazens Dulce et decorum est pro patria mori - süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben).

1917

Erste Begegnung mit Paula Banholzer.
Notabitur; Kriegsdiensthelfer (Schreibstube); Okt.: Immatrikulation an der Universität München (Medizin, Philosophie).

1918

Kriegsdienst in einem Augsburger Seuchenlazarett. Fortsetzung des Studiums in München. Freundschaft mit Feuchtwanger und Becher.

1919

Theaterkritiken für den Augsburger Volkswillen (bis 1920); in einer Literatengruppe im Café Stephanie in München. Mitwirken in Trude Hesterbergs Wilder Bühne und Karl Valentins Theater. Exmatrikulation.
Juli: Geburt des Sohnes Frank.

1920

1.5.: Tod der Mutter. Freundschaft mit Karl Valentin. Aufenthalte in Berlin, um sich als Autor durchzusetzen.

1921

In Berlin Bekanntschaft mit Arnolt Bronnen (Namensänderung Bertolt analog zu Arnolt).

1922

3.11.: Heirat mit Marianne Zoff.

1923

12.3.: Geburt der Tochter Hanne Marianne. Dramaturg an den Münchener Kammerspielen. Beim Hitlerputsch zusammen mit Feuchtwanger auf der Verhaftungsliste. In Berlin erste Begegnung mit Helene Weigel.

1924

Endgültige Übersiedlung nach Berlin; zusammen mit Carl Zuckmayer als Dramaturg an Max Reinhardts Deutschem Theater (bis 1926). Gründliche Marx-Studien. Beginn der Zusammenarbeit mit Elisabeth Hauptmann.
3.11.: Geburt des Sohnes Stefan.

1926

Erste Konzeption des "epischen Theaters".

1929

Bekanntschaft mit Walter Benjamin. Heirat mit Helene Weigel.

1930

Mai: zur Erholung in Le Lavandou, Provence; anschließend in einem Münchener Sanatorium. 18.10.: Geburt der Tochter Maria Barbara.

1931

Zusammentreffen mit Kurt Weill und Walter Benjamin in Le Lavandou.

1932

Arbeits- und Liebesbeziehung mit Margarete Steffin (1908-1941).

1933

28.1.: Aufführung der Maßnahme in Erfurt wird von der Polizei abgebrochen; Verfahren wegen Hochverrats gegen die Veranstalter; 28. Februar: am Tag nach dem Reichstagsbrand Flucht der Familie (zusammen mit Margarete Steffin) aus Deutschland über Prag, Wien nach Zürich. April - Sept.: in Carona (Tessin). Mai: öffentliche Verbrennung der Bücher Brechts durch die Nazis. In Sanary-sur-Mer Zusammentreffen mit den Brüdern Mann, Feuchtwanger, A. Zweig und Toller; Paris; Übersiedlung nach Skovbostrand bei Svendborg auf der dänischen Insel Fünen.

1935

Reise nach Moskau. Juni: offizielle Ausbürgerung durch die Nationalsozialisten; Reisen nach Paris und New York.

1936

New York; London. Redaktion der Monatsschrift Das Wort (Moskau) zusammen mit Feuchtwanger und Bredel (bis 1939).

1938

Juli: Expressionismus-Realismus-Debatte im Wort (Auseinandersetzung mit Lukács).

1939

Apr.: Übersiedlung auf die Insel Linigö bei Stockholm. 20.5.: Tod des Vaters.

1940

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Dänemark und Norwegen Flucht nach Helsinki; Juli - Okt. in Marlebäk, dem Gut der Dichterin Hella Wuolijoki.

1941

Mai: im Sibirienexpress über Moskau (Tod Margarete Steffins; Tuberkulose) nach Wladiwostok; Juni: von dort aus mit dem Schiff in die USA: San Pedro/Kalifornien; Haus in Santa Monica (Feuchtwanger, Lorre, Kortner, Lang, L. Frank, Huxley, H. Mann, H. Marcuse, Döblin u.a.); Freundschaft mit Charlie Chaplin.

1946

Mit Charles Laughton Übersetzung und Inszenierung von Leben des Galilei.

1947

Okt.: Verhör wegen "unamerikanischen Verhaltens" in Washington; danach Abflug über Paris nach Zürich.

1948

Haus am Züriberg am Zürcher See; Einreisegenehmigung nach Westdeutschland wird von den alliierten Behörden abgelehnt; mit tschechischem Pass über Prag nach Ostberlin. Okt.: Haus in Weißensee; Generalintendant des Deutschen Theaters.

1949

Zusammen mit Helene Weigel Gründung des Berliner Ensembles.

1950

Apr.: österreichische Staatsbürgerschaft; Haus in Buckow.

1953

Mai: Wahl zum Präsidenten des PEN-Zentrums (Ost und West). Anlässlich des Aufstandes am 17. Juni Brief an Ulbricht: Zustimmung zum Eingreifen der Staatsmacht. Herbst: Umzug in das Hinterhaus Chausseestr. 125.

1954

In Moskau persönliche Entgegennahme des Stalin-Preises.

1955

Kauf eines Hauses in Dänemark.

