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Clemens Brentano
 

vollst.: Clemens Maria Wenzeslaus
 
Lebensdaten | Werk

Brentano-Texte im Netz


* 9. September 1778 Ehrenbreitstein bei Koblenz

+ 28. Juli 1842 Aschaffenburg (Herzleiden)

Grabstätte: Aschaffenburg, Altstadtfriedhof

 

 
Gemälde von Emilie Linder (1835)
 

 
Zweiter Sohn des aus Italien eingewanderten Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano (1735-1797) und seiner zweiten Frau, Maximiliane von La Roche (1756-1793, Tochter des kurtrierischen Kanzlers Georg von La Roche und dessen Frau Sophie); Geschwister (u.a.):
Georg (1775-1851), Sophie (1776-1800), Kunigunde ("Gunda", 1780-1863; verh. mit Karl Friedrich von Savigny, 1779-1861), Christian (1784-1851), Bettine (1785-1859), Ludovica ("Lulu", 1787-1854), Meline (1788-1861); Halbbrüder: Anton (1763-1833), Franz (1765-1844), Dominicus (1769-1825).
Geboren im Haus der Großeltern. Unglückliche Kindheit: ab dem 6. Lebensjahr im Hause der Tante Luise in Koblenz (zusammen mit der Schwester Sophie); bis 1793 häufig wechselnder Aufenthalt bei Verwandten und in Erziehungsinstituten in Koblenz, Frankfurt, Mannheim, Bonn. Lebenslange Suche nach Einheit und Geborgenheit. Unstetes Leben voller Schicksalsschläge. Existenz- und Schaffenswende ab 1817.

Bilden wohl kann ich manches,
Liederdichten und singen,
Gern auch leiht mir
und meinem Werke
Die empfänglichen Sinne
Mein Liebchen.

Aber Ruhe, Ruhe
Wo wohnt sie
Ach Ruhe, die nimmer
Sich mir gesellt...

1803

Heirat mit der Schriftstellerin Sophie Mereau, geb. Schubart (1770-1806); Kinder: Achim Ariel Tyll (*+1804), Joachime Elisabeth (*+1805)

1807

Heirat mit Auguste Bußmann (1791-1832; 1809 Trennung; 1814 Scheidung)

 
Stärkste und vielseitigste Begabung unter den Romantikern; umfangreiches und vielfältiges Werk; Bildlichkeit und Musikalität der lyr. Sprache; eigentlicher Publikumserfolg waren die in alle europäischen Sprachen übersetzten Erbauungsschriften, die zu katholischen Volksbüchern wurden (Einfluss auf Adam Mickiewicz und Paul Claudel); deshalb einseitiges Brentano-Bild im 19. Jh. Heute ist der hohe literarische Rang des Werkes und seine Ausstrahlung auf Büchner, Heine, Mörike, den Expressionismus und die französische Lyrik von Baudelaire bis Apollinaire anerkannt.

 


Wichtige Lebensdaten:

1785

Geburt der Schwester Bettine.

1787

Im Pensionat eines ehemaligen Jesuiten in Heidelberg.

1787-90

Herbst: Rückkehr nach Koblenz; Besuch des Jesuitengymnasiums (zusammen mit Joseph Görres).

1791-93

Im Mannheimer Philanthropin (christl. Erziehungsinstitut).

1793

Nov.: Tod der Mutter; Dez.: Studium der Bergwissenschaften in Bonn.

1794

(Gegen seinen Willen) Kaufmannslehrling im väterlichen Kontor in Frankfurt.

1796

Kaufmannslehre in Langensalza bei einem Geschäftsfreund des Vaters; anschließend wieder im Kontor des Vaters.

1797

Tod des Vaters; Fortsetzung des Studiums der Berg- und Kameralwissenschaft an der Universität Halle.

1798

Student der Medizin in Jena; im Kreis der Frühromantiker (Brüder Schlegel, Tieck); Kontakte zu Wieland, Herder, Goethe; Bekanntschaft mit der verheirateten Sophie Mereau.

