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Gottfried Benn
 

Lebensdaten
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Benn-Texte im Netz


 
* 2. Mai 1886 Mansfeld
(Kreis Westprignitz
, Brandenburg)

+ 7. Juli 1956 Berlin (Knochenkrebs)

Grabstätte: Berlin-Dahlem, Waldfriedhof
 

 

   
Gottfried Benn 1934
Bildquelle: Wikimedia

   

 
Arzt, Dichter und Essayist. Sohn des Pastors Gustav Benn (1857-1939) und seiner Frau Caroline, geb. Jequier (1858-1912), einer Schweizerin; sieben Geschwister; aufgewachsen in Sellin in der Neumark; erster Unterricht im Pfarrhaus.
 

1914

1. Ehe mit der Schauspielerin Edith Osterloh, verw. Brosin (1878-1922; Künstlername: Eva Brandt); Tochter Nele (1915-2012); Adoptivsohn: Andreas (1912-1930)

1938

2. Ehe mit Herta von Wedemeyer (1907-1945, Selbstmord)

1946

3. Ehe mit der Zahnärztin Dr. Ilse Kaul (1913-1995)

 
Benns Ausgangspunkte sind Nietzsche und der Expressionismus (Desillusionierung, Negation der überlieferten Weltanschauungen). In seinen frühen Gedichten provokante Erschütterung der konventionellen Vorstellung von Lyrik ("medi-zynisches" Weltbild"): brutale Wirklichkeit der Welt von Leichenschauhaus und Hospital; unsentimentale Aneinanderreihung von Bildern der Krankheit und des fleischlichen Zerfalls ohne Sinndeutung: "Die Krone der Schöpfung, das Schwein, der Mensch". Das Ich treibt in einer absurden Welt verloren dahin; dementsprechend das Stilprinzip der Montage von disparaten "Weltbruchstücken". Ersatz für die metaphysische Leere: "die Transzendenz der schöpferischen Lust"; Kunst als "Ja über den Abgründen". Formvollendung als Antithese zur "Verhirnung": "Das Gehirn ist ein Irrweg. Ein Bluff für den Mittelstand. Wir wollen den Traum. Wir wollen den Rausch. Wir rufen Dionysos und Ithaka." In Benns "monologischer" Prosa Auflösung des traditionellen Erzählens.

Entscheidender Einfluss auf die nachfolgende Dichtergeneration.
   

"Wenn man wie ich die letzten fünfzehn Jahre lang von den Nazis als Schwein, von den Kommunisten als Trottel, von den Demokraten als geistig Prostituierter, von den Emigranten als Überläufer, von den Religiösen als pathologischer Nihilist öffentlich bezeichnet wird, ist man nicht so scharf darauf, wieder in die Öffentlichkeit einzudringen..." (1949).

Auszeichnungen:

1951

Büchner-Preis

1953

Bundesverdienstkreuz


Wichtige Lebensdaten:

1886

Übersiedlung der Familie nach Sellin.

1896-1903

Besuch des humanistischen Friedrichs-Gymnasiums in Frankfurt/Oder. Abitur.

1903-04

Auf Wunsch des Vaters zwei Semester Theologie und Philologie in Marburg.

1904

Sommersemester: Fortsetzung des Studiums in Berlin.

1905-10

Medizinstudium an der Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin.

1910

Abschluss des Medizinstudiums; 1. Preis der medizinischen Fakultät der Universität Berlin für seine Schrift Ätiologie der Pubertätsepilepsie.

1910-11

Unterarzt an der Charité.

1911-12

Unterarzt im Infanterie-Regiment in Prenzlau; quittiert den militärärztlichen Dienst aus gesundheitlichen Gründen (Wanderniere). 

1912

Febr.: Staatsexamen und Promotion mit der Dissertation Über die Häufigkeit des Diabetes mellitus im Heer; März: Approbation als Arzt; Pathologe und Serologe im Krankenhaus Charlottenburg-Westend. April: Tod der Mutter (Brustkrebs).
Im Café des Westens Kontakt zum Kreis der Berliner Expressionisten, enge Freundschaft mit Else Lasker-Schüler; durch die Veröffentlichung der schockierenden Morgue-Gedichte mit einem Schlag berühmt-berüchtigt.

