Jeremias Gotthelf
eigentl. Albert Bitzius (Pseudonym seit
1837, nach dem Helden des ersten Romans)
Lebensdaten Werk
*4. Oktober 1797 Murten/Kanton Fribourg +22. Oktober 1854 Lützelflüh/Kanton Bern (Schlagfluss) begraben: Lützelflüh, Friedhof |
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Erster Sohn
des evangelischen Pfarrers Sigmund Friedrich Bitzius (+1824) mit seiner dritten
Frau Elisabeth, geb. Kohler (+1836). Ältere Stiefschwester Marie, jüngerer Bruder
Fritz (+1836). Gebildet und
weltoffen; zunächst Liberaler, der von der konservativen Kirchenleitung in die Provinz
versetzt wird und dort mit fast vierzig Jahren anfängt zu schreiben; später Engagement
in der Konservativen Partei wider kirchenfeindliche Tendenzen der Zeit,
"Sozialismus" und "Kommunismus".
Äußerlich unspektakuläres Leben.
1833 |
Heirat mit Henriette Zeender (1805-1872; Tochter eines Berner Theologieprofessors); Kinder: Marie Henriette (*1834), Bernhard Albert (*1835), Cécile (*1837) |
Schweizer
Erzähler des Realismus. "Shakespeare der Bauernwelt"; Volkserzieher;
gestaltet in seinen sozialpädagogischen Werken (13 Romane, 75 Erzählungen) die
Spannungen zwischen alt und neu, Agrarzeitalter und industrieller Revolution, bäuerlicher
und städtischer Sphäre. Idealbild einer christlich-patriarchalischen
Gesellschaftsordnung, in der der Tüchtige sein Auskommen und seinen Seelenfrieden findet;
Skepsis gegenüber dem Zeitgeist: "Beten und arbeiten soll der Schweizer und ein
Genügen finden an dem, was Gott ihm gegeben; harte Haut an den Händen, aber zarte am
Gewissen."
"Episches Genie" (Gottfried
Keller), "naiver Erzähler ersten Ranges" (Hermann Hesse).
wichtige Lebensdaten:
1803 |
Murten fällt aufgrund der Mediationsakte an den katholischen, französischsprachigen Kanton Fribourg. |
1805 |
Versetzung des Vaters nach Utzenstorf im Emmental; Unterricht in Latein und Griechisch beim Vater. |
1812-1814 |
Literaturschule (=Gymnasium) in Bern; Wohnung beim Onkel, dem Theologieprofessor Samuel Studer. |
1814 |
Akademie in Bern: Vorbereitung auf das Theologiestudium. |
1816 |
Philosophische Abschlussarbeit: Ist sich das Wesen der Poesie der Alten und Neuern gleich? Zeichnet sich die Neuere durch besonderes Eigenwesen aus und welches sind die Ursachen dieser Verschiedenheit? |
1817-20 |
Theologiestudium in Bern. |
1820 |
Promotion zum Kandidaten des Predigtamtes; Vikariat beim Vater in Utzenstorf. |
1821-22 |
Mit kirchlichem Stipendium Studienjahr in Göttingen (Theologie, Ästhetik, Geschichte); Sommer: Reise durch Norddeutschland. |
1822 |
Frühjahr: Rückreise zur Familie über Weimar, Leipzig, Dresden, Bayern; Wiederaufnahme des Vikariats. |
1824 |
Feb.: Tod des Vaters; Mai: Vikar in Herzogenbuchsee; Eintreten für einen unterbezahlten Lehrer. |
1826 |
Begegnung mit dem Pädagogen und Sozialreformer Johann Heinrich Pestalozzi. |
1829 |
Nach Streit mit dem Regierungsstatthalter Versetzung nach Bern. |
1831 |
