Adelbert von Chamisso
eigentl.: Louis Charles Adélaide de Chamissot
Lebensdaten Werk


*zw. 27. u. 30. Januar 1781 Schloss Boncourt (Champagne) (Champagne)

+21. August 1838 Berlin

begraben: Berlin, Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde

 

 
Stich von K. Barth (1833)
 

Von Geburt Franzose. Zweitjüngstes von sieben Kindern des Offiziers aus alter lothringischer Adelsfamilie Louis Marie Comte de Chamissots (+1806) und seiner Frau Marie Anne, geb. Gargam (+1806). Geschwister: Hippolyte (*1769), Louis Marie (*1772), Prudent (*1773), Charles Louis (*1774), Louise (*1779), Eugène (1784-1802). Entscheidende Lebenswende: die Flucht vor den Revolutionstruppen und der Verlust der Heimat. Schlüssel zu seinem Leben, seinen Anschauungen und seinen Dichtungen sind seine Worte gegenüber Mme de Staël: "Je suis Français en Allemagne et Allemand en France, catholique chez les protestants, protestant chez les catholiques, [...] Jacobin chez les aristocrates et chez les démocrates un noble." (1810). 1804 nimmt er den Vornamen Adelbert an.

1819

Heirat mit Antonie Piaste (1800-1837); Kinder: Ernst (*1820), Max (*1822), Adélaide (1827), Johanna (*1829), Adolph (*1830), Hermann (*1832), Adelbert (*1835); unehelich: Wilhelm Ludwig Hertz (späterer Berliner Verleger; Mutter: Marianne Hertz)

Botaniker (Mitentdecker des Generationswechsels bei den Manteltieren) und Literat. Zu seiner Zeit einer der beliebtesten deutschen Dichter; politische und zeitkritische Lyrik; Vorläufer des Vormärz; gehört nach Heine "mehr dem jungen als dem alten Deutschland" an. Der "Schlemihl" gehört zu den Werken der Weltliteratur; die "Reise um die Welt" zu den Klassikern unter den literarischen Reiseberichten.


wichtige Lebensdaten:

1792-94

Konfiskation der elterlichen Besitzungen; Irrfahrt der Familie durch die Revolutionswirren (Luxemburg 1792, 1793/94 Lüttich, Den Haag).

1793

Schloss Boncourt wird von den Revolutionären zerstört.

1794-95

Familie in Düsseldorf, Würzburg, Bayreuth.

1796-98

Umzug der Familie nach Berlin; Maler in der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin; Page bei Königin Friederike Louise; Besuch des Französischen Gymnasiums.

1798

Fähnrich in der Stadtgarnison.

1799

Autodidaktische Studien.

1801

Beförderung zum Leutnant; Rückkehr der Eltern und der Geschwister (außer Eugène) nach Frankreich. Intensive Beschäftigung mit der deutschen Sprache und Literatur.

1802-03

Frankreich-Aufenthalt: Ch. führt den schwer erkrankten Bruder Eugène zu den Eltern in die Champagne zurück; Tod des Bruders. Reisen in Frankreich, um das verlorene Vermögen wiederzuerlangen.

1803

Rückkehr nach Deutschland zum Unverständnis der Eltern. Verkehr in den literarischen Salons (Rahel Levin, Fanny Hertz); Mitglied des Nordsternbundes (romantischer Dichterkreis: Varnhagen, Fouqué, Hitzig u.a.); Freundschaft mit Eduard Hitzig; Besuch der Vorlesungen A. W. Schlegels; Ch. beginnt auf deutsch zu schreiben.

1803

Leidenschaft für die junge französische Witwe Cérès Duvernay.

1804-06

Mitherausgeber des Grünen Musenalmanachs (zusammen mit Varnhagen).

1805

Studium des Griechischen; Okt.: Marschbefehl für Ch.s Regiment.

1806

März: Das Regiment wird nach Hameln verlegt. Freundschaft mit Fouqué. Aug.: Cérès gibt Ch. aus Paris brieflich den Laufpass. Okt.: Tod der Mutter; Nov: Tod des Vaters. Nov.: Nach der Niederlage der preußischen Armee gegen Napoleon kampflose Übergabe der Festung Hameln. Dez.: Reise nach Frankreich als Gefangener auf Ehrenwort.

1807

Aufenthalt in Paris und der Champagne; Cérès schlägt Ch.s Heiratsantrag aus. Identitätskrise; Okt.: Rückkehr nach Deutschland.

1808

Jan.: Entlassung aus dem Militärdienst.

