Autoren | Epochen
 

Stefan George

Pseudonyme: Edmund Lorm, Rochus Herz

LebensdatenWerk

George-Texte im Netz



* 12. Juli 1868
Büdesheim
/Bingen

+ 4. Dezember 1933 Minusio bei Locarno (Steinleiden)

Grabstätte: Locarno-Minusio, Friedhof
 

 

Foto: Jacob Hilsdorf (1910)
  

 
Aus katholischer Familie, deren Wurzeln väterlicherseits im deutschen Sprachgebiet Oberlothringens liegen. Vater: Stephan George (1841-1907), Gastwirt in Büdesheim, später angesehener Weinhändler in Bingen. Mutter: Eva George, geb. Schmitt (1841-1913) aus Büdesheim. Schwester: Anna Maria Ottilie (1866-1938). Zeitlebens von Kapitalerträgen lebend, ohne festen Wohnsitz permanent auf Reisen; Lebensschwerpunkte München (bei Karl Wolfskehl) und Berlin (Berliner Kreis u.a. Malerehepaar Reinhold und Sabine Lepsius, Wilhelm Dilthey, Kurt Breysig, Georg Simmel, Melchior Lechter).
   

Lyriker. Außerordentliche Wirkung auf das deutsche Geistesleben. Große Bedeutung als Übersetzer. Als Dichter und Mensch bis heute umstritten.
  Literarische Vorbilder sind die französischen Symbolisten. Ziel: die Erneuerung der Dichtung. Elitärer und esoterischer Zug, bewusster Verzicht auf Breitenwirkung: Die Ablehnung des Massengeschmacks, des Gewöhnlichen, des Hässlichen, des Konventionellen, der Erscheinungen des modernen Zeitalters und das Bewusstsein der eigenen Sendung spiegelt sich in der Konstituierung einer poetischen Gegenwelt, in Sprache und Form der Dichtung (Formstrenge, Feierlichkeit, Erlesenheit des Wortes, des Bildes und der Klangwirkung - Kunst als Religion). Streben nach ästhetischer Totalität (elitär-narzisstische Stilisierung der Lebensführung) bis hinein in die Schrift- und Buchgestaltung (stilisierte Schrift - ähnlich der Karolingerminuskel -, Kleinschreibung, eigene Interpunktion).
  G. versteht sich als Vorbild und Lehrer, als "Führer" eines Männerbundes, der seine "Jünger" um sich sammelt; Ziel ist die ästhetische Erziehung einer geistigen Elite. Zumindest zeitweise gehören zu dem Kreis von Freunden und intellektuellen Bewunderern Karl Wolfskehl, Friedrich Gundolf, Wilhelm Dilthey, Ernst Kantorowicz, Max Kommerell, Albert Verwey, Rudolf Borchardt, Max Dauthendey, Hugo von Hofmannsthal u.v.a. (Goebbels bewundert ihn ebenso wie der spätere Hitler-Attentäter Graf Stauffenberg). Mystisch-hymnischer Werkcharakter nach dem "Maximin-Erlebnis": Verkünder und Seher eines neuen geistigen Reichs. George-Kult.
  Warner vor der Geistfeindlichkeit des Nationalsozialismus; wehrt Vereinnahmungsversuche der Nationalsozialisten ab (z.B. das Angebot, Präsident der "Deutschen Akademie für Dichtung" zu werden).

Auszeichnung:

1927

Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/M. (1. Preisträger)


Wichtige Lebensdaten:

1873

Umzug der Familie nach Bingen, Vater wird Stadtverordneter; zunächst Privat-, dann Realschule in Bingen.

1882-88

Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt; Sprachbegabung: G. lernt eigeninitiativ Italienisch und Norwegisch.

1888

Abitur. Reisen nach London und in die Schweiz (Montreux).

1889

Abstecher nach Mailand und Turin; zurück an den Genfer See (zu Fuß); von dort nach Paris; Freundschaft mit dem Lyriker Albert Saint-Paul, der ihn bei der Pléjade der Symbolisten einführt: Mallarmé, Verlaine, Villiers de l´Isle Adam u.a. Sommer: Abstecher nach Spanien (Madrid, Toledo, Burgos); Rückkehr nach Paris; Herbst: Immatrikulation an der Universität Berlin (philologische und kunstgeschichtliche Vorlesungen); Auswanderungspläne (Mexiko); Beginn der Freundschaft mit Carl August Klein.

1890

Abbruch des Studiums nach drei Semestern; Böhmen, Kopenhagen, Berlin, Bremen.

1891

U.a. in Verona, Venedig, Wien, München, Bingen, England, wieder Wien; Dez.: Bekanntschaft mit Hofmannsthal; nach einigen Monaten Entfremdung.

1892

Lüttich (Paul Gérardy); Bingen. Okt.: 1. Heft der Blätter für die Kunst (zusammen mit C. A. Klein; bis 1919); "George-Kreis" (zunächst ein loses Bündnis junger Dichter; rituelle Formen der Zusammenkünfte).

1893

Vorwiegend München: im Kreis der "Kosmiker" (Karl Wolfskehl, Ludwig Klages, Alfred Schuler).

1895

Vorwiegend Berlin (Maler-Ehepaar Lepsius); Erweiterung des Kreises vom Dichterbund zur "auserwählten schar" einer intellektuellen Elite.

