Leonhard Frank
Lebensdaten  Werk



*4. September 1882 Würzburg

+18. August 1961 München

begraben: München, Nordfriedhof
 


Viertes Kind des Schreinergesellen Johann Frank und seiner Frau Marie, geb. Bach (schreibt, um ihren Sohn finanziell zu unterstützen, unter dem Pseudonym Marie Wegrainer den autobiographischen Lebensroman einer Arbeiterfrau, München 1914). Wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Volksschule, Schlosserlehre, Klinikdiener, Anstreicher. Autodidakt; überzeugter Pazifist; Anhänger eines unideologischen Sozialismus.

1915 

1. Ehe mit Lisa Erdelyi (+1923)

1929 

2. Ehe mit Elena Marquenne; Scheidung 1952 (Sohn: Andreas, *1929)

1952

3. Ehe mit Charlotte London, geb. Jäger

Erzähler zwischen Expressionismus und Sachlichkeit; starkes psychologisches Einfühlungsvermögen; verarbeitet in vielen seiner Werke die Erfahrungen seiner Jugend. Anti-bürgerlicher Realismus des Stils. Bekenntnis zum Sozialismus, Kritik an Bigotterie, Interesse an Geisteskrankheit und ihre Ursachen in Herkunft und Erziehung.
  Der Titel der Novellensammlung "Der Mensch ist gut" wird zur Losung engagierter expressionistischer Schriftsteller. "Durchdrungen von tiefem Mitgefühl für die Unterdrückten... und von hohem gesellschaftlichen Verantwortungsbewußtsein im geistigen Dienst seines Volkes und der Menschheit" (bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Ostberliner Humboldt-Universität).

Auszeichnungen (Auswahl):

1914 

Fontane-Preis für Die Räuberbande

1920

Kleist-Preis für Der Mensch ist gut

1955

DDR-Nationalpreis I. Klasse für Kunst und Literatur

1957

Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität Berlin

1960

Tolstoi-Medaille der Sowjetunion


wichtige Lebensdaten:

1905

Studium der Malerei an der Münchener Akademie der Künste (Stipendium); Freundschaft mit Johannes R. Becher, literarische Anregungen durch den befreundeten Psychiater Otto Gross.

1910

Übersiedlung nach Berlin; erste Versuche als Schriftsteller.

1915

4.2.: Heirat. Als radikaler Kriegsgegner flieht F. mit seiner Frau nach Zürich.

1918

Dez.: Rückkehr nach München; F. schließt sich der Münchner Räterepublik an. 

1919

1.5.: F. wird bei der Erstürmung des Münchener Hauptbahnhofs verletzt. Ab 18.7. wegen Hochverrats steckbrieflich gesucht. Über Frankfurt/M. nach Berlin. Freier Schriftsteller.

1923

16. März: Tod seiner Frau Lisa; Schaffenskrise.

1928

Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.

1933

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zweite Emigration über Zürich und London nach Paris; Mai: In Deutschland werden seine Bücher verbrannt.

1934

3.11.: Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft; bis 1950 staatenlos.

1939

6.9.: Internierung in einem Lager in Zentralfrankreich. Nov.: Freilassung.

1940

Mai: zweite Internierung im Lager Audierne (Bretagne). 18.6.: Flucht aus dem Internierungslager; F. schlägt sich in Fußmärschen und per Fahrrad ins unbesetzte Südfrankreich durch; per Zug nach Marseille; Warten auf ein Ausreisevisum; Sept.: mit gefälschtem tschechischem Pass illegaler Grenzübertritt nach Spanien (u.a. zusammen mit Alfred Polgar); 11.9.: Ankunft in Lissabon; Okt.: Überfahrt in die USA. 18.10.: in New York (mit befristetem Visum). Vertrag als Drehbuchautor bei Warner Bros. in Hollywood (für sechs Monate).

1941

21.3.: erneute Einreise in die USA von Mexiko aus, um ein Dauervisum zu erhalten. Unterstützung durch Hilfskomitees.

1945

Umzug nach New York. Bekanntschaft mit Charlotte Jäger.

1950

4.10.: Rückkehr nach Deutschland: Würzburg, dann bleibender Wohnsitz in München. 

1951

Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

1955

Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost).


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1914

Die Räuberbande

1924

Der Bürger

1927

Das Ochsenfurter Männerquartett

1929

Bruder und Schwester

1932

Von drei Millionen Drei

1936

Traumgefährten 

1948

Mathilde

1949

Die Jünger Jesu

1952

Links wo das Herz ist (autobiographischer Roman)

Erzählungen/Novellen

1916

Die Ursache

1917

Der Mensch ist gut (Novellensammlung)

1918

Der Vater

1919

Die Mutter

1925

An der Landstraße (Erzählungen)

1925

Die Schicksalsbrücke (Erzählungen)

1925

Im letzten Wagen (1929 u.d.T. Absturz)

1926

Karl und Anna

1928

Der Streber (Erzählungen)

1929

Die Entgleisten

1950
(1944 e)

Deutsche Novelle

1950

Michaels Rückkehr

1961

Sieben Kurzgeschichten

Dramen

1929

Die Ursache (Bühnenfassung)

1929 a

Karl und Anna (Bühnenfassung)

1930

Hufnägel

1937

Der Außenseiter (Komödie)

1939

Maria

1960

Ruth

Ausgaben

1936

Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Amsterdam

1957

Gesammelte Werke, Berlin, Aufbau (6 Bde.)

1959

Schauspiele, Berlin

1959

Erzählende Werke, München (5 Bde.)


Link:

Leonhard-Frank-Gesellschaft

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