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Zweiter
Sohn des aus
Italien eingewanderten Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano (1735-1797) und seiner zweiten Frau,
Maximiliane von La Roche (1756-1793, Tochter des kurtrierischen Kanzlers Georg von La Roche und
dessen Frau Sophie); Geschwister (u.a.): Georg
(1775-1851), Sophie (1776-1800), Kunigunde
("Gunda", 1780-1863; verh. mit Karl Friedrich von Savigny, 1779-1861),
Christian (1784-1851), Bettine (1785-1859), Ludovica
("Lulu", 1787-1854), Meline (1788-1861); Halbbrüder: Anton (1763-1833), Franz (1765-1844), Dominicus
(1769-1825).
Geboren im Haus der Großeltern. Unglückliche Kindheit: ab dem 6.
Lebensjahr im Hause der Tante Luise in Koblenz (zusammen mit der Schwester Sophie); bis
1793 häufig wechselnder Aufenthalt bei Verwandten und in Erziehungsinstituten in Koblenz,
Frankfurt, Mannheim, Bonn. Lebenslange Suche nach Einheit und Geborgenheit. Unstetes Leben
voller Schicksalsschläge. Existenz- und Schaffenswende ab 1817.
Bilden wohl
kann ich manches,
Liederdichten und singen,
Gern auch leiht mir
und meinem Werke
Die empfänglichen Sinne
Mein Liebchen.
Aber Ruhe, Ruhe
Wo wohnt sie
Ach Ruhe, die nimmer
Sich mir gesellt...
1803 |
Heirat mit der Schriftstellerin Sophie Mereau, geb.
Schubart (1770-1806); Kinder: Achim Ariel Tyll
(*+1804), Joachime Elisabeth (*+1805) |
1807 |
Heirat mit Auguste Bußmann (1791-1832; 1809 Trennung;
1814
Scheidung) |
Stärkste
und vielseitigste Begabung unter den Romantikern; umfangreiches und vielfältiges Werk;
Bildlichkeit und Musikalität der lyr. Sprache; eigentlicher Publikumserfolg waren die in
alle europäischen Sprachen übersetzten Erbauungsschriften, die zu katholischen
Volksbüchern wurden (Einfluss auf Adam Mickiewicz und Paul Claudel); deshalb einseitiges
Brentano-Bild im 19. Jh. Heute ist der hohe literarische Rang des Werkes und seine
Ausstrahlung auf Büchner, Heine, Mörike, den Expressionismus und die französische Lyrik
von Baudelaire bis Apollinaire anerkannt.
wichtige
Lebensdaten:
1785 |
Geburt
der Schwester Bettina. |
1787 |
Im Pensionat
eines ehemaligen Jesuiten in Heidelberg. |
1787-90 |
Herbst: Rückkehr
nach Koblenz; Besuch des Jesuitengymnasiums (zusammen mit Joseph Görres). |
1791-93 |
Im Mannheimer
Philanthropin (christl. Erziehungsinstitut). |
1793 |
Nov.: Tod der
Mutter; Dez.: Studium der Bergwissenschaften in Bonn. |
1794 |
(Gegen
seinen Willen) Kaufmannslehrling im väterlichen Kontor in Frankfurt. |
1796 |
Kaufmannslehre
in Langensalza bei einem Geschäftsfreund des Vaters; anschließend wieder im Kontor des
Vaters. |
1797 |
Tod
des Vaters; Fortsetzung des Studiums der Berg- und Kameralwissenschaft an der Universität
Halle. |
1798 |
Student der
Medizin in Jena; im Kreis der Frühromantiker (Brüder Schlegel, Tieck); Kontakte zu
Wieland, Herder, Goethe; Bekanntschaft mit Sophie Mereau. |
1799 |
Mai:
Bekanntschaft mit Minna Reichenbach; Juli: mit Sophie Mereau Besuch bei der Großmutter
