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Sohn des Pastors Gustav Benn
(1857-1939) und
seiner Frau Caroline, geb. Jequier (1858-1912); aufgewachsen in Sellin in der Neumark; sieben
Geschwister; erster Unterricht im Pfarrhaus.
1914 |
1. Ehe mit
der Schauspielerin Edith Osterloh, verw. Brosin (1878-1922); Tochter Nele (*1915);
Stiefsohn: Andreas |
1938 |
2. Ehe mit Herta
von Wedemeyer (1907-1945, Selbstmord) |
1946 |
3. Ehe mit
der Zahnärztin Dr.
Ilse Kaul (*1913) |
Ausgangspunkt:
Nietzsche, der Expressionismus, Desillusionierung, Negation der überlieferten
Weltanschauungen. Entscheidender Einfluss auf die nachfolgende Dichtergeneration.
In seinen frühen Gedichten provokante Erschütterung der konventionellen
Vorstellung von Lyrik ("medi-zynisches" Weltbild"): brutale Wirklichkeit
der Welt von Leichenschauhaus und Hospital; unsentimentale Aneinanderreihung von Bildern
der Krankheit und des fleischlichen Zerfalls ohne Sinndeutung: "Die Krone der
Schöpfung, das Schwein, der Mensch". Das Ich treibt in einer absurden Welt
verloren dahin; dementsprechend das Stilprinzip der Montage von disparaten "Weltbruchstücken".
Ersatz für die metaphysische Leere: "die Transzendenz der schöpferischen
Lust"; Kunst als "Ja über den Abgründen". Formvollendung
als Antithese zur "Verhirnung": "Das Gehirn ist ein Irrweg.
Ein Bluff für den Mittelstand. Wir wollen den Traum. Wir wollen den Rausch. Wir rufen
Dionysos und Ithaka."
In Benns "monologischer" Prosa Auflösung des traditionellen Erzählens.
"Wenn
man wie ich die letzten fünfzehn Jahre lang von den Nazis als Schwein, von den
Kommunisten als Trottel, von den Demokraten als geistig Prostituierter, von den Emigranten
als Überläufer, von den Religiösen als pathologischer Nihilist öffentlich bezeichnet
wird, ist man nicht so scharf darauf, wieder in die Öffentlichkeit einzudringen..."
(1949).
Auszeichnungen:
wichtige
Lebensdaten:
1886 |
Übersiedlung der
Familie nach Sellin. |
1896-1903 |
Besuch des
humanistischen Friedrichs-Gymnasiums in Frankfurt/Oder. Abitur. |
1903-04 |
Auf Wunsch des
Vaters zwei Semester Theologie und Philologie in Marburg. |
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1904 |
Sommersemester:
Fortsetzung des Studiums in Berlin. |
1905-10 |
Medizinstudium
an
der Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin. |
1910 |
Abschluss
des Medizinstudiums; 1. Preis der
medizinischen Fakultät der Universität Berlin für seine Schrift Ätiologie der
Pubertätsepilepsie. |
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1910-11 |
Unterarzt in der
Charité. |
1911-12 |
Unterarzt im
Infanterie-Regiment in Prenzlau; quittiert den militärärztlichen Dienst aus
gesundheitlichen Gründen (Wanderniere). |
1912 |
Febr.:
Promotion mit der
Dissertation Über die Häufigkeit des Diabetes mellitus im Heer; Approbation als
Arzt; Pathologe und Serologe im Krankenhaus Charlottenburg-Westend. April:
Tod der Mutter (Brustkrebs).
Iim Café des Westens
Kontakt zum Kreis der Berliner Expressionisten, enge Freundschaft mit Else Lasker-Schüler;
durch die Veröffentlichung der schockierenden Morgue-Gedichte mit einem Schlag
berühmt-berüchtigt. |
1913 |
Im
Sommerurlaub auf Hiddensee erste Begegnung mit der Witwe Edith Osterloh.
