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Jacob Grimm

vollst.: Jacob Ludwig Carl Grimm

Lebensdaten | Werk

Grimm-Texte im Netz
 


 
*
4. Januar 1785 Hanau

+ 20. September 1863 Berlin (Schlaganfall)

  

Grabstätte:

Berlin-Schöneberg, Alter St. Matthäus-Kirchhof (Ehrengrab neben dem seines Bruders Wilhelm)

 

    

 Stich von H. Biow/L. Sichling (1854)
 


 

Sammler, Sprachwissenschaftler, Volkskundler, Herausgeber; zusammen mit dem Bruder Wilhelm einer der Begründer der modernen Germanistik. Weltweit bekannt durch die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen (zusammen mit dem Bruder). Von großer wissenschaftlicher Bedeutung seine Deutsche Grammatik (historische Grammatik der germanischen Sprachen). Bedeutendstes Werk: das Deutsche Wörterbuch (etymologisch-historische Erläuterung des deutschen Wortschatzes bis zum Buchstaben F; zusammen mit dem Bruder; abgeschlossen erst 1961). Der wissenschaftlich Renommiertere der beiden Brüder.
   
Sohn des Justizamtmanns Philipp Wilhelm Grimm (1751-1796) und seiner Ehefrau Dorothea, geb. Zimmer (1755-1808); acht Geschwister (drei früh verstorben): Wilhelm (1786-1859), Carl Friedrich (1787-1852), Ferdinand (1788-1845), Ludwig Emil (Maler, 1790-1863), Charlotte (1793-1833). Beschränkte Verhältnisse nach dem frühen Tod des Vaters. Erster Unterricht durch den Stadtpräzeptor Zinkhan in Steinau.  - Lebenslange Wohn- und Publikationsgemeinschaft mit dem Bruder Wilhelm ("Brüder Grimm"):
"Wir wollen uns einmal nie trennen" (Jacob an Wilhelm, 12.7.1805).

Auszeichnungen (Auswahl)

1819

Ehrendoktorwürde der Universität Marburg

1828

Ehrendoktorwürde der Universität Berlin

1829

Ehrendoktorwürde der Universität Breslau

1841

Orden der französischen Ehrenlegion

1842

Orden Pour le mérite


Wichtige Lebensdaten:

1791

Vater wird Amtmann in Steinau; Übersiedlung der Familie von Hanau nach Steinau.

1796

10.1.: Tod des Vaters.

1798

Zusammen mit dem Bruder Wilhelm Besuch des Lyceum Fridericianum in Kassel (mit Unterstützung der Tante Henriette Zimmer).

1802

Aufnahme des Jurastudiums an der Universität Marburg. Wohnung: Barfüßerstr. 35

1803

Bruder Wilhelm ebenfalls an der Universität Marburg. Beide Schüler von Friedrich Karl von Savigny, dem Schwager Brentanos; Kontakt mit dem Kreis um Brentano.

1805

Frühjahr bis Herbst: Aufenthalt bei Savigny in Paris, um ihn bei seinen literarischen Arbeiten zu unterstützen. Entschluss, die Jurastudien aufzugeben und sich mit altdeutscher Litertur zu beschäftigen. - Mutter Grimm zieht von Steinau nach Kassel.

1806

Sekretär beim hessischen  Kriegskollegium in Kassel. Die Brüder beginnen mit dem Sammeln von Sagen und Märchen.

1807

Ausscheiden aus dem Amt während der französischen Okkupation. - Treffen mit v. Arnim und Brentano in Kassel. Mitarbeit am 2. und 3. Band von Des Knaben Wunderhorn.

1808

27.5.: Tod der Mutter. - Auf Empfehlung des Historikers Johannes von Müller Anstellung als Leiter der Privatbibliothek des Königs Jérôme in Kassel-Wilhelmshöhe.

1809

Staatsratsauditor (Beisitzer im Staatsrat): "alle Nahrungssorgen verschwanden." Ernährer der Familie.

1813

Völkerschlacht bei Leipzig: Rückkehr des hessischen Kurfürsten nach Kassel. 23.12.: Ernennung zum hessischen Legationssekretär.

1814

April: als Diplomat in Paris; Juli: Rückkehr nach Kassel. Zusammen mit der Schwester Charlotte und dem Bruder Wilhelm gemeinsame Wohnung am Wilhelmshöher Tor (bis 1822). Ab Sept. auf dem Wiener Kongress. 

