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Aus alter katholischer
Landadelsfamilie. Vater:
Adolf Freiherr von Eichendorff (1756-1818); Mutter: Karoline Freiin von Eichendorff, geb. von
Kloch (1766-1822); Geschwister: Wilhelm (1786-1849), Henriette (*1791), August (*1793), Sophie
(1799-1803), Gustav (1800-1803), Luise (1804-1883).
1815 |
Heirat mit
Aloysia Anna Viktoria ("Luise")
von Larisch (1792-1855); 5 Kinder: Hermann (1815-1900), Rudolf (*1817), Therese (*1819), Agnes
(1821-1822), Anna (1830-1832) |
Neben Brentano
der bedeutendste Vertreter der deutschen Spätromantik. Hauptthemen der Lyrik: Natur,
Sehnsucht, Lebensfreude; viele seiner Gedichte sind zu Volksliedern geworden;
Volkstümlichkeit vor allem auch durch die Vertonungen (Schumann, Mendelssohn Bartholdy,
Brahms, Wolf, R. Strauss). Als Erzähler bevorzugt E. die offene Form (lose Szenenfolge,
eingestreute Gedichte). Weniger bedeutend die Dramen. Prononcierter Katholizismus in den
späteren Arbeiten und literarhistorischen Studien.
E. ist mehr als der "Dichter des deutschen Waldes", seine Welt
alles andere als naiv und harmlos; Romantik ist mit sozialen und politischen Kategorien
verschränkt; er entwirft dichterische Gegenbilder zur Wirklichkeit einer Zeit der
politischen und industriellen Revolutionen, die er als Teilnehmer an den Befreiungskriegen
und preußischer Beamter in verschiedenen Diensten kritisch miterlebt hat.
Thomas Mann über den "Taugenichts": Es ist nichts als
Traum, Musik, Gehenlassen, ziehender Posthornklang, Fernweh, Heimweh, Leuchtkugelfall auf
nächtlichem Park, törichte Seligkeit, so daß einem die Ohren klingen und der Kopf summt
vor poetischer Verzauberung und Verwirrung. Werner Bergengruen (1955): Eichendorffs
Welt ist stilisiert. Es hat sie nirgends und nie gegeben, aber es gibt sie überall und zu
jeder Zeit. Sie hat die Unwirklichkeit und die Wirklichkeit dessen, was sich innerhalb der
menschlichen Seele begibt und von dort aus das Leben verwandelt. Überall rauscht in
Eichendorffs Werk der Wald der deutschen Mittelgebirgslandschaft, auch in Spanien, Italien
oder in der Provence...
Auszeichnung:
1853 |
Maximiliansorden
für Wissenschaft und Kunst (Kg. Maximilian II. von Bayern) |
wichtige Lebensdaten:
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1793-01 |
Katholisch
geprägter Hausunterricht durch den geistlichen Hauslehrer Bernhard
Heinke. |
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1794 |
Okt.: Reise der
Familie nach Prag
(erster erhaltener Brief). |
1800 |
Vom
12.11. an führt E. regelmäßig Tagebuch (erhalten bis zum 5.3.1812). |
1801 |
Eintritt in das Matthias-Gymnasium
zu Breslau; Wohnung zusammen
mit dem Bruder Wilhelm im Josephs-Konvikt. |
1803 |
Tod
des Bruders Gustav und der Schwester Sophie. |
1805 |
Abschluss
des Gymnasiums; zusammen mit Wilhelm Studium der Rechts- und Geisteswissenschaften in
Halle (bis 1813 unzertrennlich); Sept.: Reise in den Harz, nach Hamburg und Lübeck. |
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1806 |
Ferienreise nach
Lubowitz. Liebeswerben um Madame Hahmann in Ratibor. |
1807 |
Über
Linz, Regensburg, Nürnberg nach Heidelberg zur Fortsetzung der Studien; Kolleg bei
Görres; Bekanntschaft mit von Arnim und evtl. Brentano; "Eleusischer Bund"
zusammen mit dem romantischen Dichter Otto Heinrich Graf von Loeben und den jungen
Theologen Strauß und Budde. |
1808 |
Bildungsreisen
über Straßburg nach Paris und von Heidelberg nach Wien; im Sommer Rückkehr nach
Lubowitz; Pläne zur Tätigkeit als Landwirt auf den Familiengütern; erste
Veröffentlichung von Gedichten unter dem Pseudonym "Florens". |
1809 |
Verlobung
mit Luise von Larisch; Nov.: Reise nach Berlin; Verkehr im Hause Adam
Müllers, Umgang mit von Arnim und
Brentano, Bekanntschaft mit Kleist. |
1810 |
März:
Rückkehr
nach Lubowitz. Zur Vorbereitung auf das Referendarexamen nach Wien. |
1811 |
Enger
Anschluss an die Familie Friedrich Schlegels; Freundschaft mit Dorothea Schlegels Sohn,
dem Maler Philipp Veit. |
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1811/12 |
Referendarprüfung.
