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Karl Gutzkow

vollst.: Karl Ferdinand G.

Lebensdaten | Werk

Gutzkow-Texte im Netz
 


 
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17. März 1811 Berlin
 

+ 16. Dezember 1878 Frankfurt/M. (Folgen eines Schwelbrandes)

    

Grabstätte: Frankfurt, Hauptfriedhof

 

 

     

   


     

»Das ganze Leben Gutzkows ist ein Gewirr von Kampf und Polemik.« (H. H. Houben, 1908)

    

Publizist, Dramatiker, Erzähler. Im 19. Jh. berühmt und einflussreich als streitbarer und umstrittener Publizist und als Verfasser populärer Lustspiele und bedeutender Zeitromane (Skandalroman Wally, die Zweiflerin). Nach dem Ersten Weltkrieg in Vergessenheit geraten. Heute allgemein mehr oder weniger nur noch als Wortführer des Jungen Deutschland bekannt; allerdings wieder zunehmendes Interesse in den letzten Jahren (Wiederentdeckung durch Arno Schmidt).

»Schlüsselfigur der deutschen Literatur zwischen Julirevolution und Gründerzeit« (E. Sagarra). Führender Kritiker seiner Zeit (Einsatz für Büchner und die Droste). Betont die sozialreformerische Aufgabe der Literatur: Darstellung der neuen liberalen Ideen im Roman (Blendlaterne des Ideenschmuggels): Wir wollen neue poetische Position, aber weder die blaue Blume, noch die Ironie noch die Manie für die alte Literaturgeschichte. In seinem Bestreben, das wirkliche Leben abzubilden, kann G. als Vorläufer des Naturalismus gelten.

    
Sohn des Reitknechts und Stallmeisters am preußischen Hof Karl August Gutzkow (1777-1845) und seiner Frau Sophie Charlotte, geb. Berg (+1845). Zwei ältere Geschwister: August (*1799) und Caroline (1802-1856). Aufgewachsen unter  kümmerlichen Verhältnissen in einer winzigen Dienstwohnung gegenüber dem Universitätsgarten.

Provozierende und polemisierende Persönlichkeit von krankhafter Reizbarkeit (überwirft sich mit Menzel, Börne, Heine, Freytag, Hebbel). Wegen Gotteslästerung, Verächtlichmachung des christlichen Glaubens und »Darstellung unzüchtiger Gegenstände« zehn Wochen im Mannheimer Gefängnis. Mit der bestbezahlte Schriftsteller seiner Zeit, dennoch in permanenter Geldnot. Vereinsamung in den letzten Lebensjahren, Verfolgungswahn, mehrere Selbstmordversuche.

   

1836

Eheschließung mit Amalie Klönne (1817-1848); 3 Söhne: Hermann (1837-1909), Fritz (*1839), Emil (1842-1920)

1849

Zweite Ehe mit Bertha Meidinger (1827-1909; Kusine der ersten Frau); 3 Töchter: Clara (1850-1939), Selma (1852-1932), Elisabeth (*1857)

Auszeichnung

1854

Ritterkreuz des Falkenordens 1. Klasse des Großherzogtums Weimar


 

Wichtige Lebensdaten:

1818

Besuch der Klippschule von Johann C. Schubert: neben Lesen, Schreiben, Rechnen Vermittlung erster Latein- und Französischkenntnisse.

1821-29

Besuch des Friedrichs-Werderschen Gymnasiums.

1829

Zum Sommersemester Immatrikulation an der Berliner Universität: Philosophie, Theologie, Jura.

1830

Auszeichnung für die akademische Preisarbeit De diis fatalibus. - Politisierung aufgrund der Nachrichten von der Juli-Revolution in Paris. Erste Begegnung mit der späteren Verlobten, der 17-jährigen Rosalie Scheidemantel.

1831-32

Aufgabe der theologischen Laufbahn. Gründung der Zeitschrift Forum der Journal-Litteratur, die Wolfgang Menzel auf ihn aufmerksam macht. Aufenthalt bei Menzel in Stuttgart.

1831-34

Mitarbeit an Menzels Literatur-Blatt.

1832

Promotion zum Dr. phil. als Externer an der Universität Jena. Zum Wintersemester Immatrikulation an der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg.

