Heimito von Doderer
eigentl. Franz Carl Heimito Ritter von Doderer
Lebensdaten Werk
+23. Dezember 1966 Wien (Darmkrebs) Ehrengrab: Wien,
Grinzinger Friedhof |
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Jüngstes von sechs Kindern des Architekten und Bauunternehmers Wilhelm Carl Gustav Ritter von Doderer (1854-1932) und seiner Frau Louise (Willy), geb. von Hügel (1862-1946); protestantische Familie, die eine Generation zuvor den Erbadel erhalten hatte. Die Urgroßmutter väterlicherseits war eine Halbschwester Nikolaus Lenaus. Der Vater wirkte in leitender Position beim Bau der Karawankenbahn, des Nord-Ostsee-Kanals, der Stadtbahn und bei der Wienflussregulierung mit. Die Doderers waren eine der reichsten Familien in Österreich-Ungarn, die aber im 1. Weltkrieg einen Großteil ihres Vermögens verlor. Geschwister Heimitos: Ilse (1882-1979), Almuth (1884-1978), Wilhelm (Immo, 1886-1975), Helga (1887-1927), Astri (1893-1989). Name: Reminiszenz aus einem Spanien-Urlaub ("Jaimito": eingedeutsche Koseform für Jaime).
1930 |
1. Ehe mit Auguste ("Gusti") Hasterlik; 1932 Trennung, 1938 Scheidung |
1952 |
2. Ehe mit Emma Maria Thoma (1896-1984) |
D. ist der
bedeutendste österreichische Romancier.
Hält an der Erzählbarkeit der Welt fest: setzt gegen die moderne Erzähltechnik
der Auflösung der Wirklichkeit in assoziative Bilder und Gedanken wieder die
Erzählhandlung; Aufgabe des Romanciers sei die "Wiedereroberung der
Außenwelt".
Seine breit angelegten Gesellschaftsromane kreisen thematisch um das Absterben der alten
österreichischen Gesellschaft. Hauptthema: Wirken des Schicksals ("Fatalogie");
Einbruch des Chaos in das Leben des einzelnen, Entfesselung des Dämonischen im
Massenzeitalter. Hauptwerk: Die Dämonen.
Auszeichnung:
1958 |
wichtige Lebensdaten:
1902-14 |
Humanistisches K. K. Staatsgymnasium in der Kundmanngasse. |
1914 |
Matura; Jurastudium in Wien. |
1915 |
Als Einjährig-Freiwilliger in der Breitenseer Kaserne beim K. u. K. Dragoner-Regiment Nr. 3. |
1916 |
Teilnahme am Russland-Feldzug in Galizien und der Bukowina; Juli: als Leutnant eines Ulanenregiments in der Schlacht von Olesza/Ostgalizien gefangengenommen. |
1916-20 |
Kriegsgefangenschaft in Sibirien (Lager Krasnaja Rjetschka bei Chabarowsk); Entschluss, Schriftsteller zu werden. |
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1918 |
Von den Bolschewiki entlassen; in den Wirren des Bürgerkrieges kommen die Entlassenen mit dem Zug nur bis Samara; Entschluss zur Rückreise in ein Lager in der Nähe von Nowosibirsk, das vor der herannahenden Roten Armee später nach Krasnojarsk verlegt wird. |
1920 |
Endgültige Entlassung; 14.8.: Heimkehr nach Wien. |
1920-25 |
Wiederaufnahme des Studiums (Geschichte und Psychologie) in Wien. |
1921 |
Beginn der Liebesbeziehung zu Auguste Hasterlik (ausgebildete Pianistin aus Wiener Arztfamilie; katholisch getaufte Jüdin). Heiratsversprechen. |
1923 |
Aufnahmeprüfung für das Institut für österreichische Geschichtsforschung |
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1925 |
Promotion zum Dr. phil. (Dissertation: Zur bürgerlichen Geschichtsschreibung in Wien während des 15. Jahrhunderts). |
1926-31 |
Tätigkeit als Journalist (historische Feuilletons); Einfluss Otto Weiningers. |
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1927 |
Selbstmord der Schwester Helga. |
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1928 |
Eigene Wohnung im Bezirk Döbling. |
1929 |
Lektüre der Bekenntnisse eines modernen Malers von Albert Paris Gütersloh ("Bekehrungsakt"). |
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1930-32 |
Scheinehe mit Auguste (getrennte Wohnungen). |
