*20. Mai 1921 Hamburg
+20.
November 1947 Basel (Leberversagen)
begraben: Hamburg, Ohlsdorfer
Friedhof
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Einziges
Kind des Volksschullehrers Fritz Borchert (1890-1959) und dessen Ehefrau, der
Heimatdichterin Hertha Borchert (1895-1985).
Identifikationsfigur
der durch den 2. Weltkrieg "betrogenen" Generation; erste authentische Stimme
der "Trümmerliteratur": Geschichten vom alltäglichen Leiden und Sterben,
Friedensmanifeste. Ungeheure Wirkung des Hör-/Schauspiels "Draußen vor der
Tür"; erstes auch im Ausland beachtete Werk der deutschen Nachkriegsliteratur.
Spätexpressionistische Elemente.
wichtige Lebensdaten:
1928-1932 |
Volksschule. |
1932 |
Oberrealschule
in Hamburg-Eppendorf. |
1938 |
Veröffentlichung
der ersten Gedichte im Hamburger Anzeiger; Vorbilder: Hölderlin, Rilke; Abgang
von der Oberrealschule mit Abschluss der Obersekunda. |
1939 |
Lehrling in einer
Buchhandlung; heimlicher Schauspielunterricht. |
1940 |
Teilnahme an
literarischen Diskussionsabenden, auf denen damals streng verbotene expressionistische
Gedichte vorgelesen wurden; erster Zusammenstoß mit der Gestapo; vom 19. auf den 20.4.
auf der Polizeiwache eingesperrt: Ende des Jahres bestandene Eignungsprüfung vor der
Reichstheaterkammer, Engagement an der "Landesbühne Osthannover" in Lüneburg
(Wanderbühne). |
1941 |
Rollen in
zeitgenössischen Schwänken; Einberufungsbefehl; ab Juni in einer
Panzer-Nachrichten-Einheit in Weimar-Lützendorf Ausbildung zum Funker; Einsatz an der
Ostfront (Witebsk, Klin-Kalinin). Bei einem Postengang an der linken Hand verletzt,
Verlust des Mittelfingers; Diphtherie und Gelbsucht; ins Heimatlazarett Schwabach. |
1942 |
Verhaftung wegen
(angeblicher) Selbstverstümmelung, um sich wehrdienstunfähig zu machen; bei einer
Hausdurchsuchung in Hamburg werden belastende Briefe gefunden, die Borcherts Verurteilung
des Nationalsozialismus und des Krieges erkennen lassen; drei Monate
Einzel-Untersuchungshaft im Untersuchungsgefängnis Nürnberg; 31.7.: Verhandlung;
Beantragung der Todesstrafe durch Erschießen. Freispruch; wegen "staatsgefährdender
Äußerungen" allerdings wenig später zu vier Monaten Gefängnis verurteilt; Urteil
wird auf Borcherts Antrag hin in sechs Wochen verschärften Arrest mit anschließender
Frontbewährung umgewandelt.
November: wieder an der Front in Russland (Melder ohne Waffe); Dezember: Erfrierungen an
den Füßen, Lazarett. |
1943 |
Fleckfieberverdacht;
Seuchenlazarett Smolensk; aus dem Fenster Blick auf die Gräber von 700 Fleckfiebertoten.
Fleckfieberverdacht bestätigt sich nicht; über Radom und Minsk ins Heimatlazarett nach
Elend/Harz; Juli: wieder beim Ersatzbataillon in Jena; im Oktober Fieberanfälle und
Leberbeschwerden; soll wegen Dienstunfähigkeit zu einem Fronttheater abgestellt werden.
Aufgrund einer Denunziation erneute Verhaftung einen Tag vor der Entlassung
wegen einer Parodie auf Reichspropagandaminister Goebbels. Nach der Voruntersuchung
vorübergehende Haftentlassung. |
1944 |
Festnahme;
Untersuchungsgefängnis an der Lehrter Straße in Berlin; neun Monate Warten auf den
Prozess; aufgrund günstiger Beurteilungen seiner Vorgesetzten "nur" 9 Monate
Gefängnis wegen Wehrkraftzersetzung, "Strafaufschub zwecks Frontbewährung". |
1945 |
Gefangennahme
durch die Franzosen bei Frankfurt; B. flieht, schlägt sich in einem 600 km langen Marsch
nach Hamburg durch; Regieassistent am Hamburger Schauspielhaus; Gründung des
Zimmertheaters Die Komödie. Ende das Jahres im Krankenhaus; Wiederaufnahme der
schriftstellerischen Tätigkeit. Krankheit wird fälschlicherweise als Leberentzündung
diagnostiziert; in Wirklichkeit ist seine Leber durch Ernährungsschäden außer Funktion
gesetzt. |
1946 |
Entlassung aus
dem Krankenhaus. |
1947 |
Gesundheitszustand
verschlechtert sich; Gönner versuchen einen Kuraufenthalt in der Schweiz zu vermitteln;
Sept.: im Liegewagen in die Schweiz, der Todkranke wird ins Claraspital zu Basel gebracht;
innere Blutungen, Tod. 22 Stunden nach dem Tod Uraufführung von Draußen vor der Tür
an den Hamburger Kammerspielen. |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Hörspiel/Drama
1947
(a Hamburg; 1946 e) |
Draußen
vor der Tür. Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will (Hörspiel:
a 13.2.47 Nordwestdeutscher Rundfunk Hamburg; Bühnenstück: a 21.11.47 Hamburger
Kammerspiele) |
Erzählungen,
Prosaskizzen: Sammelbände
1947
(1946 e) |
Die
Hundeblume (12 Erz., u.a. Die Hundeblume, Generation ohne Abschied, Die Stadt) |
1947
(1946-47 e) |
An
diesem Dienstag (19 Erz., u.a. Die Kegelbahn, Vier Soldaten, Mein bleicher
Bruder, Jesus macht nicht mehr mit, Die drei dunklen Könige, An diesem Dienstag, Die
Küchenuhr, Unser kleiner Mozart, Nachts schlafen die Ratten doch, Im Mai, im Mai schrie
der Kuckuck) |
1948 |
Im
Mai, im Mai schrie der Kuckuck |
1948 |
Hundeblumengeschichten |
1962 |
Die traurigen
Geranien und andere Geschichten aus dem Nachlass |
Gedichtband
1946
(1940-45 e) |
Laterne,
Nacht und Sterne |
Gesamtausgabe
1949 |
Das
Gesamtwerk, hg. v. Bernhard Meyer-Marwitz |
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