1913

Im Sommerurlaub auf Hiddensee erste Begegnung mit der Witwe Edith Osterloh. Nov.: Leitung des Pathologischen Instituts am Städt. Krankenhaus in der Sophie-Charlottenstraße.

1914

März - Juni: Reisen als Schiffsarzt nach Amerika. Bei Kriegsausbruch Heirat in München. Teilnahme als Militärarzt an den Kämpfen in Belgien.

1915-17

In der Etappe in Brüssel (Oberarzt in einem Prostituiertenkrankenhaus); steht im regen Verkehr mit Sternheim, Flake, Carl Einstein. - Sept.: Geburt der Tochter Nele.

1917

Nov.: Praxis als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Berlin, Belle-Alliance-Str. 12 (bis 1935).

1922

19.11.: Tod von Edith Benn an den Folgen einer Gallenoperation; B. gibt seine Tochter zu einer dänischen Freundin nach Kopenhagen, wo sie aufwächst und Dänin wird. Der Adoptivsohn Andreas kehrt ins Schulinternat nach Niesky bei Dresden zurück.

1929

1.2.: B.s Geliebte, die Schauspielerin Lili Breda (*1888), stürzt sich aus dem 5. Stock in den Tod.

1930

Der Adoptivsohn Andreas stirbt an Tuberkulose.

1932

Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, Abteilung Dichtung. Beginn des Briefwechsels mit Friedrich Wilhelm Oelze.

1933

Nach dem Rücktritt von Heinrich Mann und Käthe Kollwitz Berufung zum kommissarischen Vorsitzenden der Sektion für Dichtung der Akademie der Künste: Loyalitätserklärung an die Mitglieder der Akademie im Sinne der NS-Regierung; daraufhin treten u.a. Ricarda Huch, Alfred Döblin und Thomas Mann aus der Akademie aus.

1934

Vizepräsident der Union nationaler Schriftsteller. Vorübergehend im Bann des Nationalsozialismus; erkennt nach dem Röhm-Putsch den kriminellen Charakter des nationalsozialistischen Regimes.

1935

Reaktivierung als Militärarzt bei der Wehrmacht ("aristokratische Form der Emigration"): Oberstabsarzt in der Wehrersatzinspektion Hannover.

1936

Schwere Angriffe gegen ihn im "Völkischen Beobachter" und in der SS-Zeitung "Das Schwarze Korps".

1937

Versetzung als Versorgungsarzt nach Berlin; Wohnung und Praxis in Schöneberg, Bozener Str. 20 (Wohnsitz bis zum Lebensende).

1938

Jan.: 2. Eheschließung mit seiner Sekretärin Herta von Wedemeyer. März: Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer und Veröffentlichungsverbot.

1939

Tod des Vaters.

1940

Versetzung in das Oberkommando der Wehrmacht als ärztlicher Gutachter für Dienst- und Einsatzbeschädigung.

1943-45

Verlegung der Dienststelle nach Landsberg an der Warthe; Oberstabsarzt.

1945

Flucht nach Berlin in die zerbombte Wohnung; Wiederaufnahme seiner Tätigkeit als Facharzt. -  2.7.: Benns zweite Frau (die an Arthritis leidet und deshalb aufs Land geschickt wurde) nimmt sich auf der Flucht vor der Roten Armee in Neuhaus an der Elbe mit Morphium das Leben.

1946

Dez.: 3. Ehe mit der Zahnärztin Dr. Ilse Kaul. Auf der Liste der unerwünschten Autoren des Deutschen Kulturbundes (Johannes R. Becher).

ab 1948

Erscheinen des Spätwerks.

1951

Bekanntschaft mit Astrid Claes (1928-2011).

1953

Aufgabe der Arztpraxis.

1954

Bekanntschaft mit Ursula Ziebarth (*1921).

1956

Krebserkrankung.