1833

Fortsetzung des Jura-Studiums in München. Aug./Sept.: zusammen mit Heinrich Laube nach Österreich (Zusammentreffen mit Grillparzer) und Norditalien (Venedig, Triest). Rückreise über Wien, Prag und Dresden. Entschluss zur freien Schriftstellerexistenz.

1834

Aufenthalte in Leipzig, Berlin, Hamburg und Stuttgart. Tätigkeit für die Augsburger Allgemeine Zeitung. Verhältnis zu Menzel verschlechtert sich. - Trennung von der Verlobten Rosalie Scheidemantel (Vorwurf: "Gottesleugner"). 

1835

Frankfurt. Redakteur des Literatur-Blatts zum Phönix. Gutzkows Bekanntheitsgrad steigt. - Sommer: erste Begegnung mit Amalie Klönne. - Sept.: Menzels Verriss der Wally; Duellforderung Gutzkows wird von Menzel abgelehnt. 24. Nov.: Verweigerung des Frankfurter Bürgerrechts. 30. Nov.: Festnahme in Mannheim; Vorwurf der Pornographie und Gotteslästerung im Roman Wally, die Zweiflerin. 10. Dez.: Der deutsche Bundestag verpflichtet alle deutschen Regierungen, die Verbreitung der Werke des Jungen Deutschland zu unterbinden.

1836

Jan.: Verurteilung zu einer einmonatigen Gefängnisstrafe. 10.2.: Abschiebung aus Baden; wieder in Frankfurt. Juli: Heirat, damit verbunden Erwerb des Frankfurter Bürgerrechts; Wohnung in der Bleichstraße.

1837

Herausgabe der Zeitschrift Frankfurter Telegraph. Apr.: Geburt des Sohnes Hermann. Okt.: Reise nach Berlin (Varnhagen van Ense, Bettine v. Arnim); Nov.: Hamburg.

1838

Wohnsitz in Hamburg. G. holt Frau und Kind nach Hamburg.

1838-43

Herausgabe der Zeitschrift Telegraph für Deutschland.

1839

Apr.: Geburt des Sohnes Fritz. Bekanntschaft mit Hebbel.

1841

März: Geburt des Sohnes Emil. Mai-Juni: Berlin. Okt.: Erste Begegnung mit Therese von Bacheracht, die Freundin und Geliebte wird.

1842

März/Apr.: Paris-Aufenthalt, Begegnung mit George Sand. Nov.: Umzug von Hamburg nach Frankfurt/M.

1843

Frühjahr: Aufenthalt in Oberitalien (Mailand, Comer See). Zensurverfügung gegen Gutzkow wird vom preußischen König aufgehoben.

1845

Mai: Reise nach Wien (Audienz bei Metternich); anschließend in der Schweiz. Juni: Tod des Vaters, dann der Mutter.

1846

März-Apr.: Paris. Okt.: Anstellung als Dramaturg an der Dresdener Hofbühne.

1847

Wohnsitz in Dresden; März: G. holt die Familie nach Dresden.

1848

April: Tod der Gattin nach einer Fehlgeburt. Nov.: Bruch mit der Freundin Therese von Bacheracht.

1849

Juni: G. wird an der Hofbühne gekündigt. - Sept.: Eheschließung mit Bertha Meidinger.

1850

Geburt der Tochter Clara.

1852

"Grenzboten-Streit" mit Julian Schmidt und Gustav Freytag (Angriff auf Gutzkows Roman Die Ritter vom Geiste in den Grenzboten). Mai-Juni: Paris und Schweiz. - Aug.: Geburt der zweiten Tochter Selma.

1852-62

Herausgabe der Familienzeitschrift Unterhaltungen am häuslichen Herd.

1855

Mitbegründer der Deutschen Schillerstiftung.

1857

Geburt der Tochter Elisabeth (Lilly).

1858

Apr.-Juni: Italienreise.

1861

Generalsekretär der Schillerstiftung (bis 1864): Übersiedlung nach Weimar.

1864

Dez.: Nervenzusammenbruch.

1865

14.1.: Selbstmordversuch im hessischen Friedberg. Bis Jahresende in einer Heilanstalt in St. Gilgenberg bei Bayreuth. Dez.: "Als geheilt entlassen"; mit der Familie nach Vevey am Genfer See.

