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Joseph von Eichendorff
  
vollst.: Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff
 
Lebensdaten
| Werk

Eichendorff-Texte im Netz


* 10. März 1788 Schloss Lubowitz bei Ratibor (Oberschlesien)

+ 26. November 1857 Neiße (Lungenentzündung)

Grabstätte: Neiße, Jerusalemer Friedhof

 

  
Zeichnung von Franz Kugler (1832)
  


Aus alter katholischer Landadelsfamilie. Vater: Adolf Freiherr von Eichendorff (1756-1818); Mutter: Karoline Freiin von Eichendorff, geb. von Kloch (1766-1822); Geschwister: Wilhelm (1786-1849), Henriette (*1791), August (*1793), Sophie (1799-1803), Gustav (1800-1803), Luise (1804-1883).
 

1815

Heirat mit Aloysia Anna Viktoria ("Luise") von Larisch (1792-1855); 5 Kinder: Hermann (1815-1900), Rudolf (*1817), Therese (*1819), Agnes (1821-1822), Anna (1830-1832)

 
Neben Brentano der bedeutendste Vertreter der deutschen Spätromantik. Hauptthemen der Lyrik: Natur, Sehnsucht, Lebensfreude; viele seiner Gedichte sind zu Volksliedern geworden; Volkstümlichkeit vor allem auch durch die Vertonungen (Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Brahms, Wolf, R. Strauss). Als Erzähler bevorzugt E. die offene Form (lose Szenenfolge, eingestreute Gedichte). Weniger bedeutend die Dramen. Prononcierter Katholizismus in den späteren Arbeiten und literarhistorischen Studien.
   E. ist mehr als der "Dichter des deutschen Waldes", seine Welt alles andere als naiv und harmlos; Romantik ist mit sozialen und politischen Kategorien verschränkt; er entwirft dichterische Gegenbilder zur Wirklichkeit einer Zeit der politischen und industriellen Revolutionen, die er als Teilnehmer an den Befreiungskriegen und preußischer Beamter in verschiedenen Diensten kritisch miterlebt hat.
   Thomas Mann über den "Taugenichts": Es ist nichts als Traum, Musik, Gehenlassen, ziehender Posthornklang, Fernweh, Heimweh, Leuchtkugelfall auf nächtlichem Park, törichte Seligkeit, so daß einem die Ohren klingen und der Kopf summt vor poetischer Verzauberung und Verwirrung. Werner Bergengruen (1955): Eichendorffs Welt ist stilisiert. Es hat sie nirgends und nie gegeben, aber es gibt sie überall und zu jeder Zeit. Sie hat die Unwirklichkeit und die Wirklichkeit dessen, was sich innerhalb der menschlichen Seele begibt und von dort aus das Leben verwandelt. Überall rauscht in Eichendorffs Werk der Wald der deutschen Mittelgebirgslandschaft, auch in Spanien, Italien oder in der Provence...

Auszeichnung:

1853

Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (Kg. Maximilian II. von Bayern)


Wichtige Lebensdaten:

1793-01

Katholisch geprägter Hausunterricht durch den geistlichen Hauslehrer Bernhard Heinke.

1794

Okt.: Reise der Familie nach Prag (erster erhaltener Brief).

1800

Vom 12.11. an führt E. regelmäßig Tagebuch (erhalten bis zum 5.3.1812).

1801

Eintritt in das Matthias-Gymnasium zu Breslau; Wohnung zusammen mit dem Bruder Wilhelm im Josephs-Konvikt.

1803

Tod des Bruders Gustav und der Schwester Sophie.

1805

Abschluss des Gymnasiums; zusammen mit Wilhelm Studium der Rechts- und Geisteswissenschaften in Halle (bis 1813 unzertrennlich); Sept.: Reise in den Harz, nach Hamburg und Lübeck.

1806

Ferienreise nach Lubowitz. Liebeswerben um Madame Hahmann in Ratibor.

1807

Über Linz, Regensburg, Nürnberg nach Heidelberg zur Fortsetzung der Studien; Kolleg bei Görres; Bekanntschaft mit von Arnim und evtl. Brentano; "Eleusischer Bund" zusammen mit dem romantischen Dichter Otto Heinrich Graf von Loeben und den jungen Theologen Strauß und Budde.

1808

Bildungsreisen über Straßburg nach Paris und von Heidelberg nach Wien; im Sommer Rückkehr nach Lubowitz; Pläne zur Tätigkeit als Landwirt auf den Familiengütern; erste Veröffentlichung von Gedichten unter dem Pseudonym "Florens".

1809

Verlobung mit Luise von Larisch; Nov.: Reise nach Berlin; Verkehr im Hause Adam Müllers, Umgang mit von Arnim und Brentano, Bekanntschaft mit Kleist.

