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Einziger
Sohn des katholisch-schwäbischen Kaufmanns Carl Däubler (1852-1941); Mutter:
Oktavia, geb. Brehmer (1855-1905) protestantisch-schlesisch. "Meine
Eltern waren durchaus aufgeklärte Menschen. [...] Die Dienstboten wussten das
und versuchten, meine Einbildung mit Katholizismen zu beschäftigen. Dadurch
entstand in mir, einem religiös veranlagten Kind, ein großer Konflikt: der
entscheidendste fürs ganze Leben." Drei Schwestern: Elena
(1880-1935), Elsa (1885-1965), Edith (1888-1955). Wächst zweisprachig
im damals österreichischen Triest und in Venedig auf. Schwänzt schon früh
gern die Schule und geht als 15-Jähriger versuchsweise zur See. Darauf Ausbildung
durch Privatlehrer; Liebe für das klassische Altertum und alles Italienische. In Wien
Leidenschaft für die deutsche Sprache und Musik (durch Gustav Mahler).
Zeit seines Lebens berufs- und besitzlos (journalistische Arbeiten, Vorträge), von
Freunden unterstützt, unstetes Vagantenleben. Im Alter Präsident der deutschen Sektion
des PEN-Clubs; zunehmende Vereinsamung.
D. nennt sich
selbst "deutscher Dichter des Mittelmeerraumes". Als Dichter
und Kunstkritiker Wegbereiter des Expressionismus. In seiner Lyrik verbinden sich wortgewaltiges
expressionistisches Pathos mit klassischer Disziplin und impressionistischer Farbigkeit.
Dichter der Natur, deutscher und vor allem mediterraner Landschaften.
Hauptwerk ist der riesige, episch-lyrische Zyklus Das Nordlicht,
über 30.000 Verse, die die Formelemente und Themen seiner Poesie enthalten: Verdichtung
verschiedener Mythen, Liebe zu Rhythmus und Versform, Symbolik, Bilderreichtum, hymnische
Sprache. Diese kosmische Phantasie entfaltet Däublers Privatmythos des zur Lebensquelle
verklärten Sonnenlichts, ist Dichtung über das künstlerische Schaffen,
Menschheitsgeschichte als Läuterung hin zum Geist, "verspätete poetische
Krönung des deutschen Idealismus" (Kemp).
wichtige
Lebensdaten:
1896 |
Als
Externer Abitur in Fiume (heute Rijeka; in italienischer Sprache). Aus
dem Militärdienst nach sechs Monaten als nicht dienstfähig entlassen. |
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1898 |
Umzug der Familie nach Wien. Danach Beginn des Vagabundenlebens: Neapel, Berlin, Wien, Venedig, Rom. |
1903 |
Übersiedlung nach Paris. Umgang mit der
internationalen Bohème; kümmerliche Lebensverhältnisse. Intensive Beschäftigung mit
Bildhauerei und Malerei; Bekanntschaft mit Picasso und Moeller van den
Bruck, der später den Druck des Nordlichts vermittelt. Sommer:
Aufenthalt in der Champagne. |
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1906 |
Frühjahr:
Bretagne-Aufenthalt. |
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1907 |
Herbst:
Übersiedlung nach Florenz. Dort Freundschaft mit Ernst Barlach. |
1910 |
Übersiedlung zu seiner Schwester Edith Schamberg nach
Berlin. Meist aber unterwegs in Italien (Florenz, Rom, Sizilien), im
Rheinland, in Österreich. |
1912 |
Erste öffentlicher Auftritte (Innsbruck, Wien, Prag).