Nov.: Leitung des
Pathologischen Instituts am Städt. Krankenhaus in der Sophie-Charlottenstraße. |
1914 |
März
- Juni: Reisen als
Schiffsarzt nach Amerika. Bei Kriegsausbruch Heirat in München. Teilnahme als Militärarzt an den
Kämpfen in Belgien. |
1915-17 |
In der Etappe in
Brüssel; steht im regen Verkehr mit Sternheim, Flake, Carl Einstein. |
1917 |
Nov.:
Praxis als
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Berlin. |
1922 |
Tod von Edith
Benn bei einer Gallenoperation; B. gibt seine Tochter zu einer dänischen Freundin nach Kopenhagen, wo sie
aufwächst und Dänin wird. |
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1929 |
B.s Geliebte, die
Schauspielerin Lili Breda, stürzt sich aus dem 5. Stock in den Tod. |
1932 |
Mitglied der
Preußischen Akademie der Künste, Abteilung Dichtung. Beginn des
Briefwechsels mit Friedrich Wilhelm Oelze. |
1933-34 |
Vorübergehend im
Bann des Nationalsozialismus; erkennt nach dem Röhm-Putsch den kriminellen Charakter des
nationalsozialistischen Regimes. |
1935 |
Reaktivierung als
Militärarzt bei der Wehrmacht ("aristokratische Form der Emigration"): Oberstabsarzt
in der Wehrersatzinspektion Hannover; |
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1936 |
Schwere Angriffe gegen ihn im "Völkischen Beobachter"
und in der SS-Zeitung "Das Schwarze Korps". |
1937 |
Versetzung nach
Berlin; Versorgungsarzt. |
1938 |
Jan.:
2. Eheschließung mit seiner Sekretärin Herta von Wedemeyer. März: Ausschluss aus
der Reichsschrifttumskammer (Veröffentlichungsverbot). |
1943-45 |
Oberstabsarzt in
Landsberg an der Warthe. |
1945 |
Rückkehr
nach Berlin. 2.7.: Benns zweite Frau (die an Arthritis leidet und deshalb
aufs Land geschickt wurde) nimmt sich auf der Flucht vor der Roten Armee in Neuhaus an der Elbe
mit Morphium das Leben. |
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1946 |
Dez.: 3. Ehe mit
der Zahnärztin Dr. Ilse Kaul. Auf der Liste der unerwünschten Autoren
des Deutschen Kulturbundes (Johannes R. Becher). |
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ab
1948 |
Erscheinen des
Spätwerks. |
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1951 |
Bekanntschaft mit
Astrid Claes (*1928). |
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1954 |
Bekanntschaft mit
Ursula Ziebarth (*1921). |
Werke:
e = entstanden
Lyrik
1912 |
Morgue und andere
Gedichte (u.a. Schöne Jugend, Kleine Aster, Mann und Frau gehn durch die
Krebsbaracke) |
1913 |
Söhne. Neue
Gedichte |
1917 |
Fleisch. Gesammelte
Lyrik (u.a. Nachtcafé) |
1924 |
Schutt
(Gedichte) |
1925 |
Spaltung.
Neue Gedichte |
1927 |
Gesammelte
Gedichte |
1936 |
Ausgewählte
Gedichte. 1911-1936 (u.a. Einsamer nie) |
1936 |
Gedichte |
1943 |
Zweiundzwanzig
Gedichte (u.a. Ein Wort, Verlorenes Ich) |
1948 |
Statische
Gedichte (u.a. Trunkene Flut) |
1949 |
Trunkene Flut. Ausgewählte
Gedichte |
1951 |
Fragmente. Neue
Gedichte |
1953 |
Destillationen. Neue
Gedichte (u.a. Zwei Dinge) |
1955 |
Aprèslude (Gedichte) |
1956 |
Gesammelte
Gedichte |
1958 |
Primäre Tage. Gedichte
und Fragmente aus dem Nachlass |
Erzählungen/Prosa
1916 |
Gehirne. Novellen
("Rönne-Novellen": Gehirne, Die Eroberung, Die Reise, Die Insel, Der
Geburtstag) |
1918 |
Diesterweg. Eine
Novelle |
1949 |
Der Ptolemäer
(Der Ptolemäer. Berliner Novelle 1947; Weinhaus Wolf; Roman des Phänotyp) |
Dramatische
Szenen/Gespräche
1919 |
Der
Vermessungsdirigent. Erkenntnistheoretisches Drama |
1919 |
Etappe |
1949 |
Drei alte
Männer. Gespräche |
1952 |
Die Stimme hinter
dem Vorhang (Hörspiel) |
Oratorium
1931 |
Das
Unaufhörliche. Oratorium in 3 Teilen (Vertonung Paul Hindemith) |
Essays,
Aphorismen, Reden und Vorträge
1928 |
Totenrede für
Klabund |
1929 |
Zur Problematik
des Dichterischen |
1930 |
Fazit der
Perspektiven |
1931 |
Rede auf Heinrich
Mann |
1932 |
Nach dem
Nihilismus (urspr. Der Nihilismus und seine Überwindung) |
1933 |
Der neue Staat
und die Intellektuellen |
1934 |
Kunst und Macht
(Sammelbd.; u.a. Lebensweg eines Intellektualisten) |
1949
(1940-45 e) |
Ausdruckswelt. Essays
und Aphorismen |
1951 |
Probleme der
Lyrik |
1954 |
Altern als
Problem für Künstler |
1956 |
Soll die Dichtung
das Leben bessern? |
Autobiographie
1950 |
Doppelleben. Zwei
Selbstdarstellungen |
Ausgaben
zu Lebzeiten
1922 |
Die gesammelten
Schriften |
1927 |
Gesammelte
Gedichte |
1928 |
Gesammelte Prosa |
1936 |
Ausgewählte
Gedichte. 1911-1936 |
1949 |
Trunkene Flut. Ausgewählte
Gedichte (bis 1935) |
1950 |
Frühe Prosa und
Reden |
1951 |
Essays |
1952 |
Frühe Lyrik und
Dramen |
1955 |
Reden |
1956 |
Gesammelte
Gedichte |
Link:
Gottfried-Benn-Gesellschaft
e.V.
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