Werke:
e = entstanden

Gedichte

1912

Morgue und andere Gedichte (u.a. Schöne Jugend; Kleine Aster; Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke)

1913

Söhne. Neue Gedichte

1917

Fleisch. Gesammelte Lyrik (u.a. Nachtcafé)

1924

Schutt (Gedichte; u.a. Die Dänin)

1925

Betäubung. Fünf neue Gedichte
Spaltung. Neue Gedichte

1936

Ausgewählte Gedichte. 1911-1936 (u.a. Einsamer nie)

1936

Gedichte

1943

Zweiundzwanzig Gedichte (u.a. Ein Wort, Verlorenes Ich)

1948

Statische Gedichte (u.a. Trunkene Flut)

1949

Trunkene Flut. Ausgewählte Gedichte

1951

Fragmente. Neue Gedichte

1953

Destillationen. Neue Gedichte (u.a. Zwei Dinge)

1955

Aprèslude (Gedichte)

1956

Gesammelte Gedichte 1912-1956

1958

Primäre Tage. Gedichte und Fragmente aus dem Nachlass

Erzählungen/Prosa

1913

Nocturno

1916

Gehirne. Novellen ("Rönne-Novellen"):

  • Gehirne (1915)

  • Die Eroberung (1915)

  • Die Reise (1916)

  • Die Insel (1916)

  • Der Geburtstag (1916)

1918

Diesterweg. Eine Novelle
Querschnitt

1920

Der Garten von Arles

1921

Das letzte Ich

1924

Alexanderzüge mittels Wallungen

1928

Gesammelte Prosa

1929

Urgesicht

1930

Saison

1949

Der Ptolemäer:

  • Weinhaus Wolf

  • Roman des Phänotyp

  • Der Ptolemäer

1949

Der Radardenker

Dramatische Szenen/Gespräche

1919

Etappe
Ithaka. Dramatische Szene
Der Vermessungsdirigent. Erkenntnistheoretisches Drama

1949

Drei alte Männer. Gespräche

1952

Die Stimme hinter dem Vorhang (Hörspiel)

Oratorium

1931

Das Unaufhörliche. Oratorium in 3 Teilen (Vertonung Paul Hindemith)

Essays, Aphorismen, Reden und Vorträge

1920

Das moderne Ich

1928

Totenrede für Klabund

1929

Zur Problematik des Dichterischen

1930

Fazit der Perspektiven

1931

Rede auf Heinrich Mann

1932

Nach dem Nihilismus (urspr. Der Nihilismus und seine Überwindung; u.a. Goethe und die Naturwissenschaften)

1933

Der neue Staat und die Intellektuellen

1934

Kunst und Macht (Sammelbd.; u.a. Lebensweg eines Intellektualisten)

1949
(1940-45 e)

Ausdruckswelt. Essays und Aphorismen

1951

Probleme der Lyrik (Vortrag)

1954

Altern als Problem für Künstler (Vortrag)

1956

Soll die Dichtung das Leben bessern?

Autobiographisches

1950

Doppelleben. Zwei Selbstdarstellungen

1956

Über mich selbst. 1886-1956

Werkausgaben zu Lebzeiten

1922

Die gesammelten Schriften, Berlin: Reiss

1927

Gesammelte Gedichte, Berlin: Kiepenheuer

1928

Gesammelte Prosa, Berlin: Kiepenheuer

1936

Ausgewählte Gedichte. 1911-1936, Stuttgart: DVA

1943

Zweiundzwanzig Gedichte. 1936-1943 (Privatdruck)

1949

Trunkene Flut. Ausgewählte Gedichte (bis 1935), Wiesbaden: Limes

1950

Frühe Prosa und Reden, Wiesbaden: Limes

1951

Essays, Wiesbaden: Limes

1952

Frühe Lyrik und Dramen, Wiesbaden: Limes

1955

Provoziertes Leben (Auswahl aus den Prosaschriften), Frankfurt/M: Das goldene Vlies

1955

Reden, München: Langen-Müller

1956

Gesammelte Gedichte 1912-1956, Wiesbaden: Limes

Werkausgaben

1959-1961

Gesammelte Werke, hg. v. Dieter Wellershoff, Wiesbaden: Limes, (4 Bde.)

1986-2003

Sämtliche Werke, hg. v. Gerhard Schuster, Stuttgart: Klett-Cotta ("Stuttgarter Ausgabe"; 7  Bde.)

  


   
Gottfried-Benn-Gesellschaft e.V.
 

 

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