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Sohn des
Distriktarztes Ernst Karl Büchner (1786-1861) und seiner Frau Caroline, geb.
Reuß (1791-1858); der Vater steigt später
bis zum Leiter des Darmstädter Großherzoglichen Medicinal-Collegiums auf.
Geschwister: Mathilde (1815-1888), Wilhelm (1816-1892), Karl (*+1818), Luise
(1821-1877), Ludwig (Louis, 1824-1899), Alexander (1827-1904). Wilhelm Büchner
wird Chemiker, Fabrikant und Politiker; Luise Schriftstellerin und Vorläuferin
der Frauenbewegung; Ludwig ein bedeutender materialistischer Philosoph und
Alexander Literaturprofessor in Caën/Normandie.
1832 |
Verlobung
mit Wilhelmine (Minna) Jaeglé (1810-1880) |
Bedeutendster
Dramatiker zwischen Romantik und Realismus; Wegbereiter des modernen Drama (Auflösung der
klassischen Dramenform), Wiederaufnahme von Formtendenzen des Sturm und Drang;
naturalistische und expressionistische Elemente. Tragisch-pessimistische Weltsicht; seine
Personen agieren nicht, sondern reagieren nur. Gegen die idealistische Kunstauffassung
(s.u.). Nur in seiner Widersprüchlichkeit zu verstehen: Freiheitskämpfer, radikaler
Sozialrevolutionär und pessimistischer Fatalist (vgl. u. "Fatalismus-Brief"),
der den Menschen nicht frei und autonom sieht, sondern determiniert.
wichtige
Lebensdaten:
1816 |
Übersiedlung
der Familie nach Darmstadt. |
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1819 |
Elementarunterricht
bei der Mutter. |
1821 |
"Privat-Erziehungs-
und Unterrichtsanstalt" von Dr. Carl Weitershausen in Darmstadt. |
1825-31 |
Gymnasialzeit
am humanistischen "Pädagog" in Darmstadt. |
1831-33 |
Studium
der Medizin an der Universität Straßburg; Wohnung bei Pfarrer Johann Jakob Jaeglé. |
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1832
(?) |
Frühjahr:
stille Verlobung mit Wilhelmine (Minna) Jaeglé. |
1833 |
Sturm
auf die Frankfurter Hauptwache unter Beteiligung ehemaliger Schulfreunde Büchners (einer
der Hintermänner: Ludwig Weidig). Juni: Wanderung durch die Vogesen; Aug.: Rückkehr ins
Elternhaus; Okt.: Einschreibung an der Universität Gießen; Bekanntschaft mit dem
Theologiestudenten August Becker; Nov.: Hirnhautentzündung, Rückkehr nach Darmstadt. |
1834 |
Wieder
in Gießen; intensive Beschäftigung mit der Französischen Revolution. Feb.: über Becker
Bekanntschaft mit dem Butzbacher Rektor Weidig (1791-1837; Tod im Darmstädter
Arresthaus); April: zusammen mit Becker Gründung der geheimen revolutionären "Gesellschaft
der Menschenrechte"; Niederschrift des "Hessischen Landboten",
der in Weidigs Bearbeitung im Aug. von der Gesellschaft der Menschenrechte
gedruckt und verteilt wird. Polizeiliche Untersuchungen und Verhaftungen.
Reise nach Offenbach und Frankfurt, um die Freunde zu warnen. Sept.:
politische Untergrundaktivitäten Büchners während der Semesterferien in Darmstadt;
Nov.: Druck der zweiten Auflage des Hessischen Landboten. |
1835 |
Verhöre
vor Untersuchungsrichtern in Offenbach und Friedberg. März:
Flucht über die französische Grenze nach Straßburg; Juni: B. wird steckbrieflich
gesucht wegen "staatsverräterischer Handlungen". |
1836 |
April:
Vortrag in französischer Sprache vor der naturhistorischen Gesellschaft in Straßburg über
das Nervensystem der Flussbarbe: Ernennung zum korrespondierenden Mitglied.
Sept.: aufgrund
der eingereichten Abhandlung "Sur le système nerveux du barbeau" Promotion in Zürich zum Dr.phil.; Übersiedlung nach Zürich;
Nov.: Probevorlesung "Über Schädelnerven"; Aufnahme in die Fakultät
als Privatdozent; provisorische Aufenthaltsgenehmigung als Asylant. |
1837 |
Jan.: Erkrankung
an Typhus; Febr.: Delirien; Büchners Braut kommt nach Zürich. |
Werke:
(e =
entstanden; a = Uraufführung)
Novelle
Dramen
1835
(1902 a Berlin) |
Danton´s
Tod. Dramatische Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft |
1842
(1836 e; 1885 a München) |
Leonce
und Lena (Komödie) |
1879
(1836 e; 1913 a München) |
Woyzeck
(unvollendet) |
politische
Kampfschrift
1834 |
Der
Hessische Landbote (bearbeitet von Friedrich Ludwig Weidig) |
Übersetzungen
1850
(1835 e) |
Victor
Hugo: Lucretia Borgia; Maria Tudor |
Ausgaben
1879 |
Sämtliche Werke (hg.
v. Karl Emil Franzos) |
1922 |
Gesammelte
Werke und Briefe, hg. v. Fritz Bergemann, Leipzig |
1967/71 |
Sämtliche
Werke und Briefe, hg. v. Werner R. Lehmann, Hamburg (2 Bde.) |
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Ich studierte die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem
gräßlichen Fatalismus der Geschichte. [...] Der Einzelne nur Schaum auf der Welt, die
Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches
Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen
unmöglich." (Brief an seine Braut, März 1834)
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Schnitzt einer eine Marionette,
wo man den Strick hereinhängen sieht, an dem sie gezerrt wird und deren Gelenke bei jedem
Schritt in fünffüßigen Jamben krachen - welch ein Charakter, welche Konsequenz! Nimmt
einer ein Gefühlchen, eine Sentenz, einen Begriff, und zieht ihm Rock und Hosen an, macht
ihm Hände und Füße, färbt ihm das Gesicht und läßt das Ding sich drei Akte hindurch
herumquälen, bis es sich zuletzt verheiratet oder sich totschießt - ein Ideal! Fiedelt
einer eine Oper, welche das Schweben und Senken im menschlichen Gemüt wiedergibt wie eine
Tonpfeife mit Wasser die Nachtigall - ach, die Kunst!
(Camille in "Dantons
Tod") |
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Der liebe Gott hat die Welt wohl
gemacht wie sie seyn soll, und wir können wohl nicht was Besseres klecksen, unser
einziges Bestreben soll seyn, ihm ein wenig nachzuschaffen. Ich verlange in allem Leben,
Möglichkeit des Daseins, und dann ist´s gut; wir haben dann nicht zu fragen, ob es
schön, ob es häßlich ist, das Gefühl, daß Was geschaffen sey, Leben habe, stehe über
diesen Beiden, und sey das einzige Kriterium in Kunstsachen. [...] Man versuche es einmal
und senke sich in das Leben des Geringsten und gebe es wieder, in den Zuckungen, den
Andeutungen, dem ganzen feinen, kaum bemerkten Mienenspiel [...].
(Lenz in
"Lenz")
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