1897

Erste Lesung vor geladenem Publikum im Hause Lepsius.

1902

"Maximin-Erlebnis": Begegnung mit dem Schwabinger Gymnasiasten Maximilian Kronberger (+1904), der zum Idol des Kreises wird (Maximin als menschgewordener Gott).

1907

Richtungswandel (Der siebente Ring): literarisches Schaffen als pädagogischer und prophetischer Auftrag.

1908

Letzte Reise nach Paris.

1910-12

Jahrbuch für die geistige Bewegung (hg. v. Friedrich Gundolf und Friedrich Wolters) - Höhepunkt des George-Kultes: der "Meister" als "königlicher Priester", "Seher", "Prophet", Inkarnation des Gottes.

1917

Krieg als Zeichen der kulturellen Verderbtheit (Der Krieg).

1928

Die Nazis versuchen George zu vereinnahmen (Das neue Reich).

1933

G. lehnt die ihm von Goebbels angebotene Präsidentschaft einer neuen deutschen Akademie für Dichtung ab. Kurz vor dem 65. Geburtstag Besuch bei Freunden im Tessin; das alte Steinleiden verschlimmert sich.


Werke:
(e = entstanden)

Lyrik

1890

Hymnen

1891

Pilgerfahrten (Zyklus)

1892

Algabal (Zyklus)

1895

Die Bücher der Hirten und Preisgedichte, der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten (Zyklus)

1897

Das Jahr der Seele (Zyklus; erw. 1899)

1900

Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod (Zyklus)

1901
(1888-89 e)

Die Fibel. Auswahl erster Verse

1903

Tage und Taten. Aufzeichnungen und Skizzen (erw. Neuauflage 1925)

1907

Der siebente Ring (Zyklus)

1914

Der Stern des Bundes (Zyklus)

1917

Der Krieg

1921

Drei Gesänge (An die Toten; Der Dichter in Zeiten der Wirren; Einem jungen Führer im ersten Weltkriege)

1928

Das neue Reich (Gedichtbd.)

Übertragungen

1891

Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen (Teilübers.)

1901

Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen (Umdichtungen)

1904

Übertragungen aus den Werken von Albert Verwey

1905

Zeitgenössische Dichter, I. Teil: Rosetti, Swinburne, Dowson, Jacobsen, Kloos, Verwey, Verhaeren); II. Teil: Verlaine, Mallarmé, Rimbaud, de Régnier, d´Annunzio, Rolicz-Lieder

1905

Stéphane Mallarmé: Herodias

1909

Dante: Übertragungen aus der Göttlichen Komödie (2 Teile)

1909

Shakespeare: Sonette. Umdichtung

1912

Dante: Göttliche Komödie. Übertragungen (erw. Neuauflagen 1921, 1925)

G. als Herausgeber

1892-1919

Blätter für die Kunst (zus. mit C. A. Klein)

1900

Deutsche Dichtung: Jean Paul (zus. mit Karl Wolfskehl)

1901

Deutsche Dichtung: Goethe (zus. mit Karl Wolfskehl)

1902

Deutsche Dichtung: Das Jahrhundert Goethes (zus. mit Karl Wolfskehl)

1907

Maximin. Ein Gedenkbuch

Gesamtausgaben

1927-1934

Gesamt-Ausgabe der Werke. Endgültige Fassung, Berlin: Bondi (15/18 Bde.)

1958

Werke, hg. v. Robert Boehringer u.a., Düsseldorf: Küpper (2 Bde.)

1981-2013

Sämtliche Werke, hist.-krit. Ausgabe, bearb. v. Georg Peter Landmann u.a., Stuttgart: Klett-Cotta (18 Bde.)

1984

Werke, München: dtv (4 Tb-Bde.)

2000

Werke, Stuttgart: Klett-Cotta (2 Bde.)

     

Stefan-George-Gesellschaft e.V. Bingen

Stefan-George-Biobliographie online


 
Mein garten bedarf nicht luft und nicht wärme
Der garten den ich mir selber erbaut
Und seiner vögel leblose schwärme
Haben noch nie einen frühling geschaut.

 

Von kohle die stämme von kohle die äste
Und düstere felder am düsteren rain
Der früchte nimmer gebrochene läste
Glänzen wie lava im pinien-hain.

 

Ein grauer schein aus verborgener höhle
Verrät nicht wann morgen wann abend naht
Und staubige dünste der mandel-öle
Schweben auf beeten und anger und saat.

 

Wie zeug ich dich aber im heiligtume
- So fragt ich wenn ich es sinnend durchmass
In kühnen gespinsten der sorge vergass -
Dunkle grosse schwarze blume?

  

Aus: Algabal (1892)
 

 
Komm in den totgesagten park und schau :
Der Schimmer ferner lächelnder gestade ·
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

 

Dort nimm das tiefe gelb · das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau ·
Die späten rosen welkten noch nicht ganz ·
Erlese küsse sie und flicht den kranz ·

 

Vergiss auch diese lezten astern nicht ·
Den purpur um die ranken wilder reben ·
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

  

Aus: Das Jahr der Seele (1897)

   

  

GOWEBCounter by INLINE

Besucher seit dem 19.01.2001

up