Christian Fürchtegott Gellert
 
Lebensdaten
| Werk


* 4. Juli 1715 Hainichen (Sachsen)

+ 13. Dezember 1769 Leipzig (Unterleibsleiden, Tuberkulose)

Grabstätte: Leipzig, urspr. Johannisfriedhof.

Überführungen: 1900 Gruft der Johanniskirche; 1949 Universitätskirche; 1968 Südfriedhof

  

 
Nach dem Gemälde von Anton Graff (1765)
  

 
Fünfter Sohn des Pfarrers Christian Gellert (1671-1747) und seiner Frau Johanna Salome Gellert, geb. Schütz (1681-1759). Zwölf Geschwister, von denen fünf früh sterben. Wächst in ärmlichen Verhältnissen auf; als Erwachsener ständig kränkelnd, hypochondrische Zustände.
 

Wichtiger Autor der Aufklärung, der in seinen Werken die moralisch-erzieherische Absicht mit Unterhaltsamkeit zu verknüpfen sucht und in allen Gattungen neue Akzente setzt. Seinerzeit ungeheuer populär (Goethe über G.: "Gewissensrat für ganz Deutschland"). Die "Fabeln und Erzählungen" werden zum moralischen Hausbuch und zum ersten Bestseller der deutschen Literatur. Der erste bürgerliche Roman "Das Leben der schwedischen Gräfin von G***" bringt eine als minderwertig angesehene Gattung zur Geltung. Die "rührenden" Lustspiele machen die französische Comédie larmoyante in Deutschland heimisch. Die Abhandlung über das Briefeschreiben, in der G. Natürlichkeit, Einfachheit und Klarheit zum obersten Stilprinzip erhebt, wird zum maßgeblichen Lehrbuch. Viele der Geistlichen Oden und Lieder bereichern heute noch das protestantische Gesangbuch (teils vertont von C. Ph. E. Bach und Beethoven).
 


Wichtige Lebensdaten:

1723

Im Haushalt der Schwester Johanna Augusta und ihres Mannes, des Bürgermeisters von Hainichen Friedrich Gottlieb Meese; strenge Erziehung.

1729

Fürstenschule St. Afra in Meißen (Freiplatz). Freunde: Carl Christian Gärtner und Gottlieb Wilhelm Rabener.

1734

Studium der Theologie, Geschichte, Literatur und Philosophie in Leipzig.

1738

Aus finanziellen Gründen Abbruch des Studiums.

1739

Lebensunterhalt als Prediger und Erzieher in Hainichen, Hofmeister bei den Grafen von Lüttichau in der Nähe von Dresden. Erste Veröffentlichung (Gelegenheitsgedicht Ode auf den heutigen Flor von Rußland).

1740

Rückkehr nach Leipzig; Tätigkeit als Privatlehrer und Verfasser von Gelegenheitsgedichten. Wiederaufnahme des Studiums. Beschäftigung mit der englischen und französischen Sprache und Literatur.

1741

Beiträge in Johann Joachim Schwabes Zeitschrift Belustigungen des Verstandes und Witzes. 

1743

21. Februar: Baccalaureus und Magister der Weltweisheit. Mitarbeiter Johann Christoph Gottscheds. Freundschaft mit Johann Elias Schlegel.

1744

Herbst: Schwere Krankheit; Erholung auf dem Land. Dez.: Habilitation mit der Schrift De poesi apologorum eorumque scriptoribus; Privatdozent für Poesie und Beredsamkeit.

1745

Gründung einer neuen Zeitschrift: Neue Beyträge zum Vergnügen des Verstandes und des Witzes ( kurz: Bremer Beyträge) zusammen mit Gärtner, Rabener, Schlegel u.a.

1747

Reise nach Braunschweig und Göttingen.

1751

Apr.: Ernennung zum außerordentlichen Professor der Philosophie. Programmschrift Pro comoedia commovente. Juni: Antrittsvorlesung: De vi 
atque utilitate optimarum artium ad morum elegantium vitaeque communis suavitatem.
Beginn der Tagebuchführung.

1752

Hypochondrische Zustände. Sept.: Kur in Bad Lauchstädt.

1753

Mai-Juni: Kur in Karlsbad.

1755

Bekanntschaft mit Lessing.

1756

Besetzung Sachsens durch Friedrich II. von Preußen; der Siebenjährige Krieg beginnt. Bekanntschaft mit Ewald Christian von Kleist.

