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Wilhelm Grimm

vollst.: Wilhelm Carl Grimm

Lebensdaten | Werk

Grimm-Texte im Netz
 


 
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24. Februar 1786 Hanau

+ 16. Dezember 1859 Berlin (infolge einer Karbunkel-Operation)

  

Grabstätte:

Berlin-Schöneberg, Alter St. Matthäus-Kirchhof (Ehrengrab neben dem seines Bruders Jacob)

 

    

Stich von H. Biow/L. Sichling (1854) 
 


   

Sammler, Sprachwissenschaftler, Volkskundler, Herausgeber; zusammen mit dem Bruder Jacob einer der Begründer der modernen Germanistik. Weltweit bekannt durch die Sammlung der Kinder- und Hausmärchen (zusammen mit dem Bruder), die er sprachlich bearbeitete und ab der zweiten Auflage allein herausgab. Im Mittelpunkt seiner Sammlertätigkeit steht neben den Märchen die altdeutsche Poesie. Wissenschaftlich bedeutendstes Werk: das Deutsche Wörterbuch (zusammen mit dem Bruder; etymologisch-historische Erläuterung des deutschen Wortschatzes bis zum Buchstaben F;  abgeschlossen erst 1961. W. bearbeitete den Buchstaben D).
     
Zweiter Sohn des Justizamtmanns Philipp Wilhelm Grimm (1751-1796) und dessen Ehefrau Dorothea, geb. Zimmer (1755-1808); acht Geschwister (drei früh verstorben): Jacob (1785-1863), Carl Friedrich (1787-1852), Ferdinand (1788-1845), Ludwig Emil (Maler, 1790-1863), Charlotte (1793-1833). Beschränkte Verhältnisse nach dem frühen Tod des Vaters. Erster Unterricht durch den Stadtpräzeptor Zinkhan in Steinau.  - Lebenslange Wohn- und Forschungsgemeinschaft mit dem Bruder Jacob ("Brüder Grimm"): "Wir wollen uns einmal nie trennen" (Jacob an Wilhelm, 12.7.1805). Immer wieder gesundheitliche Probleme.

 

1825

Heirat mit Henriette Dorothea Wild ("Dortchen", 1793-1867; Apothekerstochter). Kinder: Herman (1828-1901), Rudolf (1831-1889), Auguste (1832-1919)

Auszeichnungen (Auswahl)

1819

Ehrendoktorwürde der Universität Marburg


Wichtige Lebensdaten:

1791

Vater wird Amtmann in Steinau; Übersiedlung der Familie von Hanau nach Steinau.

1796

10.1.: Tod des Vaters.

1798

Zusammen mit dem Bruder Jacob Besuch des Lyceum Fridericianum in Kassel (mit Unterstützung der Tante Henriette Zimmer).

1803

Aufnahme des Jura-Studiums an der Universität Marburg, wo der Bruder Jacob bereits seit dem Vorjahr studiert. Gemeinsame Wohnung: Barfüßerstr. 35. Beide Schüler von Friedrich Karl von Savigny, dem Schwager Brentanos; Kontakt mit dem Kreis um Brentano.

1805

Mutter Grimm zieht mit ihren anderen Kindern von Steinau nach Kassel.

1806

Juristische Staatsprüfung. Die Brüder beginnen mit dem Sammeln von Sagen und Märchen.

1807

Treffen mit v. Arnim und Brentano in Kassel. Mitarbeit am 2. und 3. Band von Des Knaben Wunderhorn.

1808

27.5.: Tod der Mutter.

1809

Gesundheitliche Probleme. Kur in Halle, wo ihn Brentano besucht. Mit Brentano nach Berlin zu Arnim. Nov.: Heimreise; unterwegs Besuch bei Goethe in Weimar.

1810

In Kassel wieder mit dem Bruder vereint.

1813

Bekanntschaft mit den Schwestern Jenny und Annette von Droste-Hülshoff. Unerfüllte Liebesbeziehung mit Jenny, Brieffreundschaft.

1814

Stellung als Bibliothekssekretär an der Kurfürstlichen Bibliothek. Zusammen mit der Schwester Charlotte und dem Bruder Jacob gemeinsame Wohnung am Wilhelmshöher Tor. Jacob in diplomatischem Dienst in Paris und Wien.

1816

Jacob wird als Zweiter Bibliothekar Kollege seines Bruders an der Kurfürstlichen Bibliothek.

1822

Die Brüder müssen das Haus am Wilhelmshöher Tor räumen. Neue Wohnung in der Schönen Aussicht. - Die Schwester Charlotte heiratet den Gerichtsassessor Hans Daniel Hassenpflug.

1825

15.5.: Heirat mit Henriette Dorothea Wild. Die Wohngemeinschaft der Brüder bleibt erhalten.

1826

Der Sohn Jacob stirbt bald nach der Geburt.

1828

Geburt des Sohnes Herman (des späteren Kunst- und Literarhistorikers, +1901).

1829

Bei der Besetzung der vakanten Oberbibliothekarsstelle werden die Brüder zurückgesetzt. Ruf an die Bibliothek (für den Bruder zusätzlich an die Universität) Göttingen (Königreich Hannover). Ende des Jahres: Umzug nach Göttingen.

