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Fünfter
Sohn des Pfarrers Christian Gellert (1671-1747) und seiner Frau Johanna Salome Gellert, geb.
Schütz (1681-1759). Zwölf Geschwister, von denen fünf früh sterben. Wächst in
ärmlichen Verhältnissen auf; als Erwachsener ständig kränkelnd,
hypochondrische Zustände.
Wichtiger
Autor der Aufklärung, der in seinen Werken die moralisch-erzieherische Absicht
mit Unterhaltsamkeit zu verknüpfen sucht und in allen Gattungen neue Akzente
setzt. Seinerzeit ungeheuer populär (Goethe über G.: "Gewissensrat
für ganz Deutschland"). Die "Fabeln und Erzählungen"
werden zum moralischen Hausbuch und zum ersten Bestseller der deutschen
Literatur. Der erste bürgerliche Roman "Das
Leben der schwedischen Gräfin von G***" bringt eine als
minderwertig angesehene Gattung zur Geltung. Die "rührenden"
Lustspiele machen die französische Comédie larmoyante in Deutschland
heimisch. Die Abhandlung über das Briefeschreiben, in der G. Natürlichkeit,
Einfachheit und Klarheit zum obersten Stilprinzip erhebt, wird zum maßgeblichen
Lehrbuch. Viele der Geistlichen Oden und Lieder bereichern heute noch das
protestantische Gesangbuch (teils vertont von C. Ph. E. Bach und Beethoven).
wichtige
Lebensdaten:
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1723 |
Im Haushalt der
Schwester Johanna Augusta und ihres Mannes, des
Bürgermeisters von Hainichen Friedrich Gottlieb Meese; strenge Erziehung. |
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1729 |
Fürstenschule St.
Afra in Meißen (Freiplatz). Freunde: Carl Christian Gärtner und Gottlieb
Wilhelm Rabener. |
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1734 |
Studium der
Theologie, Geschichte, Literatur und Philosophie in Leipzig. |
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1738 |
Aus finanziellen
Gründen Abbruch des Studiums. |
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1739 |
Lebensunterhalt als
Prediger und Erzieher in Hainichen, Hofmeister bei den Grafen von
Lüttichau in der Nähe von Dresden. Erste Veröffentlichung (Gelegenheitsgedicht
Ode auf
den heutigen Flor von Rußland). |
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1740
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Rückkehr nach
Leipzig; Tätigkeit als Privatlehrer und Verfasser von Gelegenheitsgedichten.
Wiederaufnahme des Studiums. Beschäftigung mit der englischen und
französischen Sprache und Literatur.
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1741 |
Beiträge in Johann
Joachim Schwabes Zeitschrift Belustigungen des Verstandes und Witzes. |
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1743 |
21. Februar:
Baccalaureus und Magister der Weltweisheit. Mitarbeiter Johann Christoph Gottscheds.
Freundschaft mit Johann Elias
Schlegel. |
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1744 |
Herbst: Schwere
Krankheit; Erholung auf dem Land. Dez.: Habilitation mit der Schrift De poesi apologorum
eorumque scriptoribus; Privatdozent für Poesie und Beredsamkeit. |
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1745 |
Gründung einer
neuen Zeitschrift: Neue Beyträge zum Vergnügen des Verstandes und des
Witzes ( kurz: Bremer Beyträge) zusammen mit Gärtner, Rabener,
Schlegel u.a. |
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1747
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Reise nach
Braunschweig und Göttingen.
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1751 |
Apr.: Ernennung zum
außerordentlichen Professor der Philosophie. Programmschrift Pro
comoedia commovente. Juni: Antrittsvorlesung: De vi
atque utilitate optimarum artium ad morum elegantium vitaeque communis suavitatem.
Beginn der Tagebuchführung. |
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1752 |
Hypochondrische
Zustände. Sept.: Kur in Bad Lauchstädt. |
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1753
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Mai-Juni: Kur in Karlsbad.
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1755
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Bekanntschaft mit Lessing.
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1756
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Besetzung Sachsens
durch Friedrich II. von Preußen; der Siebenjährige Krieg beginnt. Bekanntschaft mit Ewald
Christian von Kleist.
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1757
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Ab Herbst: Aufenthalt in Bonau bei
Weißenfels; Okt.: schwere Krankheit (Rippenfellentzündung).
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1758
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Rückkehr nach Leipzig.
