Autoren | Epochen
 

Georg Büchner
 

vollst.: Carl Georg Büchner
 
Lebensdaten | Werk


* 17. Oktober 1813 Goddelau bei Darmstadt

+ 19. Februar 1837 Zürich (Typhus)

Grabstätte:

zunächst Zürich, Kirchhof "Krautgarten"; am 26.6.1875 Überführung auf den "Germania-Hügel" am Zürichberg (jetzt Krattenturmstr.)

  

 
Lithographie von Adolf Hoffmann (1835)
  

 
Sohn des Distriktarztes Ernst Karl Büchner (1786-1861) und seiner Frau Caroline, geb. Reuß (1791-1858); der Vater steigt später bis zum Leiter des Darmstädter Großherzoglichen Medicinal-Collegiums auf. Geschwister: Mathilde (1815-1888), Wilhelm (1816-1892), Karl (*+1818), Luise (1821-1877), Ludwig (Louis, 1824-1899), Alexander (1827-1904). Wilhelm Büchner wird Chemiker, Fabrikant und Politiker; Luise Schriftstellerin und Vorläuferin der Frauenbewegung; Ludwig ein bedeutender materialistischer Philosoph und Alexander Literaturprofessor in Caën/Normandie.
 

1832

Verlobung mit Wilhelmine (Minna) Jaeglé (Pfarrerstochter; 1810-1880)

 
Bedeutendster Dramatiker zwischen Romantik und Realismus; Wegbereiter des modernen Dramas (Auflösung der klassischen Dramenform), Wiederaufnahme von Formtendenzen des Sturm und Drang; naturalistische und expressionistische Elemente. Tragisch-pessimistische Weltsicht; seine Personen agieren nicht, sondern reagieren nur. Gegen die idealistische Kunstauffassung (s. u.). Nur in seiner Widersprüchlichkeit zu verstehen: Freiheitskämpfer, radikaler Sozialrevolutionär und pessimistischer Fatalist (vgl. u. "Fatalismus-Brief"), nach dessen Ansicht der Mensch nicht frei und autonom, sondern determiniert ist.
 


Wichtige Lebensdaten:

1816

Versetzung des Vaters als Bezirksarzt (später Medizinalrat) nach Darmstadt; Übersiedlung der Familie.

1819

Elementarunterricht bei der Mutter.

1822

Ostern: Eintritt in die "Privat-Erziehungs- und Unterrichtsanstalt" von Dr. Carl Weitershausen in Darmstadt.

1825

Eintritt in das Ludwig-Georgs-Gymnasium (Tertia) zu Darmstadt.

1826

Ostern: Versetzung in die Sekunda.

1827

Herbst: Versetzung in die Prima.

1829

Herbst: Versetzung nach Selekta.

1831

Rede zur Schlussfeier des Gymnasiums. - Sommer: Vorbereitungen auf das Studium im medizinischen Labor des Vaters. - 9.11.: Immatrikulation an der medizinischen Fakultät der Universität Straßburg.

1831-33

Studium der Medizin an der Universität Straßburg; Wohnung bei Pfarrer Johann Jakob Jaeglé in der Rue St. Guillaume 66. - In der Studentenverbindung Eugenia.

1832

Frühjahr: stille Verlobung. - Aug. - Okt.: Semesterferien in Darmstadt.

1833

April: Sturm auf die Frankfurter Hauptwache unter Beteiligung ehemaliger Schulfreunde Büchners (einer der Hintermänner: Ludwig Weidig). Juli: Wanderung durch die Vogesen. - Verlobung mit Wilhelmine (Minna) Jaeglé. - Aug.: Rückkehr ins Elternhaus; Okt.: Einschreibung an der Universität Gießen; Bekanntschaft mit dem Theologiestudenten August Becker; Nov.: Hirnhautentzündung, Rückkehr nach Darmstadt.

1834

Wieder in Gießen; intensive Beschäftigung mit der Französischen Revolution. Febr.: über Becker Bekanntschaft mit dem Butzbacher Rektor Weidig (1791-1837; Tod im Darmstädter Arresthaus); März: zusammen mit Becker Gründung der geheimen revolutionären "Gesellschaft der Menschenrechte"; Niederschrift des "Hessischen Landboten", der in Weidigs Bearbeitung im Aug. von der Gesellschaft der Menschenrechte gedruckt und verteilt wird. Polizeiliche Untersuchungen und Verhaftungen. Reise nach Offenbach und Frankfurt, um die Freunde zu warnen. Sept.: politische Untergrundaktivitäten Büchners während der Semesterferien in Darmstadt; Nov.: Druck der zweiten Auflage des Hessischen Landboten.

1835

Jan.: Verhöre vor Untersuchungsrichtern in Offenbach und Friedberg. Febr.: Vorladung vom Darmstädter Untersuchungsrichter; 9. März: Flucht über die französische Grenze nach Straßburg; Juni: B. wird steckbrieflich gesucht wegen "staatsverräterischer Handlungen". - Wohnung in der Rue de la Douane 18.

