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Christian Dietrich Grabbe

Lebensdaten
| Werk

Grabbe-Texte im Netz


* 11. Dezember 1801 Detmold
(
seinerzeit Hauptstadt des Duodezfürstentums Lippe)

+ 12. September 1836 Detmold
(Rückenmarkschwindsucht)  

Grabstätte: Detmold, Friedhof am Weinberg

 

 
Kreidezeichnung von Wilhelm Pero
(1836)
 


Als einziges Kind des "Zuchtmeisters" und späteren Leihbankverwalters Adolf Heinrich Grabbe (1765-1832) und seiner Frau Dorothea, geb. Grüttemeier (1765-1850) in der Dienstwohnung im Detmolder Zuchthaus geboren und aufgewachsen. Begehrt auf gegen spießige Enge; scheitert als Schauspieler, verfällt dem Alkohol; zerrüttete Ehe.
 

1833

Heirat mit Louise Christiane Clostermeier (1791-1848, Tochter eines lippischen Archivrats); kinderlos

 
Nach Büchner der wichtigste Anreger des realistischen Dramas in Deutschland; löst den strengen Bau des klassischen Dramas auf in eine eher lockere Folge von Episoden; bringt als erster die Masse auf die Bühne. Seine Stücke sind technisch zu seiner Zeit nicht spielbar; nur eins wird zu seinen Lebzeiten aufgeführt. Geschichtsphilosophischer Pessimismus: individualistisches Aufbegehren des Helden scheitert an Sinn- und Ausweglosigkeit.
  Von den Naturalisten und Expressionisten wiederentdeckt. "Ich will hier nur bemerken, daß besagter Dietrich Grabbe einer der größten deutschen Dichter war und von allen unseren dramatischen Dichtern wohl als derjenige genannt werden darf, der die meiste Verwandtschaft mit Shakespeare hat. [...] Aber alle seine Vorzüge sind verdunkelt durch eine Geschmacklosigkeit, einen Zynismus und eine Ausgelassenheit, die das Tollste und Abscheulichste überbieten, das je ein Gehirn zu Tage gefördert." (Heinrich Heine)
 


Wichtige Lebensdaten:

1807

Bürgerschule in Detmold.

1812

Detmolder Gymnasium.

1817

Erste dramatische Versuche unter dem Einfluss Shakespeares.

1819

G. erhält das Abgangszeugnis nicht (aufgrund früher alkoholischer Exzesse), muss die Abschlussklasse wiederholen.

1820

Abgangszeugnis des Detmolder Gymnasiums.

1820-22

Jura-Studium in Leipzig mit einem Stipendium der Landesfürstin.

1822

Fortsetzung des Studiums in Berlin; Bekanntschaft mit Heine und seinem späteren Verleger Kettembeil.

1823

Theaterpläne; Leipzig, Dresden, Braunschweig, Hannover: erfolglose Bemühungen um ein Engagement als Schauspieler; Rückkehr nach Detmold; angesichts der Misserfolge tiefe Lebenskrise, alkoholische Exzesse.

1824

Juristisches Staatsexamen; Zulassung als Advokat; vergebliche Bewerbung um die Stelle eines Amtsschreibers in Oerlinghausen; geschichtliche Studien.

1826

Vergebliche Bewerbung um die Stelle eines Amtsauditors in Horn; Herbst: unentgeltliche Tätigkeit als Gehilfe eines Auditeurs (Militär-Gerichtsbeamter) beim lippischen Heer; später staatl. Gratifikation.

1827

Theaterkritiker; literarische Pläne

1828

G. erhält die Stelle des verstorbenen Auditeurs (im Range eines Leutnants); materielle Existenz scheint gesichert.

1829

Don Juan und Faust in Detmold: einzige Aufführung eines seiner Dramen zu Lebzeiten. Werbung um Louise Christiane Clostermeier wird abgewiesen.

