Johann Christian Günther
Lebensdaten Werk


*8. April 1695 Striegau/Schlesien

+15. März 1723 Jena (Tuberkulose)

begraben: Jena, Friedhof vor dem Johannistor (Grab unbek.)


Stich von J. D. Philipp

Sohn des Arztes Johann Günther; aus ärmlichen Verhältnissen; vom Vater ebenfalls zum Arzt bestimmt; verbummelter Student, der es nicht zu einer bürgerlichen Existenz bringt; insofern zwar einer der ersten freien Schriftsteller, aber zeitlebens auf der (vergeblichen) Suche nach Förderern.

Lyriker; etwa 600 Gedichte, ein Drama.
  Nach seinem Tod rasch Legendenbildung: G. als Opfer seiner Unangepasstheit; das Urteil Goethes prägte lange sein Bild (Paradebeispiel eines "verkommenen Genies": "Er wußte sich nicht zu zähmen, und so zerrann ihm sein Leben wie sein Dichten". Dagegen Klabund (1920): "Was wäre der Sturm und Drang ohne Günther? Was Goethe ohne Günther geworden? Er war sein Vorläufer [...]. Wie in Frankreich der Vagant François Villon, so steht in Deutschland der ahasverische Wanderer Johann Christian Günther, Student und Vagabund, der Unstete, der Schweifende, am Anfang der neuen Dichtung." - "Einer der Großen, denen die Welt das Rückgrat zu brechen pflegt" (Hans Henny Jahnn).
  In barocker Tradition stehender genialer Vorläufer der Lyrik der Empfindsamkeit und des jungen Goethe: erstmals Bekenntnis- und Erlebnislyrik (Liebes-, Studentenlieder, Klagegedichte) neben Gelegenheitsdichtung. Leiden am Ich, Unbedingtheit des Gefühls.


wichtige Lebensdaten:

1710-15

Gnadenschule (Gymnasium) in Schweidnitz.

1715

Verlobung mit der Liebe seines Lebens: Magdalena Eleonore Jachmann ("Lenore"); Immatrikulation an der Universität Frankfurt/Oder; danach Student der Medizin an der Universität Wittenberg. Bohemien, Lebensunterhalt durch Gelegenheitsdichtung. Zerwürfnis mit dem Vater.

1716

Apr.: G. lässt sich an der Universität zum Poeta laureatus Caesareus gekrönt; Verschuldung für die damit verbundenen Aufwendungen.

1717

Mai: Schuldgefängnis; muss Wittenberg verlassen; endgültiger Bruch mit dem Vater; Juni: Übersiedlung nach Leipzig.

1718

Schreibt sich erst jetzt an der Universität Leipzig ein; Bemühen um einen Mäzen.

1719

Bewerbung um eine Stelle als Gehilfe des Hofpoeten am Dresdner Hof Augusts des Starken scheitert aufgrund eines (nicht näher bekannten) Skandals. Rückkehr nach Schweidnitz; unstetes Wanderleben auf der Suche nach Förderern; in Breslau Wiedersehen mit Lenore.

1720

Auf dem Weg zurück nach Leipzig krank und mittellos auf dem Siechenlager im Armenhaus von Lauban.

1721

Versuch, sich eine Existenz als Landarzt in Kreuzburg (Oberschlesien) aufzubauen; Febr.: Verlobung mit der Pfarrerstochter Johanna Barbara Littmann ("Phillis"); Bedingung: Abschluss des Medizinstudiums und Versöhnung mit dem Vater; Mai: Rückkehr nach Striegau; Versöhnung mit dem Vater scheitert.

1722

Okt.: Wanderung nach Jena.


Werke:
(e = entstanden; a =
Uraufführung)

Drama

1727
(1715 a)

Die von Theodosio bereute und von der Schuljugend vor Schweidnitz d. 24. Septembr. Anno 1715 vorgestellte Eifersucht (Trauerspiel)

Lyrik

1718

Auf den zwischen Ihrer Röm. Kays. Majest. und der Pforte geschlossenen Frieden, 1718 (Ode auf den Frieden von Passarowitz)

Ausgaben

1724

Sammlung von J. C. Günthers aus Schlesien, theils noch nie gedruckten, theils schon herausgegebenen deutschen und lateinischen Gedichten, hg. v. Gottfried Fessel, Frankfurt/M./Leipzig (4 Bde.)

1727

Zweyte Fortsetzung oder Dritter Theil Der Sammlung von Johann Christian Günthers [...] Teutschen Gedichten, Frankfurt/M./Leipzig

1735

Sammlung von J. C. Günthers aus Schlesien bis anhero edirten deutschen und lateinischen Gedichten, Auf das neue übersehen, Wie auch in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet, hg. v. Gottfried Fessel, Breslau/Leipzig

1930-37

Sämtliche Werke. Hist.-krit. Gesamtausgabe, hg. v. Wilhelm Krämer, Leipzig (6 Bde.)

1957

Werke in einem Band, hg. v. Hans Dahlke, Weimar

1981

Gesammelte Gedichte, hg. v. Herbert Heckmann, München/Wien


 

Abschiedsaria
Schweig du doch nur, du Hälfte meiner Brust;
Denn was du weinst, ist Blut aus meinem Herzen
Ich taumle so und hab an nichts mehr Lust
Als an der Angst und den getreuen Schmerzen,
Womit der Stern, der unsre Liebe trennt,
Die Augen brennt.
...
Trostaria
Endlich bleibt nicht ewig aus,
Endlich wird der Trost erscheinen,
Endlich grünt der Hoffnungsstrauß,
Endlich hört man auf zu weinen,
Endlich bricht der Tränenkrug,
Endlich spricht der Tod: Genug!
...

 

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