1810

März: Rückkehr nach Lubowitz. Zur Vorbereitung auf das Referendarexamen nach Wien.

1811

Enger Anschluss an die Familie Friedrich Schlegels; Freundschaft mit Dorothea Schlegels Sohn, dem Maler Philipp Veit.

1811/12

Referendarprüfung. Besuch von Vorlesungen Schlegels und Adam Müllers.

1813

Eintritt als Freiwilliger in das Lützowsche Freikorps; Trennung vom Bruder, der in den österreichischen Staatsdienst tritt. Okt.: Leutnant in der schlesischen Landwehr; Festungs- und Ausbildungsdienst.

1814

Dez.: nach der Entlassung in Lubowitz; vergebliches Bemühen um eine Anstellung in Berlin.

1815

Auf Empfehlung Gneisenaus Expedient beim Oberkriegskommissariat in Berlin. 14.4. Heirat in Breslau. Wiedereintritt in die Befreiungsarmee; Teilnahme an der Verfolgung der bei Waterloo geschlagenen französischen Armee; Offizier im Stab Gneisenaus.

1816

Referendar bei der Regierung in Breslau.

1818

Nach dem Tod des Vaters Verkauf der verschuldeten schlesischen Güter.

1819

Große juristische Staatsprüfung; Regierungsassessor in Breslau.

1820

Reise nach Wien; Bekanntschaft mit Ferdinand Raimund.

1821

Anstellung in Danzig als katholischer Konsistorial- und Schulrat beim Oberpräsidium und Konsistorium der Provinz Westpreußen; Sept.: Ernennung zum Regierungsrat; zum ersten Male ausreichendes Einkommen.

1822

Nach dem Tod der Mutter Verkauf des Gutes Lubowitz.

1823

Herbst: aushilfsweise im Kultusministerium in Berlin.

1824

Versetzung als Regierungsrat und Oberpräsidialrat nach Königsberg.

1831-32

Auf Stellungssuche in Berlin; vorübergehende Beschäftigungen im "Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten" und im "Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten"; Freundschaftliche Beziehungen zu Chamisso, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Carl von Savigny, Friedrich von Raumer, Eduard Hitzig, Franz Kugler.

1832

Regierungsrat im Kultusministerium.

1838

Reise nach München (Brentano, Görres) und Wien; Gespräche mit Fürst Metternich.

1841

Ernennung zum Geheimen Regierungsrat.

1843

Schwere Krankheit; Beurlaubung; zwecks historischer Studien nach Danzig und Königsberg.

1844

Pensionierung infolge des schlechten Gesundheitszustands.

1845

Wiedersehen mit dem Bruder Wilhelm auf Gut Sedlnitz in Mähren.

1846-47

Aufenthalt in Wien; Bekanntschaft mit Grillparzer, Stifter, Robert und Clara Schumann; Beginn der mehrjährigen Mitarbeit an den Historisch-Politischen Blättern (hrsg. von Guido Görres); einige Monate in Baden bei Wien bei der Schwester Luise.

1847

Aufenthalt in Danzig und Berlin.

1848

Berlin. Flucht vor den Revolutionswirren nach Köthen und Dresden.

1849

Tod des Bruders in Innsbruck. Rückkehr nach Berlin.

1855

Wegen Krankheit der Gattin Übersiedlung nach Neiße zur Tochter Therese; 3.12.: Tod Luises.

1855-57

Freundschaft mit dem Fürstbischof Förster von Breslau. Aufenthalte auf Gut Sedlnitz in Mähren.


Werke:
(Z = Zeitschriftenveröffentlichung; e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1815 (1812 e)

Ahnung und Gegenwart

1834

Dichter und ihre Gesellen

Novellen und Märchen

1818 (1817 e)

Das Marmorbild

1826 (1821 e)

Aus dem Leben eines Taugenichts

1832 Z
1833

Viel Lärmen um nichts

1836

Das Schloß Dürande

1839

Die Entführung

1841

Die Glücksritter

1864 (1849 e)

Libertas und ihre Freier

1864

Ein Märchen

1864

Eine Meerfahrt

1866 (1832 e)

Auch ich war in Arkadien. Eine Phantasie (polit. Satire)

1906 (1809 e)

Die Zauberei im Herbste

Verserzählungen

1853 (1852 e)

Julian

1855 (1854 e)

Robert und Guiscard

1857

Lucius

Dramatische Dichtungen

1824

Krieg den Philistern! Dramatisches Märchen in fünf Abenteuern (Satire)

1828

Ezelin von Romano (Trauerspiel)

1828

Meierbeths Glück und Ende. Tragödie mit Gesang und Tanz

1830
(1831 a
Königsberg)

