Ingeborg Bachmann

Lebensdaten
| Werk



* 25. Juni 1926 Klagenfurt

+ 17. Oktober 1973 Rom
(an den Folgen schwerer Brandverletzungen)

Grabstätte: Klagenfurt, Friedhof Annabichl
 

 

Sgraffito von Jef Aerosol am Musilhaus in Klagenfurt
Bildquelle: wikipedia

 

 
Älteste Tochter des protestantischen Schulrektors Mathias Bachmann und seiner Frau Olga, geb. Haas.
Dem schlagartig eintretenden Ruhm nicht gewachsen; "viel blondes Haar, sanftbraune Augen, still und scheu im Ausdruck" (SPIEGEL-Leitartikel 1954), ängstlich, Schutz suchend. Beziehungen und Freundschaften: Paul Celan, Hans Werner Henze, Max Frisch, Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser. Unstetes Leben. In späteren Jahren drogenabhängig (Aufputsch- bzw. Beruhigungsmittel). Mysteriöser Tod.

Ikone des frühen Feminismus.
  

Bereits beim Erscheinen des ersten Lyrikbands wird die faszinierende Sprach- und Bildkraft, die die Logik der traditionellen Bilderwelt sprengt, von der Kritik enthusiastisch gefeiert; später auch kritische Töne (Peter O. Chotjewitz: "Kitsch"). Zunächst im Wesentlichen einseitige Rezeption ("reine Poesie"), die z.B. in der Lyrik die Kritik an den restaurativen Kräften der Nachkriegsgesellschaft übersieht. Nach Bachmann liegt die Aufgabe der Dichtung nicht im ästhetischen Selbstzweck, sondern in der Weltveränderung durch eine neue Sprache (Frankfurter Vorlesungen). Ihre lyrische Aussagen "behandeln die Begrenztheit sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten, die Bereiche der Wahrheit des Seins, Grundbedingungen der Existenz, der Freiheit und der Zeit und die sich daraus entwickelnden menschlichen Verhaltensweisen, wie Flucht und Isolation" (Pausch). 
  Die Beschäftigung mit den späteren Prosaarbeiten orientiert sich seit der Mitte der achtziger Jahre vor allem an feministischen Fragestellungen. "Problemkonstante" ist dabei die Zerstörung der weiblichen Selbstverwirklichung durch patriarchalische Machtmechanismen der Gegenwartgesellschaft, denen "sich das weibliche Ich nur um den Preis der Selbstaufgabe oder im Tod entziehen kann" (R. Pichl).

Auszeichnungen:

1953

Preis der Gruppe 47

1955

Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Industrie

1957

Literaturpreis der Stadt Bremen

1959

Hörspielpreis der Kriegsblinden für Der gute Gott von Manhattan

1961

Berliner Kritikerpreis für den Erzählband Das dreißigste Jahr

1964

Georg-Büchner-Preis

1968

Großer Österreichischer Staatspreis

1971

Anton-Wildgans-Preis der österreichischen Industrie


Wichtige Lebensdaten:

1932

Volksschule.

1936

Bundesrealgymnasium.

1938-44

Ursulinen-Gymnasium in Klagenfurt. Matura.

1945

Studium in Innsbruck (Jura, Psychologie, Germanistik und Philosophie).

1946

Fortsetzung des Studiums in Graz; ab dem Wintersemester in Wien (Konzentration auf Philosophie).

1948

Liebesverhältnis mit Paul Celan.

1949

Praktikum an der Nervenheilanstalt Steinhof in Wien.

1950

Promotion zum Dr. phil.; Thema der Dissertation: Die kritische Aufnahme der Existentialphilosophie Martin Heideggers.

1950-51

Reisen nach Paris und London. Anstellung im Sekretariat der amerikanischen Besatzungsbehörde in Wien. 

1951-53

Redakteurin beim Sender Rot-Weiß-Rot in Wien.

1952

Mai: erste Lesung und literarischer Durchbruch auf einer Tagung der Gruppe 47 in Niendorf/Ostsee. Sept.: Italien-Reise zusammen mit der Schwester Isolde.

