Andreas Gryphius
eigentl.: Andreas Greif(f)
Lebensdaten | Werk | Textbeispiel
| externer Link
*2. Oktober 1616 Glogau |
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Sohn des Archidiakons der lutherischen Kirche Paul Greif (+1621) und seiner Frau Anna, geb. Erhard (+1628). Jugend geprägt durch Kriegswirren, Konfessionsstreitigkeiten und persönliche Schicksalsschläge, die eine kontinuierliche Ausbildung verhindern. Seine außergewöhnliche Begabung (er soll 11 Sprachen beherrscht haben) ermöglicht es ihm trotzdem, sich eine auf der Höhe der Zeit stehende Bildung anzueignen.
1649 |
Heirat mit der Kaufmannstochter Rosine Deutschländer; 7 Kinder: 4 sterben früh; Christian (1649-1706; Gelehrter und Dichter; gibt 1698 das Werk seines Vaters heraus); Daniel (1663-1687 + in Neapel); Anna Rosina erkrankt mit 5 Jahren an Kinderlähmung (+ mit 44 Jahren im Hospital). |
Lyriker und Dramatiker. Bedeutendster deutscher Barockdichter. Eindringlicher Schilderer irdischer Eitelkeit und Vergänglichkeit (vanitas), Hinweis auf erlösendes Jenseits. Erster deutscher Dramatiker, der sich mit ausländischen Bühnendichtern vergleichen lässt.
1621 |
5.12.: Tod des Vaters; Einschulung im Glogauer evangelischen Gymnasium. |
1622 |
Wiederverheiratung der Mutter mit Michael Eder, Magister am Glogauer evangelischen Gymnasium. |
1628 |
Tod der Mutter; Übersiedlung zum Stiefvater Michael Eder, der inzwischen In Driebitz eine Pfarrstelle versieht. |
1631 |
Wegen der Kriegswirren keine Möglichkeit zum Schulbesuch in Görlitz; beim Stiefbruder Paul (Pfarrer) in Rückersdorf; dann Glogau. |
1632 |
Gymnasium in Fraustadt, wo Eder inzwischen als Pfarrer wirkt. Die erste größere Dichtung entsteht. |
1634-36 |
Akademisches Gymnasium in Danzig; Präzeptor im Haus eines polnischen Admirals; G. kommt in Berührung mit der neuen deutschen Dichtung. |
1636 |
Febr: wieder in Fraustadt; "Ephorus" für die Kinder des Rechtsgelehrten und Gutsbesitzers Georg Schönborner in der Nähe von Freistadt. |
1637 |
Adelstitel, Magisterwürde, Krönung zum "poeta laureatus" durch Schönborner; Dez.: Tod Schönborners. |
1638-44 |
Studium an der Universität Leiden als Begleiter der Schönborner-Söhne; Studienfächer u.a. Philosophie, Anatomie, Jurisprudenz. G. hält bald auch selbst Kollegs (Repetierkurse?) ab. Freundschaft mit dem Landsmann Christian Hofmann von Hofmannswaldau. Einfluss der holländischen Jahre auf den späteren Dramendichter (Joost van den Vondel). |
1640 |
Tod des Stiefbruders Paul. |
1640-41 |
Schwere Erkrankung. |
1644-46 |
Als Begleiter des Stettiners Wilhelm Schlegel Reise durch Frankreich (Paris, Marseille) und Italien; Florenz, Rom (Begegnung mit Athanasius Kircher), Ferrara, Venedig.. |
1647 |
Straßburg; Heimreise über Leiden, Stettin nach Fraustadt (Nov.); G. lehnt Berufungen an die Universitäten Frankfurt (als Professor der Mathematik), Heidelberg und Uppsala ab.. |
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1648 |
Nov.: Verlobung. |
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1649 |
12.1.: Heirat. |
1650 |
Syndicus in Glogau (Rechtsberater der Landstände). |
1653ff. |
Häufige Reisen nach Breslau. |
1656 |
Pestepidemie; G. zieht vorübergehend auf das Landgut seines Freundes und früheren Schülers Johann Christoph Schönborner. |
1658 |
Dez.: G. seziert in Breslau eine Mumie. |
1662 |
Aufnahme in den "Palmenorden" (= "Fruchtbringende Gesellschaft"; bedeutendste Sprachgesellschaft) mit dem Beinamen "Der Unsterbliche". |