Versetzung nach Lützelflüh im Emmental; Mitglied in der Großen Landschulkommission zur Reform des Schulwesens. |
1832 |
Wahl zum Gemeindepfarrer von Lützelflüh. |
1834 |
Mitarbeit in der Verwaltungskommission der Armenerziehungsanstalt Trachselwald. |
1835-45 |
Kantonaler Schulkommissär: Aufsicht über die Primar- und Sekundarschulen. |
1836 |
Tod des Bruders Friedrich und der Mutter. |
1839-45 |
Herausgeber des "Neuen Berner Kalenders" . |
1845 |
Absetzung als Schulkommissär nach Auseinandersetzungen mit der Kantonsregierung aufgrund kritischer Artikel. |
1848 |
Wahl zum Präsidenten des Kantonalen Pfarrvereins. |
1851 |
Reise nach Straßburg; Beginn einer Krankheit: Hals- und Herzleiden, Wassersucht. |
1852 |
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1853 |
Ehrenmitglied im Literarischen Verein in Bern. Erfolglose Kur in Bad Gunigel; Husten, Schlafsucht. |
Werke:
(e = entstanden)
Romane
1837 |
Der Bauernspiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf, von ihm selbst beschrieben |
1838-39 |
Leiden und Freuden eines Schulmeisters (2 Bde.) |
1841 |
Wie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Meisterleute (Entwicklungsroman) |
1843-44 |
Geld und Geist oder Die Versöhnung (3 Bde.) |
1846 |
Der Geltstag oder Die Wirtschaft nach der neuen Mode |
1846-47 |
Jakobs, des Handwerksgesellen, Wanderungen durch die Schweiz (2 Bde.) |
1847 |
Käthie die Großmutter oder Der wahre Weg durch jede Not (2 Bde.) |
1848 |
Leiden eines Schulmeisters (4 Bde.) |
1849 |
Uli der Pächter |
1850 |
Die Käserei in der Vehfreude |
1851-52 |
Zeitgeist und Berner Geist (2 Bde.) |
1854 |
Erlebnisse eines Schuldenbauers |
1922 |
Der Herr Esau |
1838 |
Die Wassernoth im Emmenthal am 13. August 1837 |
1839 |
Dursli der Brannteweinsäufer oder Der heilige Weihnachtsabend |
1840 |
Die Armennoth |
1841 |
Wie Joggeli eine Frau sucht |
1842 |
Ein Sylverster-Traum |
1843 |
Hans
Berner und seine Söhne |
1844 |
Servaz und Pankraz |
1845 |
Wie Christen eine Frau gewinnt |
1846 |
Der Knabe des Tell |
1847 |
Wurst wider Wurst |
1848 |
Hans
Joggeli der Erbvetter |
1849 |
Doctor Dorbach, der Wühler, und die Bürglenherren |
1850 |
Michels Brautschau |
1851 |
Hans Jakob und Heiri oder Die beiden Seidenweber |
1852 |
Barthli der Korber (erw. 1853) |
1853 |
Niggi Ju |
Sammelbände
1842-46 |
Bilder und Sagen aus der Schweiz (6 Bde.) |
1850-55 |
Erzählungen und Bilder aus dem Volksleben der Schweiz (5 Bde.) |
sonstige Prosa
1828 |
Gespräch zwischen Luther, Calvin und Zwingli im Himmel über die religiöse Gestaltung der Welt seit ihrem Tode |
1842 |
Eines Schweizers Wort an den Schweizerischen Schützenverein |
1887 |
Reisetagebuch (Studentenreise durch Norddeutschland 1821) |
Gesamtausgaben
1856-58 |
Gesammelte Schriften, Berlin (24 Bde.) |
1911-77 |
Sämtliche Werke, hg. v. Rudolf Hunziker u. Hans Bloesch (hist.-krit. Ausgabe), Erlenbach-Zürich u. Stuttgart (24+18 Bde.) |
1948-63 |
Werke, hg. v. Walter Muschg, Basel (20 Bde.) |