Autoren | Epochen
  

Hans Fallada
 

d.i. Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen
 
(Pseudonym ab 1920 nach zwei Märchen der Brüder Grimm: "Hans im Glück" und "Die Gänsemagd" mit dem treuen Pferd Fallada)

Lebensdaten | Werk



* 21. Juli 1893
Greifswald

+ 5. Februar 1947 Berlin (Herzversagen)

Grabstätte: urspr. Berlin, Schönholzer Friedhof; 1981 Umbettung nach Carwitz
 

   

 
Zeichnung von Erich Ohser (e. o. plauen)
 

 
Drittes Kind des Landesgerichtsrats Wilhelm Ditzen (1852-1937) und seiner Frau Elisabeth, geb. Lorenz (1858-1951); zwei ältere Schwestern: Elisabeth und Margarete; jüngerer Bruder: Ulrich. Von Geburt an Sorgenkind: kränklich, schwache Schulleistungen. Seit jungen Jahren morphium- und  alkoholabhängig. Tagelange Trunkenheitsanfälle, Depressionen, eheliche Zerwürfnisse, Gefängnis- und Anstaltsaufenthalte bestimmen sein Leben.
 

1929-44

1. Ehe mit Anna Margarete Issel ("Suse"); Scheidung; Kinder: Ulrich (*1930), Lore (*1933 + totgeborener Zwilling), Achim (*1940)

1945

2. Ehe mit Ursula Losch, geb. Boltzenthal (+1958; Witwe des Malers Kurt Dietrich Losch)

 
Einer der populärsten Romanautoren der Weimarer Republik. Expressionistische Anfänge; mit dem Roman Bauern, Bonzen und Bomben beginnt die Reihe seiner sozialkritischen Zeitromane. Realistische Erzählweise (reportageartiger Erzählstil, Erzählen im Präsens) und identifikationsstiftende Perspektive des "kleinen Mannes", der ums Überleben kämpft, verbürgen den breiten Erfolg. Daneben stehen (in der Zeit der Naziherrschaft) harmlose Unterhaltungsromane und Kinderbücher.
 


Wichtige Lebensdaten:

1899

Versetzung des Vaters ans Kammergericht in Berlin.

1901

Prinz-Heinrich-Gymnasium in Berlin-Schöneberg.

1906

Wechsel aufs Bismarck-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf.

1909

Der Vater wird Reichsgerichtsrat in Leipzig; Besuch des Königin-Carola-Gymnasiums. Schwerer Fahrradunfall.

1910

Wandervogelfahrt durch Holland; lebensgefährliche Typhuserkrankung. Zwangsvorstellungen.

1911

Fürstliches Gymnasium Rudolstadt. 17.10.: als Duell getarnter Doppelselbstmordversuch zusammen mit dem Freund Hanns Dietrich von Necker; Ditzen  erschießt seinen Freund, verletzt sich selbst schwer; Einlieferung ins Rudolstädter Krankenhaus; Festnahme; für unzurechnungsfähig erklärt und Einweisung in die Psychiatrische Universitätsklinik in Jena. 

1912

Im Privatsanatorium Tannenfeld bei Jena.

1913

Gutseleve in Posterstein (Sachsen).

1914

Kriegsfreiwilliger; nach kurzer Dienstzeit Entlassung wegen Untauglichkeit.

1915

Okt.: Gutsangestellter in Heydebreck (Hinterpommern).

1916

Assistent der Landwirtschaftskammer in Stettin; Nov.: als Angestellter der Kartoffelanbaugesellschaft in Berlin. 

1917

Liebesbeziehung zur Dänin Anne Marie Seyerlen. In der Heilstätte für Suchtgefährdete Carolsfeld (bei Halle).

1919

Erfolglose Morphium-Entziehungskur in Tannenfeld; Gutsrendant (Kassenverwalter).

1920

Bekanntschaft mit Ernst Rowohlt.

1920-23

Als Rechnungsführer auf Gütern in Mecklenburg, Westpreußen und Schlesien.

1923

In Neu-Schönfeld bei Bunzlau Unterschlagung, um seine Morphium- und Alkoholsucht zu finanzieren; Verurteilung zu drei Monaten Gefängnis. Gutssekretär in der Neumark.

1924

Buchhalter in der Neumark. 20.6.: Verbüßung der Haftstrafe in Greifswald.

1925

Rendant in Lübgust (Pommern) und Neuhaus (Holstein). Erneute Unterschlagung; D. stellt sich selbst; in Kiel Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

1926-28

Im Zentralgefängnis Neumünster.

1928

Febr.: Entlassung nach Hamburg; SPD-Mitgliedschaft; Verlobung mit der Hamburger Arbeitertochter Anna Margarete Issel.