1664 |
Tod während einer Sitzung der Glogauer Landstände. |
1698 |
Christian G. gibt die gesammelten Werke heraus. |
Werke:
(e = entstanden; a =
Uraufführung)
Lyrik
1637 |
Sonnete (Lissaer Sonettbuch) |
1639 |
Son- undt Feyrtags-Sonnete |
1643 |
Sonnete. Das erste Buch |
1643 |
Oden. Das erste Buch |
1643 |
Epigrammata Oder Bey-Schrifften (1. Buch) |
1650 |
Teutsche Reim-Gedichte (Sammlung: 2 Oden-, 3 Sonettbücher; 2. Buch Oden) |
1652 |
Thränen über das Leiden Jesu Christi (= 4. Buch Oden) |
1657 |
Andreae Gryphii Deutscher Gedichte Erster Theil (2., 3. u. 4. Buch Sonette; 3. u. 4. Buch Oden) |
1657 |
Kirchhoffs-Gedancken |
1663 |
Epigramme (3 Bücher) |
1698 |
Gedichte aus dem Nachlaß (Sonette, Geistliche Lieder, Begräbnis-Gedichte, Hochzeit-Gedichte, Vermischte Gedichte) |
1650 |
Leo Armenius Oder Fürsten-Mord (Trauerspiel) |
1657 |
Catharina von Georgien. Oder Bewehrete Beständigkeit (Trauerspiel) |
1657 |
Cardenio und Celinde Oder Vnglücklich Verliebete (Trauerspiel) |
1657 |
Ermordete Majestät. Oder Carolus Stuardus König von Groß Britannien (Trauerspiel) |
1657 (1658?) |
Absurda Comica. Oder Herr Peter Squentz ("Schimpff-Spiel"; Komödie) |
1657 |
Majuma ("Freuden-Spiel") |
1659 (1658 a) |
Großmütiger Rechts-Gelehrter Oder Sterbender Aemilius Paulus Papinianus (Trauerspiel) |
1660 |
Verlibtes Gespenste ("Gesang-Spil")/Die gelibte Dornrose ("Schertz-Spil") |
1663 |
Horribilicribrifax. Teutsch (Komödie) |
1698 (1660 e) |
Piastus ("Lust- und Gesangspiel") |
1637 |
Fewrige Freystadt (Bericht über den Brand Freistadts) |
1662 |
Mumiae Wratislavienses (Beschreibung einer Mumiensektion) |
1666 |
Dissertationes Funebres. Oder Leich-Abdanckungen (Leichenreden) |
Lateinische Epen
1634 |
Herodis Furiae et Rachelis lachrymae |
1635 |
Dei Vindicis Impetus et Herodis Interitus |
1636 |
Parnassus renovatus |
1646 |
Olivetum Libri tres |
1657 |
Causinus: Beständige Mutter Oder Die Heilige Felicitas (Märtyrertragödie) |
1663 |
H. Razzi: Seug-Amme oder untreues Gesind (La balia; "Lust-Spiel") |
1663 |
R. Baker: Betrachtungen über Das Gebett des Herren (Meditations and Disquisitions upon the Lords Prayer) |
1687 |
R. Baker: Betrachtungen der 1. Sieben Buß-Psalm |
1698 |
Vondel: Die Sieben Brüder Oder Die Gibeoniter (De Gebroeders) |
Internationale Gryphius-Gesellschaft
| Es ist alles
eitel.
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit
auf Erden. Was jetzund prächtig blüht, soll bald
zertreten werden; Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum
vergehn. Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten,
Staub und Wind,
|
Menschliches
Elende.
Was sind wir Menschen doch? Ein Wohnhaus
grimmer Schmerzen, Dies Leben fleucht davon wie ein
Geschwätz und Scherzen. Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der
Acht hinfällt Was itzund Atem holt, muß mit der Luft
entfliehn, |
| Abend.
Der schnelle Tag ist hin; die Nacht
schwingt ihre Fahn Der Port naht mehr und mehr sich zu der
Glieder Kahn. Laß, höchster Gott, mich doch nicht auf
dem Laufplatz gleiten! Laß, wenn der müde Leib entschläft,
die Seele wachen, |
Thränen des
Vaterlandes. Anno 1636. Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn
gantz verheeret! Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist
umgekehret. Hir durch die Schantz und Stadt rinnt
allzeit frisches Blut. Doch schweig ich noch von dem, was ärger
als der Tod, |
(update: 02.08.2007)