1836

April/Mai: dreiteiliger Vortrag in französischer Sprache vor der naturhistorischen Gesellschaft in Straßburg über das Nervensystem der Flussbarbe: Ernennung zum korrespondierenden Mitglied. Sept.: aufgrund der in Zürich eingereichten Abhandlung "Sur le système nerveux du barbeau" Promotion in absentia zum Dr. phil.; Okt.: Übersiedlung nach Zürich (Spiegelgasse 12); Nov.: Probevorlesung "Über Schädelnerven"; Aufnahme in die Fakultät als Privatdozent; provisorische Aufenthaltsgenehmigung als Asylant.

1837

2.2.: plötzliche Erkrankung an Typhus; Delirien; 17.2.: Minna Jaeglé trifft aus Straßburg ein; 19.2.: Tod im Beisein der Braut.


Werke:

(e = entstanden; a = Uraufführung)

Novelle

1839 (1835 e)

Lenz

Dramen

1835
(1902 a Berlin)

Danton's Tod. Dramatische Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft

1850
(1836 e; 1895 a München)

Leonce und Lena (Komödie; 1838 als Textauswahl mit verbindenden Inhaltsangaben)

1879
(1836 e; 1913 a München)

Woyzeck (unvollendet)

Politische Kampfschrift

1834

Der Hessische Landbote (bearbeitet von Friedrich Ludwig Weidig)

Übersetzungen

1835

Victor Hugo: Lucretia Borgia; Maria Tudor

Werkausgaben

1850

Nachgelassene Schriften, hg. v. Ludwig Büchner, Frankfurt/M.: Sauerländer (ohne Woyzeck)

1879

Sämtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß (erste krit. Gesamtausgabe), hg. v. Karl Emil Franzos, Frankfurt/M.: Sauerländer

1909

Gesammelte Schriften, hg. v. Paul Landau, Berlin: Cassirer (2 Bde.)

1922

Sämtliche Werke und Briefe, hg. v. Fritz Bergemann, Leipzig: Insel

1927

Werke, hg. v. Adam Kuckhoff, Berlin: Volksbühnen Verlag

1963

Sämtliche Werke, hg. v. Hans Jürgen Meinerts, Gütersloh: Mohn

1967/71

Sämtliche Werke und Briefe, hist.-krit. Ausgabe, hg. v. Werner R. Lehmann, Hamburg: Wegner (2 Bde.)

1980

Werke und Briefe, nach der Ausgabe von Lehmann, München/Wien: Hanser

1985

Gesammelte Werke, hg. v. Thomas Michael Mayer, Frankfurt/M.: Athenäum (10 Bde.)

1988

Werke und Briefe, hg. v. Karl Pörnbacher u.a., München: Hanser ("Münchner Ausgabe")

1992/99

Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente, hg. v. Henri Poschmann, Frankfurt/M.: Bibl. dt. Klassiker (2 Bde.)

2000-13

Sämtliche Werke und Schriften, hist. - krit. Ausgabe, hg .v. Burghard Dedner u. Thomas Michael Mayer, Darmstadt: WBG (18 Bde., "Marburger Ausgabe")


  

Georg Büchner Gesellschaft e.V.

Forschungsstelle Georg Büchner

Figurenlexikon
  

Ich studierte die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem gräßlichen Fatalismus der Geschichte. [...] Der Einzelne nur Schaum auf der Welt, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich." (Brief an seine Braut, März 1834)

Schnitzt einer eine Marionette, wo man den Strick hereinhängen sieht, an dem sie gezerrt wird und deren Gelenke bei jedem Schritt in fünffüßigen   Jamben krachen - welch ein Charakter, welche Konsequenz! Nimmt einer ein Gefühlchen, eine Sentenz, einen Begriff, und zieht ihm Rock und Hosen an, macht ihm Hände und Füße, färbt ihm das Gesicht und läßt das Ding sich drei Akte hindurch herumquälen, bis es sich zuletzt verheiratet oder sich totschießt - ein Ideal! Fiedelt einer eine Oper, welche das Schweben und Senken im menschlichen Gemüt wiedergibt wie eine Tonpfeife mit Wasser die Nachtigall - ach, die Kunst!
(Camille in "Dantons Tod")

Der liebe Gott hat die Welt wohl gemacht wie sie seyn soll, und wir können wohl nicht was Besseres klecksen, unser einziges Bestreben soll seyn, ihm ein wenig nachzuschaffen. Ich verlange in allem Leben, Möglichkeit des Daseins, und dann ist´s gut; wir haben dann nicht zu fragen, ob es schön, ob es häßlich ist, das Gefühl, daß Was geschaffen sey, Leben habe, stehe über diesen Beiden, und sey das einzige Kriterium in Kunstsachen. [...] Man versuche es einmal und senke sich in das Leben des Geringsten und gebe es wieder, in den Zuckungen, den Andeutungen, dem ganzen feinen, kaum bemerkten Mienenspiel [...].
(Lenz in "Lenz")

 

 

 

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