*23. November 1920 Czernowitz
+20.
(?) April 1970 Paris (Todesdatum und -umstände ungeklärt;
vermutlich Freitod in der Seine)
Grabstätte:
Thiais (Val-de-Marne), Friedhof
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1938
Bildquelle: wikipedia
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Aus
deutschsprachiger jüdischer Familie. Einziges Kind des Bautechnikers Leo
Antschel-Teitler (1890-1942), der den Lebensunterhalt der Familie als
Brennholzmakler verdient, und seiner Ehefrau Friederike ("Fritzi"),
geb. Schrager (1895-1942). Jugend in der kaiserlich-österreichisch geprägten
Vielvölkerstadt Czernowitz, deren Einwohner zur Hälfte
deutschsprachige Juden, zur anderen Hälfte Rumänen und Ukrainer sind (seit
1918 rumänisch). Inhaltlich wurzelt Celans Werk in der jüdischen
Kulturtradition und der kulturellen Vielfalt der Bukowina ebenso wie in den
leidvollen persönlichen Erfahrungen (Judenverfolgung, Verschleppung bzw.
Erdmordung seiner Eltern, "Goll-Affäre", schwere psychische
Erkrankung in den letzten Lebensjahren).
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1952
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Heirat mit der Grafikerin Gisèle
Lestrange (1927-1991); Sohn: Eric (*1955) |
Lyriker
und Übersetzer.
Schon die frühesten Gedichte
faszinieren durch ihre hermetische, surrealistisch anmutende Metaphernflut und
stoßen beim naiven Leser auf Ratlosigkeit. Celan selbst verweist aber auf ihren
sehr konkretem Wirklichkeitsbezug ("wirklichkeitswund und Wirklichkeit
suchend", 1958 Bremer Preisrede). Seine Muttersprache ist die Sprache
der Mörder seiner Mutter mit der Konsequenz: "Welches der Worte du
sprichst - / du dankst / dem Verderben" (1955, Von Schwelle zu
Schwelle). "[Die
Sprache] mußte nun hindurchgehen durch ihre eigenen Antwortlosigkeiten,
hindurchgehen durch furchtbares Verstummen, hindurchgehen durch die tausend
Finsternisse todbringender Rede. Sie [...] ging hindurch und durfte wieder
zutage treten, ´angereichert´ von all dem." (1958 bei der Verleihung
des Bremer Literaturpreises). Die
extreme Verdichtung und
Reduktion des sprachlichen Ausdrucks bis an die Grenze sprachlicher Artikulation
wird so zum dichterischen
Prinzip, das auf das Unsagbare hinzielt (vgl. das "erschwiegene
Wort" im Gedicht Argumentum e silentio aus der Slg. Von
Schwelle zu Schwelle).
Celans bekanntestes
Gedicht ist die Todesfuge, mit dem er versucht Auschwitz in Chiffren zu
fassen.
Übersetzungen
aus dem Französischen, Russischen, Englischen, Rumänischen, Italienischen,
Portugiesischen und Hebräischen ins Deutsche (Einzelgedichte und
Gedichtsammlungen von insgesamt 42 Dichtern).
Auszeichnungen:
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1958
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Literaturpreis der Freien
Hansestadt Bremen |
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1960
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Georg-Büchner-Preis der Deutschen
Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt |
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1964
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Großer Kunstpreis des Landes
Nordrhein-Westfalen |
wichtige Lebensdaten:
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1934
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Abgang vom Oberrealgymnasium von
Czernowitz wegen des eskalierenden Antisemitismus. |
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1938
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Abitur am rumänischen
Staatsgymnasium. Medizinstudium im französischen Tours, da an rumänischen Universitäten ein Numerus clausus besteht. |
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1939
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Der Ausbruch des 2. Weltkriegs
verhindert die Fortsetzung des Studiums in Frankreich; Studium der
Romanistik an der Universität Czernowitz. |
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1940
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20.6.: Annexion der
Nordbukowina mit Czernowitz durch die Sowjetunion. Freundschaft mit der
Schauspielerin Ruth Lachner. |
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1941
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5.7.: Besetzung der Stadt durch
rumänische und deutsche Truppen. Als Jude in einem rumänischen
Arbeitslager an der südlichen Moldau. Verschleppung der Eltern in das KZ Michailowka
in der Ukraine. |
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1942
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Tod des Vaters (Typhus),
Erschießung der Mutter. |
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1944
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Februar: Entlassung aus dem Arbeitslager,
Rückkehr nach Czernowitz; März: Besetzung der Stadt durch die Rote Armee.