1932 |
Schwere persönliche Krise. |
1933 |
Eintritt in die österreichische nationalsozialistische Partei. |
1936-38 |
Übersiedelung nach Deutschland (Dachau). Eintritt in die NSDAP; Antrag zur Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer. |
1937 |
Allmähliche Distanzierung vom Nationalsozialismus. Erste Begegnung mit Emma Maria Thoma. |
1938 |
Aug.: Rückkehr nach Wien; Wohnung zusammen mit Albert Paris Gütersloh (Wien VIII., Buchfeldgasse 6). Nach dem Anschluss Österreichs lässt sich Doderer nicht mehr als Parteimitglied führen. |
1940 |
Übertritt zum Katholizismus. Jahresende: als Reserveoffizier der Kavallerie zur Luftwaffe abgeordnet (Verwaltungsarbeit im Hinterland); Breslau, Verlegung nach Frankreich. |
1942 |
Verlegung an die russische Front bei Kursk. Versetzung in den Krankenstand wegen heftiger Neuralgien: Frankfurt/O., Wiesbaden, Schongau. |
1943-45 |
Wiener Neustadt, Bad Vöslau und weitere Standorte. |
1945 |
Apr.: Oslo; bei Kriegsende Internierung in Norwegen. Jahresende: Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft. |
1946 |
Jan.: Rückkehr nach Wien. Publikationsverbot wegen NSDAP-Mitgliedschaft. |
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1947 |
Streichung von der Liste der Belasteten. |
1948-50 |
Kurs am Institut für Österreichische Geschichtsforschung (Ausbildungsstätte für Bibliothekare) in der Hoffnung auf berufliche Qualifikation. |
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1951 |
Literarischer Durchbruch mit der Strudlhofstiege. |
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1952 |
2. Heirat; wieder keine gemeinsame Wohnung (Emma Maria bleibt in Landshut); über die Sommermonate und den Jahreswechsel gewöhnlich in Bayern. |
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1955 |
Juni: Bekanntschaft mit der Autorin Dorothea Zeemann (1909-1993), die seine Geliebte wird. |
1956 |
1.5.: Bezug der Wohnung in der Währingerstraße 50 (Wien IX.). |
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1960 |
Kehlkopfoperation infolge übermäßigen Alkohol- und Nikotingenusses. |
Romane
1930 |
Das Geheimnis des Reiches. Roman aus dem russischen Bürgerkrieg |
1938 |
Ein Mord, den jeder begeht |
1940 |
Der Umweg |
1951 |
Die erleuchteten Fenster oder Die Menschwerdung des Amtsrates Julius Zihal |
1951 |
Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre |
1956 |
Die Dämonen. Nach der Chronik des Sektionsrates Geyrenhoff |
1962 |
Die Merowinger oder Die totale Familie (Romangroteske) |
1963 |
Die Wasserfälle von Slunj (1. Teil einer geplanten Tetralogie "Roman No. 7") |
1967 |
Der Grenzwald (2. Teil der Tetralogie; Frgm.) |
1924 |
Die Bresche. Ein Vorgang in vierundzwanzig Stunden |
1953 |
Das letzte Abenteuer |
1958 |
Die Posaunen von Jericho (= 7. Divertimento) |
1959 |
Die Peinigung der Lederbeutelchen (Erz.; Titelgeschichte 1954, 1931 e) |
1966 |
Unter schwarzen Sternen (Erz.) |
1966 |
Meine neunzehn Lebensläufe und neun andere Geschichten |
1958 |
Frühe Prosa (u.a. Jutta Bamberger, 1924 e, Frgm.) |
1972 |
Divertimenti (sechs Erz.) |
1923 |
Gassen und Landschaft (Ged.) |
1957 |
Ein Weg im Dunklen. Gedichte u. epigrammatische Verse |
1964 |
Tangenten. Tagebuch eines Schriftstellers 1940-1950 |
1976 |
Commentarii 1951 bis 1956. Tagebücher aus dem Nachlass |
1986 |
Commentarii 1957 bis 1966. Tagebücher aus dem Nachlass, 2. Bd. |
sonstige Prosa
1930 |
Der Fall Gütersloh: Ein Schicksal und seine Deutung (Essay) |
1959 |
Grundlagen und Funktion des Romans |
1969 |
Repertorium |
1970 |
Die Wiederkehr der Drachen. Aufsätze, Traktate, Reden |
Link:
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