1953-54

Als freie Schriftstellerin in Italien (Ischia, Neapel).

1954-57

Rom; Zusammenarbeit und enge Beziehung mit Hans Werner Henze.

1954-55

Anfangs auch unter dem Pseudonym Ruth Keller politische Korrespondentin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung

1955

Sommer: Reise in die USA auf Einladung der Harvard-University. Teilnahme an einem Seminar, das von Henry Kissinger geleitet wird; Herbst: Paris.

1956

Febr. - Aug.: bei Hans Werner Henze in Neapel.

1957-58

München; Dramaturgin beim Bayerischen Fernsehen; korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Wiederaufnahme der Beziehung zu Paul Celan.

1958-62

Liaison mit Max Frisch; wechselnder Wohnsitz in Zürich und Rom.

1959-60

Erste Gastdozentin des neugegründeten Lehrstuhls für Poetik an der Universität Frankfurt/Main; Vorlesungsreihe: Probleme zeitgenössischer Dichtung

1960

Reise in die DDR zusammen mit Hans Magnus Enzensberger und Walter Jens (Ernst Bloch, Stephan Hermlin).

1961

Aufnahme in die Westberliner Akademie der Künste.

1963-65

Wohnsitz in Berlin.

1964

Reisen nach Prag, Ägypten, Sudan.

1965-73

Wohnsitz in Rom.

1973

März: Tod des Vaters. Polenreise: Warschau, Auschwitz, Krakau, Breslau. In der Nacht vom 25. auf den 26. September schwere Brandverletzungen in der römischen Wohnung (soll mit brennender Zigarette eingeschlafen sein). Am 17.10. Tod im Krankenhaus Sant' Eugenio.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung/Ursendung)

Gedichtbände

1953

Die gestundete Zeit

1956

Anrufung des Großen Bären

Erzählungen

1961
(1956-57 e)

Das dreißigste Jahr. Erzählungen (u.a. Das dreißigste Jahr, Alles, Ein Wildermuth, Ein Schritt nach Gomorrha, Jugend in einer österreichischen Stadt, Undine geht)

1972

Simultan. Erzählungen (Simultan, Probleme Probleme, Das Gebell, Ihr glücklichen Augen, Drei Wege zum See)

1982

Gier (Frgm.)

Romane

1971

Malina

1978

Der Fall Franza; Requiem für Fanny Goldmann (Fragmente des geplanten Romanzyklus Todesarten)

Hörspiele

1952
(a 28.2.)

Ein Geschäft mit Träumen

1955
(a 25.3.)

Die Zikaden (Musik von Hans Werner Henze)

1958
(a 29.5.)

Der gute Gott von Manhattan

Libretti

1955
(1952 a Berlin)

Der Idiot. Ballett von Tatjana Gsovsky zur Musik von Hans Werner Henze

1960
(a Hamburg)

Der Prinz von Homburg. Oper von Hans Werner Henze

1965

Der junge Lord. Komische Oper von Hans Werner Henze

Übersetzung

1961

Guiseppe Ungaretti: Gedichte (ital. u. dt.)

Essays - Reden (Ausw.)

1953

Ludwig Wittgenstein - zu einem Kapitel der jüngsten deutschen Philosophiegeschichte

1955

Was ich in Rom sah und hörte

1955

Die blinden Passagiere

1956

Die wunderliche Musik

1959

Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar (Rede zur Verleihung des Kriegsblindenpreises)

1965

Ein Ort für Zufälle (Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises)

Ausgaben

1964

Gedichte, Erzählungen, Hörspiel, Essays, München (Piper)

1978

Werke, hg. v. C. Koschel, I. v. Weidenbaum und C. Münster, München/Zürich (4 Bde., Piper)

1983

Wir müssen wahre Sätze finden. Gespräche und Interviews, hg. v. C. Koschel und I. v. Weidenbaum, München/Zürich (Piper)

1987

Ausgewählte Werke, Berlin/Weimar (3 Bde., Aufbau)


 

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