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Gottfried August Bürger
 

Lebensdaten
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Bürger-Texte im Netz


* 31. Dezember 1747 Molmerswende/Harz

+ 8. Juni 1794 Göttingen (Schwindsucht)

Grabstätte: Göttingen, Bartholomäi-Friedhof (Gedenkstein)

 

 
Stich von J. D. Fiorillo
 



Zweites von drei Kindern des Pastors Johann Gottfried Bürger (1706-1764) und seiner Frau Gertraud Elisabeth, geb. Bauer (1718-1775). Der Vater kümmert sich kaum um die Erziehung des Sohnes, der bis zum 10. Lebensjahr nur Rechnen und Schreiben lernt.
B. l
eidet sein Leben lang unter persönlichem Unglück, Geldnot, privaten und beruflichen Verdrießlichkeiten und Erniedrigungen; seine Amtspflichten verhindern eine vollständige Homer-Übersetzung und andere literarische Projekte.
 

1774

Eheschließung mit der Amtmannsstochter Dorothea Marianne Leonhart ("Dorette", 1756-1784); zeitweilig Ehe zu dritt mit Dorettes Schwester Auguste ("Molly")

1785

Heirat mit Auguste Leonhart ("Molly", 1758-1786)

1790

Dritte Ehe mit Elisabeth ("Elise") Hahn (1769-1833; später Schriftstellerin u. Rezitatorin); 1792 Scheidung

 
Balladendichter, Lyriker, Übersetzer. Neben Goethe der bedeutendste Lyriker des Sturm und Drang; mit seiner Lenore beginnt die Geschichte der deutschen Kunstballade. B. sucht in seinen Gedichten das Volkstümliche und Ursprüngliche; Unmittelbarkeit, Lebendigkeit und Spontaneität. Zum beruflichen und persönlichen Desaster Bürgers trägt aber die vernichtende Kritik Schillers bei, der seiner Lyrik fehlende Idealisierung und Veredelung vorwirft. Das Münchhausen-Buch ist bis heute sein populärstes Werk geblieben (zu Lebzeiten als Verfasser nicht bekannt). 
 


Wichtige Lebensdaten:

1759

Schulbildung auf Initiative des Großvaters Jakob Philipp Bauer, der B. bei sich aufnimmt; Stadtschule in Aschersleben.

1760-63

Pädagogium in Halle.

1764

Tod des Vaters; auf Wunsch des Großvaters Studium der Theologie in Halle. Freundschaft mit Christian Adolph Klotz: Beschäftigung mit Literatur.

1768

Wechsel an die Universität Göttingen; Jurastudium; erste literarische Texte.

1771

Erste Beiträge im Göttinger Musenalmanach. Beginn des Briefwechsels mit Gleim.

1772

Kontakt mit den Dichtern des Göttinger Hainbundes (Boie, Voß, Hölty, Brüder Stolberg). Enge Freundschaft mit dem Göttinger Verleger Johann Christian Dieterich.

1772-84

Auf Vermittlung Boies Amtmann der gräflichen Familie von Uslar in der Gerichtshalterstelle zu Gelliehausen bei Göttingen (Gericht Altengleichen).

1774

Umzug nach Niedeck; Nov.: übereilte Ehe mit Dorette Leonhart, obwohl B. bereits die Schwester Auguste (Molly) liebt.

1775

Umzug nach Wöllmarshausen; Freundschaft mit Leopold Friedrich Günther Goecking; Redakteur des Göttinger Museunalmanachs. Tod der Mutter.

1777

Tod des Schwiegervaters, des Amtmanns Leonhart. Tod des Töchterchens.

1779-94

Herausgeber des Göttinger Musenalmanachs.

1780-84

Auf dem gepachteten Gut Appenrode ménage à trois mit Dorette und Molly; Schulden und Krankheiten. Ständige Schikanen der Familie von Uslar. Untersuchung gegen B. wegen nachlässiger Geschäftsführung.

1784

Jan.: Aufgabe der Stelle als Amtmann; Juli: Tod Dorettes im Kindbett. Dank Förderung u.a. von Lichtenberg Privatdozent für Ästhetik, Philosophie und Deutsche Sprache an der Universität Göttingen (Vorlesungen gratis et frustra). Wohnung im Hause seines Verlegers Dieterich.