1830

Liebe zu Henriette Meyer (1811-1833).

1831

Alkoholismus, Verschlechterung des Gesundheitszustands, körperlicher Verfall "infolge früheren wüsten Lebens" ("Nervenschläge ... mit schauderhafter Kraft"); Verlobung mit Henriette Meyer, die aber mit G. bricht, als er sich wieder Louise Christiane Clostermeier annähert; Bekanntschaft mit Karl Immermann.

1832

Tod des Vaters. Wiederholte Krankheitsanfälle als Folge der Trunksucht.

1833

März: Eheschließung; unglückliche Ehe; Verschärfung der Lebenskrise; Vernachlässigung der Amtsgeschäfte; Alkoholexzesse.

1834

Febr.: Gesuch um Entlassung aus dem Staatsdienst; Okt.: ohne Abschied von seiner Frau nach Frankfurt/M. zu seinem Verleger, mit dem er sich bald überwirft; Dez.: Weiterreise nach Düsseldorf zu Immermann, der ihn finanziell unterstützt; Entlassung aus dem Staatsdienst.

1835

Todesahnungen; Nov.-Mai: Tätigkeit als Theaterkritiker.

1836

Erkrankung an Rückenmarkschwindsucht; völlige körperliche und seelische Zerrüttung; finanziell am Ende. Febr.: Bruch mit Immermann; Mai: mit geliehenem Geld Rückkehr nach Detmold, wo er sich mit Hilfe der Polizei Einlass in das Haus seiner Frau verschafft; seine Frau reicht Scheidungsklage ein.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Dramen

1827
(1822 e; 1892 a Wien)

Herzog Theodor von Gothland (Tragödie)

1827 (1936 a Münster)

Marius und Sulla (Tragödie; Frgm.)

1827
(1822 e; 1876 a Wien)

Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (Lustspiel)

1827

Dramatische Dichtungen nebst einer Abhandlung über die Shakespearo-Manie (Jugenddramen, 2 Bde.; Frankfurt/M.: Hermann)

1829 (a Detmold) 

Don Juan und Faust (Tragödie)

1829
(1875 a Schwerin) 

Kaiser Friedrich Barbarossa (1. Teil eines geplanten Dramenzyklus: Die Hohenstaufen)

1830 

Heinrich der Sechste (2. Teil der Hohenstaufen)

1831
(1868 a Wien; vollst. 1895 Frankfurt/M.) 

Napoleon oder die hundert Tage

1832 e
(1941 a Gelsenkirchen) 

Kosciuszko (Frgm.)

1835
(1918 a München)

Hannibal (Tragödie)

1835
(1. Fassung 1829; 1937 a Detmold) 

Aschenbrödel (dramatisches Märchen)

1838
(1836 e; 1936 a Düsseldorf) 

Die Hermannsschlacht (Geschichtsdrama)

Schriften

1827 

Abhandlung über die Shakespearo-Manie

1835

Das Theater zu Düsseldorf mit Rückblicken auf die übrige deutsche Schaubühne

Werkausgaben

1870

Sämmtliche Werke. Erste Gesammtausgabe, hg. v. R. Gottschall, Leipzig: Reclam (2 Bde.)

1874

Sämmtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Erste kritische Gesammtausgabe, hg. v. O. Blumenthal, Detmold: Meyer (4 Bde.)

1902

Sämtliche Werke, hg. v. Eduard Grisebach, Berlin: Behr (4 Bde.)

1960-1973

Werke und Briefe, hist.-krit. Gesamtausgabe, bearb. v. Alfred Bergmann, Emsdetten: Lechte (6 Bde.; "Göttinger Ausgabe")

    

Grabbe-Gesellschaft e.V.

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Ha, Sonne! könnt
Ich dich einmal bei deinem Strahlenhaare packen -
Am Felsen wollt ich dein Gehirn zerschmettern,
Und dich, was Schmerz heißt, fühlen lassen!
(1822)

  

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