Friedrich Dürrenmatt
Lebensdaten Werk
+14. Dezember 1990 Neuchâtel (Herzversagen) Grabstätte
existiert nicht; "Charlotte Kerr verrät nur so viel: Die Asche
liege irgendwo im Garten des Anwesens. Genaueres erfahre man vielleicht nach
ihrem Tod." (Julian Schütt in Die Weltwoche 42/04) |
|
Sohn des protestantischen Pfarrers Reinhold Dürrenmatt und seiner Frau Hulda, geb. Zimmermann. Vor der schriftstellerischen Tätigkeit Zeichner und Graphiker.
1946 |
Heirat mit der Schauspielerin Lotti Geißler (+1983); Kinder: Peter (*1947), Barbara (*1949), Ruth (*1951) |
1984 |
2. Ehe mit der Journalistin, Schauspielerin und Regisseurin Charlotte Kerr (*1927) |
Neben Frisch der
bedeutendste Schweizer Schriftsteller des 20. Jhs.; einer der großen Dramatiker der
deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Schonungsloser Moralist, der um das "Absurde
dieser Welt" weiß. Neben Brecht auch wichtigster Dramentheoretiker:
Theater als Abbild des labyrinthischen Zustands der Welt. In den gesellschaftskritischen Theaterstücken Stilmittel
der Verfremdung in Verbindung mit tragisch-grotesken Elementen; der Typus der
Tragikomödie ist für D. die "einzig mögliche dramatische Form, heute das
Tragische auszusagen" ("Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß, Übersicht,
Verantwortung voraus. In der Wurstelei unseres Jahrhunderts [...] gibt es keine Schuldigen
und auch keine Verantwortlichen mehr. Alle können nichts dafür und haben es nicht
gewollt. [...] Uns kommt nur noch die Komödie bei."). Seinen Weltruhm
begründeten Der Besuch der alten Dame (ätzende Kritik an der
Wohlstandsgesellschaft) und Die Physiker (Verantwortung der Wissenschaft).
Die späteren Dramen stießen dagegen auf geringere Resonanz.
Die vom Existenzialismus beeinflussten Kriminalromane mit der skurrilen Hauptfigur
des Kommissars Bärlach greifen einerseits auf bewährte Muster des Detektivromans
zurück, stellen aber auch die klare Trennung von Gut und Böse in Frage.
Hörspiele (in den 50er Jahren), Filmdrehbücher, Theaterarbeit, zahlreiche Reden,
Interviews, Aufsätze.
Einer der meistgeehrten Autoren des 20. Jhs., viele seiner Werke gehören zur Standardlektüre der Lehrpläne.
Auszeichnungen (Auswahl):
1954 |
Literaturpreis der Stadt Bern |
1959 |
Schiller-Preis der Stadt Mannheim |
1969 |
Großer
Literaturpreis des Kantons Bern |
1977 |
Ehrendoktorwürde
der Hebräischen Universität Jerusalem |
1979 |
Großer Literaturpreis der Stadt Bern |
1981 |
Ehrendoktor der Universität Neuchâtel |
|
1983 |
Ehrendoktor der Universität Zürich |
1984 |
Österreichischer Staatspreis für europäische Literatur |
1986 |
Georg-Büchner-Preis |
|
1928-33 |
Primarschule in Stalden bei Konolfingen. |
|
1933-35 |
Sekundarschule in Großhöchstetten bei Konolfingen. |
1935 |
Übersiedlung der Familie nach Bern. |
1935-37 |
Besuch des Freien Gymnasiums. |
1937-41 |
Humboldtianum. |
1941 |
Maturitätsprüfung; |
|
1941-1945 |
Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft zunächst in Zürich, nach einem Semester in Bern (Abbruch). Entschluss, nicht Maler zu werden. |
1943 |
Beginn der schriftstellerischen Tätigkeit. |
1946-48 |
In Basel. |
1948-52 |
In Ligerz am Bieler See. |
1952 |
Umzug nach Neuchâtel; Theaterkritiker für die Weltwoche. |
1956 |
Literarischer Durchbruch mit dem Welterfolg Der Besuch der alten Dame. |
1966-75 |
Ausgedehnte Reisen (u.a. 1964 u. 1967 Sowjetunion, 1969/70 USA, Karibik). Zunahme des tagespolitischen Engagements. |
1968-69 |
Hausautor und künstlerischer Berater der Basler Bühnen; nach Auseinandersetzungen um die Bearbeitung von Lessings Minna von Barnhelm und um eine Neuinszenierung der Ehe des Herrn Mississippi zieht sich D. zurück. |
1970-73 |
Theaterarbeit in Zürich; Skandal um die Uraufführung von Der Mitmacher: Der Regisseur Andrzej Wajda distanziert sich von seiner eigenen Inszenierung, weil der Autor unzulässig in sie eingegriffen habe. D. bleibt in der Folge dem Theater fern. |
|
1974 |
Reise nach Israel. |
1981 |
Auf Einladung der University of Southern California als writer in residence in Los Angeles. |
|
1983 |
Jan.: Tod der ersten Frau. Nov.: Griechenland-Reise. Dez.: Südafrika. |
|
1983-84 |
Dez. - Jan.: Südamerika-Reise. |
|
1985 |
Nov.: Ägypten-Reise. |
|
1986 |
Sept.: Sizilien. |
|
1987 |
Teilnahme an der von Gorbatschow initiierten Friedenskonferenz in Moskau. |
|
1990 |
Polen-Reise (Besuch von Auschwitz). |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Dramen
1947 |
Es steht geschrieben |
1947 |
Der Blinde |
1956 |
Romulus der Große. Eine ungeschichtliche historische Komödie in 4 Akten |
1952 |
Die Ehe des Herrn Mississippi. Eine Komödie in zwei Teilen |
1954 |
Ein Engel kommt nach Babylon. Eine Komödie in 3 Akten |
1956 |
Der Besuch der alten Dame. Eine tragische Komödie |
1960 |
Frank der Fünfte. Oper einer Privatbank (Musik von Paul Burkhard) |
1962 |
Die Physiker |
1963 |
Herkules und der Stall des Augias. Eine Komödie (umgearb. Hörspiel) |
1966 |
Der Meteor |
1967 |
Die Wiedertäufer. Eine Komödie in 2 Teilen |
1971 |
Porträt eines Planeten |
1976 |
Der Mitmacher |
1977 |
Die Frist |
1979 |
Die Panne (urspr. Erzählung, dann Hörspiel) |
1983 |
Achterloo |
1967 (a Zürich) |
Die Wiedertäufer. Eine Komödie in 2 Teilen (Neubearb. v. Es steht geschrieben) |
1968 (a Basel) |
König Johann. Nach nach Shakespeare |
1969 (a Basel) |
Play Strindberg. Totentanz nach August Strindberg |
1970 (a Zürich) |
Urfaust (Goethe) |
1970 (a Düsseldorf) |
Titus Andronicus. Eine Komödie nach Shakespeare |
1972 (a Zürich) |
Woyzeck (Büchner) |
Drehbücher
1957 |
Der Richter und sein Henker (Fernsehspiel, ARD; Mitarbeit) |
1958 |
Es geschah am hellichten Tag (Spielfilm; Mitarbeit) |
1959 |
Der Besuch der alten Dame (Fernsehspiel, ARD) |
1960 |
Abendstunde im Spätherbst (Fernsehspiel, ARD) |
1961 |
Die Ehe des Herrn Mississippi (Spielfilm) |
1962 |
Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen (Fernsehspiel, ARD) |
1964 |
Die Physiker (Fernsehspiel, ARD) |
1967 |
Frank V. (Fernsehspiel, ARD) |
1978 |
Der Richter und sein Henker (Spielfilm; Mitarbeit) |
Hörspiele
1957 |
Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen (Ein Kurs für Zeitgenossen) |
1956 |
Der Prozeß um des Esels Schatten. Ein Hörspiel (nach Wieland - aber nicht sehr) |
1953 |
Stranitzky und der Nationalheld |
1954 |
Herkules und der Stall des Augias. Mit Randnotizen eines Kugelschreibers |
1955 |
Das Unternehmen der Wega |
1961 |
Die Panne |
1957 |
Abendstunde im Spätherbst |
1960 (a NDR, BR) |
Der Doppelgänger. Ein Spiel |
Romane
1952 |
Der Richter und sein Henker |
1953 |
Der Verdacht. Kriminalgeschichte |
1955 |
Grieche sucht Griechin. Eine Prosakomödie |
1958 |
Das Versprechen. Requiem auf den Kriminalroman |
1985 |
Justiz |
1989 |
Durcheinandertal |
1945 |
Der Alte |
1949 |
Pilatus |
1950 |
Der Nihilist (1966 u.d.T. Die Falle) |
1952 |
Die Stadt. Prosa I-IV (Weihnacht, 1943 e; Der Folterknecht, 1943 e; Der Hund; Das Bild des Sisyphos; Der Theaterdirektor; Die Falle; Die Stadt; Der Tunnel; Pilatus) |
1956 |
Die Panne. Eine noch mögliche Geschichte |
1971 |
Der Sturz |
1978 |
Friedrich Dürrenmatt Lesebuch (u.a. Nachrichten über den Stand des Zeitungswesens in der Steinzeit; Mister X macht Ferien; Abu Chanifa und Anan Ben David) |
1981 |
Stoffe I-III. Der Winterkrieg in Tibet. Mondfinsternis. Der Rebell |
1990 |
Turmbau. Stoffe IV-IX. Begegnungen. Querfahrt. Die Brücke. Das Haus. Vinter. Das Hirn |
1952 |
Anmerkungen zur Komödie |
1955 |
Theaterprobleme |
1960 (1959 e) |
Friedrich Schiller. Eine Rede (anlässlich der Übergabe des Schillerpreises) |
1969 |
Monstervortrag über Gerechtigkeit und Recht. Nebst einem helvetischen Zwischenspiel |
1970 |
Sätze aus Amerika |
1976 |
Zusammenhänge. Essay über Israel. Eine Konzeption |
1976 |
Der Mitmacher. Ein Komplex. Text der Komödie. Dramaturgie. Erfahrungen. Berichte. Erzählungen |
1977 |
55 Sätze über Kunst und Wirklichkeit |
1979 |
Albert Einstein. Ein Vortrag |
1985 |
Kunst und Wissenschaft oder Platon oder Die Schwierigkeit einer Anrede. Eine Vorlesung |
1986 |
Das Theater als moralische Anstalt heute. Rede zur Verleihung des Schiller-Gedächtnispreises |
1991 |
Abschied vom Theater |
Sammelausgaben
1957 |
Komödien I, Zürich (Arche) |
1964 |
Komödien II und frühe Stücke, Zürich (Arche) |
1972 |
Komödien III, Zürich (Arche) |
1983 |
Stücke. 2 Bde., Berlin (Volk und Welt) |
1961 |
Gesammelte Hörspiele, Zürich (Arche) |
1986 |
Erzählungen, Berlin (Volk und Welt) |
1966 |
Theater-Schriften und Reden, Zürich (Arche) |
1972 |
Dramaturgisches und Kritisches. Theater-Schriften und Reden II, Zürich (Arche) |
Gesamtausgaben
1980 |
Werkausgabe in 30 Bänden, Zürich (Diogenes) |
1988 |
Gesammelte Werke in 7 Bänden, Zürich (Diogenes) |
Links:
Dürrenmatt-Seite von Stephan Götschi