1810

Jan.: Reise nach Frankreich, um eine Stelle als Lehrer an einem Lyzeum in Napoléonville (Bretagne) anzutreten; Ch.s Hoffnung zerschlägt sich. Aufenthalt in Paris (A. W. Schlegel, A. v. Humboldt, Uhland). Liaison mit der verheirateten Schriftstellerin Helmina von Chézy; Juli - Okt.: Aufenthalt bei Madame de Staël auf den Schlössern Chaumont und Fossé.

1810-11

Okt. - März.: Stellung beim Baron Barante in der Vendée, um diesen in die deutsche Literatur einzuführen. Entschluss zur Rückkehr nach Deutschland.

1811-12

Apr. - Aug.: Aufenthalt bei Madame de Staël auf Schloss Coppet bei Genf; erste Beschäftigung mit botanischer Forschung. Aug.: Alpenreise zu Fuß: Montblanc, Col de la Seigne, Courmayeur, Col Ferret, Großer St. Bernhard, Martigny, Interlaken, Berner Oberland, Grimsel, Furka, St. Gotthard nach Zürich und Schaffhausen. 

1812

Sept.: wieder in Berlin; Entschluss, sich der Botanik zu widmen; Okt.: Studium der Medizin und der Botanik an der Universität Berlin.

1813

Während der Freiheitskriege in Kunersdorf im Oderbruch bei der gräflichen Familie Itzenplitz.

1814

Okt: Rückkehr nach Berlin.

1815-18

Die Teilnahme als Naturforscher an der russischen Pazifik- und Arktisexpedition unter Kapitän Otto von Kotzebue auf dem Expeditionsschiff Rurik begründet Ch.s wissenschaftlichen Ruf: Teneriffa - Brasilien - Kap Horn - Chile - Osterinsel - Salas y Gomez - Südsee - Kamtschatka - Behringstraße - San Francisco - Hawaii - Behringstraße - Südsee - Manila - Kap der Guten Hoffnung - St. Helena - London - St. Petersburg.

1819

Ehrendoktor der Universität Berlin; Zweiter Kustos im Botanischen Garten in Berlin.

1821

Verhältnis mit Marianne Hertz (Sohn: Wilhelm Ludwig Hertz, Berliner Verleger).

1823

Exkursion nach Greifswald und Rügen.

1824

Harzreise.

1825

Letzte Paris-Reise; Rückkehr über Belgien und das Rheinland.

1830

Bekanntschaft mit Heine.

1831

Cholera-Erkrankung.

1832-38

Redaktion des "Deutschen Musenalmanachs" (zusammen mit Gustav Schwab).

1833

April: Erster Kustos am Königlichen Herbarium.

1835

Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften; schwere Lungenerkrankung; Juli: zur Kur nach Bad Reinerz (Schlesien).

1836

Kuraufenthalt in Bad Charlottenbrunn in Schlesien; Erkrankung der Ehefrau.

1837

Mai: Tod der Gattin (Blutsturz). Herbst: Reise nach Leipzig auf der neuen Eisenbahnlinie Leipzig-Dresden..

1838

März: Gesuch um Pensionierung.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Erzählungen

1806 e

Adelberts Fabel

1814

Peter Schlemihls wundersame Geschichte

Dramen

1806 e

Fortunati Glücksäckel und Wunschhütlein (Frgm., Versdrama)

1825
(a Berlin)

Die Wunderkur (Lustspiel)

Lyrik

1827

Das Schloß Boncourt

1829

Salas y Gomez (Terzinenged.)

1831

Die Verbannten (Zyklus polit. Ged.)

1831

Deutsche Volkssagen (Gedichtzyklus)

1831
(1830 e)

Frauen-Liebe und -Leben (Liederzyklus)

Schriften

1821

Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungsreise, unternommen in den Jahren 1815-1818

1828 e

Zur Geschichte der Zensur

1834 e

Tagebuch

1837

Über die Hawaiische Sprache

Gesamtausgaben

1836

Werke, Leipzig (4 Bde.)

1864

Werke, hg. v. Friedrich Palm, Berlin (6 Bde.)

1892

Werke, hg. v. Oskar F. Walzel, Stuttgart

1898-1906

Gesammelte Werke, hg. v. Max Koch, Stuttgart (4 Bde.)

1975

Sämtliche Werke, hg. v. Volker Hoffmann u. Jost Perfahl, München (2 Bde.)

1981

Sämtliche Werke, hg. v. Werner Feudel, Leipzig (2 Bde.)

 

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