Theodor Fontane
Taufname: Henri Théodore
Lebensdaten  Werk


*30. Dezember 1819 Neuruppin

+20. September 1898 Berlin

begraben: Berlin, Friedhof der Französischen Reformierten Gemeinde

Sohn des Apothekers Louis Henry Fontane (1796-1867) und seiner Frau Emilie, geb. Labry (1797-1869). Beide Elternteile stammen väterlicherseits aus ursprünglich französisch-hugenottischen Réfugiés-Familien (die urspr. Namensform "Fontaine" wurde bald eingedeutscht); F. spricht Französisch nur mangelhaft; deutsche Vorfahren überwiegen.
  Ausgebildeter Apotheker, dann Journalist.

1850

Heirat mit Emilie Rouanet-Kummer (1824-1902); 7 Kinder: George Emile (1851-1887); Theodor (1856-1933); Martha (Mete; 1860-1917); Friedrich (1864-1941); 3 früh verstorben.

Bedeutendster realistischer Erzähler des 19. Jhs. Seine Romane und Erzählungen entstehen erst im letzten Lebensabschnitt: historische Romane aus der preußischen Geschichte und (zum erstenmal in der deutschen Literaturgeschichte) psychologisch stimmige Gesellschaftsromane, die sich mit der Problematik von Liebe und Ehe und sozialen Fragen auseinandersetzen (Standesunterschiede, veraltete Ehrbegriffe; Spießertum, erstarrte Konventionen). "Entromantisierung des alten Romans"; psychologisch nuancierter Dialog ersetzt zu großen Teilen die äußere Handlung; die Personen entwickeln sich im Gespräch selbst. Schulklassiker sind die atmosphärisch dichte Balladen, die ebenfalls das innere Geschehen akzentuieren; äußerst lesenswert auch heute noch die Wanderungen durch die Mark Brandenburg.
Heute der meistgelesene deutsche Autor des 19. Jhs.

Auszeichnungen:

1891 

Schiller-Preis

1894 

Ehrendoktor der Universität Berlin


wichtige Lebensdaten:

1826

Verkauf der väterlichen Apotheke (Spielschulden des Vaters).

1827

Umzug der Familie nach Swinemünde; Unterricht durch Hauslehrer.

1832

Eintritt in die Quarta des Gymnasiums in Neuruppin.

1833

Gewerbeschule in Berlin.

1835

Erste Begegnung mit der zukünftigen Frau.

1836

Abbruch der Gewerbeschule; Apothekerlehrling.

1838

Umzug der Familie nach Letschin im Oderbruch.

1840

Apothekergehilfe in Burg bei Magdeburg.

1843

Defektar in der väterlichen Apotheke in Letschin.

1844

Apr.: Militärjahr; Mai-Juni: erste Englandreise; Sept.: Aufnahme in den Literarischen Sonntagsverein "Tunnel über der Spree".

1847

Approbation als Apotheker erster Klasse; Trennung der Eltern.

1848

Teilnahme an den Barrikadenkämpfen vom 18. März; Sept.: Anstellung im Krankenhaus Bethanien.

1849

Freier Schriftsteller; Korrespondent der Dresdner Zeitung (bis 1850).

1850

Eintritt als Lektor ins "Literarische Kabinett" der Regierung. 16.10.: Heirat; Wohnung in Berlin.

1852

Apr. - Sept.: Korrespondent in London.

1855-59

Aufenthalt in London.

1856

Halbamtlicher "Presse-Agent".

1857

Emilie übersiedelt mit den Kindern nach London.

1858

Schottland-Reise.

1859

Rückkehr nach Berlin; Reise nach München.

1860

Eintritt in die Redaktion der "Kreuzzeitung".

1864

Reisen nach Schleswig-Holstein und Dänemark.

1865

Aug. - Sept.: Reisen an den Rhein und in die Schweiz.

1866

Reisen auf die böhmischen und süddeutschen Kriegsschauplätze.

1867

5.10.: Tod des Vaters.

1869

13.12..: Tod der Mutter.

1870

Bruch mit der Kreuzzeitung; Theaterrezensent der "Vossischen Zeitung"; Reise zum französischen Kriegsschauplatz; 5. Okt. Festnahme in Domremy und Internierung auf der Ile d´Oléron; 5. Dez. Rückkehr nach Berlin.

1871

"Osterreise" nach Frankreich.

1874

Große Italien-Reise mit Emilie.

1875

Reise in die Schweiz und nach Oberitalien; Heimkehr über Wien.

1876

März: Ständiger Sekretär der Akademie der Künste in Berlin; Mai: Rücktrittsgesuch; Aug.: Entlassung.

1887

Tod des Sohnes George.

1892

Schwere Erkrankung (Gehirnanämie).


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1878

Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13

1880

L´Adultera

1884

Graf Petöfy

1886
(1884 e) 

Cécile

1888

Irrungen, Wirrungen

1890
(ab 1881 e) 

Stine

1906
(1891 e) 

Mathilde Möhring

1891
(ab 1887 e) 

Unwiederbringlich

1892

Frau Jenny Treibel oder "Wo sich Herz zum Herzen find´t"

1894/95
(ab 1890 e) 

Effi Briest

1896
(1895 e) 

Die Poggenpuhls

1897

Der Stechlin

1929

Allerlei Glück (Frgm.)

Novellen

1839

Geschwisterliebe

1854

Tuch und Locke

1854

James Monmouth

1854

Goldene Hochzeit

1879
(1878 e)

Grete Minde

1881

Ellernklipp. Nach einem Harzer Kirchenbuch

1882
(ab 1878 e)

Schach von Wuthenow. Erzählung aus der Zeit des Regiments Gensdarmes

1885

Unterm Birnbaum

1891

Quitt

Ausgabe zu Lebzeiten

1890/91

Gesammelte Romane und Novellen (12 Bde.)

Gedichte

1850
(1847 e)

Von der schönen Rosamunde

1850

Männer und Helden (Balladen)

1851

Gedichte

1860

Balladen (Archibald Douglas, 1854 e)

1875

Gedichte. 2., vermehrte Auflage

1889

Gedichte. 3., vermehrte Auflage (Die Brück am Tay)

1892

Gedichte. 4., vermehrte Auflage

1898

Gedichte. 5., vermehrte Auflage

Autobiographisches

1894

Meine Kinderjahre

1898

Von Zwanzig bis Dreißig

Reisebilder

1854

Ein Sommer in London

1860

Jenseits des Tweed

1862-82

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

1862

• Die Grafschaft Ruppin (1864 u.d.T.)

1863

• Das Oderland

1872

• Ost-Havelland. Die Landschaft um Spandau, Potsdam, Brandenburg

1882

• Spreeland. Beeskow-Storkow und Barnim-Teltow

1871

Kriegsgefangen

1871

Aus den Tagen der Occupation. Eine Osterreise durch Nordfrankreich und Elsaß-Lothringen 1871

1888

Fünf Schlösser. Altes und Neues aus Mark Brandenburg

Aufsätze, (Kriegs-)Berichte

1853

Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848 

1860

Aus England (Sammelband) 

1866

Der Schleswig-Holsteinische Krieg im Jahre 1864 

1866

Reisebriefe vom Kriegsschauplatz 

1870/71

Der deutsche Krieg von 1866 (2 Bde.)

1871

Walter Scott 

1872

Willibald Alexis 

1873/75/76

Der Krieg gegen Frankreich 1870-71 (2 Bde. [in 3]) 

1894

Von vor und nach der Reise 


Links:

Fontane-Gesellschaft
Fontane-Seite

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