Hilde Domin
eigentl. Hilde Löwenstein, verh. Palm
Künstlernamen seit der Rückkehr nach Deutschland (Verweis auf das Exilland, wo sie zu schreiben begann: Ich nannte mich / ich selber rief mich / mit dem Namen einer Insel)

Lebensdaten Werk 


 
*27. Juli 1909
Köln

+22. Februar 2006 Heidelberg (an den Folgen eines Sturzes)

Grabstätte: Heidelberg, Bergfriedhof

 

 

Hilde Domin im Jahr 2005
Bildquelle: wikipedia
 

Aus assimilierter jüdischer Familie; Tochter des Rechtsanwalts Siegfried Löwenstein und einer ausgebildeten Sängerin. Beginnt erst nach dem Tod der Mutter mit 42 Jahren zu schreiben ("Ich kam erst 1951 auf die Welt"). Heimat im "deutschen Wort".

1936 Eheschließung mit dem Kunsthistoriker und Archäologen Erwin Walter Palm

Eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen, deren Werke in 22 Sprachen übersetzt wurden. Zentrale Themen: Exil, Heimat und Heimatverlust. Lyrische Sprache geprägt durch Reduktion und Bildhaftigkeit. Gedichte sind magische Gebrauchsgegenstände, "die, wie der Körper der Liebenden, in der Anwendung erst gedeihen”, offen für Assoziationen und Gefühle.

Auszeichnungen (Auswahl)

1976 Rainer-Maria-Rilke-Preis für Lyrik
1983 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
Nelly-Sachs-Preis
1992 Friedrich-Hölderlin-Preis
1993 Ehrenprofessuren des Landes Baden-Württemberg und des Landes Nordrhein-Westfalen
2004 Ehrenbürgerin der Stadt Heidelberg

wichtige Lebensdaten:

1929 Abitur an einem humanistischen Gymnasium in Köln.
1929-1932 Studium in Heidelberg, Köln, Bonn und Berlin: zunächst Jura, dann nationalökonomische Theorie, Soziologie, Philosophie (u.a. bei Gustav Radbruch, Karl Mannheim, Karl Jaspers).
1932 Zusammen mit dem Freund Erwin Walter Palm Emigration nach Rom.
1935 Promotion zum Dr. rer. pol.  in Florenz; Dissertation über Pontanus als Vorläufer von Machiavelli.
1935-1939 Sprachlehrerin in Rom.
1936 Heirat.
1939 Ausweisung aus Italien; Übersiedlung nach England zu den dorthin geflohenen Eltern; Sprachlehrerin am St. Aldwyn’s College in Minehead/Somerset.
1940 Palm erhält eine Professur in der Dominikanischen Republik.
1940-1954 Exil in der Dominikanischen Republik; Mitarbeiterin ihres Mannes, Übersetzerin (Italienisch, Spanisch, Englisch, Französisch) und Architekturfotografin.
ab 1948 Lektorin für Deutsch an der Universität Santo Domingo; längere Aufenthalte in den Vereinigten Staaten.
1951 Nach dem Tod der Mutter erste Gedichte.
1954 Rückkehr nach Deutschland; Arbeitsaufenthalte in Spanien; erste Veröffentlichung von Gedichten in der Zeitschrift Caracola.
1957-1959 Frankfurt am Main.
1960 Berufung Palms an die Universität Heidelberg.
1961 Ständiger Wohnsitz in Heidelberg; freie Schriftstellerin.
1964 Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland.
1978 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
1987/1988 im Wintersemester Poetikvorlesungen an der Universität Frankfurt.

Werke:

Lyrikbände

1959 Nur eine Rose als Stütze
1962 Rückkehr der Schiffe
1964 Hier
1968 Höhlenbilder. Gedichte 1951/1952
1970 Ich will dich
1979 Abel steh auf. Gedichte, Prosa, Theorie
1981 Traum I
1987 Gesammelte Gedichte
1999 Der Baum blüht trotzdem

Erzählungen

1971 Die andalusische Katze (Sammlung)

Roman

1968 Das zweite Paradies. Roman in Segmenten

Autobiographisches

1974 Von der Natur nicht vorgesehen. Autobiographisches
1982 Aber die Hoffnung. Autobiographisches. Aus und über Deutschland
1992 Gesammelte autobiographische Schriften. Fast ein Lebenslauf

Reden

1983 Zurückgekehrt als Boten der Versöhnung. Dankrede bei Entgegennahme des Nelly-Sachs-Preises
1992 Hilde Domin zum Hölderlin-Preis

Schriften

1968 Wozu Lyrik heute. Dichtung und Leser in der gesteuerten Gesellschaft
1978 Mein Judentum
1983 Zivilcourage: ein Fremdwort
Die Paradoxien des Exils. Identitäts- und Sprachproblematik
1984 Autor und Leser als Zeitgenossen
1988 Das Gedicht als Augenblick von Freiheit. Frankfurter Poetik-Vorlesungen
1992 Gesammelte Essays. Heimat in der Sprache

Domin als Herausgeberin (Auswahl)

1966 Doppelinterpretationen. Das zeitgenössische deutsche Gedicht zwischen Autor und Leser