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Günter Grass

vollst.: Günter Wilhelm Grass

Lebensdaten | Werk

Grass-Texte im Netz
 


 
*
16. Oktober 1927 Freie Stadt Danzig
(Danzig-Langfuhr)
 

+ 13. April 2015 Lübeck (Lungenentzündung)

  

Grabstätte: Behlendorf bei Ratzeburg, Friedhof 

    

 Günter Grass 2006
Bildquelle: Wikipedia
 


  

Multitalent (Erzähler, Dramatiker, Lyriker, Bildhauer, Maler und Grafiker), schon zu Lebzeiten ein Klassiker und (umstrittene) moralische und literarische Instanz. Nobelpreisträger für Literatur. Unbequemer "Einmischer und Querdenker" (Dorothea Dieckmann).

Seine epischen Werke zeichnen sich durch ihre vitale, bilderreiche und anschauliche Sprache, durch Ideenreichtum und die Verbindung von Realem und Phantastischem aus. Inhaltlich verarbeiten sie die Umbrüche seines Lebens stellvertretend für das Schicksal einer ganzen Generation. Weltruhm durch sein Romandebüt Die Blechtrommel

Die frühen Theaterstücke sind heute weitgehend vergessen.

     
Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Sohn des deutschstämmigen (protestantischen) Lebensmittelhändlers Wilhelm Grass (1899-1979) und seiner kaschubischen (katholischen) Ehefrau Helene, geb. Knoff (1898-1954); katholisch erzogen:

Getauft geimpft gefirmt geschult.

Gespielt hab ich mit 
Bombensplittern.

Und aufgewachsen bin ich zwischen

dem Heilgen Geist und Hitlers Bild.

Der frühe Wunsch, Künstler zu werden, wird von der Mutter unterstützt. Schwester: Waltraut (*1930). Sechs leibliche Kinder; aus erster Ehe: die Zwillinge Franz und Raoul (*1957), Laura (*1961), Bruno (*1965); mit der Architektin und Malerin Veronika Schröter (1939-2012): Helene (*1974); mit der Lektorin Ingrid Krüger: Nele (*1979). Die zweite Frau bringt zwei Söhne mit in die Ehe: Malte (*1968) und Hans (*1970).

  

Politisches Engagement: G. greift immer wieder in das aktuelle politische Tagesgeschehen ein, provoziert und polarisiert. In den 90-ern Unterstützung der Ostpolitik Willy Brandts (Wahlkampfeinsatz für die SPD). Einsatz in der Friedensbewegung; Kritik an Art und Weise der deutschen Wiedervereinigung. Oftmaliger Verriss seiner späteren Werke im Feuilleton: 1995 gegen ihn gerichtete Kampagne in Folge seines Romans Ein weites Feld (Reich-Ranicki: "missraten"); 2006 kontroverse Reaktionen nach der Enthüllung der lange verschwiegenen ehemaligen Angehörigkeit zur Waffen-SS; 2012 Skandal wegen seiner These, die Atommacht Israel sei eine Bedrohung für den Weltfrieden (Gedicht Was gesagt werden muss).

  

1954

Eheschließung mit Anna Margareta Schwarz (Schweizerin; Balletttänzerin); 1972 Trennung, 1978 Scheidung

1979

Zweite Ehe mit Ute Grunert (*1936, Organistin)

Auszeichnungen (Auswahl)

1958

Preis der Gruppe 47
Förderpreis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie

1965

Georg-Büchner-Preis
Ehrendoktorwürde des Kenyon-College/USA

1968

Fontane-Preis

1990

Ehrendoktorwürde der Universität Poznań

1993

Ehrenbürger von Gdańsk
Ehrendoktorwürde der Universität Gdańsk

1994

Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

1996

Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck

1999

Nobelpreis für Literatur

2003

Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck

2005

Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin


Wichtige Lebensdaten:

1933

Volksschule.

1937

Gymnasium Conradinum in Danzig; Eintritt ins "Jungvolk".

1939

1.9.: Eingliederung Danzigs ins Deutsche Reich.

1941

Eintritt in die Hitlerjugend.

1942

Freiwillige Meldung zur Wehrmacht (U-Boot-, ersatzweise Panzerwaffe); nicht angenommen. 

1943

Flakhelfer.

1944

Ende der Gymnasialausbildung; Reichsarbeitsdienst; 10. Nov.: Einberufung zur 10. SS-Panzerdivision "Frundsberg".

1945

20.4.: Verwundung bei Cottbus; Lazarettaufenthalt in Marienbad. 8.5.: Gefangennahme;  amerikanische Kriegsgefangenschaft in Bayern (Bad Aibling).

1946

24.4.46: Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft; Aufgabe des Vorhabens, das Abitur nachzuholen. Landarbeiter; Arbeiter in einem Kalibergwerk bei Hildesheim.