1799

Mai: Bekanntschaft mit Minna Reichenbach; Juli: mit Sophie Mereau Besuch bei der Großmutter Sophie von La Roche und der Schwester Sophie; Aug.: Beginn der Freundschaft mit Friedrich Karl von Savigny; Dez.: wieder in Jena.

1800

Juni: Reise nach Leipzig und Altenburg; Aug.: Zerwürfnis mit Sophie Mereau; Sept.: Tod der Lieblingsschwester Sophie (bei Wieland in Oßmannstedt).

1801

Übersiedlung nach Marburg zu Savigny; Mai: Studium der Philosophie in Göttingen; Juni: Freundschaft mit Achim von Arnim; Juli: Scheidung Sophie Mereaus; Okt.: Rheinreise mit Savigny.

1802

Rheinreise mit Arnim; Reisen nach Marburg, Frankfurt, Koblenz, Düsseldorf.

1803

Versöhnung mit Sophie Mereau in Weimar; Heirat in Marburg.

1804

Übersiedlung nach Heidelberg; Okt.: Besuch bei Arnim in Berlin; gemeinsamer Besuch bei Tieck in Ziebingen.

1805

April: Frankfurt/M.; Mai: Arnim kommt nach Heidelberg.

1806

Sept.: Frankfurt/M.; Okt.: Sophie Mereau-Brentano stirbt bei einer Totgeburt in Heidelberg.

1807

Mai-Juni: Reise nach Holland; Juli: Liaison mit der sechzehnjährigen Auguste Bußmann; Aug.: Entführung Augustes; Heirat und unglückliche Ehe; Okt.: Reise nach Giebichenstein, Treffen mit Arnim; Nov.: mit Arnim Reise nach Weimar, Treffen mit Goethe; dann mit Arnim in Kassel.

1808

April: gemeinsame Wohnung mit Arnim in Heidelberg; Redakteur der "Zeitung für Einsiedler" (bis Aug.); Reise zu Savigny nach Landshut.

1809

Feb.: Auseinandersetzungen mit Auguste, Trennung: Reise nach München; Selbstmordversuch Augustes. März: Rückkehr nach Landshut; Juli: über Nürnberg, Jena, Weimar, Giebichenstein nach Berlin.

1809-11

Im Kreise der Berliner Romantiker.

1811

Jan.: Gründung der Christlich deutschen Tischgesellschaft (mit Arnim, Kleist, A. Müller, Chamisso, Fouqué); März: Arnim heiratet Brentanos Schwester Bettine; Juli: Aufenthalt auf dem Familiengut Bukowan (Böhmen) und in Prag (bis 1813); Liebe zur Prager Schauspielerin Auguste Brede; Okt.: Freundschaft mit Karl August Varnhagen.

1812

April: Bruch mit Varnhagen; Aug.: Reise nach Teplitz; Treffen mit Arnim, Bettina, Schwester Gunda und Savigny (seit 1804 mit Gunda verheiratet).

1813-14

Wien; Theaterkritiken.

1814

Scheidung von Auguste. Sept.: bei Arnim in Wiepersdorf; Nov.: Rückkehr nach Berlin.

1815

Schwere Existenzkrise.

1816

Jan.: Gründung der Maikäferei (polit.-liter. Abendgesellschaft); Mai-Juni: mit Wilhelm Grimm bei Arnim in Wiepersdorf; Okt.: Bekanntschaft mit der Pastorentochter Luise Hensel (1798-1876); Dez.: vergebliche Werbung (Hensel-Lyrik).

1817

"Generalbeichte": Rückwendung zur katholischen Kirche; Abwendung von seiner früherer Dichtung; Dez.: Brentanos Bruder Christian berichtet von seinem Aufenthalt bei der stigmatisierten ehemaligen Nonne Anna Katharina Emmerick in Dülmen.

1818-24

Ab Sept. 1818: Dülmen. Aufzeichnung der Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick; Arnim (1820) und Luise Hensel (1821, 1822) zu Besuch in Dülmen.

1819-21

Brentanos Bruder Christian in Dülmen.

1824

Feb.: Tod A. K. Emmericks; danach unruhiges Wanderleben: Bocholt (bei Johann Christian von Bostel), Bonn, Wiesbaden, Frankfurt, Koblenz.

