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Peter Altenberg
 

eigentl. Richard Engländer
 
Pseudonym seit 1896 (nach dem Spitznamen "Peter" der Jugendbekannten Bertha Lecher aus Altenberg an der Donau)

Lebensdaten
| Werk

Altenberg-Texte im Netz



* 9. März 1859
Wien

+ 8. Januar 1919 Wien (Lungenentzündung)

Grabstätte: Wien, Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof (Gruppe 0, Nr. 84)

(Grabschrift: Er liebte und sah!)
 

 

 
Altenberg 1907
Bildquelle: Wikipedia
    

 
Erstes von fünf Kindern des wohlhabenden jüdischen Kaufmanns Moritz Engländer (1830-1913) und seiner Ehefrau Pauline, geb. Schweinburg (1837-1902). In der Kindheit Hausunterricht. Scheitert am Versuch, ins bürgerliche Erwerbsleben einzutreten: Matura im zweiten Anlauf; Abbruch des Studiums, Abbruch einer Buchhändlerlehre. Trennung von seiner Familie. Selbstcharakterisierung: "Invalide des Lebens", "unbürgerlichster Mensch", "Schnorrer"; keine geregelte Beschäftigung, tagsüber im Kaffeehaus (Café Griensteidl, Café Central), nachts im Nachtlokal; lebt im Hotelzimmer (Graben-Hotel); stadtbekannte, exzentrische Erscheinung. Alkohol- und Drogenkonsum; im letzten Lebensjahrzehnt mit Unterbrechungen in Nervenheilanstalten.
  Freundschaft mit dem Maler Gustav Klimt, dem Kulturhistoriker Egon Friedell und dem Architekten Adolf Loos; Bekanntschaft mit der Wiener Literaturszene (Karl Kraus, Richard Beer-Hofmann, Felix Salten, Alfred Polgar, Arthur Schnitzler u.a.).
 

Verfasser kurzer Prosaskizzen; einer der maßgebenden Vertreter des Wiener Impressionismus. Literarisches Programm: "Ich möchte einen Menschen in einem Satze schildern, ein Erlebnis der Seele auf einer Seite, eine Landschaft in einem Worte!" Kunst des "liebenden Sehens"; verdeckte Gesellschaftskritik.
   


  

Wichtige Lebensdaten:
 

1869-77

Akademisches Gymnasium Wien; fällt durch die Maturaprüfung.

1878

Matura im 2. Anlauf am Theresianum; auf Wunsch des Vaters Jurastudium an der Universität Wien.

1879

Wechsel zum Medizinstudium.

1880

Abbruch des Studiums; Buchhändlerlehre in Stuttgart.

1881

Abbruch der Lehre.

1881-83

Erneut Jurastudium.

1883

Ein ärztliches Zeugnis bescheinigt Berufsuntauglichkeit wegen "Überempfindlichkeit des Nervensystems"; Leiden unter dem "Fluch" des "Andersseins". In den Folgejahren Wandlung zum Bohemien; Bruch mit der Mutter; finanzielle Unterstützung durch den Vater.

ab 1890

Stammgast im Café Griensteidl.

ab 1893

Im Café Central  zu Hause; von Arthur Schnitzler buchstäblich vom Kaffeehaustisch weg entdeckt; Empfehlung von Karl Kraus an den späteren Verleger S. Fischer.

1900

Austritt aus der israelitischen Religionsgemeinschaft. - Über Jahre Hinweg Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften.

1903

Herausgabe der Zeitschrift Kunst. Monatsschrift für Kunst und alles Andere (zusammen mit Adolf Loos).

1905

Bankrott der väterlichen Firma; finanzielle Unterstützung durch Kraus, Kerr, Hofmannsthal u.a. Verkauf von Peter-Altenberg-Kolliers in Nachtlokalen.

1910

Übertritt zum Katholizismus; Taufe in der Karlskirche.

ab 1910

Durch übermäßigen  Alkoholkonsum verursachtes Nervenleiden; schwere Krisen; Verfolgungswahn; z.T. gegen seinen Willen auf Veranlassung des Bruders Georg mehrfach in Nervenheilanstalten (Inzersdorf, Steinhof).

1913

Mai-Oktober: Reise nach Venedig mit Adolf und Bessie Loos, Ludwig und Cissy von Ficker sowie Carl Hollitzer; Zusammentreffen mit Georg Trakl; nach der Rückkehr Übersiedlung ins Graben-Hotel, wo er bis zu seinem Tod wohnen bleibt.


Werke:

Skizzen (Sammlungen)
 

1896

Wie ich es sehe

1897

Ashantee

1901

Was der Tag mir zuträgt

1906

Prodromos

1908

Märchen des Lebens

1909

Bilderbögen des kleinen Lebens

1911

Neues Altes

1913

"Semmering 1912"

1915

Fechsung

1916

Nachfechsung

1918

Vita ipsa

1919

Mein Lebensabend

1925

Der Nachlaß (hg. v. Alfred Polgar)

1930

Nachlese. Dem Andenken meines Bruders (hg. v. der Schwester Marie Mauthner)

Gesamtausgaben

1987

Gesammelte Werke, hg. v. Werner J. Schweiger, Wien/Frankfurt: Löcker/Fischer (2 [5] Bde.)

2009

Das Buch der Bücher, zusammengestellt v. Karl Kraus, Göttingen: Wallstein (3 Bde.)



  

 
Ich bin geboren 1862 [!], in Wien. Mein Vater ist Kaufmann. Er hat eine Eigenheit: er liest nur französische Bücher. Seit vierzig Jahren. Über seinem Bett hängt ein wunderbares Bildnis seines Gottes Victor Hugo. Er sitzt abends in einem dunkelroten Lehnstuhl, liest die Revue des deux Mondes und hat einen blauen Rock an mit breitem Sammetkragen à la Victor Hugo. Nein, einen solchen Idealisten gibt es nicht mehr auf dieser Welt. Man fragte ihn einmal: "Sind Sie nicht stolz auf Ihren Sohn?!" Er erwiderte: "Ich war nicht sehr gekränkt, daß er dreißig Jahre lang ein Tunichtgut gewesen ist. So bin ich nicht sehr geehrt, wenn er jetzt ein Dichter ist! Ich gab ihm Freiheit. Ich wußte, daß es ein Va-banque-Spiel sei. Ich rechnete auf seine Seele!"
  Jawohl, edelster, merkwürdigster aller Väter, lange habe ich dein göttliches Geschenk der Freiheit mißbraucht, habe edle und ganz unedle Damen heiß geliebt, bin in Wäldern herumgelungert, war Jurist, ohne Jus zu studieren, Mediziner, ohne Medizin zu studieren, Buchhändler, ohne Bücher zu verkaufen, Liebhaber, ohne je zu heiraten, und zuletzt Dichter, ohne Dichtungen hervorzubringen! Denn sind meine kleine Sachen Dichtungen?! Keineswegs. Es sind Extrakte! Extrakte des Lebens. [...]

(Aus: Was der Tag mir zuträgt - Selbstbiographie)
  

 
 
 
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