Georg Britting
Lebensdaten Werk


 
* 17. Februar 1891
Regensburg

+ 27. April 1964 München

begraben: München, Neuer Nordfriedhof
 


Sohn eines städtischen Beamten; Volksschule und Kreisrealschule in Regensburg. Oberrealschule. "Er hat nie ein Amt oder eine Stellung gehabt, er ist einer der wenigen, die wirklich ,freie Schriftsteller' geblieben sind - dabei gibt es von ihm keine Hörspiele, keine Aufsätze, keine Nachtstudios, keine Kritiken, keine plaudernden Erinnerungsbücher, sondern Gedichte, Erzählungen, einen einzigen Roman. Brittings einziger Aufsatz, Nachwort zu einer Mörike-Ausgabe, ist zwei Druckseiten lang. An diesen Daten sieht man: es handelt sich nicht uni einen Schriftsteller im gewöhnlichen Sinne, sondern uni einen Dichter, einen Poeten, und die Biographie wäre unvollständig, wenn man verschwiege, daß laute Erfolge nie seine Sache waren." (Curt Hohoff in: Neue Zürcher Zeitung‹, 4.Okt. 1958).

1946

Heirat mit der Schauspielerin Ingeborg Fröhlich

Bedeutender Prosaist (Hamlet-Roman ist ein Hauptwerk nachexpressionistischer Prosa) und Lyriker. Dramen der zwanzigerer Jahre ohne größere Resonanz in der Öffentlichkeit.
  Beginnt expressionistisch; ab 1920 Überwindung des Expressionismus. Landschaftsgebundene Dichtung. Naturlyrik der mittleren Jahre, von plastischer, bisweilen grotesk übertreibender Bildlichkeit. Barocke Sinnenfreude, Bildhaftigkeit, Humor. Seit Mitte der dreißiger Jahre Erzählduktus unter dem Einfluss v.a. von Adalbert Stifter. In den letzten Jahren Bemühen um klassische Formen (Sonett, Ode). Einfluss auf Andres, Krolow, Eich, Gaiser u.a.

Auszeichnungen:

1936

Literaturpreis der Stadt München (für 1935)

1953

Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf

1958

Großer Preis des Kulturkreises im Bundesverband der Industrie

1959

Großes Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens

1961

Bayerischer Verdienstorden
Großer Preis von Nordrhein-Westfalen


wichtige Lebensdaten:

seit 1911

Beiträge für die Regensburger Neuesten Nachrichten.

1912

Studium an der Königlich Bayerischen Akademie für Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan.

1913

Studium der Nationalökonomie an der Technischen Hochschule München.

1914

Meldung als Kriegsfreiwilliger.

1915

Verwundung in Flandern.

1916

Leutnant und Kompanieführer; mehrere Kriegsauszeichnungen.

1918

Schwere Verwundung (Lungendurchschüsse, Lähmung der rechten Hand); halbjähriger Aufenthalt im Lazarett; Entlassung in die Heimat.

1918-21

Theaterkritiker der Neuen Donau-Post.

1919

Mitwirken im revolutionären Arbeiter- und Soldatenrat in Regensburg.

1919-21

Gründung der expressionistischen Zeitschrift Die Sichel zusammen mit dem Maler Josef Achmann.

1921

Freier Schriftsteller in München; Mitarbeiter zahlreicher Zeitungen und Zeitschriften.

1926

Erste Italienreise.

1928

Novellenpreis der Berliner Illustrirten; Stipendium des Ullstein Verlags; Freunde im Umkreis des Dichterstammtisches Unter den Fischen (die Dichter Paul Alverdes, Curt Hohoff, Ernst Penzoldt, Eugen Roth, die Künstler Josef Achmann, Max Unold und der Verleger Carl Hanser).

1930

Reise nach Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro und Albanien.

1933-45

B. lässt sich von den Nazis nicht vereinnahmen; regelmäßige Publikationen in der Zeitschrift der inneren Emigration Das Innere Reich; vermeidet aber den offenen Konflikt: "unpolitische" Existenz.

1938

Bekanntschaft mit der Schauspielerin Ingeborg Fröhlich.

ab 1929

Korrespondenz mit dem Freund Alex Wetzlar.

ab 1942

Korrespondenz mit dem Gymnasiallehrer Georg Jung.

nach 1945

Stütze der konservativen Münchner Kulturpolitik.

1948

Mitglied in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

1951

Förderer und Mentor u.a. von Walter Höllerer, Heinz Piontek. Freundschaft mit Georg von der Vring.

1958

Ordentliches Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

1964

Tod in der Wohnung am St. Anna-Platz 10.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Erzählungen

1921

Der verlachte Hiob (Slg.; u.a. Totentanz, Das Fest der Vierhundert)

1927

Michael und das Fräulein (Slg.; u.a. Das Duell der Pferde)

1933

Die kleine Welt am Strom (Slg. von Erzählungen und Gedichten; u.a. Fischfrevel an der Donau; Brudermord im Altwasser)
Das treue Eheweib (Slg.)

1937

Der bekränzte Weiher (Slg.)

1938

Das gerettete Bild (Slg.)

1941

Der Schneckenweg (Slg.)

1948

Der Eisläufer (4 Erz.)

1953
(1946 e)

Afrikanische Elegie

1965

Das Duell der Pferde (Slg.)

Roman

1932

Lebenslauf eines dicken Mannes, der Hamlet hieß

Lyrik

1930

Gedichte

1935

Der irdische Tag (Sammlung; u.a. Mitten im Föhrenwald, Jägerglück)

1939

Rabe, Roß und Hahn (Sammlung; u.a. Windlicht; Was hat, Achill)

1944

Lob des Weines (Sammlung)

1947

Die Begegnung (Todessonette)

1951

Unter hohen Bäumen (Sammlung)

1965

Der unverstörte Kalender (Sammlung)

Dramen

1920

Der Mann im Mond. Ein Schattenspiel (= 1. Akt von Das Storchennest)

1921 e
(1928 a Dresden)

Paula und Bianka (Komödie)

1922

Das Storchennest (Komödie)

1923
(a München)

Die Stubenfliege

1928

Der Provinzler

Britting als Herausgeber

1946

Mörikes Werke (zweibändige Auswahl)

1948

Lyrik des Abendlandes (zusammen mit Hans Hennecke, Curt Hohoff und Karl Vossler)

Ausgaben

1957-61

Gesammelte Werke, München (Nymphenburger Ausgabe, 6 Bde.)

1987ff.

Sämtliche Werke. Kommentierte Ausgabe nach den Erstdrucken, hg. v. Walter Schmitz, München (5 Bde. in 6)