1956

Mai: in der Charité infolge einer Grippe-Erkrankung; 10. August: letzte Theaterprobe für die Galilei-Aufführung des Berliner Ensembles. 12. Aug.: Herzinfarkt; 14. Aug.: Tod in der Charité.


Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in; F = Fassung)

Dramen

1914
(1913 e)

Die Bibel. Drama in 1 Act (u.d. Pseudonym Bertold Eugen)

1922
(3 F. 1918, 1919, 1926; 1923 a Leipzig)

Baal (3. F. u.d.T.: Lebenslauf des Mannes Baal)

1922
(1919 e; 1922 a München)

Trommeln in der Nacht. Komödie

1961
(1919 e; 1926 a Frankfurt)

Die Kleinbürgerhochzeit (Einakter; urspr. Titel: Die Hochzeit) 

1965
(1919 e; 1967 a Berlin)

Der Bettler oder Der tote Hund (Einakter)

1966
(1919 e; 1975 a Basel)

Er treibt einen Teufel aus (Einakter)

1966
(1919 e; 1969 a Essen)

Lux in Tenebris (Einakter)

1966
(1919 e; 1967 a Heidelberg)

Der Fischzug (Einakter)

1927
(1. F. 1921-22 e; 1923 a München; 2. F. 1926 e; 1927 a Darmstadt)

Im Dickicht der Städte. Der Kampf zweier Männer in der Riesenstadt Chicago. Schauspiel (usrpr. T. Im Dickicht)

1924
(1923-24 e; 1924 a München)

Leben Eduards des Zweiten von England. Historie (nach Marlowe; zus. mit Lion Feuchtwanger)

1926
(1924-26 e; 1926 a Darmstadt;  
2. F. 1931 a Berlin)

Mann ist Mann. Lustspiel

1928/29 (a Berlin)

Die Dreigroschenoper (Musik: Kurt Weill; nach John Gay´s The Beggar´s Opera, 1728)

1929
(1930 a Leipzig)

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Oper (Musik: Kurt Weill)

1929
(1928-29 e; 1929 a Baden-Baden)

Der Flug der Lindberghs. Ein Radiolehrstück für Knaben und Mädchen (2. F. 1930; urspr. T.: Lindbergh; a u.d.T. Der Lindberghflug; 1950 u.d.T. Der Ozeanflug) (Musik: Kurt Weill)

1929
(a Baden-Baden)

Das Badener Lehrstück vom Einverständnis (2. F. 1930; urspr. T.: Lehrstück) (Musik: Paul Hindemith)

1930/31
(1929-31 e; 1. F. Der Jasager 1930 a Berlin; 1951 a New York)

Der Jasager und Der Neinsager. Schulopern (Musik: Kurt Weill)

1930
(2. F.: 1931) (1930 a Berlin)

Die Maßnahme. Lehrstück (Musik: Hanns Eisler)

1931
(1929-31 e; 1959 a Hamburg; 
Hörspielf. 1932 a Radio Berlin)

Die heilige Johanna der Schlachthöfe

1937
(
1930-32 e; 1938 a Givat Chaim/Palästina 
in hebr. Spr.)

Die Ausnahme und die Regel. Lehrstück

1933
(2. F.: 1938; (1931 e; 1932 a Berlin)

Die Mutter. Nach Gorki. Schauspiel

1933 e
(a Paris)

Die sieben Todsünden der Kleinbürger. Ballett (Musik: Kurt Weill)

1936
(1931-34 e; 1936 a Kopenhagen)

Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder Reich und Reich gesellt sich gern. Ein Greuelmärchen

1936
(1934-35 e; 1958 a Halle)

Die Horatier und die Kuratier. Schulstück

1945
(1941 [13 Sz.];1944 [17.Sz.]) (1937-38 e; 1938 a Paris [8 Sz.]; 1945 a New York; 1947 a Berlin [7 Sz.])

Furcht und Elend des Dritten Reiches. 24 Szenen (a u.d.T. 99%)

1937
(1937 a Paris)

Die Gewehre der Frau Carrar

1948
(dän. F. 1938-39 e; 1943 a Zürich; amerik. F. 1944-47; 1947 a Beverly Hills; 1955 Berliner F. ab 1947 e; 1955 a Köln)

Leben des Galilei. Schauspiel (a u.d.T. Galileo Galilei)

1949
(1939 e; 1941 a Zürich)

Mutter Courage und ihre Kinder. Eine Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg

1940
(1939 e; 1940 a Radio Beromünster; 
1951 a Berlin)

Das Verhör des Lukullus. Radiostück (1951, 1950 e Das Verhör des Lukullus. Oper in 12 Bildern; Musik: Paul Dessau; a u.d.T. Die Verurteilung des Lukullus)

1966
(1939 e; 1967 a Köln)

Dansen. Einakter (a u.d.T. Dansen I)

1966
(1939 e; a Tollare b. Stockholm)

Was kostet das Eisen? Einakter (u.d.Ps. John Kent; urspr. T.: Kleine Geschäfte mit Eisen)

1953
(1939-41 e; 1943 a Zürich)

Der gute Mensch von Sezuan. Parabelstück

1950
(1940 e; 1948 a Zürich)

Herr Puntila und sein Knecht Matti. Volksstück

1957
(1941 e; 1958 a Stuttgart)

Der aufhaltsame Aufsteig des Arturo Ui. Parabelstück

1956
(1941-43 e; 1957 a Frankfurt/M.)

