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Biedermeier (1820-1850) 


Begriff:

Nach Eichrodts kritisch-parodistischen Gedichten des schwäbischen Schullehrers Gottlieb Biedermeier und seines Freundes Horatius Treuherz (1850).

Datierung:

Deckungsgleich mit der politischen Periode der Restauration (Karlsbader Beschlüsse - Revolution von 1848).

Tragende Schicht:

Bürgertum.

Grundzüge:

Zurückgezogenheit, Privatleben, Traditionsbewusstsein, konservative Haltung, Resignation, Rückzug in die Innerlichkeit, Ordnung.
Gefühl, Phantasie, Humor, Heiterkeit auf dem Grunde der Schwermut (Kluckhohn)

Themen:

Heile Welt; Selbstbescheidung, Maß, Zähmung der Leidenschaften, stille Unterordnung unter das Schicksal; Liebe zum Unscheinbaren, zur Natur, Geschichte; kleines Glück, Alltag.

Dichter:

Großenteils Schwermütige, Verzweifelte, Verbitterte, Hypochonder mit unerfüllten Lebenshoffnungen (Selbstmord: Raimund, Stifter; Wahnsinn: Lenau).

Bevorzugte Formen:

Neigung zur kleinen Form: Erzählung, Märchen, Novelle, Verserzählung, Ballade, Lyrik (Drama: Grillparzer; Volkslustspiel: Raimund, Nestroy; Roman: Mörike, Stifter).


Autorinnen und Autoren:

        

       

Carl Spitzweg: Der arme Poet (1835)

    

Das "sanfte Gesetz":
[...] So wie es in der äußeren Natur ist, so ist es auch in der inneren, in der des menschlichen Geschlechtes. Ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Einfachheit, Bezwingung seiner selbst, Verstandesgemäßheit, Wirksamkeit in seinem Kreise, Bewunderung des Schönen verbunden mit einem heiteren gelassenen Sterben halte ich für groß: mächtige Bewegungen des Gemütes, furchtbar einherrollenden Zorn, die Begier nach Rache, den entzündeten Geist, der nach Tätigkeit strebt, umreißt, ändert, zerstört und in der Erregung oft das eigene Leben hinwirft, halte ich nicht für größer, sondern für kleiner, da diese Dinge so gut nur Hervorbringungen einzelner und einseitiger Kräfte sind, wie Stürme, Feuer speiende Berge, Erdbeben. Wir wollen das sanfte Gesetz zu erblicken suchen, wodurch das menschliche Geschlecht geleitet wird. [...] Es ist [...] das Gesetz der Gerechtigkeit, das Gesetz der Sitte, das Gesetz, das will, dass jeder geachtet, geehrt und ungefährdet neben dem andern bestehe, dass er seine höhere menschliche Laufbahn gehen könne, sich Liebe und Bewunderung seiner Mitmenschen erwerbe, dass er als Kleinod gehütet werde, wie jeder Mensch ein Kleinod für alle andern Menschen ist. Dieses Gesetz liegt überall, wo Menschen neben Menschen wohnen.
(Adalbert Stifter: Vorrede zu Bunte Steine, 1853)

 

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© Willi Vocke

2000

    

     

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