Hans Jakob
Christoffel von Grimmelshausen
Lebensdaten Werk
*1622 (1621?) Gelnhausen (Hessen) +17. August 1676 Renchen (Baden) |
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Geboren in der lutherischen
Reichsstadt Gelnhausen; Sohn des Gastwirts Johann Christoph von Grimmelshausen. Verliert
früh den Vater, wird wahrscheinlich vom Großvater, dem Bäcker Melchior Christoph G.,
aufgezogen; besucht die Lateinschule in Gelnhausen und gerät durch die Wirren des
Dreißigjährigen Kriegs in ein abenteuerliches Soldaten- und Wanderleben; dient als
Regimentsschreiber und Kanzleisekretär.
G. beginnt erst in den Vierzigern mit der Schriftstellerei. (Anagrammatisch
verschlüsselte) Pseudonyme: German Schleifheim von Sulsfort, Erich Stainfels von
Grufensholm, Philarchus Grossus von Trommenheim, Simon Lengfrisch von Hartenfels, Melchior
Sternfels von Fuchshaim u.a.
1649 |
Heirat mit Catharina Henninger; 10 Kinder (* zw. 1650 und 1669) |
Wichtigster deutscher Erzähler des 17. Jhs. Der von unmittelbarem eigenen Erleben inspirierte Schelmenroman Simplicissimus ist der erste deutsche Prosaroman von Weltgeltung: Zeitroman mit abenteuerlichem Inhalt, derb-drastischer Sprache, voll von hintergründigem Humor; zusammen mit einer langen Reihe "simplicianischer Schriften" sehr erfolgreich. Daneben Romane im höfischen Stil. G. ist Moralsatiriker, versucht nützliches Wissen zu vermitteln, schaut dem Volk aufs Maul.
wichtige Lebensdaten:
(für die ersten zwanzig Lebensjahre ist man in Ermangelung überlieferten dokumentarischen Materials auf die autobiographischen Züge des "Simplicissimus" und Anspielungen in den anderen Werken angewiesen)
1634 |
Zerstörung Gelnhausens durch kroatische Truppen der spanischen Armee: entscheidende Lebenswendung. |
1635 |
Verschleppung durch kroatische Soldaten ins Stift Hersfeld; Gefangennahme durch hessische Truppen und Überführung nach Kassel gebracht. |
1636 |
Trossbub auf kaiserlicher Seite; Teilnahme an der Belagerung von Magdeburg und der Schlacht bei Wittstock. |
1637-38 |
G. schließt sich in Westfalen dem Leibdragonerregiment des Feldmarschalls Hans Grafe von Götz an; macht die Schlacht bei Wittenweil mit. |
1638 |
Zum Entsatz Breisachs am Oberrhein. |
1639-49 |
Im Regiment des kaiserlichen Obersten Freiherrn Hans Reinhard von Schauenburg (stationiert in Offenburg) bringt es der Musketier G. zum Regimentsschreiber; später Regimentssekretär von dessen Schwager von Elter. |
1649 (?) |
Konversion zum Katholizismus, um Catharina Henninger (Tochter eines Wachtmeisterleutnants) zu heiraten. |
1649-60 |
Aufgabe der militärischen Laufbahn: als "Schaffner" für die Finanzgeschäfte seines ehemaligen militärischen Vorgesetzten Hans Reinhard von Schauenburg und dessen Vetter Carl Bernhard von Schauenburg in Gaisbach bei Oberkirch im Schwarzwald; Pferdehandel und Weinbau verschaffen G. die Mittel, ein Grundstück samt Haus zu erwerben; er betreibt die Wirtschaft Zum silbernen Stern. |
1662-65 |
Burgvogt auf der benachbarten Ullenburg in Diensten des Straßburger Arztes Johannes Küeffer; G. kommt mit den Straßburger literarischen Strömungen in Berührung. |
1665 |
Rückkehr nach Gaisbach, wo er wieder eine Wirtschaft Zum silbernen Stern betreibt. |
1667 |
G. bewirbt sich mit Erfolg um die Stelle eines Schultheißen des Straßburger Bischofs in der Marktgemeinde Renchen; umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit. |
1674-75 |
Im Verlauf des franz.-niederl. Kriegs ziehen nacheinander kaiserlich-lothringische, brandenburgische und französische Truppen unter Turenne durch Renchen; die Mobilmachung der Waffenfähigen wird angeordnet; dem neuerlichen Kriegseinsatz gegen Frankreich kommt wohl der Tod zuvor. |
Romane
1667 |
Exempel Der unveränderlichen Vorsehung Gottes / Unter einer anmutigen und ausführlichen Histori vom Keuschen Joseph in Egypten (biblisch-heroischer Roman) |
1668 |
Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch / Das ist: Die Beschreibung deß Lebens eines seltzamen Vaganten / genant Melchior Sternfels von Fuchshaim / wo und welcher gestalt Er nemlich in diese Welt kommen / was er darinn gesehen / gelernet / erfahren und außgestanden / auch warumb er solche wieder freywillig quittirt. Überauß lustig / und männiglich nutzlich zu lesen / An Tag geben von German Schleifheim von Sulsfort (5 Bücher) |
1669 |
Continuatio des abentheurlichen Simplicissimi Oder Der Schluß desselben (= 6. Buch) |
1670 |
Trutz
Simplex: Oder Ausführliche und wunderseltzame Lebensbeschreibung Der Ertzbetrügerin und
Landstörtzerin Courasche |
1672 |
Des Durchleuchtigen Printzen Proximi und Seiner ohnvergleichlichen Lympidae Liebs-Geschicht-Erzehlung (religiös-christl. Roman) |
1672/75 |
Das wunderbarliche Vogel-Nest (2 Teile) |
1667 |
Satyrischer Pilgram (Moralsatire) |
1670 |
Der
erste Beernhäuter (Märchen) |
1672 |
Des
Abenteuerlichen Simplicii Verkehrte Welt (Satire) |
1673 |
Simplicissimi
Galgenmännlin |
Kalenderschriften
1669-74 |
Europäischer Wundergeschichten-Calender |
1671 |
Des Abenteuerlichen Simplicissimi Ewig-währender Calender |
Schriften
1670 |
Simplicianischer Zweyköpffiger Ratio Status (antimachiavellistische Schrift) |
1671 |
Deß Weltberufenen Simplicissimi Pralerey und Gepräng mit seinem Teutschen Michel (krit. Beitrag zur zeitgenössischen Sprachdiskussion) |
Ausgaben
1683-84 |
Der Aus dem Grab der Vergessenheit wieder erstandene Teutsche Simplicissimus, Nürnberg (3 Bde.; Sammelausgabe) |
1967-76 |
Gesammelte Werke in Einzelausgaben, hg. v. Rolf Tarot, Tübingen (13 Bde.) |