1785

Juni: Heirat mit Molly.

1786

9.1.: Tod Mollys bei der Geburt einer Tochter.

1787

Dr. h.c.

1789

Ernennung zum außerordentlichen Professor für Ästhetik (unbesoldet). Begeisterung für die Französische Revolution.

1790

Dritte Heirat. Das "Schwabenmädchen" Elise Hahn, das sich ihm öffentlich poetisch zur Ehe angetragen hat, macht B. durch seine Treulosigkeit zum Gespött der Göttinger Gesellschaft.

1791

Vernichtende Kritik Schillers an Bürgers Lyrik (anonym in der Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung). Schwindsucht.

1792

März: Scheidung von Elise; B. eckt mit seinem öffentlichen Bekenntnis zu den Ideen der Französischen Revolution gesellschaftlich und politisch an. Herbst: sein Gesundheitszustand lässt keine Vorlesungen mehr zu; katastrophale materielle Lage.


Werke:
(e = entstanden)

Lyrische Gedichte und Balladen

1773

Des armen Suschens Traum, Lenore (Balladen)
Der Bauer. An seinen Durchlauchtigen Tyrannen

1775 (1773 e)

Der Raubgraf (Ballade)

1776 (1774 e)

Die Weiber von Weinsberg (Ballade)

1777 (1776 e)

Das Lied vom braven Manne (Ballade)

1777

Neue weltliche hochteutsche Reime... (u. d. Pseudonym M. Jocosus Hilarius)

1778

Gedichte

1781

Des Pfarrers Tochter von Taubenhain (Ballade)

1785 (1775/78 e)

Der wilde Jäger (Ballade)

1789

Gedichte (2 Bde.)

Erzählungen

1786

Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen, wie er dieselben bey der Flasche im Cirkel seiner Freunde selbst zu erzählen pflegt (Übersetzung, Bearbeitung und Erweiterung von Rudolf Erich Raspes Baron Münchhausen's Narrative of his Marvellous Travels and Campaigns in Russia)

Schriften und Reden

1771

Gedanken über die Beschaffenheit einer deutschen Übersetzung des Homer, nebst einigen Probefragmenten

1773

Zum Gedächtniß meines guten Großvaters Johann Philipp Bauers...

1776

Über Volkspoesie. Aus Daniel Wunderlichs Buch (darin u.a. Herzensausguß über Volkspoesie)

1787

Über Anweisung zur deutschen Sprache und Schreibart auf Universitäten

1790

Ermunterung zur Freiheit (Freimaurerrede)

1791

Vorläufige Antikritik (gegen Schillers Kritik)

1803

Hauptmomente der kritischen Philosophie (Vorlesungen)

1825

Lehrbuch der Aesthetik (2 Bde.)

1826

Lehrbuch des Deutschen Styles

1835 (1784 e)

Von der Popularität der Poesie

Übersetzungen

1771/76/84

Homer, Ilias (Fragmente)

1775

Xenophon, Anthia und Abrokomas (anonym)

1783

Shakespeare, Macbeth (recte: 1782)

1792

Benjamin Franklin, Jugendjahre

1803

Pope, Heloise an Abelard

Werkausgaben

1796-98

Sämmtliche Schriften, hg. v. Karl Reinhard, Göttingen: Dieterich (4 Bde.)

1832

Aesthetische Schriften, hg. v. Karl Reinhard, Berlin: Bechtold & Hartje

1835

Sämmtliche Werke, hg. v. August Wilhelm Bohtz, Göttingen: Dieterich

1902

Sämtliche Werke, hg. v. Wolfgang. v. Wurzbach, Leipzig: Max Hesse (4 Bde.)

1905

Sämtliche Werke, hg. v. Erich Walter, Berlin: Weichert (2 Bde.)

1987

Sämtliche Werke, hg. v. Günter u. Hiltrud Häntzschel, München/Wien: Hanser

         

Förderverein Gottfried August Bürger Molmerswende

Essay von Harry Timmermann
      


 
Der Bauer.
An seinen Durchlauchtigen Tyrannen.

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut
Darf Klau' und Rachen hau'n?

Wer bist du, daß, durch Saat und Forst
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? -

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und Du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht, bei Egg' und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! -

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!
 
(1773)
 

 

 

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