Sophie von La Roche und der Schwester Sophie; Aug.: Beginn der Freundschaft mit Friedrich
Karl von Savigny; Dez.: wieder in Jena. |
1800 |
Juni: Reise nach
Leipzig und Altenburg; Aug.: Zerwürfnis mit Sophie Mereau; Sept.: Tod der
Lieblingsschwester Sophie (bei Wieland in Oßmannstedt). |
1801 |
Übersiedlung
nach Marburg zu Savigny; Mai: Studium der Philosophie in Göttingen; Juni: Freundschaft
mit Achim von Arnim; Juli: Scheidung Sophie Mereaus; Okt.: Rheinreise mit Savigny. |
1802 |
Rheinreise mit
Arnim; Reisen nach Marburg, Frankfurt, Koblenz, Düsseldorf. |
1803 |
Versöhnung mit
Sophie Mereau in Weimar; Heirat in Marburg. |
1804 |
Übersiedlung
nach Heidelberg; Okt.: Besuch bei Arnim in Berlin; gemeinsamer Besuch bei Tieck in
Ziebingen. |
1805 |
April:
Frankfurt/M.; Mai: Arnim kommt nach Heidelberg. |
1806 |
Sept.:
Frankfurt/M.; Okt.: Sophie Mereau-Brentano stirbt bei einer Totgeburt in Heidelberg. |
1807 |
Mai-Juni: Reise
nach Holland; Juli: Liaison mit der sechzehnjährigen Auguste Bußmann; Aug.: Entführung
Augustes; Heirat und unglückliche Ehe; Okt.: Reise nach Giebichenstein, Treffen mit
Arnim; Nov.: mit Arnim Reise nach Weimar, Treffen mit Goethe; dann mit Arnim in Kassel. |
1808 |
April: gemeinsame
Wohnung mit Arnim in Heidelberg; Redakteur der "Zeitung für Einsiedler"
(bis Aug.); Reise zu Savigny nach Landshut. |
1809 |
Feb.:
Auseinandersetzungen mit Auguste, Trennung: Reise nach München;
Selbstmordversuch Augustes. März: Rückkehr nach
Landshut; Juli: über Nürnberg, Jena, Weimar, Giebichenstein nach Berlin. |
1809-11 |
Im Kreise der
Berliner Romantiker. |
1811 |
Jan.: Gründung
der Christlich deutschen Tischgesellschaft (mit Arnim, Kleist, A. Müller,
Chamisso, Fouqué); März: Arnim heiratet Brentanos Schwester Bettine; Juli: Aufenthalt
auf dem Familiengut Bukowan (Böhmen) und in Prag (bis 1813); Liebe zur Prager
Schauspielerin Auguste Brede; Okt.: Freundschaft mit Karl August Varnhagen. |
1812 |
April: Bruch mit Varnhagen; Aug.: Reise nach Teplitz; Treffen mit Arnim, Bettina,
Schwester Gunda und Savigny (seit 1804 mit Gunda verheiratet). |
1813-14 |
Wien;
Theaterkritiken. |
1814 |
Scheidung von
Auguste. Sept.: bei Arnim
in Wiepersdorf; Nov.: Rückkehr nach Berlin. |
1815 |
Schwere
Existenzkrise. |
1816 |
Jan.: Gründung
der Maikäferei (polit.-liter. Abendgesellschaft); Mai-Juni: mit Wilhelm Grimm
bei Arnim in Wiepersdorf; Okt.: Bekanntschaft mit der Pastorentochter Luise Hensel
(1798-1876); Dez.: vergebliche Werbung (Hensel-Lyrik). |
1817 |
"Generalbeichte":
Rückwendung zur katholischen Kirche; Abwendung von seiner früherer Dichtung; Dez.:
Brentanos Bruder Christian berichtet von seinem Aufenthalt bei der stigmatisierten
ehemaligen Nonne Anna Katharina Emmerick in Dülmen. |
1818-24 |
Ab Sept. 1818:
Dülmen. Aufzeichnung der Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick;
Arnim (1820) und Luise Hensel (1821, 1822) zu Besuch in Dülmen. |
1819-21 |
Brentanos Bruder
Christian in Dülmen. |
1824 |
Feb.: Tod A. K.
