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Gustav Freytag

Lebensdaten | Werk

Freytag-Texte im Netz


* 13. Juli 1816 Kreuzburg (Oberschlesien; heute Kluczbork)

+ 30. April 1895 Wiesbaden (Lungenentzündung)

Grabstätte: Friedhof in Siebleben bei Gotha

  

  

Stich nach dem Gemälde von
K. Stauffer-Bern (1887)

  

 
Sohn des Arztes und Bürgermeisters Gottlob Ferdinand Freytag (1774-1848) und seiner Frau Henriette Albertine, geb. Zebe (1787-1855). Habilitierter Germanist, der ab 1843 die akademische Laufbahn zugunsten des Journalismus und der Schriftstellerei aufgibt. Drei Jahre lang nationalliberaler Abgeordneter im Norddeutschen Reichstag. 

1847

Heirat mit Emilie Gräfin Dyhrn, geb. Scholz (1811-1875)

1879

Heirat mit Marie Kunigunde Dietrich (1846-1895; 1884 in eine Heilanstalt eingewiesen; 1890 Scheidung); 2 Söhne: Gustav Willibald (*1876), Waldemar (1878-1884)

1891

Heirat mit Anna Strakosch, geb. Götzel (1852-1911)

 
Dramatiker, Romancier, Publizist, Kulturhistoriker und Literaturtheoretiker. Einer der wichtigsten Vertreter des bürgerlichen Realismus, Repräsentant des aufstrebenden und selbstbewussten Bildungs- und Besitzbürgertums. Bis ins 20. Jahrhundert hinein einer der meistgelesenen Autoren. Viele seiner Werke, vor allem die Dramen, haben heute nur noch zeitgeschichtliche Bedeutung, z.T. (vor allem im Romanzyklus "Die Ahnen") verstellen pädagogische Absicht und Gelehrsamkeit die dichterische Gestaltung. Nicht nur als historisches Dokument des politisch nach Einfluss strebenden Bürgertums hat die dramentechnisch und inhaltlich gelungene Wahlsatire "Die Journalisten"  überdauert. Immer noch lesenswert (und deshalb auch immer wieder aufgelegt) der Roman der Kaufmannschaft "Soll und Haben" und die kulturhistorischen "Bilder aus der deutschen Vergangenheit". Aus der "Technik des Dramas" ist jedem Gymnasiasten der "pyramidale Bau" als Standardstruktur des klassischen Dramas vertraut (Exposition, steigende Handlung mit erregendem Moment, Höhepunkt/Peripetie, fallende Handlung mit retardierendem Moment, Katastrophe).

Auszeichnung:

1886

Preußischer Orden "Pour le mérite"


Wichtige Lebensdaten:

1829

Gymnasium in Oels. Wohnung bei seinem Onkel Karl.

1835

Mai: Abitur. Studium der Germanistik in Breslau (Hoffmann von Fallersleben).

1836

Wechsel nach Berlin (Karl Lachmann).

1838

Promotion; Dissertation: De initiis scenicae poesis apud Germanos (= Die Anfänge der dramatischen Dichtung bei den Germanen).

1839

Habilitation; Habilitationsschrift: De Hrosuitha poetria. Adiecta est comoedia Abraham inscripta (= Die Dichterin Hrosvitha [von Gandersheim]; angefügt eine Komödie mit dem Titel "Abraham"). Privatdozent in Breslau.

1840

Wehrdienst wegen Krankheit vorzeitig abgebrochen.

1842

Während des Urlaubs auf Helgoland Bekanntschaft mit der Frau des Grafen Dyhrn, Emilie.

1843

Bewerbung um eine Professur scheitert aus politischen Gründen. Aufgabe der Dozentur.

1847

Übersiedlung nach Dresden. Heirat. Bekanntschaft mit Tieck, Auerbach und Richard Wagner.

1848

Übersiedlung nach Leipzig. Redakteur der nationalliberalen Grenzboten. Bekanntschaft mit Theodor Mommsen und Heinrich von Treitschke.
Tod des Vaters.

1851

Kauf des Anwesens "Die gute Schmiede" in Siebleben bei Gotha.

1852

Beginn der Freundschaft mit Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha.

1854

Ernennung zum Hofrat durch Ernst II.

1855

Tod der Mutter.

1867-70

Thüringischer Abgeordneter der nationalliberalen Partei im Reichstag des Norddeutschen Bundes.

1870

Aug.-Sept.: als Begleiter des Kronprinzen von Preußen Kriegsberichterstatter. Dez.: Ausscheiden aus der Redaktion der Grenzboten nach Differenzen mit dem Verleger Wilhelm Grunow.

1871

Mitarbeit bei der Zeitschrift Im neuen Reich.

1875

Okt.: Tod der Gattin.

1876

Geburt des Sohnes Gustav Willibald. Dez.: mit Marie Kunigunde Dietrich und dem Sohn Wohnung im Hotel Zur Rose in Wiesbaden.

