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Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

geb. Freiin von Dubský
(seit 1843 Gräfin)

Lebensdaten
| Werk

Ebner-Eschenbach-Texte im Netz



* 13. September 1830
Gut Zdislavice
bei Kremsier/Mähren

+ 12. März 1916 Wien

Grabstätte: Zdislavice, Familiengruft
 

 

 

 
Väterlicherseits aus altem mährisch-katholischem Adel, mütterlicherseits aus sächsisch-protestantischem Geschlecht. Tochter des Geheimrats und k. und k. Kämmerers Franz Baron (seit 1843 Graf) Dubsk
ý (1784-1873) und seiner zweiten Ehefrau Marie, geb. Baronin von Vockel (1801-1830), die kurz nach der Geburt stirbt. Erste Stiefmutter: Eugénie Freiin von Bartenstein (1808-1837); zweite Stiefmutter: Xaverine Gräfin Kolowrat-Krakowsky (1808-1869). Sechs Geschwister. Aufgewachsen teils auf Gut Zdislavic
e (sommers), teils in Wien (winters). Amme und Kinderfrauen sind Tschechinnen, Gouvernanten zum großen Teil Französinnen. Von der zweiten Stiefmutter in die deutsche Sprache und Literatur eingeführt. Spricht mit 18 Jahren besser tschechisch als deutsch. Die Ehe mit ihrem Cousin entscheidet über ihre Zugehörigkeit zum deutsch-österreichischen Kulturkreis. - Ruhiges und gleichförmiges Leben zwischen Wien und den heimatlichen Gütern. - Früher Entschluss, Schriftstellerin zu werden; findet dabei Unterstützung durch ihren Mann. Liberalistisch-humanistischer Fortschrittsglaube, Abneigung gegen den politischen und dogmatischen Katholizismus. Im Alter Rückkehr in den Schoß der Kirche.
 

1848

Eheschließung mit Moritz von Ebner-Eschenbach (1815-1898, Vetter; Professor der Physik und Chemie an der Ingenieur-Akademie in Wien, seit 1874 Feldmarschall-Leutnant); kinderlos

 
Bedeutendste deutschsprachige Erzählerin des 19. Jahrhunderts. Ihre frühen Versuche im Drama stoßen auf Kritik bzw. bleiben ohne Nachwirkung. Erst im reifen Alter findet sie ihren dichterischen Weg als Verfasserin meisterhafter Gesellschafts-Novellen (Vorbild: Turgenjew) und Aphorismen.  Parabeln und Märchen runden ihr Schaffen ab. In ihren Werken Verurteilung des Feudalsystems bzw. Kritik an der Adelsgesellschaft, Eintreten für soziale Gerechtigk
eit: Božena ist der erste Dienstmädchenroman der deutschen Literatur, erzählt aus der Perspektive der Unterprivilegierten. Die heute bekannteste ihrer Erzählungen ist die mehrfach verfilmte Tiernovelle Krambambuli.

    

"Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde - alle dummen Männer." (Aus den Aphorismen)

Auszeichnungen:

1899

Österreichisches Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft  (als einzige Frau)

1900

Ehrendoktorwürde der Universität Wien (als erste Frau)


 
Wichtige Lebensdaten:
 

1848

Nach der Hochzeit mit ihrem Mann gemeinsamer Wohnsitz in Klosterbruck (Louka) bei Znaim in Südmähren.

1856

Umzug nach Wien. Gesellschaftlicher Umgang mit Halm, Laube, von Saar, Grillparzer u.a.

1867

Beginn der Tagebuchaufzeichnungen. - Reise nach Paris zur Weltausstellung.

1873

Skandal bei der Uraufführung des adelskritischen Gesellschaftsstücks Das Waldfräulein im Burgtheater.

1875

Beginn der Freundschaft mit dem Herausgeber der Deutschen Rundschau, Julius Rodenberg.

1879

Uhrmacher-Ausbildung.

1880

Literarischer Durchbruch mit der Novelle Lotti, die Uhrmacherin, die Rodenberg in der Deutschen Rundschau herausbringt. - Beginn der Freundschaft mit Louise von François. 

1882

Beginn der Bekanntschaft mit Paul Heyse.

1889-1899

Mit der Freundin Ida von Fleischl-Marxow häufig in St. Gilgen am Wolfgangsee bei den gleichgesinnten Familien Exner und Billroth.

1898

Zunehmende Vereinsamung nach dem Tod des Gatten.

1898-1905

Ausgedehnte Italien-Reisen.

1903

Beginn der Freundschaft mit der (tief religiösen) Dichterin Enrica von Handel-Mazetti.


Werke:

(Z = Zeitschriftenveröffentlichung; e = entstanden; a = Uraufführung in)

Romane

1876

Božena

1887

Das Gemeindekind (2 Bde.)