Emmericks; danach unruhiges Wanderleben: Bocholt (bei Johann Christian von Bostel), Bonn,
Wiesbaden, Frankfurt, Koblenz. |
1825 |
Übersiedlung
nach Koblenz zu dem Fabrikanten Hermann Joseph Dietz; Herbst: Straßburg, Schweiz. |
1827 |
März: mit
Dietz nach Paris und Lothringen, um den Orden der Barmherzigen Schwestern
kennen zu lernen;
Aug.-Sept.: Reisen nach Mainz, Koblenz, Köln, Bocholt, Düsseldorf, Bonn. |
1828 |
Aug.
- Dez.:
Reise nach Luzern (Treffen mit dem Bruder Christian). |
1829 |
Übersiedlung
nach Frankfurt. |
1831 |
Tod des
Freundes Arnim in Wiepersdorf. |
1832 |
Selbstmord
Auguste Bußmanns; Okt.: Übersiedlung nach Regensburg. |
1833 |
Sept.: Umzug nach
München. Liebe zur Schweizer Malerin Emilie Linder (Linder-Lyrik). |
1839 |
Reise nach
Regensburg. |
1841 |
Mit Justinus
Kerner Fahrt nach Augsburg; Aug. - Nov.: bei Christian in Aschaffenburg und in Frankfurt. |
1842 |
Schwere
Erkrankung; Juli: Christian bringt den Todkranken nach Aschaffenburg; Tod im Hause des
Bruders. |
Werke:
(e = entstanden; a =
Uraufführung)
Lyrik
1805 |
Des
Knaben Wunderhorn Bd. 1 (Slg. von Gedichten und Liedern; herausg. zusammen mit Achim
von Arnim) |
1808 |
Des Knaben
Wunderhorn Bd. 2 und Bd. 3 |
1830 |
Das
Mosel-Eisgangs-Lied |
1841 |
Legende
von der heiligen Marina |
1852 |
Gedichte (im
Rahmen der Gesammelten Schriften) |
1852
(1803-12 e) |
Romanzen vom
Rosenkranz (Zyklus; unvollendet) |
Erzählungen
1807 |
Entweder
wunderbare Geschichte von BOGS, dem Uhrmacher (Satire, zus. mit Joseph Görres) |
1809 |
Der
Goldfaden. Eine schöne alte Geschichte wieder herausgegeben |
1815 |
Die
Schachtel mit der Friedenspuppe |
1817 |
Die drei Nüsse |
1817
(1811 e) |
Die mehreren
Wehmüller und ungarische Nationalgesichter |
1817 |
Geschichte vom
braven Kasperl und dem schönen Annerl |
1818 |
Aus der Chronika
eines fahrenden Schülers (Frgm.) |
1837 |
Das Märchen von
Gockel, Hinkel und Gackeleia |
1846/47
(ab 1808 e) |
Die
Märchen des Clemens Brentano (2 Bde.; Bd. 1: Rheinmärchen [Teile unautorisiert
1826/27]: Das Märchen von dem Rhein und dem Müller Radlauf, Das Märchen von dem
Hause Starenberg und den Ahnen des Müllers Radlauf, Das Märchen vom Murmeltier, Das
Märchen vom Schneider Siebentot auf einen Schlag; Bd.2: Italienische Märchen: Das
Märchen von dem Myrtenfräulein, ...von dem Dilldapp, ...von Komanditchen, ...von
Rosenblättchen, ...von dem Baron von Hüpfenstich, ...von Fanferlieschen
Schönefüßchen, ...von dem Witzenspitzel, ...von dem Schulmeister Klopfstock und seinen
fünf Söhnen) |
Romane
1801-02
(ab 1798 e) |
Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter (2 Bde.) |
1949
(1811 e) |
Der
schiffbrüchige Galeerensklave vom toten Meer (unvollendet) |
Dramen
1800 |
Gustav
Wasa (= Satiren und poetische Spiele von Maria. Erstes Bändchen; Kotzebue-Satire) |
1803
(a Düsseldorf; 1802 e) |
Die
