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Älteste Tochter
des protestantischen Schulrektors Mathias Bachmann und seiner Frau Olga, geb.
Haas.
Dem schlagartig eintretenden Ruhm nicht gewachsen; "viel blondes Haar,
sanftbraune Augen, still und scheu im Ausdruck" (SPIEGEL-Leitartikel 1954),
ängstlich, Schutz suchend. Beziehungen und Freundschaften: Paul Celan, Hans Werner Henze,
Max Frisch, Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser. In späteren
Jahren drogenabhängig. Mysteriöser Tod.
Bereits mit
dem ersten Lyrikband wird die faszinierende Sprach- und Bildkraft, die die Logik der
traditionellen Bilderwelt sprengt, von der Kritik enthusiastisch gefeiert; später auch
kritische Töne (Peter O. Chotjewitz: "Kitsch"). Zunächst im
Wesentlichen einseitige Rezeption ("reine Poesie"), die z.B. in der Lyrik
die Kritik an den restaurativen Kräften der Nachkriegsgesellschaft übersieht. Nach
Bachmann liegt die Aufgabe der Dichtung nicht im
ästhetischen Selbstzweck, sondern in der Weltveränderung durch eine neue Sprache (Frankfurter
Vorlesungen). Ihre lyrische Aussagen "behandeln die Begrenztheit sprachlicher
Ausdrucksmöglichkeiten, die Bereiche der Wahrheit des Seins, Grundbedingungen der
Existenz, der Freiheit und der Zeit und die sich daraus entwickelnden menschlichen
Verhaltensweisen, wie Flucht und Isolation" (Pausch).
Die Beschäftigung mit den späteren Prosaarbeiten orientiert sich seit der Mitte
der achtziger Jahre vor allem an feministischen Fragestellungen. "Problemkonstante"
ist dabei die Zerstörung der weiblichen Selbstverwirklichung durch patriarchalische
Machtmechanismen der Gegenwartgesellschaft, denen "sich das weibliche Ich nur um
den Preis der Selbstaufgabe oder im Tod entziehen kann" (R. Pichl).
Auszeichnungen:
1953 |
Preis der Gruppe
47 |
1955 |
Literaturpreis
des Kulturkreises der deutschen Industrie |
1957 |
Literaturpreis
der Stadt Bremen |
1959 |
Hörspielpreis
der Kriegsblinden für Der gute Gott von Manhattan |
1961 |
Berliner
Kritikerpreis für den Erzählband Das dreißigste Jahr |
1964 |
Georg-Büchner-Preis |
1968 |
Großer
Österreichischer Staatspreis |
1971 |
Anton-Wildgans-Preis
der österreichischen Industrie |
wichtige
Lebensdaten:
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1932 |
Volksschule. |
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1936 |
Bundesrealgymnasium. |
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1938-44 |
Ursulinen-Gymnasium
in Klagenfurt. Matura. |
1945 |
Studium
in Innsbruck (Jura, Psychologie, Germanistik und Philosophie). |
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1946 |
Fortsetzung des
Studiums in Graz; ab dem Wintersemester in Wien (Konzentration auf
Philosophie). |
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1948 |
Liebesverhältnis
mit Paul Celan. |
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1949 |
Praktikum an der
Nervenheilanstalt Steinhof in Wien. |
1950 |
Promotion
zum Dr. phil.; Thema der Dissertation: Die kritische Aufnahme der Existentialphilosophie
Martin Heideggers. |
1950-51 |
Reisen
nach Paris und London. Anstellung
im Sekretariat der amerikanischen Besatzungsbehörde in Wien. |
1951-53 |
Redakteurin
beim Sender Rot-Weiß-Rot in Wien. |
1952 |
Mai:
erste
Lesung und literarischer Durchbruch auf einer Tagung der Gruppe 47 in
Niendorf/Ostsee. Sept.: Italien-Reise zusammen mit der Schwester Isolde. |
1953-54 |
Als
freie Schriftstellerin in Italien (Ischia, Neapel). |
1954-57 |
Rom;