1890

Unsühnbar (Z 1889)

Erzählungen/Novellen
 

1875

Erzählungen

  • Ein Spätgeborner

  • Chlodwig

  • Die erste Beichte

  • Die Großmutter

  • Ein Edelmann

1881

Neue Erzählungen

  • Ein kleiner Roman

  • Die Freiherren von Gemperlein (Z 1879)

  • Lotti die Uhrmacherin (Z 1880)

  • Nach dem Tode

1883

Dorf und Schloßgeschichten

  • Der Kreisphysicus

  • Die Poesie des Unbewußten (Z 1881)

  • Krambambuli

  • Jacob Szela

  • Die Resel

  • Die Poesie des Unbwußten

1885

Zwei Comtessen

  • Comtesse Muschi

  • Comtesse Paula

1886

Neue Dorf- und Schloßgeschichten

  • Die Unverstandene auf dem Dorfe

  • Er laßt die Hand küssen

  • Der gute Mond (Z 1885)

1889

Miterlebtes

  • Wieder die Alte

  • Ein Traum

  • Der Muff

  • Die Kapitalisten

1891

Margarete

1892

Drei Novellen

  • Oversberg

  • Der Nebenbuhler

  • Bettelbriefe

1893

Glaubenslos?
Ihr Traum. Erlebnis eines Malers (Z 1888)

1894

Das Schädliche
Die Todtenwacht

1896

Rittmeister Brand
Bertram Vogelweid

1897

Alte Schule

  • Ein Verbot

  • Der Fink

  • Eine Vision

  • Schattenleben

  • Verschollen

1901

Aus Spätherbsttagen (2 Bde.)

  • Der Vorzugsschüler (Z 1898)

  • Maslans Frau (Z 1897)

  • Fräulein Susannens Weihnachtsabend

  • Uneröffnet zu verbrennen

  • Die Reisegefährten

  • Die Spitzin

  • In letzter Stunde

  • Ein Original

  • Die Visite

1903

Agave
Die arme Kleine

1905

Die unbesiegbare Macht

  • Der Erstgeborene

  • Ihr Beruf

1906

Novellenstoffe

1909

Altweibersommer (Skizzen, Aphorismen, kleine Erzählungen)

1910

Genrebilder

  • Ob früh, ob spät

  • Im Zauberbann

  • Fritzens Ball

  • Der Säger

  • Unverbesserlich

  • Das tägliche Leben

1915

Stille Welt

  • Der Herr Hofrat (1912 e)

  • Die Sünderin

  • Vielleicht

  • Erste Trennung

  • Die eine Sekunde

  • Ein Lied

Märchen

1872

Die Prinzessin von Banalien

1892

Parabeln, Märchen und Gedichte

1900

Hirzepinzchen

Satirische Reisebriefe

1858

Aus Franzensbad. 6 Episteln von keinem Propheten (anonym)

Dramatische Werke

1860
(a Karlsruhe)

Maria Stuart in Schottland

1862

Die Veilchen (Lustspiel)

1863 e

Jakobäa (Frgm., nur Manuskript)

1867
(a Weimar)

Marie Roland (Trauerspiel)

1869 (a Wien)

Doctor Ritter. Dramatisches Gedicht (Schiller in Bauerbach)

1873 a Wien (1969)

Das Waldfräulein (anonym; Lustspiel)

o. J.

Richelieus Ende (Trauerspiel, nur Manuskript)

1874

Männertreue (Lustspiel)
Untröstlich (Lustspiel; verloren)

1881

Es wandelt Niemand ungestraft unter Palmen (dramat. Sprichwort)

1888 (1890 a Berlin)

Ohne Liebe (dialogisierte Novelle)

1891 (1891 a Berlin)

Ohne Liebe (Lustspiel in einem Akt)

1891

Bettelbriefe (Zwiegespräch)

1897 (1897 a Berlin)

Am Ende (Szene in einem Aufzug)

1903

Genesen (dialogisierte Novelle)
Ein Sportsmann (dialogisierte Novelle)
Zwei Frauen (dialogisierte Novelle)
Ihre Schwester (Einakter)

Aphorismen

1880

Aphorismen

Autobiographisches

1900

Aus Rom

1906

Meine Kinderjahre

1916

Meine Erinnerungen an Grillparzer. Aus einem zeitlosen Tagebuch

Werkausgaben

1893-1910

Gesammelte Schriften, Berlin: Paetel (10 Bde.)

1920

Sämtliche Werke, Berlin: Paetel (6 Bde.)

1923

Letzte Worte. Aus dem Nachlaß, hg .v Helene Bucher, Wien: Rikola

1928

Sämtliche Werke, Leipzig: Fikentscher/Schmidt & Günther (12 Bde.; Hafis-Ausgabe)

1956-58

Gesammelte Werke, hg. v. Johannes Klein, München: Winkler (3 Bde.)

1961

Gesammelte Werke, hg. v. Edgar Groß, München: Nymphenburger (9 Bde.)


  

  

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