Christian
Dietrich Grabbe
Lebensdaten Werk
*11. Dezember 1801 Detmold (Hauptstadt des Duodezfürstentums Lippe) +12. September 1836 Detmold (Rückenmarkschwindsucht) begraben: Detmold, Friedhof am Weinberg |
|
Als einziges Kind des "Zuchtmeisters" und späteren Leihbankverwalters Adolf Heinrich Grabbe (+1832) und dessen Frau Dorothea Grabbe, geb. Grüttemeier, in der Dienstwohnung im Detmolder Zuchthaus geboren und aufgewachsen. Begehrt auf gegen spießige Enge; scheitert als Schauspieler, verfällt dem Alkohol; zerrüttete Ehe.
1833 |
Heirat mit Louise Christiane Clostermeier (*1791, Tochter eines lippischen Archivrats) |
Nach Büchner der
wichtigste Anreger des realistischen Dramas in Deutschland; löst den strengen Bau des
klassischen Dramas auf in eine eher lockere Folge von Episoden; bringt als erster die Masse auf
die Bühne. Seine Stücke sind technisch zu seiner Zeit nicht spielbar; nur eins wird zu
seinen Lebzeiten aufgeführt. Geschichtsphilosophischer Pessimismus: individualistisches
Aufbegehren des Helden scheitert an Sinn- und Ausweglosigkeit.
Von den Naturalisten und Expressionisten wiederentdeckt. "Ich will hier nur bemerken, daß besagter Dietrich Grabbe einer der
größten deutschen Dichter war und von allen unseren dramatischen Dichtern wohl als
derjenige genannt werden darf, der die meiste Verwandtschaft mit Shakespeare hat. [...]
Aber alle seine Vorzüge sind verdunkelt durch eine Geschmacklosigkeit, einen Zynismus und
eine Ausgelassenheit, die das Tollste und Abscheulichste überbieten, das je ein Gehirn zu
Tage gefördert." (Heinrich Heine)
1807 |
Bürgerschule in Detmold. |
1812 |
Detmolder Gymnasium. |
|
1817 |
Erste dramatische Versuche unter dem Einfluss Shakespeares. |
1819 |
G. erhält das Abgangszeugnis nicht (aufgrund früher alkoholischer Exzesse), muss die Abschlussklasse wiederholen |
1820 |
Abgangszeugnis des Detmolder Gymnasiums. |
1820-22 |
Jura-Studium in Leipzig mit einem Stipendium der Landesfürstin. |
1822 |
Fortsetzung des Studiums in Berlin; Bekanntschaft mit Heine und seinem späteren Verleger Kettembeil. |
1823 |
Theaterpläne; Leipzig, Dresden, Braunschweig, Hannover: erfolglose Bemühungen um ein Engagement als Schauspieler; Rückkehr nach Detmold; angesichts der Misserfolge tiefe Lebenskrise, alkoholische Exzesse. |
1824 |
Juristisches Staatsexamen; Zulassung als Advokat; vergebliche Bewerbung um die Stelle eines Amtsschreibers in Oerlinghausen; geschichtliche Studien. |
1826 |
Vergebliche Bewerbung um die Stelle eines Amtsauditors in Horn; Herbst: unentgeltliche Tätigkeit als Gehilfe eines Auditeurs (Militär-Gerichtsbeamter) beim lippischen Heer; später staatl. Gratifikation. |
1827 |
Theaterkritiker; literarische Pläne |
1828 |
G. erhält die Stelle des verstorbenen Auditeurs (im Range eines Leutnants); materielle Existenz scheint gesichert. |
1829 |
Don Juan und Faust in Detmold: einzige Aufführung eines seiner Dramen zu Lebzeiten. Werbung um Louise Christiane Clostermeier wird abgewiesen. |
1830 |
Liebe zu Henriette Meyer (1811-1833). |
1831 |
Alkoholismus, Verschlechterung des Gesundheitszustands, körperlicher Verfall "infolge früheren wüsten Lebens" ("Nervenschläge ... mit schauderhafter Kraft"); Verlobung mit Henriette Meyer, die aber mit G. bricht, als er sich wieder Louise Christiane Clostermeier annähert; Bekanntschaft mit Karl Immermann. |
1832 |
Tod des Vaters. Wiederholte Krankheitsanfälle als Folge der Trunksucht. |
1833 |
März: Eheschließung; unglückliche Ehe; Verschärfung der Lebenskrise; Vernachlässigung der Amtsgeschäfte; Alkoholexzesse. |
1834 |
Febr.: Gesuch um Entlassung aus dem Staatsdienst; Okt.: ohne Abschied von seiner Frau nach Frankfurt/M. zu seinem Verleger, mit dem er sich bald überwirft; Dez.: Weiterreise nach Düsseldorf zu Immermann, der ihn finanziell unterstützt; Entlassung aus dem Staatsdienst. |
1835 |
Todesahnungen; Nov.-Mai: Tätigkeit als Theaterkritiker. |
1836 |
Erkrankung an Rückenmarkschwindsucht; völlige körperliche und seelische Zerrüttung; finanziell am Ende. Febr.: Bruch mit Immermann; Mai: mit geliehenem Geld Rückkehr nach Detmold, wo er sich mit Hilfe der Polizei Einlass in das Haus seiner Frau verschafft; seine Frau reicht Scheidungsklage ein. |
Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)
Dramen
1827 |
Herzog Theodor von Gothland (Tragödie) |
1827 |
Marius und Sulla (Tragödie; Frgm.) |
1827 |
Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung (Lustspiel) |
1827 |
Dramatische Dichtungen nebst einer Abhandlung über die Shakespearo-Manie (Jugenddramen, 2 Bde.) |
1829 |
Don Juan und Faust (Tragödie) |
1829 |
Kaiser Friedrich Barbarossa (1. Teil eines geplanten Dramenzyklus: Die Hohenstaufen) |
1830 |
Heinrich VI. (2. Teil der Hohenstaufen) |
1831 |
Napoleon oder die hundert Tage |
1832 e |
Kosciuszko (Frgm.) |
1835 |
Hannibal (Tragödie) |
1835 |
Aschenbrödel (dramatisches Märchen) |
1838 |
Die Hermannsschlacht (Geschichtsdrama) |
Schriften
1827 |
Abhandlung über die Shakespearo-Manie |
1835 |
Das Theater zu Düsseldorf mit Rückblicken auf die übrige deutsche Schaubühne |
Ha, Sonne! könnt
Ich dich einmal bei deinem Strahlenhaare packen -
Am Felsen wollt ich dein Gehirn zerschmettern,
Und dich, was Schmerz heißt, fühlen lassen!
(1822)