Franz
Grillparzer
vollst.:
Franz Seraphicus
Lebensdaten Werk
*15. Januar 1791 Wien +21. Januar 1872 Wien begraben: Wien, Währinger Friedhof |
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Ältester von vier Söhnen des Hof- und Gerichtsadvokaten Wenzel Grillparzer (1760-1809) und seiner Frau Anna Franziska, geb. Sonnleithner (1767-1819); Brüder: Karl (+1861), Kamillo, Adolf (1800-1817). Glückliche Kindheit, aber in der Jugend Schicksalsschläge und Depressionen: Der Tod des wortkargen, beruflich erfolglosen Vaters lässt die Familie verarmt zurück; die hysterisch-sensible Mutter begeht in einem Anfall von Wahnsinn Selbstmord. Der jüngste Bruder ertränkt sich aus Verzweiflung über seine kleptomanische Veranlagung, der andere zerquält sich in Selbstvorwürfen, beim dritten Anzeichen von Geistesstörung. Unglückliche und sonderbare Liebesbeziehungen; hypochondrische, melancholische Veranlagung; unfähig zur dauerhaften menschlichen Bindung. Berufliche Frustration als Beamter des niederen Dienstes; geht 1856 als Hofrat verbittert ab: "Als Mensch unverstanden, als Beamter übersehen, als Poet höchstens geduldet, schlepp ich mein einförmiges Dasein fort." Späte Ehrungen.
Bedeutendster
österreichischer Dramatiker des 19. Jhs. Kometenhafter Aufstieg zum Theaterdichter Wiens;
Resignation nach dem Misserfolg von Weh dem, der lügt.
In seinen Dramen Formelemente des österreichischen und spanisch-katholischen
Barocktheaters, des Wiener Volksschauspiels und der Dramen der Weimarer Klassik. Zwischen
den Epochen: "Ich komme aus andern Zeiten/Und hoffe in andre zu gehn".
Seine Helden sind weniger Tatmenschen, sondern schwanken zwischen Gewissen und Handeln,
zwischen Zwang zum Handeln und Unfähigkeit zum Handeln; behaupten sich im Verzicht.
Dualistische Spannung zwischen starrer kosmischer Ordnung und modernem, autonomem Subjekt.
Neben den ausgeführten Dramen noch etwa 200 dramatische Entwürfe.
Die Novelle Der arme Spielmann (verschlüsseltes Selbstporträt) gehört
zu den wichtigsten deutschen Künstlernovellen.
Bedeutend auch als Tagebuch-Autor: zwischen 1804 und 1871 eine Fülle von Notizen,
Beobachtungen und Urteilen.
Nach 1848 politische Wandlung vom Liberalen zum konservativen Verteidiger des Habsburgerstaates.
Ehrungen:
1859 |
Ehrendoktorwürde der Universitäten Wien und Leipzig |
1861 |
Ernennung zum Mitglied des österreichischen Herrenhauses auf Lebenszeit: Reichsrat |
1864 |
Ehrenbürger Wiens |
1797 |
Josefstädter Hauptschule. |
1801 |
Besuch des Anna-Gymnasiums. |
1804 |
Philosophisches Propädeutikum an der Universität Wien; Beginn der Tagebuchaufzeichnungen (bis 1871). |
1807-11 |
Studium der Staats- und Rechtswissenschaft an der Universität Wien. |
1808 |
Erste literarische Arbeiten. |
1809 |
Tod des Vaters. Finanzielle Notlage der Familie. |
1810 |
Stelle als Hauslehrer. |
1812 |
Hauslehrer beim Grafen von Seilern-Aspang. |
1813-15 |
Unbesoldeter Praktikant an der Hofbibliothek, bei der Zollverwaltung und bei der Hofkammer. |
1815 |
Subalterner Beamter bei der Finanzverwaltung. |
1816 |
Beginn der Freundschaft mit seinem Förderer Joseph Schreyvogel, dem späteren Direktor des Burgtheaters. |
1817 |
Selbstmord des jüngsten Bruders Adolf. |
1818 |
Ernennung zum Hoftheaterdichter auf 5 Jahre. |
1819 |
23.1.:
Die Mutter erhängt sich. |
1820 |