Frühsommer: zu Gast bei Barlach in Güstrow. |
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1913 |
Zusammen
mit Barlach Reise durch Mecklenburg und Vorpommern. |
1914-18 |
Aufenthalt in Deutschland: vom Kriegsdienst freigestellt;
Wechsel zwischen Dresden und Berlin. Freundschaft mit Ludwig von Ficker
und Carl Schmitt. |
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1916-18 |
Berlin; Kunstreferent des Berliner Börsen-Couriers. |
1920 |
In Genf als Gast des Kaufmanns und Sammlers Sammy
Falk. |
1921-25 |
Frühjahr: (über Österreich und Italien nach) Athen; von da aus Reisen durch Griechenland, Ägypten, Syrien,
Palästina; lebt in bitterer Armut; hält sich mit journalistischen Reisebildern über
Wasser. |
1925 |
Herbst: Rückkehr nach Berlin als Schwerkranker;
Rekonvaleszenz in Marienbad, Neapel, Capri. Nach der Genesung neue
Fahrten: Italien, Deutschland, Skandinavien, England, Frankreich, Balkan. |
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1927 |
Präsident des
deutschen PEN-Clubs. |
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1928 |
Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. |
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1931 |
Griechenland-Reise. |
1932 |
In Italien Ausbruch der Tuberkulose; Sanatoriumsaufenthalt bei
Berlin; trotzdem wieder Reisen. |
1933 |
Schlaganfall
in Italien; D.s Schwester bringt ihn in eine Klinik in St. Blasien/Schwarzwald. |
Werke:
(e = entstanden)
lyrisches
Epos
1910
(ab 1898 e) |
Das Nordlicht (Florentiner Ausgabe) |
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1921/22 |
Das
Nordlicht (erweiterte "Genfer Ausgabe") |
Lyrik
1913 |
Oden und Gesänge |
1915 |
Hesperien. Eine Symphonie I (Gedichte) |
1915
(erw. 1919) |
Der sternhelle Weg (Gedichte) |
1916 |
Hymne an Italien (Gedichte) |
1916 |
Hymne an Venedig |
1916 |
Das Sternenkind (Gedichtauswahl) |
1920 |
Die Treppe zum Nordlicht. Eine Symphonie II |
1921 |
Die Perlen von Venedig (Gedichte) |
1924 |
Päan und Dithyrambos. Eine Phantasmagorie (Gedichtzyklus) |
1924 |
Attische Sonette |
1963 |
Ein Lauschender auf blauer Au |
Erzählungen,
Romane und andere Prosa
1916 |
Mit silberner Sichel (Prosa) |
1921 |
Der unheimliche Graf (3 Erzählungen) |
1923 |
Der heilige Berg Athos. Eine Symphonie III (Prosa) |
1925 |
Der Schatz der Insel (Erzählung aus den griechischen
Befreiungskriegen)) |
1927 |
Bestrickungen (2 Novellen) |
1928 |
L´Africana (Roman) |
1930 |
Der Marmorbruch (Erzählung) |
1931 |
Die Göttin mit der Fackel (Roman) |
Drama
1932 |
Can Grande della Scala (dramat. Fragment) |
Übersetzungen
1917 |
Der Hahn. Übertragungen aus dem Französischen |
1928 |
Gedichte des Boccaccio |
Autobiographisches
1914 |
Wir wollen nicht verweilen. Autobiographische Fragmente |
1926 |
Aufforderung zur Sonne (autobiographische Skizze) |
Schriften
1916 |
Der neue Standpunkt (Essays über moderne Kunst) |
1917 |
Lucidarium in arte musicae des Ricciotto Canudo aus Gioja del Colle (Essays
über Musik) |
1919 |
Im Kampf um die moderne Kunst (Essay) |
1923 |
Sparta. Ein Versuch |
1930 |
Der Fischzug. Acht Aufsätze aus den Jahren 1917-1929 |
1947 |
Griechenland (ca. 100 Aufsätze) |
Ausgaben
1956 |
Dichtungen und Schriften, hg. v. Friedhelm Kemp, München (Auswahl) |
2004ff. |
Kritische Gesamtausgabe, hg. v. Paolo Chiarini, Stefan Nienhaus und Walter Schmitz, Dresden (7 Bde.) Paolo Chiarini, Stefan Nienhaus und Walter Schmitz, Dresden (7 Bde.) |
Purpurschwere, wundervolle Abendruhe
grüßt die Erde, kommt vom Himmel, liebt das Meer.
Tanzgestalten, rotgewandet, ohne Schuhe,
Kamen rasch, doch sie versinken mehr und mehr.
Furchtbar rot ist jetzt die Stunde. Wutentzündet
Drohen Panther. Grausamfunkelnd. Aufgebracht!
Dieser bleibt: ein Knabe reitet ihn und kündet
Holder Wunder tollen Jubel in die Nacht.
Nacht! der Abend, aller Scharlach mag verstrahlen.
Auch der Panther schleicht im Augenblick davon.
Aber folgt dem Knaben! Sacht, in schmalen Glutsandalen
Tanzt er nackt im alten Takt von Babylon.
Alle Flammen abgeschüttelt? Auf der Füße
Blassen Spitzen winkt und fiebert jetzt das Kind:
Weltentschwunden? Sterne sind die sichern Grüße
Stiller Keuschheit überm Meere, vor dem Wind!
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