1866

Juni: Bezug eines Hauses in Kesselstadt bei Hanau.

1869

Mai-Sept.: Bregenz; Okt.: Übersiedlung nach Berlin.

1872

Aufenthalte in Wiesbaden, Boppard, Holland.

1873

Juli/Aug.: Erholungsaufenthalte in Bad Kissingen und Bad Harzburg. Nov.: Schwerer Anfall von Paranoia aufgrund einer satirischen Kritik; mit der Tochter Selma Flucht nach Italien.

1874

März: Rückkehr über Frankreich nach Wiesbaden. Mai: Wohnsitz in Wieblingen bei Heidelberg.

1875

Jan.-März: mit der Familie in Leipzig. Okt.: Umzug in die Heidelberger Kettengasse.

1876

Aug.: Nervenleiden und körperlicher Zustand verschlechtern sich.

1877

Okt.: Umzug der Familie nach Frankfurt-Sachsenhausen.

1878

Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Juli: zur Erholung in Bad Wildbad (Schwarzwald). 15./16. Dez.: Durch Schlafmittel betäubt, kommt G. bei einem Schwelbrand (verursacht durch ein achtlos fortgeworfenes Zündholz) ums Leben.


Werke:

(a = Uraufführung in)

Romane

1832

Briefe eines Narren an eine Närrin (anonym)

1833

Maha Guru. Geschichte eines Gottes (2 Bde.)

1835

Wally, die Zweiflerin (1852 überarb.: Vergangene Tage)

1837

Seraphine

1838

Blasedow und seine Söhne. Komischer Roman (3 Teile)

1850/51

Die Ritter vom Geiste (9 Bde.)

1858-61

Der Zauberer von Rom (9 Bde.)

1867/68

Hohenschwangau. Roman und Geschichte. 1536-1567 (5 Bde.; Umarb. 1879: Die Paumgärtner von Hohenschwangau)

1870

Die Söhne Pestalozzis (3 Bde.)

1872

Lutz Ellrodt (3 Bde.)

1877

Die neuen Serapionsbrüder (3 Bde.)

Novellen

1829

Aus dem Tagebuche und Leben eines Subrektors

1834

Novellen (2 Bde.):

  • Der Caperbrief

  • Die Sterbecassirer

  • Die Geständnisse einer Perrücke

  • Chevalier Clement

  • Die Singekränzchen

  • Der Prinz von Madagascar

1843

Der Sadducäer von Amsterdam

1844

Die Wellenbraut

1845

Die Selbsttaufe

1847

Imagina Unruh

1853

Die Nihilisten

1855

Die Diakonissin. Ein Lebensbild
Ein Mädchen aus dem Volke. Bilder der Wirklichkeit

1864

Die Courstauben

1870/72

Lebensbilder (3 Bde.):

  • Durch Nacht zum Licht (Bd. 1)

  • Das Opfer (Bd. 2)

  • Das Kastanienwäldchen bei Berlin

  • Aus Empfangszimmern

  • Die Wittwe von Bologna

  • Prüfe wer sich ewig bindet (Bd. 3)

1871

Der Wärwolf

1872

Ein Hollandgang

Sammelwerke

1856/57

Die kleine Narrenwelt (3 Teile)

1878

In bunter Reihe. Briefe, Skizzen und Novellen:

  • Literarische Briefe. An eine deutsche Frau in Paris (1869)

  • Eine nächtliche Unterkunft. Zur Asylfrage (1870)

  • Vor Freude sterben. Ein Literaturbild (1874)

  • Eine Hinrichtung (1876)

  • Um eine Rose. Literatur-Novelle (1875)

  • Am Lethestrom. Erinnerungen (1876)

  • Johann Jacoby's unglücklichter Tag

  • Verschiedenes (Das Mädchen aus der Fremde, 1871)

Dramen

1835

Nero. Tragödie

1839
a Frankfurt/M.

Richard Savage oder Der Sohn einer Mutter. Bürgerliche Tragödie

1839

König Saul. Trauerspiel

1840
a Hamburg

Werner oder Herz und Welt

1841
a Hamburg

Die Schule der Reichen

1842

Patkul. Ein politisches Trauerspiel

1842
a Frankfurt/M.