lustigen Musikanten (Singspiel) |
1803
(1801 e; 1814 a Wien) |
Ponce
de Leon (Lustspiel; a u.d.T. Valeria oder Vaterlist) |
1814 |
Die
Gründung Prags (hist.-romant. Drama) |
1817
(1813 e) |
Victoria
und ihre Geschwister mit fliegenden Fahnen und brennender Lunte (patriotisches
Festspiel) |
1841
(1813 e) |
Am
Rhein! Am Rhein! (patriotisches Drama) |
1912 |
Aloys
und Imelde (Trauerspiel) |
sonstige
Prosa
1811 |
Der Philister vor, in und nach der Geschichte. Aufgestellt, begleitet und
bespiegelt aus göttlichen und weltlichen Schriften und eigenen Beobachtungen (Satire) |
1831 |
Die
Barmherzigen Schwestern in Bezug auf Armen- und Krankenpflege |
Erbauungsliteratur
1833 |
Das
bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi. Nach den Betrachtungen der gottseligen Anna
Katharina Emmerich, Augustinerin des Klosters Agnetenberg zu Dülmen nebst dem
Lebensumriß dieser Begnadigten (anonym) |
1852
(ab 1840 e) |
Leben
der heiligen Jungfrau Maria. Nach den Betrachtungen der gottseligen Anna Katharina
Emmerich, Augustinerin des Klosters Agnetenberg zu Dülmen. Aufgeschrieben von Clemens
Brentano |
1858-60 |
Das
Leben unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi (3 Bde.) |
Brentano
als Herausgeber
1817 |
Friedrich
Spee: Trutz Nachtigall. Ein geistlich poetisches Lustwäldlein. Wörtlich treue Ausgabe
vermehrt mit den Liedern aus dem güldenen Tugendbuch desselben Dichters (gemeinsam
mit Luise Hensel) |
1829 |
Friedrich
Spee´s goldenes Tugendbuch (Bearbeitung zusammen mit Anna von Hertling) |
Gesamtausgaben
1852-55 |
Gesammelte
Schriften, hg. v. Christian Brentano, Frankfurt/M. (9 Bde.) |
1963-68 |
Werke,
hg. v. Wolfgang Frühwald u. Friedhelm Kemp, München (4 Bde.) |
1975ff. |
Sämtliche
Werke und Briefe, hg. v. Jürgen Behrens, Konrad Feilchenfeldt, Wolfgang Frühwald,
Christoph Perels u. Hartwig Schultz, Stuttgart u.a. (36 Bde.) |
Abendständchen
Hör, es klagt die Flöte wieder,
und die kühlen Brunnen rauschen,
golden wehn die Töne nieder -
stille, stille, lass uns lauschen!Holdes Bitten,
mild Verlangen,
wie es süß zum Herzen spricht!
Durch die Nacht, die mich umfangen,
blickt zu mir der Töne Licht. |
Der
Spinnerin Nachtlied Es sang vor langen
Jahren
Wohl auch die Nachtigall,
Das war wohl süßer Schall,
Da wir zusammen waren.
Ich sing und kann nicht weinen,
Und spinne so allein
Den Faden klar und rein
So lang der Mond wird scheinen.
Als wir zusammen waren
Da sang die Nachtigall
Nun mahnet mich ihr Schall
Dass du von mir gefahren.
So oft der Mond mag scheinen,
Denk ich wohl dein allein,
Mein Herz ist klar und rein,
Gott wolle uns vereinen.
Seit du von mir gefahren,
Singt stets die Nachtigall,
Ich denk bei ihrem Schall,
Wie wir zusammen waren.
Gott wolle uns vereinen.
Hier spinn ich so allein,
Der Mond scheint klar und rein,
Ich sing und möchte weinen.
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