Zusammenarbeit und enge Beziehung mit Hans Werner Henze. |
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1954-55 |
Anfangs auch unter
dem Pseudonym Ruth Keller politische Korrespondentin der Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung. |
1955 |
Sommer:
Reise
in die USA auf Einladung der Harvard-University. Teilnahme an einem Seminar,
das von Henry Kissinger geleitet wird; Herbst: Paris. |
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1956 |
Febr. - Aug.: bei
Hans Werner Henze in Neapel. |
1957-58 |
München;
Dramaturgin beim Bayerischen Fernsehen; korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie
für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Wiederaufnahme der Beziehung zu Paul
Celan. |
1958-62 |
Liaison mit Max
Frisch; wechselnder Wohnsitz in Zürich und Rom. |
1959-60 |
Erste
Gastdozentin des neugegründeten Lehrstuhls für Poetik an der Universität
Frankfurt/Main; Vorlesungsreihe: Probleme zeitgenössischer Dichtung |
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1960 |
Reise in die DDR
zusammen mit Hans Magnus Enzensberger und Walter Jens (Ernst Bloch,
Stephan Hermlin). |
1961 |
Aufnahme in die
Westberliner Akademie der Künste. |
1963-65 |
Wohnsitz in
Berlin. |
1964 |
Reisen nach Prag,
Ägypten, Sudan. |
1965-73 |
Wohnsitz in Rom. |
1973 |
März:
Tod des Vaters. Polenreise:
Warschau, Auschwitz, Krakau, Breslau. In der Nacht vom 25. auf den 26.
September schwere Brandverletzungen in der römischen Wohnung (soll mit
brennender Zigarette eingeschlafen sein). Am 17.10. Tod im Krankenhaus
Sant' Eugenio. |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Gedichtbände
1953 |
Die
gestundete Zeit |
1956 |
Anrufung
des Großen Bären |
Erzählungen
1961
(1956-57 e) |
Das
dreißigste Jahr. Erzählungen (u.a. Das dreißigste Jahr, Alles, Ein
Wildermuth, Ein Schritt nach Gomorrha, Jugend in einer österreichischen Stadt, Undine
geht) |
1972 |
Simultan.
Erzählungen (Simultan, Probleme Probleme, Das Gebell, Ihr glücklichen Augen, Drei
Wege zum See) |
1982 |
Gier
(Frgm.) |
Romane
1971 |
Malina |
1978 |
Der
Fall Franza; Requiem für Fanny Goldmann (Fragmente des geplanten Romanzyklus
Todesarten) |
Hörspiele
1952
(a 28.2.) |
Ein
Geschäft mit Träumen |
1955
(a 25.3.) |
Die
Zikaden (Musik von Hans Werner Henze) |
1958
(a 29.5.) |
Der
gute Gott von Manhattan |
Libretti
1955
(1952 a Berlin) |
Der
Idiot. Ballett von Tatjana Gsovsky zur Musik von Hans Werner Henze |
1960
(a Hamburg) |
Der
Prinz von Homburg. Oper von Hans Werner Henze |
1965 |
Der
junge Lord. Komische Oper von Hans Werner Henze |
Übersetzung
1961 |
Guiseppe
Ungaretti: Gedichte (ital. u. dt.) |
Essays -
Reden (Ausw.)
1953 |
Ludwig
Wittgenstein - zu einem Kapitel der jüngsten deutschen Philosophiegeschichte |
1955 |
Was
ich in Rom sah und hörte |
1955 |
Die
blinden Passagiere |
1956 |
Die
wunderliche Musik |
1959 |
Die
Wahrheit ist dem Menschen zumutbar (Rede zur Verleihung des Kriegsblindenpreises) |
1965 |
Ein
Ort für Zufälle (Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises) |
Ausgaben
1964 |
Gedichte,
Erzählungen, Hörspiel, Essays, München (Piper) |
1978 |
Werke,
hg. v. C. Koschel, I. v. Weidenbaum und C. Münster, München/Zürich (4 Bde., Piper) |
1983 |
Wir
müssen wahre Sätze finden. Gespräche und Interviews, hg. v. C. Koschel und I. v.
Weidenbaum, München/Zürich (Piper) |
1987 |
Ausgewählte
Werke, Berlin/Weimar (3 Bde., Aufbau) |
Link:
Ingeborg-Bachmann-Forum
(Literatur-,
Link-, Foto-Sammlung)
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