Der letzte Held von Marienburg (Trauerspiel)

1833
(1849 a Graudenz)

Die Freier (Lustspiel)

1901

Das Incognito. Ein Puppenspiel

Gedichte: Sammelbände

1826

Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Zwei Novellen nebst einem Anhange von Liedern und Romanzen (48 Gedichte)

1837

Gedichte (Berlin: Duncker & Humblot)

Gedichte: bekannte Einzelgedichte

1813

Das zerbrochene Ringlein (1810 e)

1815

Abschied (O Täler weit, o Höhen..., 1810 e)

1818

Die zwei Gesellen (= Frühlingsfahrt, 1814 e)

1823

Der frohe Wandersmann (Wem Gott will rechte Gunst erweisen..., 1817 e); Der Abend (1817 e), Nachts

1834

Sehnsucht (1831 e)

1836

Im Walde

1837

Der Jäger Abschied (Wer hat dich, du schöner Wald..., 1810 e), Mittagsruh (1814 e), Mondnacht (Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküßt, 1830 e), Auf meines Kindes Tod (Zyklus, 1832 e), Der Einsiedler (1835 e), Weihnachten (Markt und Straßen stehn verlassen...)

1838

Wünschelrute (Schläft ein Lied in allen Dingen..., 1835 e)

1839

Der alte Garten (Kaiserkron und Päonien rot..., 1837 e)

1841

Winternacht (1839 e), Bei Halle (Da steht eine Burg über´m Tale..., 1840 e)

Autobiographisches

1839/57 e

Erlebtes (Der Adel und die Revolution; Halle und Heidelberg)

1907

Lubowitzer Tagebuchblätter, hg. v. A. Nowack, Groß-Strehlitz: Wilpert

Schriften (Auswahl)

1819

Über die Folgen von der Aufhebung der Landeshoheit der Bischöfe und der Klöster in Deutschland (Prüfungsarbeit)

1844

Die Wiederherstellung des Schlosses der deutschen Ordensritter zu Marienburg

1846/47

Zur Geschichte der neueren romantischen Poesie in Deutschland

1847

Über die ethische und religiöse Bedeutung der neueren romantischen Poesie in Deutschland

1847

Die geistliche Poesie in Deutschland

1847

Brentano und seine Märchen

1847

Die deutsche Salonpoesie der Frauen

1847

Die neue Poesie Österreichs

1848

Die deutschen Volksschriftsteller

1851

Der deutsche Roman des 18. Jahrhunderts in seinem Verhältnis zum Christentum

1854

Zur Geschichte des Dramas

1857

Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands (2 Bde.)

Übersetzungen

1840

Don Juan Manuel: Der Graf Lucanor (Erz.)

1846/53

Calderón: Autos Sacramentales (1. und 2. Teil)

Werkausgaben

1841

Werke, Berlin: Simion (4 Bde.)

1863

Sämmtliche Werke, Leipzig: Voigt & Günther (6 Bde.)

1866

Aus dem literarischen Nachlasse, Paderborn: Schöningh

1866-67

Vermischte Schriften, Paderborn: Schöningh (5 Bde.)

1888

Gedichte aus dem Nachlaß, hg. v. H. Meisner, Leipzig: Amelang

1906

Aus dem Nachlaß. Briefe und Dichtungen, hg. v. W. Kosch, Köln: Bachem

1908

Werke. Auswahl in vier Teilen, hg. v. Ludwig Krähe, Berlin/Leipzig: Bong

1908-1970

Sämtliche Werke. Hist.-krit. Ausgabe, hg. W. Kosch und A. Sauer. Fortgef. u. hg. v. H. Kunisch und H. Koopmann, Regensburg: Habbel/Stuttgart: Kohlhammer (25 Bde.)

1955

Werke, hg. v. Wolfdietrich Rasch, München: Hanser

1957/58

Neue Gesamtausgabe der Werke und Schriften, hg. v. Gerhard Baumann, Stuttgart: Cotta (4 Bde.)

1962

Gesammelte Werke, hg. v. Manfred Häckel, Berlin: Aufbau (3 Bde.)

1970-1988

Werke, hg. v. Jost Perfahl u.a., München: Winkler (5 Bde.)

1985-1993

Werke, hg. v. W. Frühwald u.a., Frankfurt a. M., Bibl. dt. Klassiker (6 Bde.)

   

Eichendorff-Forum der Universität Regensburg


     

 

Sehnsucht

Es schienen so golden die Sterne,
Am Fenster ich einsam stand
Und hörte in weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leibe entbrennte,
Da hab ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!

Zwei junge Gesellen gingen
Vorüber am Bergeshang,
Ich hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.

Sie sangen von Marmorbildern,
Von Gärten, die überm Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht.
 

(1834)

    

    

    

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