1879

Febr.: zweite Eheschließung.

1881

Rückzug aus dem öffentlichen Leben. Die Zeitschrift Im neuen Reich wird eingestellt. Kauf eines Hauses in Wiesbaden.

1884

Jan.: Tod des Sohnes Waldemar; Mai: Einweisung der zweiten Frau in eine Nervenklinik. Bekanntschaft mit der verheirateten Anna Strakosch.

1890

Sept.: Scheidung von Marie Kunigunde. Nov.: Scheidung des Ehepaars Strakosch.

1891

März: dritte Ehe. Hochzeitsreise nach Nizza und an die oberitalienischen Seen.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Romane

1855

Soll und Haben (3 Bde.)

1864

Die verlorene Handschrift (3 Teile)

1872-80

Die Ahnen

  • Bd. 1: Ingo und Ingraban (2 Teile; 1872)

  • Bd. 2: Das Nest der Zaunkönige (1873)

  • Bd. 3: Die Brüder vom deutschen Hause (1874)

  • Bd. 4: Markus König (1876)

  • Bd. 5: Die Geschwister  (2 Teile; 1878)

  • Bd. 6: Aus einer kleinen Stadt (2 Teile; 1880)

Dramen

1843 e

Die Tscherkessin

1844

Die Brautfahrt oder Kunz von der Rosen (Lustspiel)

1844

Der Gelehrte (Trauerspiel)

1845 (a Breslau)

Deutsche Geister. Festspiel

1847 (a Berlin)

Die Valentine

1847/48

Dramatische Werke (2 Bde.; verm. 1858; Leipzig: Herbig)

1850
(1848 a Berlin)

Graf Waldemar

1854
(1852 a Breslau)

Die Journalisten (Lustspiel)

1859

Die Fabier (Trauerspiel)

Gedichte

1845

In Breslau (Slg.)

Biographien

1870

Karl Mathy. Geschichte seines Lebens

1883

Doktor Luther. Eine Schilderung

Kulturhistorische Schriften

1859

Bilder aus der deutschen Vergangenheit (2 Teile; 16. u. 17. Jh.)

1862

Neue Bilder aus dem Leben des deutschen Volkes (18. u. 19. Jh.)

1866

Aus dem Mittelalter

1867

Bilder aus der deutschen Vergangenheit (erw. Neuaufl., 5 Bde.)

Poetologische Schrift

1863

Die Technik des Dramas

Sonstige Schriften

1889

Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone

1893

Über den Antisemitismus. Eine Pfingstbetrachtung

Autobiographisches

1887

Erinnerungen aus meinem Leben

Werkausgaben

1886-1888

Gesammelte Werke, Leipzig: Hirzel (22 Bde.)

1889

Gesammelte Aufsätze, Leipzig: Hirzel (2 Bde.)

1901-1903

Vermischte Aufsätze aus den Jahren 1848-1894, hg. v. E. Elster, Leipzig: Hirzel (2 Bde.)

1920

Gesammelte Werke, 2 Serien, Leipzig: Hirzel (16 Bde.)

1926

Gesammelte Werke, hg. v. H. M. Elster, Leipzig: Hesse & Becker (12 Bde.)


     


Durch die beiden Hälften der Handlung, welche in einem Punkt zusammenschließen, erhält das Drama, - wenn man die Anordnung durch Linien verbildlicht, - einen pyramidalen Bau. Es steigt von der Einleitung mit dem Zutritt des erregenden Moments bis zu dem Höhepunkt, und fällt von da bis zur Katastrophe. Zwischen diesen drei Teilen liegen die Teile der Steigung und des Falles. Jeder dieser fünf Teile kann aus einer Szene oder aus einer gegliederten Folge von Szenen bestehen, nur der Höhepunkt ist gewöhnlich in einer Hauptszene zusammengefasst. Diese Teile des Dramas, a) Einleitung, b) Steigerung, c) Höhepunkt, d) Fall oder Umkehr, e) Katastrophe, haben jeder Besonderes in Zweck und Baurichtung. Zwischen ihnen stehen drei wichtige szenische Wirkungen, durch welche die fünf Teile sowohl geschieden als verbunden werden. Von diesen drei dramatischen Momenten steht eines, welches den Beginn der bewegten Handlung bezeichnet, zwischen Einleitung und Steigerung, das zweite, Beginn der Gegenwirkung, zwischen Höhepunkt und Umkehr, das dritte, welches vor Eintritt der Katastrophe noch einmal zu steigern hat, zwischen Umkehr und Katastrophe. Sie heißen hier: das erregende Moment, das tragische Moment, das Moment der letzten Spannung. Die erste Wirkung ist jedem Drama nötig, die zweite und dritte sind gute, aber nicht unentbehrliche Hilfsmittel. 
(Die Technik des Dramas, 1863)