1929

Apr.: Heirat in Hamburg. Lokalredakteur beim General-Anzeiger für Neumünster und Prozessberichterstatter beim Landvolkprozeß.

1930

Angestellter des Rowohlt-Verlags in Berlin. Haus in Neuenhagen bei Berlin; der Welterfolg des Romans Kleiner Mann - was nun? befreit von finanziellen Sorgen.

1933

Kauf eines Grundstücks in Berkenbrück an der Spree. Aufgrund einer Denunziation Verhaftung durch die SA und elftägige Haft. Kauf eines Hauses in Carwitz bei Feldberg (Mecklenburg).

1935

Die Reichsschrifttumskammer erklärt F. zum unerwünschten Autor; Berufsverbot wird noch im selben Jahr wieder aufgehoben. Im Frühjahr und Herbst Nervenzusammenbrüche.

1937

Tod des Vaters.

1943

März: Im Auftrag des Propagandaministeriums als Sonderführer im Majorsrang beim Reichsarbeitsdienst in Frankreich. Auseinandersetzungen mit seiner Frau.

1944

Begegnung mit der Berliner Witwe Ursula Losch, die in Feldberg Zuflucht vor den Luftangriffen sucht (ebenfalls morphium- und alkoholsüchtig). 5.7.: Scheidung. Bei einem Besuch in Carwitz schießt D. in trunkenem Zustand (allerdings ohne Tötungsabsicht) auf seine geschiedene Frau; Anklage wegen Mordversuches. Dreieinhalbmonatige Haft in der (für geistesgestörte Kriminelle bestimmten) Landesanstalt Strelitz. Dez.: Nach der Versöhnung mit Suse führt D. den endgültigen Bruch herbei.

1945

1.2.: Heirat mit Ursula Losch, Wohnsitz in Feldberg. Nach dem russischen Einmarsch von den Sowjets vorübergehend als Bürgermeister von Feldberg eingesetzt. Nervenzusammenbruch. Übersiedlung nach Berlin; Begegnung mit Johannes R. Becher; Mitarbeit im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands.

1946

Klinikaufenthalte. Ursula beschafft mit Prostitution Geld für die Sucht; infiziert sich und ihren Mann mit Syphilis.

1947

Tod in einem Hilfskrankenhaus in Berlin-Niederschönhausen.


Werke:
(e = entstanden)

Romane

1920

Der junge Goedeschal. Ein Pubertätsroman

1923

Anton und Gerda

1931

Bauern, Bonzen und Bomben

1932

Kleiner Mann - was nun?

1934

Wer einmal aus dem Blechnapf frisst
Wir hatten mal ein Kind. Eine Geschichte und Geschichten

1935

Märchen vom Stadtschreiber, der aufs Land flog

1936 e
1995

Wizzel Kien, der Narr von Schalkemaren

1936

Altes Herz geht auf die Reise

1937 (1936 e)

Wolf unter Wölfen

1938

Der eiserne Gustav

1939 e
1994

Dies Herz, das dir gehört

1940

Kleiner Mann - großer Mann, alles vertauscht

1940

Der ungeliebte Mann

1941

Das Abenteuer des Werner Quabs

1942 e
1996

Der Jungherr von Strammin

1947

Der Alpdruck
Jeder stirbt für sich allein

1950 (1944 e)

Der Trinker

1953 (1941 e)

Ein Mann will nach oben

1953 (1948 e)

Zwei zarte Lämmchen, weiß wie Schnee

1954

Die Stunde, eh' du schlafen gehst

1965

Junger Herr - ganz groß

Kinderbücher

1936

Hoppelpoppel - wo bist du? Kindergeschichten

1938

Geschichten aus der Murkelei (Märchen)

1939

Süßmilch spricht. Ein Abenteuer von Murr und Maxe

1939 e
1998

Pechvogel und Glückskind

1955 (1944 e)

Fridolin, der freche Dachs

Autobiographisches

1941

Damals bei uns daheim

1943

Heute bei uns zu Haus

1997

Drei Jahre kein Mensch

1998

Strafgefangener Zelle 32 (Tagebuch 1924)

2009

In meinem fremden Land. Gefängnistagebuch 1944

Werkausgaben

1962-88

Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, hg. v. Günter Caspar, Berlin/Weimar: Aufbau (10 Bde.)

1967

Gesammelte Erzählungen, Reinbek: Rowohlt

1991

Gute Krüseliner Wiese rechts und 55 andere Geschichten, hg. v. Günter Caspar, Berlin/Weimar: Aufbau

1993

Frühe Prosa, hg. v. Günter Caspar, Berlin: Aufbau (2 Bde.)


    
Hans-Fallada-Gesellschaft e.V.

          

            

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