1830

Bibliothekar in Göttingen. Nach wie vor häusliche Gemeinschaft mit dem Bruder (Wohnung in der heutigen Goethe-Allee). Zum Bekannten- und Freundeskreis gehören der Historiker Dahlmann, die Juristen Hugo und Göschen, der Altertumsforscher K. O. Müller, die Rechtsgelehrten Blume und Albrecht, der Orientalist Ewald, der Theologe Lücke und der Literarhistoriker Gervinus.

1831

Geburt des Sohnes Rudolf. - Schwere Lungenentzündung.

1832

Geburt der Tochter Auguste. 

1833

Schwere Erkrankung der Ehefrau. Tod der Schwester Charlotte.

1834

Okt.: schwere Herzkrankheit.

1835

Ordentlicher Professor.

1837

Die Brüder Grimm unterzeichnen zusammen mit fünf weiteren Professoren einen Protest gegen den Verfassungsbruch des neuen Königs von Hannover, Ernst August II. ("Göttinger Sieben") und setzen damit ihre Existenz aufs Spiel. 11.12.: Entlassung aus dem Staatsdienst; der Bruder wird des Landes verwiesen.

1838

Okt.: Umzug nach Kassel. Erneute Wohngemeinschaft mit dem Bruder Jacob in der Schönen Aussicht (im gleichen Haus, in dem auch der Bruder Emil Ludwig mit seiner Frau wohnt). Plan zum Deutschen Wörterbuch.

1840

Bettina von Arnim, Savigny und Alexander von Humboldt setzen sich beim neuen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. für die Grimms ein. Nov.: Die Brüder nehmen den Ruf des preußischen Kultusministers an die Universität Berlin an. Sie teilen sich das Gehalt von 3000 Talern. Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 

1841

März: Umzug nach Berlin. Wohnung in der Lennéstraße. - Berliner Bekanntenkreis u.a.: Bettina von Arnim, Lachmann, Eichhorn, Savigny, Ranke, Schelling, Rückert, Pertz (Historiker u. Bibliothekar), Rauch (Bildhauer).

1842

Lebensgefährliche Erkrankung.

1846

Umzug der Brüder in die Dorotheenstraße.

1847

Wohnung in der Linkstraße.

1852

Aufgabe der Lehrtätigkeit, Konzentration auf die Forschung.

1859

Erkrankung an einem Karbunkel, chirurgischer Eingriff, hohes Fieber, Atemlähmung. 16.12., 15 Uhr: Tod im Kreise seiner Angehörigen.


Werke (Auswahl):

Sammlungen (zus. mit dem Bruder Jacob)

1812

Kinder- und Hausmärchen, 1. Bd.

1815

Kinder- und Hausmärchen, 2. Bd.

1816

Deutsche Sagen, 1. Teil

1818

Deutsche Sagen, 2. Teil

Abhandlungen

1820

Die altnordische Literatur in der gegenwärtigen Periode

1821

Über deutsche Runen

1828

Zur Literatur der Runen

1829

Bruchstücke aus einem Gedichte von Assundin

Die deutsche Heldensage

1843

Die Sage vom Ursprung der Christusbilder

1848

Über die Bedeutung der deutschen Fingernamen

1851

Über Freidank. Nachträge

1852

Zur Geschichte des Reims

1855

Über Freidank. 2. Nachtrag

Thierfabeln bei den Meistersängern

1857

Die Sage von Polyphem

Wörterbuch

1860

Deutsches Wörterbuch, 2. Bd. (Buchstaben D)

Editionen

1812

Die beiden ältesten deutschen Gedichte aus dem 8. Jahrhundert: Das Lied von Hildebrand und Hadubrand und das Wessobrunneer Gebet (zus. mit  Jacob Grimm)

1813

Drei altschottische Lieder in Original und Übersetzung

1815

Der Arme Heinrich von Hartmann von der Aue (zus. mit Jacob Grimm)

Lieder der alten Edda (zus. mit Jacob Grimm)

1828/1844

Grâve Rudolf/Graf Rudolf. Ein altdeutsches Gedicht

1830

De Hildebrando. Antiquissimi carminis teutonici fragmentum

1834/1860

Vrîdankes Bescheidenheit/Freidank

1836

Der Rosengarte

1838

(Pfaffe Konrad:) Ruolandes liet

1839

Wernher vom Niederrhein

1839-48

Ludwig Achim von Arnim's sämmtliche Werke (22 Bde.)

1840

Konrads von Würzburg Goldene Schmiede

1841

Konrads von Würzburg Silvester

1846/52

Athis und Prophilias (2 Bde.)

1851/52

Altdeutsche Gespräche (2 Teile)

1860

Bruchstücke aus einem unbekannten Gedicht vom Rosengarten

Übertragungen

1811

Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen

1813

Drei altschottische Lieder in Original und Übersetzung

1826

Irische Elfenmärchen (Thomas Crofton Croker; zus. mit Jacob Grimm)

Werkausgabe

1881-87

Kleinere Schriften, hg. v. G. Hinrichs, Berlin/Gütersloh: Dümmler/Bertelsmann (4 Bde.)

  


    

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15.5.2015

       

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