1757

Ab Herbst: Aufenthalt in Bonau bei Weißenfels; Okt.: schwere Krankheit (Rippenfellentzündung).

1758

Rückkehr nach Leipzig.

1759

Jan.: Tod der Mutter.

1760

11.12.: Unterredung mit König Friedrich II. von Preußen in Leipzig. Friedrich nennt G. "le plus raisonable de tous les savans allemans". G. versucht den König vom Wert der deutschen Literatur zu überzeugen und pocht auf die Eigenständigkeit seiner Leistung ("Sire, ich bin ein Original").

1761

Aus gesundheitlichen Gründen Ablehnung einer ordentlichen Professur.

1763

Kuraufenthalt in Karlsbad.

1765

Apr.: Vorlesung vor dem Kurfürsten Friedrich August von Sachsen. Der junge Goethe studiert in Leipzig und hört u.a. Gellerts Vorlesungen.

1767

Okt.: zwei Vorlesungen vor dem Kurfürsten.

1769

Letzte Reise in die Heimatstadt. 5. Dez.: Ohnmachtsanfall; Tod am 13.12. um elf Uhr abends.


Werke:
(e = entstanden)

Versdichtung

1746

Fabeln und Erzählungen Bd. 1

1748

Fabeln und Erzählungen Bd. 2

1754

Lehrgedichte und Erzählungen

Roman

1747/48

Das Leben der schwedischen Gräfin von G*** (2 Bde.; anonym) 

Dramen

1744

Das Band (Schäferspiel)

1745

Sylvia (Schäferspiel)
Die Betschwester (Lustspiel)

1746

Das Loos in der Lotterie (Lustspiel)

1747

Lustspiele (darin: Die kranke Frau, Die zärtlichen Schwestern, Das Orakel)

Lyrik

1743 

Lieder (12 Lieder; im Selbstverlag, Auflage: 12 Exemplare)

1757

Geistliche Oden und Lieder (u.a. Dies ist der Tag, den Gott gemcht; Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre)

Autobiographisches

1839
(1760 e)

Unvollständige Nachrichten aus meinem Leben (Frgm.)

1862
(1761 e)

Tagebuch aus dem Jahre 1761

Briefsteller

1751

Briefe, nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen 

Schriften

1742

Gedanken von einem guten deutschen Briefe, an den Herrn F. H. v. W. 

1747

Von den Trostgründen wider ein sieches Leben

1760

Betrachtungen über die Religion

1766

Von der Beschaffenheit, dem Umfang und dem Nutzen der Moral, eine Vorlesung

1770

Moralische Vorlesungen (2 Bde.)

Vermischte Schriften

1756 

Sammlung vermischter Schriften (Fabeln, Erzählungen, Reden, Abhandlungen; 2 Bde.)

Übersetzung

1749

Jacob Saurin: Abrégé de la Théologie et de la morale chrétienne, en forme de catéchisme - Kurzer Begriff der Christlichen Glaubens- und Sittenlehre, in Form eines Catechismus

Ausgaben

1769-74

Sämtliche Schriften (10 Bde.; Neudruck Hildesheim 1968)

1988ff.

Gesammelte Schriften, hg. v. Bernd Witte (krit. Ausgabe), Berlin/New York (6 Bde.)

 

Gellert-Museum Hainichen


   

Die schlauen Mädchen

Zwei Mädchen brachten ihre Tage
Bei einer alten Base zu.
Die Alte hielt zu ihrer Muhmen Plage
Sehr wenig von der Morgenruh'.
Kaum krähte noch der Hahn bei frühem Tage,
So rief sie schon: Steht auf, ihr Mädchen, es ist spät,
Der Hahn hat schon zweimal gekräht.

 

Die Mädchen, die so gern noch mehr geschlafen hätten,
(Denn überhaupt sagt man, daß es kein Mädchen gibt,
Die nicht den Schlaf und ihr Gesichte liebt)
Die wanden sich in ihren weichen Betten
Und schwuren dem verdammten Hahn
Den Tod und taten ihm, da sie die Zeit ersahn,
Den ärgsten Tod rachsüchtig an.

 

Ich hab's gedacht, du guter Hahn!
Erzürnter Schönen ihrer Rache
Kann kein Geschöpf so leicht entfliehn;
Und ihren Zorn sich zuzuziehn,
Ist leider eine leichte Sache.

 

Der arme Hahn war also aus der Welt.
Vergebens nur ward von der Alten
Ein scharf Examen angestellt.
Die Mädchen taten fremd und schalten
Auf den, der diesen Mord getan.

 

 

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