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Günter Eich
 

Lebensdaten | Werk



* 1. Februar 1907
Lebus
an der Oder/Mark Brandenburg

+ 20. Dezember 1972 Salzburg (Herzerkrankung)

Kremierung; Asche am Bieler See bei Alfermée verstreut.
 


  
Zweiter Sohn des Gutsverwalters, späteren Bücherrevisors und Steuerberaters Otto Eich (1874-1942) und seiner Frau Helene, geb. Heine (1880-1918). Älterer Bruder: Hans.

"Eich hat zeitlebens nichts getan, seine Biographie zu überliefern [...] Sie ist deshalb, soweit der Autor selbst sie vermittelt, eine Reihe nackter Zahlen, Ortsnamen, Daten, Fakten." (Schafroth: Günter Eich, München 1976, S. 7).
 

1940-1949

1. Ehe mit der Sängerin Else Burk; geschieden.

1953

2. Ehe mit der österreichischen Schriftstellerin Ilse Aichinger; Kinder: Clemens (1954-1998; Autor und Schauspieler; Unfalltod), Mirjam (*1957)

Lyriker, Erzähler, Pionier des literarischen Hörspiels; Gründungsmitglied der Gruppe 47. Vor dem Krieg vor allem Arbeiten für den Rundfunk (Manuskripte verloren); meistgespielter und produktivster Hörspielautor der 50-er Jahre. In der ersten Nachkriegs-Gedichtsammlung stehen neben Naturlyrik Gedichte wie Inventur oder Latrine, die zum Inbegriff der Kahlschlagpoesie geworden sind (in Latrine reimt sich "Urin" auf "Hölderlin" ).
   Eichs apolitische Position vor dem Krieg, die eine Verantwortung des Schriftstellers "vor der Zeit" ablehnt ("Nicht im geringsten. Nur vor mir selber", 1930) wandelt sich nach dem Krieg zu einer grundsätzlich oppositionellen Haltung: "Wenn unsere Arbeit nicht als Kritik verstanden werden kann, als Gegnerschaft und Widerstand, als unbequeme Frage und als Herausforderung der Macht, dann schreiben wir umsonst, dann sind wir positiv und schmücken das Schlachthaus mit Geranien." (Büchner-Preis-Rede, 1959). Die anarchische Verweigerungshaltung Eichs, das Misstrauen gegenüber Tradition und Sprache, sein universelles "Nichtmehreinverstandensein" (Interview 1971) mit dem gesellschaftlichen und kosmischen "Establishment" spiegelt sich in der fortschreitenden Chiffrierung, Reduktion und Komprimierung des lyrischen Ausdrucks. Von der sprachlichen Steingarten-Kargheit (Anlässe und Steingärten) geht der Weg konsequent weiter zur Auflösung der Sprache mit kaum noch entschlüsselbaren Gedankengängen in den Maulwürfen.
   Das bekannte Zitat aus den Träumen wurde seit der 68-er Studentenbewegung immer wieder zum Motto systemkritischer Opposition: Tut das Unnütze, singt Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt". Eichs Wunsch, neben dem Anarchisten Bakunin in Bern begraben zu werden, blieb unerfüllt.

Auszeichnungen (Auswahl):

1950

Preis der Gruppe 47 (erster Preisträger)

1951

Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

1953

Hörspielpreis der Kriegsblinden für Die Andere und ich

1959

Georg-Büchner-Preis

1965

Förderpreis der Stadt München für Literatur

1968

Schiller-Gedächtnispreis der Stadt Mannheim


Wichtige Lebensdaten:

1908-18

Häufiger Umzug der Familie. Längere Zeit in Arenzhain und Finsterwalde.

1918

Übersiedlung der Familie nach Berlin, wo der Vater eine Kanzlei als Steuerberater führt. Tod der Mutter.

1920

Zusammen mit dem Bruder bei den Großeltern in Oettingen. Wiederverheiratung des Vaters.

1922

Übersiedlung nach Leipzig. Besuch des Nikolai-Gymnasiums.

1925

Abitur am Nikolai-Gymnasium in Leipzig. 

1925-26

Studium der Sinologie in Berlin; Freundschaft mit Martin Raschke, Willi Fehse und Jürgen Eggebrecht.

1927-28

Studium der Volkswirtschaft und Handelsökonomie in Leipzig.

1928-29

Sinologiestudium in Paris.

1929-31

Rückkehr nach Berlin; Fortsetzung des Studiums.

1931

Mitarbeit an Martin Raschkes Zeitschrift Die Kolonne; dadurch u.a. Bekanntschaft mit Hermann Kasack und Peter Huchel. 

1932

Abbruch des Studiums. Freier Schriftsteller. Redakteur bei der Kolonne-Redaktion in Dresden.

1933

Rückkehr nach Berlin. Kauf eines Sommerhauses in Poberow an der Ostsee. Auftragsarbeiten für den Rundfunk. Funkserie "Deutsche Kalender. Monatsbilder vom Königswusterhäuser Landboten" (zusammen mit Martin Raschke).

1939

10.8.: Einberufung als Funker der Luftabwehr.

1940

22.6.: Heirat mit Else Burk. Wohnung in Berlin-Wilmersdorf.

1940-43

Auf Vermittlung von Jürgen Eggebrecht Unteroffizier bei der Stabsstelle Papier in Berlin.

1942

Tod des Vaters.

1943

Versetzung nach Dresden. Zerstörung der Berliner Wohnung durch einen Luftangriff: Verlust der Manuskripte.

1944-45

An der Front in Bayern und im Ruhrgebiet.