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1759 |
Jan.: Tod der
Mutter. |
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1760 |
11.12.: Unterredung
mit
König Friedrich II. von Preußen in Leipzig. Friedrich nennt G. "le
plus raisonable de tous les savans allemans". G. versucht
den König vom Wert der deutschen Literatur zu überzeugen und pocht auf
die Eigenständigkeit seiner Leistung ("Sire, ich bin ein
Original"). |
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1761 |
Aus gesundheitlichen
Gründen Ablehnung einer ordentlichen Professur. |
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1763 |
Kuraufenthalt in
Karlsbad. |
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1765 |
Apr.: Vorlesung vor
dem Kurfürsten Friedrich August von Sachsen. Der junge Goethe studiert in
Leipzig und hört u.a. Gellerts Vorlesungen. |
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1767 |
Okt.: zwei
Vorlesungen vor dem Kurfürsten. |
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1769 |
Letzte Reise in die
Heimatstadt. 5. Dez.: Ohnmachtsanfall; Tod am 13.12. um elf Uhr abends. |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Versdichtung
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1746
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Fabeln und Erzählungen Bd. 1
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1748
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Fabeln und Erzählungen Bd. 2
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1754
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Lehrgedichte und Erzählungen
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Roman
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1747/48
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Das
Leben der schwedischen Gräfin von G*** (2 Bde.; anonym)
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Dramen
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1744
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Das Band (Schäferspiel)
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1745
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Sylvia
(Schäferspiel)
Die
Betschwester (Lustspiel)
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1746
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Das
Loos in der Lotterie (Lustspiel)
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1747
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Lustspiele (darin: Die kranke Frau, Die
zärtlichen Schwestern, Das Orakel)
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Lyrik
1743 |
Lieder
(12 Lieder; im Selbstverlag, Auflage: 12 Exemplare) |
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1757
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Geistliche
Oden und Lieder (u.a. Dies ist der Tag, den Gott gemcht; Die Himmel
rühmen des Ewigen Ehre)
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Autobiographisches
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1839
(1760 e) |
Unvollständige Nachrichten aus meinem Leben
(Frgm.) |
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1862
(1761 e) |
Tagebuch aus dem
Jahre 1761 |
Briefsteller
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1751
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Briefe,
nebst einer praktischen Abhandlung von dem guten Geschmacke in Briefen
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Schriften
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1742 |
Gedanken von einem
guten deutschen Briefe, an den Herrn F. H. v. W. |
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1747 |
Von den Trostgründen
wider ein sieches Leben |
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1760
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Betrachtungen
über die Religion
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1766
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Von der Beschaffenheit, dem Umfang und dem
Nutzen der Moral, eine Vorlesung
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1770
|
Moralische
Vorlesungen (2 Bde.)
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vermischte
Schriften
1756 |
Sammlung
vermischter Schriften (Fabeln, Erzählungen, Reden, Abhandlungen; 2
Bde.) |
Übersetzung
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1749 |
Jacob Saurin: Abrégé
de la Théologie et de la morale chrétienne, en forme de catéchisme -
Kurzer Begriff der Christlichen Glaubens- und Sittenlehre, in Form eines
Catechismus |
Ausgaben
1769-74 |
Sämtliche Schriften (10 Bde.;
Neudruck Hildesheim 1968)
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1988ff. |
Gesammelte Schriften,
hg. v. Bernd Witte (krit. Ausgabe), Berlin/New York (6 Bde.) |
Links:
Gellert-Seite
von Dr. Rafael Arto-Haumacher
Gellert-Forschungsstelle
Gellert-Museum Hainichen
| Die
schlauen Mädchen
Zwei Mädchen brachten ihre
Tage
Bei einer alten Base zu.
Die Alte hielt zu ihrer Muhmen Plage
Sehr wenig von der Morgenruh'.
Kaum krähte noch der Hahn bei frühem Tage,
So rief sie schon: Steht auf, ihr Mädchen, es ist spät,
Der Hahn hat schon zweimal gekräht.
Die Mädchen, die so gern noch
mehr geschlafen hätten,
(Denn überhaupt sagt man, daß es kein Mädchen gibt,
Die nicht den Schlaf und ihr Gesichte liebt)
Die wanden sich in ihren weichen Betten
Und schwuren dem verdammten Hahn
Den Tod und taten ihm, da sie die Zeit ersahn,
Den ärgsten Tod rachsüchtig an.
Ich hab's gedacht, du guter
Hahn!
Erzürnter Schönen ihrer Rache
Kann kein Geschöpf so leicht entfliehn;
Und ihren Zorn sich zuzuziehn,
Ist leider eine leichte Sache.
Der arme Hahn war also aus der
Welt.
Vergebens nur ward von der Alten
Ein scharf Examen angestellt.
Die Mädchen taten fremd und schalten
Auf den, der diesen Mord getan. |
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