Campo-vaccino-Affäre: Schwierigkeiten mit der Zensurbehörde (G. hatte in der Elegie Campo vaccino die "riesige Vergangenheit" der heidnischen Antike mit der "neuen, flachen Zeit" konfrontiert: fortan steht er bei Hof unter Radikalismus-Verdacht und gilt als Gegner des Metternich-Systems). |
1821 |
Verlobung mit Katharina Fröhlich (1800-1879): "ewige Braut"; für beide qualvolle Beziehung. |
1823 |
Konzipist der allgemeinen Hofkammer; Zusammentreffen mit Beethoven. |
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1825 |
Glühende Liebe zur siebzehnjährigen Marie Smolk von Smollenitz (ab 1827 verheiratete Daffinger). |
1826 |
Reise durch Deutschland: Prag, Dresden, Berlin, Weimar, München; Begegnungen mit Tieck, Fouqué, Chamisso, Goethe. |
1827 |
Tod von Charlotte von Paumgartten. |
1832 |
Ernennung zum Direktor des Hofkammerarchivs: Zeit für literarische Tätigkeit. Beschäftigung mit Hegel, älterer deutscher, romanischer und klassischer Literatur. |
1834 |
Vergebliche Bewerbung um die Leitung der Universitätsbibliothek; Liebesbegegnung mit Heloise Höchner. |
1836 |
Reise nach Frankreich (in Paris Begegnung mit Heine, Börne) und England; Rückreise über Stuttgart (Uhland, Schwab). |
1838 |
Völliger Rückzug aus dem literarischen Leben nach dem Misserfolg von Weh dem, der lügt! |
1843 |
Reise nach Preßburg, Budapest, Belgrad, Konstantinopel, Athen. |
1846 |
Bekanntschaft mit Eichendorff während seines Aufenthalts in Wien. |
1847 |
Reise nach Deutschland (Hamburg, Berlin); Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. |
1849 |
Zimmer in der Wohnung Katharina Fröhlichs, die sie zusammen mit ihren drei Schwestern bewohnt; der fast taube, augenleidende G. wird liebevoll umsorgt. |
1856 |
Pensionierung; Titel eines Hofrats. |
1866 |
Testament: Katharina Fröhlich als Alleinerbin und Nachlassverwalterin. |
Werke:
e = entstanden, a = uraufgeführt in
Dramen
1809 e |
Blanka von Kastilien (Tragödie) |
1817 |
Die Ahnfrau (Trauerspiel) |
1819 |
Sappho (Trauerspiel) |
1822 |
Das goldene Vließ (dramatisches Gedicht; Trilogie): |
1825 |
König Ottokars Glück und Ende (historisches Trauerspiel) |
1830 |
Ein treuer Diener seines Herrn (Trauerspiel) |
1840 |
Des Meeres und der Liebe Wellen (Trauerspiel) |
1840 |
Der Traum ein Leben (dramatisches Märchen) |
1840 |
Weh dem, der lügt (Lustspiel) |
1863 |
Esther (Frgm.) |
1872 |
Libussa (Trauerspiel) |
1872 |
Ein Bruderzwist in Habsburg (Trauerspiel) |
1872 |
Die Jüdin von Toledo (historisches Trauerspiel) |
1823
e |
Melusina (urspr. für Beethoven; Vertonung: Konradin Kreutzer) |
1828 (1827 e) |
Das Kloster bei Sendomir |
1848 (1842 e) |
Der arme Spielmann |
Lyrik
zu Lebzeiten Grillparzers keine Sammelausgabe der Gedichte
1819 |
Campo vaccino (Elegie) |
1835 |
Tristia ex Ponto (Zyklus) |
Autobiographie
1853 e |
Selbstbiographie |
Rede
1827 |
Rede am Grabe Beethovens |
Übersetzung
1813 |
Calderón: Das Leben ein Traum |
Gesamtausgabe
1872-88 |
Sämtliche Werke, hg. von H. Laube u. J. Weilen, Stuttgart (10 Bde.) |
Links:
Grillparzer-Seite in Zusammenarbeit mit der Grillparzer-Gesellschaft
Grillparzer-Seite des Vereins Kultur Plus
| Campo
vaccino [...] Kolosseum, die dich bauten, Die sich freuten um dich her, Sprachen in bekannten Lauten, Dich verstanden, sind nicht mehr. Deine Größe ist zerfallen Und die Großen sind's mit ihr, Eingestürzt sind deine Hallen, Eingebrochen deine Zier; O so stürze ganz
zusammen (1819 e) |