1945

April: amerikanische Kriegsgefangenschaft; Kriegsgefangenenlager bei Remagen und Sinzig. Sommer: Entlassung.

1945

Nach der Entlassung Wohnsitz in Geisenhausen bei Landshut. Veröffentlichungen in der Kriegsgefangenenzeitschrift Der Ruf (Redakteure: Hans Werner Richter und Alfred Andersch).

1947

Mitbegründer der Gruppe 47. 

1949

Nov.: Scheidung.

1951

Mitglied im PEN-Club. Bekanntschaft mit Ilse Aichinger bei einer Tagung der Gruppe 47 in Bad Dürkheim.

1953

24.6.: Heirat mit Ilse Aichinger. Zusammen mit Walter Höllerer kurze Zeit Herausgeber der Zeitschrift Akzente.

1954

Jan.: Umzug nach Breitbrunn am Chiemsee.

1955

Mai - August: Familie Eich bei Heinrich Böll in Köln-Müngersdorf. Sept.: Reise nach Spanien und Portugal. Dez.: Rückkehr nach Österreich; vergebliche Wohnungssuche in der Wachau.
Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste.

ab 1956

März: Wohnsitz in Lenggries/Oberbayern.

1960

Frühjahr: Zürich; Sommer: Jugoslawien.

1961

Okt. - Dez.: Lesereise auf den Balkan und in den Nahen Osten

1962

Sept. - Dez.: Lesereise nach Fernost (Indien, Japan) und Nordamerika (Kanada, USA).

1963

Übersiedlung nach Großgmain bei Salzburg. Okt. - Nov.: Skandinavienreise.

1964

Lesereisen nach Norddeutschland und Paris; Nov. Reise nach England.

1965

Sommer in Österreich.

1966

Zusammen mit Ilse Aichinger Westafrikareise.

1967

Auf der letzten Tagung der Gruppe 47 liest Eich erstmals Maulwürfe vor. Reise in den Iran.

1968

Erste Krankheitssymptome.

1970

Herzanfälle.

1971-72

Erneute Herzanfälle; mehrere Krankenhausaufenthalte.

1972

Tod in einem Sanatorium in Salzburg.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung bzw. Ursendung)

Gedichte

1927

Gedichte (in: Anthologie jüngster Lyrik, hg. v. Willi Fehse und Klaus Mann; u. d. Pseudonym Erich Günter)

1930

Gedichte

1932

Gedichte (in: Neue lyrische Anthologie, hg. v. Martin Raschke)

1948

Abgelegene Gehöfte. Gedichte (u.a. Latrine, Inventur)

1949

Untergrundbahn. Gedichte

1955

Botschaften des Regens. Gedichte

1960

Ausgewählte Gedichte

1964

Zu den Akten. Gedichte (u.a. Nachhut, Fußnote zu Rom)

1966

Anlässe und Steingärten. Gedichte (u.a. Timetable)

1972

Nach Seumes Papieren (Slg.)

1973

Letzte Gedichte

Erzählungen

1935

Katharina

1947

Züge im Nebel

1954

Der Stelzengänger

Prosadichtungen

1966

Drei Prosastücke

1967

Fünf Maulwürfe

1968

Kulka, Hilpert, Elefanten (Slg.)
Maulwürfe. Prosa

1970

Ein Tibeter in meinem Büro. 49 Maulwürfe

1972

Gesammelte Maulwürfe

Hörspiele (Auswahl)

1929 e

Leben und Sterben des Sängers Caruso (zusammen mit Martin Raschke; a 1931)

1932

Ein Traum am Edsin-gol, 1950 a 

1951

Fis mit Obertönen. Eine ernsthafte Komödie, 1951 a

1953

Träume. Vier Spiele:

  • Geh nicht nach El Kuwehd, 1950 a

  • Der Tiger Jussuf, 1952 a

  • Sabeth, 1951 a

  • Träume, 1951 a

1956

Zinngeschrei, 1955 a 

1957

Die Brandung vor Setúbal, a 1957
Der sechste Traum, a 1964

1958

Stimmen. Sieben Hörspiele:

  • Die Andere und ich, a 1952

  • Allah hat 100 Namen, a 1954

  • Das Jahr Lazertis, a 1954

  • Die Mädchen aus Viterbo, a 1953

  • Zinngeschrei, a 1955

  • Festianus Märtyrer, a 1958

  • Die Brandung von Setúbal, a 1957

1964

In anderen Sprachen. Vier Hörspiele:

  • Meine sieben jungen Freunde, a 1960

  • Die Stunde des Huflattichs, a 1958

  • Blick auf Venedig, a 1952

  • Man bittet zu läuten, 1964

1971

Zeit und Kartoffeln, 1972 a

Dramatische Dichtungen

1973
1931 e

Der Präsident

1973
1933
a Berlin

Die Glücksritter (Lustspiel nach Eichendorff in fünf Bildern)

1964

Marionettenspiele: Unter Wasser (1959 e); Böhmische Schneider (1961 e)

Reden

1953

Rede vor den Kriegsblinden

1956

Einige Bemerkungen zum Thema Literatur und Wirklichkeit (= Der Schriftsteller vor der Realität, 1964)

1959

Rede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises

Aufsatz

1973
1947
e

Der Schriftsteller

Übertragungen

1952

ca. 100 chinesische Gedichte (in der Anthologie Lyrik des Ostens)

Werkausgabe

1973

Gesammelte Werke, hg. v. Susanne Müller-Hanpft u.a. Frankfurt/M.: Suhrkamp (4 Bde.)



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