Umgang u.a. mit Rose Ausländer; Wiederaufnahme des Studiums (Anglistik). |
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1945
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Verlagslektor und Übersetzer in
Bukarest. Erste Veröffentlichungen in der Literaturzeitschrift Agora. |
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1947
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Dez.: Flucht
aus dem stalinistischen Rumänien über Ungarn nach Wien. Freundschaft u.a. mit Edgar Jené und Milo
Dor. |
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1948
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Liebesverhältnis mit Ingeborg Bachmann. Übersiedlung nach Paris. Studium
der Germanistik und Sprachwissenschaft. |
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1951
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Französische
Staatsbürgerschaft. Nov.: Bekanntschaft mit Gisèle
Lestrange. |
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ab 1953
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Ungerechtfertigte Plagiatsvorwürfe
der Witwe des deutsch-französischen Dichters Yvan Goll, Claire Goll,
überschatten sein Leben bis zum Tod. |
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1957
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Wiederaufnahme der Beziehung zu
Ingeborg Bachmann (bis Sommer 1958). |
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ab 1959
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Dozent für
Deutsche Sprache und Literatur an der École Normale Supérieure. |
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1960
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Die Goll-Affäre eskaliert. |
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ab 1962
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Zerrüttung des psychischen
Gleichgewichts. |
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1965
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Wahnanfall:
C. versucht in der
Nacht vom 23. auf den 24.11. seine Frau zu töten; Einweisung in die
psychiatrische Anstalt Suresnes. |
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1966
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Juni: Entlassung aus der Klinik. |
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1967
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Nach einem Selbstmordversuch erneute
Einweisung in die Psychiatrie; Entlassung am Ende des Jahres.
Aufgrund seiner Wahnvorstellungen (er müsse wie Abraham seinen Sohn
opfern) trennt sich C.s Frau von ihm; zunehmende Verdüsterung seines
Lebens. |
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1969
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Reise nach Israel. |
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1970
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1. Mai: Der Leichnam Celans wird
bei Courbevoie (10 km flussabwärts von Paris) aus der Seine geborgen. |
Werke:
(e = entstanden)
Gedichtbände
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1938-44 e
(1986)
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Typoskript 1944 (u.a.
Todesfuge) |
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1948
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Der Sand aus den
Urnen (wegen zahlreicher Druckfehler zurückgezogen) |
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1952
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Mohn und
Gedächtnis (mit 30 Gedichten aus Sand aus den Urnen) |
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1955
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Von Schwelle zu
Schwelle |
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1959
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Sprachgitter |
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1963 |
Die Niemandsrose |
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1967
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Atemwende |
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1968 |
Fadensonnen |
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1970 |
Lichtzwang |
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1971 |
Schneepart |
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1976 |
Zeitgehöft. Späte
Gedichte aus dem Nachlass. |
Prosatext
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1960 (1959 e)
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Gespräch im Gebirg
(Thema: jüdische Identitätssuche) |
Rede
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1960
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Der Meridian (Büchner-Preis-Rede) |
Übersetzungen
(Ausw.)
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1958
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Arthur Rimbaud: Das
trunkene Schiff |
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1963 |
Drei russische
Dichter. Alexander Block, Ossip Mandelstam, Sergej Jessenin |
Ausgaben
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1975
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Gedichte, hg. v.
Beda Allemann, Frankfurt/M. (2 Bde.) |
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1983 |
Gesammelte Werke, hg.
v. Beda Allemann und Stefan Reichert, Frankfurt/M. (5 Bde.) |
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