1815

Wien; Sept. - Dez.: In diplomatischen Diensten wieder in Paris.

1816

Aufgabe der diplomatischen Laufbahn. April: Gesuch um die Erteilung der Hofarchivarienstelle wird abgelehnt, aber Ernennung zum Zweiten Bibliothekar an der Kurfürstlichen Bibliothek in Kassel (der Bruder Wilhelm ist dort seit 1814 Bibliothekssekretär).

1817

Reise nach Frankfurt und Heidelberg.

1822

Die Brüder müssen das Haus am Wilhelmshöher Tor räumen. Neue Wohnung in der Schönen Aussicht. - Die Schwester Charlotte heiratet den Gerichtsassessor Hans Daniel Hassenpflug.

1825

Heirat des Bruders Wilhelm mit Henriette Dorothea Wild. Die Wohngemeinschaft der Brüder bleibt erhalten. 

1829

Bei der Besetzung der vakanten Oberbibliothekarsstelle werden die Brüder zurückgesetzt. Ruf an Bibliothek und Universität Göttingen (Königreich Hannover). Ende des Jahres: Umzug nach Göttingen.

1830

Bibliothekar und ordentlicher Professor in Göttingen. Antrittsvorlesung: De desiderio patriae (Die Liebe zum Vaterland). - Nach wie vor häusliche Gemeinschaft mit Bruder, Schwägerin und deren heranwachsenden Kindern. Wohnung in der heutigen Goethe-Allee. Zum Bekannten- und Freundeskreis gehören der Historiker Dahlmann, die Juristen Hugo und Göschen, der Altertumsforscher K. O. Müller, die Rechtsgelehrten Blume und Albrecht, der Orientalist Ewald, der Theologe Lücke und der Literarhistoriker Gervinus.

1831

Forschungsreise nach Süddeutschland und in die Schweiz (Besichtigung der Bibliothek des Privatgelehrten Joseph von Laßberg).

1832

Forschungsreise nach Heidelberg und Frankfurt.

1833

Ernennung zum Hofrat.

1834

Forschungsreise nach Antwerpen, Brüssel, Gent und Paris. Nov.: Befreiung vom Bibliotheksdienst: Konzentration auf die Arbeit als Dozent und Forscher.

1837

Die Brüder Grimm unterzeichnen zusammen mit fünf weiteren Professoren einen Protest gegen den Verfassungsbruch des neuen Königs von Hannover, Ernst August II. ("Göttinger Sieben") und setzen damit ihre Existenz aufs Spiel: "Es gibt noch Männer, die auch der Gewalt gegenüber ein Gewissen haben." - 11.12.: Entlassung aus dem Staatsdienst. Jacob Grimm muss innerhalb von drei Tagen das Land Hannover verlassen. Unterkunft bei seinem Bruder Emil Ludwig in Kassel.

1838

Okt.: Erneute Wohngemeinschaft mit dem Bruder Wilhelm und der Schwägerin in der Schönen Aussicht (im gleichen Haus, in dem auch der Bruder Emil Ludwig mit seiner Frau wohnt). Plan zum Deutschen Wörterbuch. - Reise durch Sachsen, Franken und Thüringen (Fahrt mit der Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth).

1840

Bettina von Arnim, Savigny und Alexander von Humboldt setzen sich beim neuen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. für die Grimms ein. Nov.: Die Brüder nehmen den Ruf des preußischen Kultusministers an die Universität Berlin an. Sie teilen sich das Gehalt von 3000 Talern. Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

1841

März: Umzug nach Berlin. Wohnung in der Lennéstraße. 30.4.: Antrittsvorlesung an der Berliner Universität. - Berliner Bekanntenkreis u.a.: Bettina von Arnim, Lachmann, Eichhorn, Savigny, Ranke, Schelling, Rückert, Pertz (Historiker u. Bibliothekar), Rauch (Bildhauer).

1843

Italienische Reise (Genua, Rom, Neapel, Florenz, Mailand, Venedig).

1844

Reise nach Dänemark und Schweden (Kopenhagen, Stockholm, Uppsala).

1846

Leitung der ersten Germanistenversammlung in Frankfurt a. M. - Umzug der Brüder in die Dorotheenstraße.

1847

Leitung der zweiten Germanistenversammlung in Lübeck. - Wohnung in der Linkstraße. - Reise nach Wien und Prag.

