Begriff:
von portug. barocco,
"unregelmäßig, schief" (urspr. v. d. Perle); Bez. für einen Stil der
Bildenden Kunst; von F. Strich erstmals auf die Literatur übertragen.
Datierung:
Überwindung der lat. Tradition:
normenaufstellende Poetik Opitz´ (Buch von der Deutschen Poeterey, 1624);
verhältnismäßig geschlossener Kunststil.
tragende Schicht:
gehobenes, gebildetes Bürgertum;
Literatur aber höfisch orientiert.
Grundzüge:
Hintergrund: 30jähriger Krieg;
von Gegensätzen geprägt: fürstlicher Machtwillen, Repräsentation - Weltangst, Pessimismus,
Gefühl der Unsicherheit des Lebens; Weltzuwendung - Weltverneinung; Sinnenfreude -
Erkenntnis der Vergänglichkeit, Scheinhaftigkeit, Eitelkeit alles Irdischen (vanitas-Gedanke).
Die Erfahrung der Brüchigkeit der Welt führt zu einer epikureischen carpe-diem-Haltung,
zur stoischen Gelassenheit oder zum christl. Gedanken der Weltüberwindung.
Dichtung ist lernbar (Poetiken); Betonung der Form; virtuose Beherrschung der
(rhetorischen) Darstellungsmittel; dichterischer Ausdruck der Sinnenhaftigkeit und des
dualistischen Lebensgefühls sind vor allem Allegorie, Metapher (Fundus: Emblembücher),
Antithese; antiker Schmuck, mythologische Motive - christlicher Gehalt.
Überfeinerung, Gesuchtheit im Hochbarock ("Marinismus", nach dem italienischen Dichter
Giambattista Marino).
Themen:
Bezugspunkt ist der Tod
("memento mori"); thematisiert werden unter der Polarität von Diesseits und
Jenseits die Scheinhaftigkeit, Veränderlichkeit, Vergänglichkeit der Welt ebenso wie der
Lebensgenuss (Lyrik); Welt als Theater, Leben als Rollenspiel; religiöse Themen; geschichtliche
Stoffe (Trauerspiel); Liebeshändel, "Haupt- und Staatsaktionen" (höfischer Roman).
Dichter:
Beamte, Professoren, Lehrer,
Ärzte, Pastoren, Ordensleute; protestantisches Element herrscht (in der muttersprachlichen
Dichtung) vor; literarische Zentren: Höfe Nord- u. Mitteldeutschland u. Frankens; wichtigste
Landschaft ist aber Schlesien.
bevorzugte Formen:
(Gesellschafts-, religiöse) Lyrik
(verbreitetste Gedichtform: Sonett); Drama (Jesuitendrama, Trauerspiel, Komödie); Roman
(höfisch-historischer R., Schäferroman, satirischer Roman, Schelmenroman).
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Autoren:
Emblem
(Motto, Bild, Epigramm)
EX MAXIMO MINIMUM.

HAE
Sunt Relliquiae Sacrarij, in quo
Fertur viua Dei fuiße imago.
Haec est illius, et domus ruina,
In qua olim Ratio tenebat arcem.
At nunc horribilis figura Mortis.
Ventosum caput, haud habens cerebrum. AUS
DEM GRÖSSTEN DAS KLEINSTE.
Dies sind die Überreste des Heiligtums, in dem
- wie man sagt - das lebendige Ebenbild Gottes gewesen ist.
Dies sind die Trümmer davon und auch von dem Haus,
in dem die Vernunft einst ihren Sitz hatte.
Aber jetzt: die schauderliche Gestalt des Todes,
ein Kopf ohne Hirn, durch den der Wind pfeift. |