1947-48

Steinmetzlehre in einem Düsseldorfer Grabsteingeschäft.

1948-52

Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie bei den Professoren Mages und Pankok (Bildhauerei, Grafik).

1951/52

Tramp-Reisen nach Italien und Frankreich. In der Schweiz Bekanntschaft mit Anna Schwarz.

1953-56

Fortsetzung des Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Berlin; Schüler des Bildhauers Karl Hartung. - Reklamearbeiten für die Meierei C. Bolle.

1954

Eheschließung. 

1955

Erste Lesung in der Gruppe 47 in Berlin.

1956

Übersiedlung nach Paris. Erste Ausstellung von Plastiken und Grafiken in Stuttgart.

1957

Geburt der Zwillinge Franz und Raoul.

1958

Erste Reise nach Polen.

1960

Wohnung in der Karlsbader Str. 16, Berlin-Schmargendorf. Zweite Polenreise.

1961

Unterstützung für Willy Brandt im Wahlkampf der SPD.

1963

Aufnahme in die Berliner Akademie der Künste. - Umzug in ein Landhaus in Berlin-Friedenau (Niedstr. 13; in der Nachbarschaft Max Frisch und Uwe Johnson).

1964

Erste USA-Reise: mit Willy Brandt zur Weltausstellung in New York.

1965

Bundestagswahlkampf für die SPD.

1966

Reise nach Mexiko.

1967

Teilnahme am Wahlkampf für die SPD in Schleswig-Holstein und Berlin.

1969

Wahlreisen für die SPD.

1970

Reise mit Bundeskanzler Willy Brandt nach Warschau. Teilnahme  an den Wahlkämpfen der SPD in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

1971

Teilnahme an den Wahlkämpfen der SPD in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Berlin.

1972

Trennung von Anna. Verbindung mit der Architektin und Malerin Veronika Schröter; zweiter Wohnsitz in Wewelsfleth/Schleswig-Holstein (Dorfstr. 3). - Teilnahme am Bundestagswahlkampf und am Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg.

1973

Reise mit Willy Brandt nach Israel. Reise in die USA.

1974

Geburt der Tochter Helene. Austritt aus der katholischen Kirche. Zusammen mit Willy Brandt in Israel.

1976

Teilnahme am Bundestagswahlkampf der SPD gemeinsam mit Siegfried Lenz.

1978

Stiftung des Alfred-Döblin-Preises.

1979

Geburt der Tochter Nele. Zweite Ehe mit der Organistin Ute Grunert, die zwei Söhne mit in die Ehe bringt.

1980

Ferienhaus in Mexilhoeira Grande (Portimão/Algarve).

1982

Reise nach Nicaragua. Eintritt in die SPD.

1983

Wahl zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste.

1985

Schenkung des Hauses in Wewelsfleth an das Land Berlin (Alfred-Döblin-Haus; Stipendiatenheim für Berliner Autoren).

1986

Beendigung der Tätigkeit als Präsident der Akademie der Künste in Berlin.

1986-87

Aug. - Jan.: Aufenthalt in Indien (zumeist in Kalkutta).

1987

Hauptwohnsitz in Behlendorf bei Ratzeburg.

1989

Austritt aus der Berliner Akademie der Künste (Vorwurf der mangelnden Solidarität mit Salman Rushdie).

1991

Anmietung eines Sommerhauses auf der dänischen Insel Møn (bei Ulvshale).

1992

Austritt aus der SPD (wg. des Asyl-Kompromisses).

1997

Gründung der Stiftung zugunsten des Romavolkes.

1998

Wiedereintritt in die Berliner Akademie der Künste. - Wahlkampfreisen.

2000

Gründung der Wolfgang-Koeppen-Stiftung (gemeinsam mit Peter Rühmkorf).

2002

Eröffnung des Günter-Grass-Hauses in Lübeck. - Jemen-Reise.

2005

Indien-Reise.

2006

Längerer Aufenthalt in Madrid.

2007

Reise nach New York.

2010

Gründung der August-Bebel-Stiftung.

2011

Gründung der Günter-und-Ute-Grass-Stiftung.


