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Aus katholischer
Familie, deren Wurzeln väterlicherseits im deutschen Sprachgebiet Oberlothringens liegen.
Vater: Stephan George, Gastwirt in Büdesheim, später angesehener Weinhändler in Bingen. Mutter:
Eva George, geb.
Schmitt aus Büdesheim. Zeitlebens ohne Beruf, von Kapitalerträgen lebend, ohne festen
Wohnsitz permanent auf Reisen; Lebensschwerpunkte München (bei Karl Wolfskehl) und Berlin
(Berliner Kreis u.a. Malerehepaar Reinhold und Sabine Lepsius, Wilhelm Dilthey, Kurt
Breysig, Georg Simmel, Melchior Lechter).
Lyriker.
Außerordentliche Wirkung auf das deutsche Geistesleben. Große Bedeutung als Übersetzer.
Als Dichter und Mensch bis heute umstritten.
Literarische Vorbilder sind die französischen Symbolisten. Ziel: die Erneuerung der
Dichtung. Elitärer und esoterischer Zug, bewusster Verzicht auf Breitenwirkung: Die
Ablehnung des Massengeschmacks, des Gewöhnlichen, des Hässlichen, des Konventionellen,
der Erscheinungen des modernen Zeitalters und das Bewusstsein der eigenen Sendung spiegelt
sich in der Konstituierung einer poetischen Gegenwelt, in Sprache und Form der Dichtung
(Formstrenge, Feierlichkeit, Erlesenheit des Wortes, des Bildes und der Klangwirkung -
Kunst als Religion). Streben nach ästhetischer Totalität (elitär-narzisstische
Stilisierung der Lebensführung) bis hinein in die Schrift- und Buchgestaltung
(stilisierte Schrift - ähnlich der Karolingerminuskel -, Kleinschreibung, eigene
Interpunktion).
G. versteht sich als Vorbild und Lehrer, als "Führer" eines
Männerbundes, der seine "Jünger" um sich sammelt; Ziel ist die ästhetische
Erziehung einer geistigen Elite. Zumindest zeitweise gehören zu dem Kreis von Freunden
und intellektuellen Bewunderern Karl Wolfskehl, Friedrich Gundolf, Wilhelm Dilthey, Ernst
Kantorowicz, Max Kommerell, Albert Verwey, Rudolf Borchardt, Max Dauthendey, Hugo von
Hofmannsthal u.v.a. (Goebbels bewundert ihn ebenso wie der spätere Hitler-Attentäter
Graf Stauffenberg). Mystisch-hymnischer Werkcharakter nach dem
"Maximin-Erlebnis": Verkünder und Seher eines neuen geistigen Reichs.
George-Kult.
Warner vor der Geistfeindlichkeit des Nationalsozialismus; wehrt
Vereinnahmungsversuche der Nationalsozialisten ab (Angebot, Präsident der
"Deutschen Akademie für Dichtung" zu werden).
Auszeichnung:
| 1927 |
Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/M. (1.
Preisträger) |
wichtige Lebensdaten:
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1873
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Umzug der Familie nach Bingen,
Vater wird Stadtverordneter; zunächst Privat-, dann Realschule in Bingen.
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1882-88
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Ludwig-Georgs-Gymnasium in
Darmstadt; Sprachbegabung: G. lernt eigeninitiativ Italienisch und
Norwegisch.
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1888
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Abitur. Reisen nach London und in die
Schweiz (Montreux).
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1889
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Abstecher nach Mailand und Turin;
zurück an den Genfer See (zu Fuß); von dort nach Paris; Freundschaft mit dem Lyriker
Albert Saint-Paul, der ihn bei der Pléjade der Symbolisten einführt: Mallarmé,
Verlaine, Villiers de l´Isle Adam u.a. Sommer: Abstecher nach Spanien (Madrid, Toledo,
Burgos); Rückkehr nach Paris; Herbst: Immatrikulation an der Universität Berlin
(philologische und kunstgeschichtliche Vorlesungen); Auswanderungspläne (Mexiko); Beginn
der Freundschaft mit Carl August Klein.
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1890
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Abbruch des Studiums nach drei
Semestern; Böhmen, Kopenhagen, Berlin, Bremen.
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1891
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U.a. in Verona, Venedig, Wien,
München, Bingen, England, wieder Wien; Dez.: Bekanntschaft mit Hofmannsthal; nach einigen
Monaten Entfremdung.
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1892
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Lüttich (Paul Gérardy);
Bingen.
Okt.: 1. Heft der Blätter für die Kunst (zusammen mit C. A. Klein;
bis 1919); "George-Kreis"
(zunächst ein loses Bündnis junger Dichter; rituelle Formen der Zusammenkünfte).
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1893
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Vorwiegend München: im Kreis der
"Kosmiker" (Karl Wolfskehl, Ludwig Klages, Alfred Schuler).
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1895
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Vorwiegend Berlin (Maler-Ehepaar
Lepsius); Erweiterung des Kreises vom Dichterbund zur "auserwählten schar" einer
intellektuellen Elite.
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1897
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Erste Lesung vor geladenem
Publikum im Hause Lepsius.