1848

Wahl zum Abgeordneten im Frankfurter Parlament. Okt.: G. legt enttäuscht sein Mandat nieder; Rückkehr nach Berlin. Aufgabe der Dozententätigkeit zugunsten der Forschung.

1853

Reise nach Südfrankreich (Marseille), Rückreise über Venedig, Österreich, Prag.

1859

16.12.: Tod des Bruders Wilhelm

1863

Sommer: Erholungsreise in den Harz. 19.9.: Schlaganfall, rechtsseitige Lähmung. Tod am nächsten Tag.


Werke (Auswahl):

Sammlungen (zus. mit dem Bruder Wilhelm)

1812

Kinder- und Hausmärchen, 1. Bd.

1815

Kinder- und Hausmärchen, 2. Bd. 

1819-22

Kinder- und Hausmärchen (verm. Neuauflage; 3 Bde.)

1816

Deutsche Sagen, 1. Teil

1818

Deutsche Sagen, 2. Teil

Schriften

1808

Gedanken wie sich die Sagen zur Poesie und Geschichte verhalten

1811

Über den altdeutschen Meistergesang

1813

Gedanken über Mythos, Epos und Geschichte.

1815

Irmenstraße und Irmensäule

1820

Hausbüchel für unser Lebenlang

1828

Deutsche Rechts-Alterthümer

1835

Deutsche Mythologie

1838

Über meine Entlassung (Rechtfertigungssschrift)

1840

Weisthümer, 1. und 2. Teil
Sendschreiben an Karl Lachmann über Reinhart Fuchs

1842

Weisthümer, 3. Teil

Frau Aventiure klopft an Beneke's Tür
Über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des deutschen Heidenthums

1849

Über Marcellus Burdigalensis

1850

Über Schule, Universität, Academie
Über das Verbrennen der Leichen

1851

Rede auf Lachmann
Über den Liebesgott

1855

Über die Namen des Donners

1856

Über den Personenwechsel in der Rede

1858

Über einige Fälle der Attraction

1859

Rede auf Schiller

1863

Weisthümer, 4. Teil
Rede auf Wilhelm Grimm und Rede über das Alter

1866

Weisthümer, 5. Teil

1869

Weisthümer, 6. Teil

1878

Weisthümer, 7. Teil

Sprachwissenschaftliche Schriften

1819

Deutsche Grammatik, 1. Teil 

1826

Deutsche Grammatik, 2. Teil
Zur Recension der Deutschen Grammatik

1831

Deutsche Grammatik, 3. Teil 

1837

Deutsche Grammatik, 4. Teil 

1848

Geschichte der deutschen Sprache (2 Bde.)

1850

Das Wort des Besitzes. Eine linguistische Abhandlung

1851

Über den Ursprung der Sprache

1852

Über Frauennamen aus Blumen

1854

Deutsches Wörterbuch, 1. Bd. (A-Biermolke)

1858

Von Vertretung männlicher durch weibliche Namensformen

1860

Deutsches Wörterbuch, 2. Bd. (Biermörder-D) (zus. mit Wilhelm)

1862

Deutsches Wörterbuch, 3. Bd. (E-Forsche)

1878

Deutsches Wörterbuch, 4. Bd., 1. Abteilung

Editionen

1812

Die beiden ältesten deutschen Gedichte aus dem 8. Jh.: Das Lied von Hildebrand und Hadubrand u. das Weißenbrunner Gebet (zus. mit Wilhelm)

1813-16

Altdeutsche Wälder (zus. mit Wilhelm)

1815

Der arme Heinrich v. Hartmann von der Aue (zus. mit Wilhelm)

Lieder der alten Edda (zus. mit Wilhelm)

Silva de romances viejos

1830

Hymnorum veteris ecclesiae XXVI interpretatio Theodisca nunc primum edita

1834

Reinhart Fuchs

1835

Taciti Germania

1838

Lateinische Gedichte des X. und XI. Jahrhunderts (zus. mit Andreas Schmeller)

1840

Andreas und Elene (altengl. Gedicht von Cynewulf)

1844

Gedichte des Mittelalters auf König Friedrich I., den Staufer

Übertragungen

1824

Wuk Stephanowitsch: Kleine serbische Grammatik, verdeutscht

1826

Thomas Crofton Croker: Irische Elfenmärchen (zus. mit Wilhelm)

Werkausgabe

1864-90

Kleinere Schriften, hg. v. Karl Müllenhoff und Eduard Ippel, Berlin/Gütersloh: Dümmler/Bertelsmann (8 Bde.)

   


     

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