Besuch von Vorlesungen Schlegels und
Adam Müllers. |
1813 |
Eintritt
als Freiwilliger in das Lützowsche Freikorps; Trennung vom Bruder, der in den
österreichischen Staatsdienst tritt. Okt.: Leutnant in der schlesischen Landwehr; Festungs- und
Ausbildungsdienst. |
1814 |
Dez.:
nach
der Entlassung in Lubowitz; vergebliches Bemühen um eine Anstellung in
Berlin. |
1815 |
Auf
Empfehlung Gneisenaus Expedient beim Oberkriegskommissariat in Berlin. 14.4.
Heirat in Breslau. Wiedereintritt in die Befreiungsarmee; Teilnahme an der Verfolgung der bei
Waterloo geschlagenen französischen Armee; Offizier im Stab Gneisenaus. |
1816 |
Referendar
bei der Regierung in Breslau. |
1818 |
Nach
dem Tod des Vaters Verkauf der verschuldeten schlesischen Güter. |
1819 |
Große
juristische Staatsprüfung; Regierungsassessor in Breslau. |
1820 |
Reise
nach Wien; Bekanntschaft mit Ferdinand Raimund. |
1821 |
Anstellung
in Danzig als katholischer Konsistorial- und Schulrat beim Oberpräsidium und Konsistorium
der Provinz Westpreußen; Sept.: Ernennung zum Regierungsrat; zum ersten Male
ausreichendes Einkommen. |
1822 |
Nach dem Tod der
Mutter Verkauf des Gutes Lubowitz. |
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1823 |
Herbst:
aushilfsweise im Kultusministerium in Berlin. |
1824 |
Versetzung als
Regierungsrat und Oberpräsidialrat nach Königsberg. |
1831-32 |
Auf
Stellungssuche in Berlin; vorübergehende Beschäftigungen im "Ministerium der
geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten" und im "Ministerium der
auswärtigen Angelegenheiten"; Freundschaftliche Beziehungen zu Chamisso,
Felix Mendelssohn-Bartholdy, Carl von Savigny, Friedrich von Raumer, Eduard Hitzig, Franz
Kugler. |
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1832 |
Regierungsrat im
Kultusministerium. |
1838 |
Reise nach
München (Brentano, Görres) und Wien; Gespräche mit Fürst Metternich. |
1841 |
Ernennung zum
Geheimen Regierungsrat. |
1843 |
Schwere
Krankheit; Beurlaubung zwecks historischer Studien nach Danzig und Königsberg. |
1844 |
Pensionierung
infolge des schlechten Gesundheitszustands. |
1845 |
Wiedersehen mit
dem Bruder Wilhelm auf Gut Sedlnitz in Mähren. |
1846-47 |
Aufenthalt in
Wien; Bekanntschaft mit Grillparzer, Stifter, Robert und Clara Schumann; Beginn der
mehrjährigen Mitarbeit an den Historisch-Politischen Blättern (hrsg. von Guido
Görres); einige Monate in Baden bei Wien bei der Schwester Luise. |
1847 |
Aufenthalt in
Danzig und Berlin. |
1848 |
Berlin.