Werke:

(a = Uraufführung in)

Romane

1959

Die Blechtrommel (= Danziger Trilogie I; Verfilmung 1979)

1963

Hundejahre (= Danziger Trilogie III)

1969

Örtlich betäubt

1972

Aus dem Tagebuch einer Schnecke

1977

Der Butt

1986

Die Rättin (TV-Verfilmung 1997)

1995

Ein weites Feld

2010

Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung

Erzählungen

1961

Katz und Maus (= Danziger Trilogie II; Verfilmung 1967)

1979

Das Treffen in Telgte

1992

Unkenrufe (Verfilmung 2005)

1999

Mein Jahrhundert (Erzählungen)

2002

Im Krebsgang

2005

Wir leben im Ei. Geschichten aus fünf Jahrzehnten

2012

Vatertag

Dramen

1957
a Frankfurt

Hochwasser

1958
a Köln

Onkel, Onkel

1959

Zweiunddreißig Zähne (a als Hörspielbearbeitung)

1959
a Bochum

Noch zehn Minuten bis Buffalo (Einakter)

1959
a Frankfurt

Beritten hin und zurück (Einakter)

1961
a Berlin

Die bösen Köche

1963
a München

Goldmäulchen

1966
a Berlin

Die Plebejer proben den Aufstand

1969
a Berlin

Davor

1970

Theaterspiele (Dramen)

Ballette

1957
a Essen

Stoffreste

1959
a Aix-l.-Bains, Bonn

Fünf Köche

1970
a Berlin

Die Vogelscheuchen

Gedichte

1956

Die Vorzüge der Windhühner (Gedichte und Grafiken)

1960

Gleisdreieck (Gedichte und Grafiken)

1967

Ausgefragt (Gedichte und Zeichnungen)

1971

Gesammelte Gedichte

1973

Mariazuehren (Gedichte und Grafiken)

1974

Liebe geprüft (sieben Radierungen und Gedichte)

1976

Mit Sophie in die Pilze gegangen (Lithographien und Gedichte)

1977

Als vom Butt nur noch die Gräte geblieben war (sieben Radierungen und Gedichte)

1983

Ach Butt, dein Märchen geht böse aus (Gedichte und Radierungen)

1993

Novemberland. 13 Sonette

1997

Fundsachen für Nichtleser (Gedichte und Aquarelle)

2003

Letzte Tänze (Gedichte und Zeichnungen)

2004

Lyrische Beute. Gedichte und Zeichnungen aus fünfzig Jahren. 

2007

Dummer August (Gedichte und Lithographien)

2012

Eintagsfliegen. Gelegentliche Gedichte (u.a. Was gesagt werden muss und Europas Schande)

Sammelwerke

1982

Zeichnen und Schreiben, Band 1 (Zeichnungen und Texte 1954-1977)

1984

Zeichnen und Schreiben, Band 2 (Radierungen und Texte, 1972-1982)

Aufsätze, Reden u.a.

1968

Über das Selbstverständliche (Reden, Aufsätze, Offene Briefe, Kommentare)

1974

Der Bürger und seine Stimme (Reden, Aufsätze, Kommentare)

1978

Im Wettlauf mit den Utopien
Kafka und seine Vollstrecker
Denkzettel. Politische Reden und Aufsätze 1965-1976

1980

Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus. Aufsätze zur Literatur

1982

Im Hinterhof (Reisebericht Nicaragua)

1984

Widerstand lernen. Politische Gegenreden 1980-83

1990

Totes Holz. Zeichnungen und Texte zum Waldsterben
Schreiben nach Auschwitz (Frankfurter Poetik-Vorlesung)
Deutscher Lastenausgleich (Reden und Gespräche)

1991

Brief aus Altdöbern (Essay)
Gegen die verstreichende Zeit. Reden, Aufsätze und Gespräche 1989-1991

1992

Rede vom Verlust - Über den Niedergang der politischen Kultur

1997

Rede über den Standort

1999

Vom Abenteuer der Aufklärung (Interviewfolge)
Für- und Widerworte: Der lernende Lehrer/Rede über den Standort/Rede vom Verlust

2000

Ohne Stimme. Reden zugunsten des Volkes der Roma und Sinti.

2007

Steine wälzen. Essays und Reden 1997-2007

2009

Als der Zug abfuhr. Rückblicke auf die Wende

Autobiographisches

1988

Zunge zeigen. Ein Tagebuch (Kalkutta-Buch)

1991

Vier Jahrzehnte. Ein Werkstattbericht

2001

Fünf Jahrzehnte. Ein Werkstattbericht

2006

Beim Häuten der Zwiebel. Ein Erinnerungsbuch

2008

Die Box. Dunkelkammergeschichten

2009

Unterwegs von Deutschland nach Deutschland. Tagebuch 1990

2010

Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung

2014

Sechs Jahrzehnte. Ein Werkstattbericht.

Werkausgaben

1987

Werke, hg. v. Volker Neuhaus, Darmstadt/Neuwied: Luchterhand (10 Bde.)

1997

Werke, hg. v. Volker Neuhaus und Daniela Hermes, Göttingen: Steidl (16 Bde.)

2002

Werke, hg. v. Volker Neuhaus und Daniela Hermes, Göttingen: Steidl (18 Bde.)

  


     

Günter Grass-Haus Lübeck

Medienarchiv Günter-Grass-Stiftung Bremen

Günter-Grass-Gesellschaft Gdansk

     

   

30.5.2015

  

  

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