1825

Übersiedlung nach Koblenz zu dem Fabrikanten Hermann Joseph Dietz; Herbst: Straßburg, Schweiz.

1827

März: mit Dietz nach Paris und Lothringen, um den Orden der Barmherzigen Schwestern kennen zu lernen; Aug.-Sept.: Reisen nach Mainz, Koblenz, Köln, Bocholt, Düsseldorf, Bonn.

1828

Aug. - Dez.: Reise nach Luzern (Treffen mit dem Bruder Christian).

1829

Übersiedlung nach Frankfurt.

1831

Tod des Freundes Arnim in Wiepersdorf.

1832

Selbstmord Auguste Bußmanns; Okt.: Übersiedlung nach Regensburg.

1833

Sept.: Umzug nach München. Liebe zur Schweizer Malerin Emilie Linder (Linder-Lyrik).

1839

Reise nach Regensburg.

1841

Mit Justinus Kerner Fahrt nach Augsburg; Aug. - Nov.: bei Christian in Aschaffenburg und in Frankfurt.

1842

Schwere Erkrankung; Juli: Christian bringt den Todkranken nach Aschaffenburg; Tod im Hause des Bruders.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung in)

Gedichte

1795

Ehe Du scheidest, Freund Büschler, auch eine Thräne von Deinem Brentano

1803

Claudia. Am Geburtstage einer Freundin

1805

Des Knaben Wunderhorn Bd. 1 (Slg. von Gedichten und Liedern; herausg. zusammen mit Achim von Arnim)

1808

Des Knaben Wunderhorn Bd. 2 und Bd. 3

1814

Rheinübergang. Kriegsrundgesang

1815

Das Lied vom Korporal

1830

Das Mosel-Eisgangs-Lied von einer wunderbaren erhaltenen Familie...

1841

Legende von der heiligen Marina

1843

Rotkehlchens, Liebseelchens Ermordung und Begräbniß

1852

Gedichte (im Rahmen der Gesammelten Schriften)

Versepos

1852
(1803-12 e)

Romanzen vom Rosenkranz (unvollendet)

Erzählungen

1800

Die Rose

1801

Der Sänger (Frgm.)

1807

Entweder wunderbare Geschichte von BOGS, dem Uhrmacher (Satire, zus. mit Joseph Görres)

1815

Die Schachtel mit der Friedenspuppe

1817

Die mehreren Wehmüller und ungarische Nationalgesichter
Die drei Nüsse
Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl

1818

Aus der Chronika eines fahrenden Schülers (Frgm.)

1826

Das Märchen von dem Myrtenfräulein

1838

Das Märchen von Gockel, Hinkel und Gackeleia

1846
(1811-12 e)

Die Märchen des Clemens Brentano. Bd. 1: Rheinmärchen

  • Das Märchen von dem Rhein und dem Müller Radlauf

  • Das Märchen von dem Hause Starenberg und den Ahnen des Müllers Radlauf

  • Das Märchen vom Murmeltier

  • Das Märchen vom Schneider Siebentot auf einen Schlag

1847
(1805-11 e)

Die Märchen des Clemens Brentano. Bd. 2: Italienische Märchen

  • Das Märchen von den Märchen oder Liebseelchen

  • ...von dem Myrtenfräulein

  • ...von dem Witzenspitzel

  • ...von Rosenblättchen

  • ...von dem Baron von Hüpfenstich

  • ...von dem Dilldapp

  • ...von Fanferlieschen Schönefüßchen

  • ...von dem Schulmeister Klopfstock und seinen fünf Söhnen

  • ...von Gockel und Hinkel

  • ...von Komanditchen

  • ...von Schnürlieschen

Romane

1801/02
(ab 1798 e)

Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter. Ein verwilderter Roman (2 Bde.)