Flucht vor den
Revolutionswirren nach Köthen und Dresden. |
1849 |
Tod des Bruders
in Innsbruck. Rückkehr nach Berlin. |
1855 |
Wegen
Krankheit der Gattin Übersiedlung nach Neiße zur Tochter Therese; 3.12.:
Tod Luises. |
1855-57 |
Freundschaft mit
dem Fürstbischof Förster von Breslau. Aufenthalte auf Gut Sedlnitz in Mähren. |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Romane
1815
(1812 e) |
Ahnung
und Gegenwart |
1834 |
Dichter
und ihre Gesellen |
Novellen
und Märchen
1809 e |
Die
Zauberei im Herbste |
1819
(1817 e) |
Das
Marmorbild |
1826
(1823 1. Kap.; 1821 e) |
Aus dem Leben
eines Taugenichts |
1832 |
Viel Lärmen um
nichts |
1866
(1834 e) |
Auch ich war in
Arkadien. Eine Phantasie (polit. Satire) |
1864 |
Eine Meerfahrt |
1837 |
Das Schloß
Dürande |
1839 |
Die Entführung |
1841 |
Die Glücksritter |
1864
(1849 e) |
Libertas und ihre
Freier |
1864 |
Ein Märchen |
Verserzählungen
1853
(1852 e) |
Julian |
1855
(1854 e) |
Robert und
Guiscard |
1857 |
Lucius |
Dramen
(1823 Teilausg.); 1824 |
Krieg
den Philistern. Dramatisches Märchen in fünf Abenteuern (Satire) |
1827 |
Meierbeths Glück
und Ende. Tragödie mit Gesang und Tanz |
1828 |
Ezelin von Romano
(Trauerspiel) |
1831
(1830 e) |
Der letzte Held
von Marienburg (Trauerspiel) |
1833 |
Die Freier (Lustspiel) |
Gedichte:
Sammelbände
1826 |
Aus dem Leben
eines Taugenichts und das Marmorbild. Zwei Novellen nebst einem Anhange von Liedern und
Romanzen (48 Gedichte) |
1837 |
Gedichte (Gesamtausgabe) |
Gedichte:
bekannte Einzelgedichte
1813 |
Das zerbrochene
Ringlein (1810 e) |
1815 |
Abschied (O
Täler weit, o Höhen..., 1810 e) |
1818 |
Die zwei Gesellen
(1814 e) |
1823 |
Der frohe
Wandersmann (Wem Gott will rechte Gunst erweisen..., 1817 e), Der Abend (1817 e),
Nachts |
1834 |
Sehnsucht (1831
e) |
1836 |
Im Walde |
1837 |
Der Jäger
Abschied (Wer hat dich, du schöner Wald..., 1810 e), Mittagsruh (1814 e),
Mondnacht (Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküßt, 1830
e), Auf meines Kindes Tod (Zyklus, 1832 e), Der Einsiedler (1835 e), Weihnachten
(Markt und Straßen stehn verlassen...) |
1838 |
Wünschelrute (Schläft
ein Lied in allen Dingen..., 1835 e) |
1839 |
Der alte Garten (Kaiserkron
und Päonien rot..., 1837 e) |
1841 |
Winternacht (1839
e), Bei Halle (Da steht eine Burg über´m Tale..., 1840 e) |
Autobiographisches
1839/57
e |
Erlebtes (Der
Adel und die Revolution; Halle und Heidelberg) |
Schriften
(Ausw.)
1819 |
Über die Folgen
von der Aufhebung der Landeshoheit der Bischöfe und der Klöster in Deutschland (Prüfungsarbeit) |
1844 |
Die
Wiederherstellung des Schlosses der deutschen Ordensritter zu Marienburg |
1846/47 |
Zur Geschichte
der neueren romantischen Poesie in Deutschland |
1847 |
Über die
ethische und religiöse Bedeutung der neueren romantischen Poesie in Deutschland |
1847 |
Die geistliche
Poesie in Deutschland |
1847 |
Brentano und
seine Märchen |
1847 |
Die deutsche
Salonpoesie der Frauen |
1847 |
Die neue Poesie
Österreichs |
1848 |
Die deutschen
Volksschriftsteller |
1851 |
Der deutsche
Roman des 18. Jahrhunderts in seinem Verhältnis zum Christentum |
1854 |
Zur Geschichte
des Dramas |
1857 |
Geschichte der
poetischen Literatur Deutschlands |
Übersetzungen
1840 |
Don Juan Manuel:
Der Graf Lucanor (Erz.) |
1847/53 |
Calderon: Autos
Sacramentales (1. und 2. Teil) |
Ausgaben
1841 |
Werke, Berlin
(4 Bde.) |
1863 |
Sämtliche Werke,
Leipzig (6 Bde.) |
1908ff. |
Sämtliche Werke.
Historisch-kritische Ausgabe. Begr. v. W. Kosch und A. Sauer. Fortgeführt u. hrsg. v.
H. Kunisch und H. Koopmann, Regensburg |
1970-88 |
Werke. Hrsg.
v. A. Hillach und K. D. Krabiel, München (5 Bde.) |
1985ff. |
Werke in sechs
Bänden. Hrsg. v. W. Frühwald, B. Schillbach u. H. Schultz, Frankfurt a. M. |
Sehnsucht
Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte in weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leibe entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!
Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.
Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht.
(1834)
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