Die Gesichte der Simone Machard (zus. m. Lion Feuchtwanger)

1959
(1943 e; 1957 a Warschau)

Schweyk im Zweiten Weltkrieg

1949
(1943-45 e; 1948 a Northfield/ Minnesota
[engl.]; dt. 1954 Berlin)

Der kaukasische Kreidekreis

1949
(a 1956 Berlin)

Die Tage der Commune

1967
(1930-1954 e; 1969 a Zürich)

Turandot oder der Kongreß der Weißwäscher

Bearbeitungen

1948 a Chur

Die Antigone des Sophokles. Nach der Hölderlinschen Übertragung für die Bühne bearbeitet

1950 e

Der Hofmeister (J. M. R. Lenz)

1951-52 e

Coriolan (W. Shakespeare)

1952 e

Der Prozeß der Jeanne d´Arc zu Rouen 1431 (Anna Seghers)

1953 e

Don Juan (Molière)

1954 e

Pauken und Trompeten (George Farquhar, The Recruiting Officer)

Fragmente

1922

Hannibal

1924

Gösta Berling

1927-30 e

Untergang des Egoisten Johann Fatzer

1929-30 e
(1967 a Berlin)

Der Brotladen

1929-30 e

Aus Nichts wird Nichts

1935-36 e

Das wirkliche Leben des Jakob Geherda (zus. m. Margarete Steffin)

1958
(1940-41 e)

Leben des Konfutse

1963
(1950 e)

Salzburger Totentanz

Sammelausgaben zu Lebzeiten

1930-33

Versuche 1-16. H. 1-7 (Kiepenheuer)

1938

Gesammelte Werke. 2 Bde. (London, Malik) [Auswahl der Stücke]

1949-57
1951-57

Versuche 19-27; 29; 31-32; 35; 37. H. 9-15 (Suhrkamp)  
(Parallelausgabe Aufbau)

1953

Versuche. Sonderheft (Aufbau)

1953-67
1955-67

Stücke. 14 Bde. (Suhrkamp)  
(Parallelausgabe Aufbau)

Gedichtbände

1927 
(1926; 1913-26 e)

Bertolt Brechts Hauspostille (1926: Taschenpostille; 1951 Hauspostille) (Slg.; u.a. Von des Cortez Leuten, 1919 e; Erinnerung an die Marie A., 1920 e; Vom armen B. B., 1922 e)

1934
(1926-33 e)

Lieder, Gedichte, Chöre

1939
(1933-38 e)

Svendborger Gedichte (u.a. Fragen eines lesenden Arbeiters, 1935 e; Legende von der Entstehung des Buches Taoteking..., 1938 e; An die Nachgeborenen, 1938 e)

1943

Gedichte im Exil

1951
(1918-50 e)

Hundert Gedichte

1954
(1953 e)

Buckower Elegien (u.a. Der Radwechsel; Der Rauch; Beim Lesen des Horaz)

1955

Die Kriegsfibel

1956

Gedichte und Lieder

Erzählungen - sonstige Prosa (Auswahl)

1924

Der Tod des Cesare Malatesta

1926

Der Lebenslauf des Boxers Samson-Körner

1928

Die Bestie

1937 (1935 e)

Der Soldat von La Ciotat

1949 (1939 e)

Das Experiment (urspr. T. Der Stalljunge)
Der verwundete Sokrates

1939

Der Mantel des Ketzers (u.d.T. Der Mantel des Nolaners)

1949 (1939 e)

Die unwürdige Greisin

1962 (1939 e)

Die Trophäen des Lukullus

1949 (1940 e)

Der Augsburger Kreidekreis

1961 (1940-44 e)

Flüchtlingsgespräche

1949 (1942 e)

Cäsar und sein Legionär

1949 (1946 e)

Die zwei Söhne

1948 e

Eulenspiegel-Geschichten

1949

Kalendergeschichten (8 Erz. + 8 Ged. [u.a. Kinderkreuzzug, 1941 e] + 39 Geschichten vom Herrn Keuner)

1930 /32/53/49/57/
62/65

Geschichten vom Herrn Keuner

ab 1934 e

Me-ti/Buch der Wendungen

Romane

1934 (1933-34 e)

Dreigroschenroman

1967 (1933-42 e)

Der Tui-Roman (Frgm.)

1957 (1938-42 e)

Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar (Frgm.)

Schriften zum Theater (Auswahl)

1939-40 e

Der Messingkauf ("Gespräch über eine neue Art Theater zu spielen")

1949 (1948 e)

Kleines Organon für das Theater

1953 e

"Katzgraben"-Notate (Probennotate zur Inszenierung der Strittmatter-Komödie)

1951-56 e

Die Dialektik auf dem Theater (Aufsätze und Notizen)

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