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1902
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"Maximin-Erlebnis":
Begegnung mit dem Schwabinger Gymnasiasten Maximilian Kronberger (+1904), der zum Idol des Kreises
wird (Maximin als menschgewordener Gott).
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1907 |
Richtungswandel (Der
siebente Ring): literarisches Schaffen als pädagogischer und
prophetische Auftrag. |
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1908
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Letzte Reise nach Paris.
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1910-12
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Jahrbuch für die geistige
Bewegung (hg. v. Friedrich Gundolf und Friedrich Wolters) - Höhepunkt des George-Kultes: der
"Meister" als "königlicher Priester", "Seher",
"Prophet", Inkarnation des Gottes.
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1917 |
Krieg als Zeichen
der kulturellen Verderbtheit (Der Krieg). |
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1928 |
Die Nazis versuchen
George zu vereinnahmen (Das neue Reich). |
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1933
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G. lehnt die ihm von
Goebbels angebotene Präsidentschaft einer neuen deutschen Akademie für
Dichtung ab. Kurz vor dem 65. Geburtstag
Besuch bei Freunden im Tessin; das alte Steinleiden verschlimmert sich.
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Werke:
(e = entstanden)
Lyrik
1901
(1888-89 e) |
Die Fibel. Auswahl erster Verse |
| 1890 |
Hymnen |
| 1891 |
Pilgerfahrten (Zyklus) |
| 1892 |
Algabal (Zyklus) |
| 1895 |
Die Bücher der Hirten und
Preisgedichte, der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten (Zyklus) |
| 1897 |
Das Jahr der Seele (Zyklus) |
| 1900 |
Teppich des Lebens und die Lieder
von Traum und Tod (Zyklus) |
1903
(erweitert 1925) |
Tage und Taten. Aufzeichnungen
und Skizzen |
| 1907 |
Der siebente Ring (Zyklus) |
| 1914 |
Stern des Bundes (Zyklus) |
| 1917 |
Der Krieg |
| 1921 |
Drei Gesänge |
| 1928 |
Das neue Reich (Gedichtbd.) |
Übertragungen
| 1891 |
Charles Baudelaire: Die Blumen
des Bösen |
| 1901 |
Charles Baudelaire: Die Blumen
des Bösen (Umdichtungen) |
| 1905 |
Übertragungen aus den Werken von
Albert Verwey |
| 1905 |
Übertragungen aus den Werken von
Waclaw Rolicz-Lieder |
| 1905 |
Stéphane Mallarmé: Herodias (Umdichtung) |
| 1905 |
Zeitgenössische Dichter, I.
Teil: Rosetti, Swinburne, Dowson, Jacobsen, Kloos, Verwey, Verhaeren); II. Teil: Verlaine,
Mallarmé, Rimbaud, de Régnier, d´Annunzio, Rolicz-Lieder |
| 1909 |
Dante: Stellen aus der
Göttlichen Komödie in Umdichtungen |
| 1912 |
Dante: Göttliche Komödie.
Übertragungen |
G. als
Herausgeber
| 1892-1919 |
Blätter für die Kunst (zus.
mit C. A. Klein) |
| 1929 |
Blätter für die Kunst: Auswahl (3
Bde.) |
| 1902 |
Deutsche Dichtung: Das
Jahrhundert Goethes (zus. mit Karl Wolfskehl) |
| 1907 |
Maximin. Ein Gedenkbuch |
Ausgaben
| 1927-42 |
Gesamtausgabe (18 Bde.) |
| 1964-69 |
Gesamtausgabe (Neudruck),
Düsseldorf/München |
| 1982ff. |
Sämtliche Werke, hg. v.
Georg Peter Landmann, Stuttgart (15 Bde.) |
| 1958 |
Werke, hg. v. Robert
Boehringer u.a., Düsseldorf (2 Bde.) |
| 1983 |
Werke, hg. v. Robert
Boehringer (Neudruck), München/Düsseldorf (4 Bde.) |
Mein
garten bedarf nicht luft und nicht wärme
Der garten den ich mir selber erbaut
Und seiner vögel leblose schwärme
Haben noch nie einen frühling geschaut.
Von kohle die stämme von kohle die äste
Und düstere felder am düsteren rain
Der früchte nimmer gebrochene läste
Glänzen wie lava im pinien-hain.
Ein grauer schein aus verborgener höhle
Verrät nicht wann morgen wann abend naht
Und staubige dünste der mandel-öle
Schweben auf beeten und anger und saat.
Wie zeug ich dich aber im heiligtume
- So fragt ich wenn ich es sinnend durchmass
In kühnen gespinsten der sorge vergass -
Dunkle grosse schwarze blume? |
Komm in den
totgesagten park und schau :
Der Schimmer ferner lächelnder gestade ·
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.Dort nimm das tiefe
gelb · das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau ·
Die späten rosen welkten noch nicht ganz ·
Erlese küsse sie und flicht den kranz ·
Vergiss auch diese
lezten astern nicht ·
Den purpur um die ranken wilder reben ·
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht. |
(update:
31.07.2007)
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