1949 (1811 e)

Der schiffbrüchige Galeerensklave vom toten Meer (unvollendet) 

Dramatische Werke

1800

Gustav Wasa (= Satiren und poetische Spiele von Maria. Erstes Bändchen; Kotzebue-Satire)

1803
a Düsseldorf

Die lustigen Musikanten (Singspiel)

1804
(1801 e; 1814 a Wien)

Ponce de Leon (Lustspiel; a u.d.T. Valeria oder Vaterlist)

1815

Die Gründung Prags (hist.-romant. Drama)

1817 (1813 e)

Victoria und ihre Geschwister mit fliegenden Fahnen und brennender Lunte (patriotisches Festspiel)

1841 (1813 e)

Am Rhein! Am Rhein! (patriotisches Drama)

1912

Aloys und Imelde (Trauerspiel)

Sonstige Prosa

1811

Der Philister vor, in und nach der Geschichte. Aufgestellt, begleitet und bespiegelt aus göttlichen und weltlichen Schriften und eigenen Beobachtungen (Satire; anonym)

1831

Die Barmherzigen Schwestern in Bezug auf Armen- und Krankenpflege

Erbauungsliteratur

1833

Das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi. Nach den Betrachtungen der gottseligen Anna Katharina Emmerich, Augustinerin des Klosters Agnetenberg zu Dülmen nebst dem Lebensumriß dieser Begnadigten (anonym)

1852
(ab 1840 e)

Leben der heiligen Jungfrau Maria. Nach den Betrachtungen der gottseligen Anna Katharina Emmerich, Augustinerin des Klosters Agnetenberg zu Dülmen. Aufgeschrieben von Clemens Brentano

1858-60

Das Leben unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi (3 Bde.)

Brentano als Herausgeber

1805

Des Knaben Wunderhorn Bd. 1 (Slg. von Gedichten und Liedern; herausg. zusammen mit Achim von Arnim)

1808

Des Knaben Wunderhorn Bd. 2 und Bd. 3

1809

Jörg Wickram: Der Goldfaden

1817

Friedrich Spee: Trutz Nachtigall. Ein geistlich poetisches Lustwäldlein. Wörtlich treue Ausgabe vermehrt mit den Liedern aus dem güldenen Tugendbuch desselben Dichters (gemeinsam mit Luise Hensel)

1829

Friedrich Spee´s goldenes Tugendbuch (Bearbeitung zusammen mit Anna von Hertling)

Übersetzungen

1804/1806

Spanische und italienische Novellen (2 Bde.)

Gesamtausgaben

1852-55

Gesammelte Schriften, hg. v. Christian Brentano, Frankfurt/M.: Sauerländer (9 Bde.)

1909-17

Sämtliche Werke, hg. v. C. Schüddekopf, München: Müller (9 Bde.; unvollst.)

1963-68

Werke, hg. v. Wolfgang Frühwald u. Friedhelm Kemp, München: Hanser (4 Bde.)

1975ff.

Sämtliche Werke und Briefe, hist.-krit. Ausgabe, hg. v. Heinz Rölleke u.a., Stuttgart/Berlin/Köln: Kohlhammer (ca. 42 Bde.; "Frankfurter Ausgabe")

 


 
Abendständchen

Hör, es klagt die Flöte wieder,
und die kühlen Brunnen rauschen,
golden wehn die Töne nieder -
stille, stille, lass uns lauschen!

Holdes Bitten, mild Verlangen,
wie es süß zum Herzen spricht!
Durch die Nacht, die mich umfangen,
blickt zu mir der Töne Licht.

 
Der Spinnerin Nachtlied

Es sang vor langen Jahren
Wohl auch die Nachtigall,
Das war wohl süßer Schall,
Da wir zusammen waren.

Ich sing und kann nicht weinen,
Und spinne so allein
Den Faden klar und rein
So lang der Mond wird scheinen.

Als wir zusammen waren
Da sang die Nachtigall
Nun mahnet mich ihr Schall
Dass du von mir gefahren.

So oft der Mond mag scheinen,
Denk ich wohl dein allein,
Mein Herz ist klar und rein,
Gott wolle uns vereinen.

Seit du von mir gefahren,
Singt stets die Nachtigall,
Ich denk bei ihrem Schall,
Wie wir zusammen waren.

Gott wolle uns vereinen.
Hier spinn ich so allein,
Der Mond scheint klar und rein,
Ich sing und möchte weinen.
 

  

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