Berthold Auerbach
eigentl. Moses Baruch Auerbacher
Lebensdaten Werk 


*28. Februar 1812 Nordstetten b. Horb am Neckar

+8. Februar 1882 Cannes (Lungenentzündung)

begraben: Nordstetten, Jüdischer Friedhof

Aus armer jüdischer Familie im Umfeld katholischer Landbevölkerung; neuntes Kind des Händlers Jacob Auerbach und seiner Ehefrau Edel Frank. Will schon früh Rabbiner werden; besucht in Nordstetten die erste jüdische Gemeindeschule im Königreich Württemberg.

1847

Eheschließung mit Auguste Schreiber; Sohn: August (*1848)

1849

2. Ehe mit Lina Landesmann (Schwester des Schriftstellers Hermann Landesmann); Kinder: Ottilie, Eugen, Rudolf

Erzähler und Publizist.
Welterfolg der "Dorfgeschichten": Entdeckung des Dorflebens für die Literatur; A. will das bisher ausgeklammerte "ganze häusliche, religiöse, bürgerliche und politische Leben der Bauern ... zur Anschauung bringen." Einfluss auf Björnson, Tolstoi, Turgenjew.  Bemühen um realistische Darstellung (materielle Nöte der Landbevölkerung), wenngleich idyllisierender Grundton: "Schöpfer der lebenswahren Idyllen" (Friedrich Theodor Vischer), "Apostel der Menschlichkeit" (Tolstoi).

Auszeichnungen:

1862

Hausorden der Herzöge von Coburg-Gotha und Preußischer Adlerorden, 4. Klasse


wichtige Lebensdaten:

1825

Talmudschule in Hechingen.

1827

Die Familie kann kein Schulgeld mehr bezahlen; Wechsel an die Rabbinatsschule in Karlsruhe, wo er bei seinem Onkel Meier Auerbach wohnt. Freundschaft mit dem entfernten Verwandten Jacob Auerbach.

1830

Wechsel an das Obere Gymnasium in Stuttgart; königliches Stipendium.

1832

Abitur; Studium in Tübingen: zunächst Jura, dann Philosophie und jüdische Theologie. Mitglied der verbotenen Burschenschaft Germania

1833

Immatrikulation für Philosophie an der Universität München (Schelling).

1834

23.6.: Verhaftung  und als radikal-liberaler Burschenschafter wegen staatsfeindlicher Umtriebe unter Polizeiaufsicht gestellt; Strafverweis von der Universität München. Er darf gnadenhalber sein Studium in Heidelberg abschließen.

1835

Nichtzulassung zur Rabbinerprüfung; erste journalistische Arbeiten; Beschäftigung mit der Frage der jüdischen Emanzipation.

1836

Dez.: Verurteilung zu zweieinhalb Monaten Festungshaft auf dem Hohenasperg.  

1837

Verbüßung der Strafe. März: Entlassung nach Stuttgart; als Vorbestraftem bleibt ihm das Rabbinat verschlossen, er ist fortan aufs Schreiben angewiesen. Beschäftigung mit der Philosophie Spinozas (1841 Übersetzung seiner Werke).

1838-40

Rezensent, Redakteur u. Herausgeber in Frankfurt, Bonn und Mainz.

1840

Vergebliche Bewerbung um Predigerstelle in Hamburg; in den folgenden Jahren unstetes Reiseleben (Frankfurt, Bonn, Leipzig, Dresden; Breslau, Heidelberg, Wien, Berlin).

1843

Literarischer Durchbruch mit den Schwarzwälder Dorfgeschichten.

1847

Heirat in Breslau (Trauzeuge: Gustav Freytag).

1848

März: Auguste stirbt nach der Geburt des Sohnes August am Kindbettfieber. Jahresende: Vortragsreise nach Wien (Hebbel, Bodenstedt). Bekanntschaft mit Lina Landesmann.

1849

Juli: Eheschließung mit Lina im mährischen Eisgrub. Das Ehepaar lässt sich in Dresden nieder; später Berlin, Bingen, wieder Berlin.

1871

Patriotische Begeisterung für den Krieg gegen Frankreich und die Reichsgründung: Hoffnung auf die Integration der Juden in der Gesellschaft des neuen Deutschen Reichs; zunehmende Verbitterung über den aufkommenden Antisemitismus.

1881

Herbst: schwere Lungenentzündung; Dez: Kuraufenthalt in Cannes (Privatklinik Villa Mauvarre).

1882

Tod in der Villa Mauvarre.


Werke:

Erzählungen

1843-54

Schwarzwälder Dorfgeschichten (4 Bde.)

1856

Barfüßele

1860

Joseph im Schnee

1871-75

Zur guten Stunde (Erzählungen)

1875

Drei einzige Töchter (Novellen)

1876

Nach dreißig Jahren. Neue Dorfgeschichten (3 Bde.)

Kalender

1845-48

Der Gevattersmann

1858-69

Deutscher Volkskalender; Deutscher Familienkalender

Romane

1837

Spinoza (hist. Roman)

1840

Dichter und Kaufmann (2 Bde.)

1851

Neues Leben (3 Bde.)

1860

Joseph im Schnee

1865

Auf der Höhe (3 Bde.)

1869

Das Landhaus am Rhein (5 Bde.)

1874

Waldfried. Eine vaterländische Familiengeschichte

1878

Landolin von Reutershöfen

1879

Der Forstmeister

1880

Brigitta

Dramen (Ausw.)

1850

Andree Hofer (Tragödie)

1855

Der Wahlbruder (Trauerspiel)

1859

Der Wahrspruch

Aphorismen

1876

Tausend Gedanken des Collaborators

Tagebuch

1871

Wieder unser!

Schriften

1834

Friedrich der Große. Sein Leben und Wirken

1836

Das Judenthum und die neueste deutsche Litteratur

1846

Schrift und Volk. Grundzüge der volkstümlichen Literatur angeschlossen an eine Charakteristik J.P. Hebels

Übersetzung

1841

Spinozas Werke (5 Bde.)

Gesamtausgabe zu Lebzeiten

1857-58

Gesammelte Schriften, Stuttgart bei Cotta (20 Bde.)

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