Ein weißes Blatt

1842-57

Dramatische Werke (9 Bde.)

1844
a Dresden

Zopf und Schwert

1844

Pugatscheff
Wullenweber. Tragödie

1844
a Oldenburg

Das Urbild des Tartüffe. Lustspiel

1846
a Dresden

Uriel Acosta

1847

Der dreizehnte November

1848

Ottfried (veränd. 1854)
Anonym oder die papierne Welt

1849
a Frankfurt/M.

Der Königslieutenant. Lustspiel

1852
a Stuttgart

Antonio Perez. Tragödie (später Philipp und Perez)

1854

Ottfried
Fremdes Glück. Vorspielscherz

1855
a Leipzig

Lenz und Söhne oder Die Komödie der Besserungen

1856
a Dresden

Ella Rose oder Die Rechte des Herzens

1856
a Berlin

Lorber und Myrte

1857
(1843 a Wiesbaden)

Die beiden Auswanderer

1858

Anonym oder Die papierene Welt
Der Pilger

1862/63

Dramatische Werke (20 Bde.)

1868
(1869 a
Mannheim)

Der westphälische Friede. Lustspiel

1870 
(1871 a Berlin)

Der Gefangene von Metz. Festspiel

1871/72

Dramatische Werke (20 Bde.)

1876

Dschingiskhan. Lustspiel

Aphorismen

1868

Vom Baum der Erkenntniß. Denksprüche

Schriften (Auswahl)

1835

Oeffentliche Charaktere
Verteidigung gegen Menzel und Berichtigung einiger Urtheile im Publikum
Vorrede zu Friedrich Schleiermachers Vertraute Briefe über die Lucinde
Soireen (2 Bde.)
Appellation an den gesunden Menschenverstand. Letztes Wort in einer literarischen Streitfrage

1836

Beiträge zur Geschichte der neuesten Literatur (2 Bde.)
Ueber Göthe im Wendepunkte zweier Jahrhunderte
Zur Philosophie der Geschichte

1837

Die Zeitgenossen (2 Bde.; unter dem Namen Bulwer-Lytton)

1838

Literarische Elfenschicksale (Satire)
Die rothe Mütze und die Kaputze. Zum Verständniß des Görres´schen Athanasius
Götter, Helden, Don-Quixote. Abstimmungen zur Beurtheilung der literarischen Epoche

1839

Skizzenbuch

1841

Schiller und Goethe. Ein psychologisches Fragment

1842

Briefe aus Paris (2 Bde.)

1844

Aus der Zeit und dem Leben

1845

Wiener Eindrücke

1848

Deutschland am Vorabend seines Falles oder seiner Größe

1850

Vor- und Nach-Märzliches

1864

Eine Shakespearefeier an der Ilm

1870

Das Duell wegen Ems. Gedanken über den Frieden

1873

Zur Ästhetik des Hässlichen

1875

Zur Geschichte unserer Zeit

1878

Dionysius Longinus. Oder: Über den ästhetischen Schwulst in der neueren deutschen Literatur

Biographie

1840

Börne's Leben

Reiseprosa

1876

Reiseeindrücke aus Deutschland, der Schweiz, Holland und Italien. 1832-1875

Autobiographisches

1852

Aus der Knabenzeit

1869

Die schöneren Stunden. Rückblicke

1875

Rückblicke auf mein Leben

Werkausgaben

1842-50

Vermischte Schriften, Leipzig: Lorck/Brockhaus (4 Bde.)

1842-57

Dramatische Werke, Leipzig: Weber/Lorck/Brockhaus (9 Bde.)

1845-52

Gesammelte Werke, Frankfurt/M.: Rütten & Loening (13 Bde.)

1862/63

Dramatische Werke, Leipzig: Brockhaus (20 Bde.)

1871/72

Dramatische Werke, Leipzig: Costenoble (20 Bde.)

1873-76

Gesammelte Werke, Jena: Costenoble (12 Bde.)

1911-14

Werke, hg. v. P. Müller, Leipzig/Wien (12 Bde.)

1998

Schriften, hg. v. Adrian Hummel, Frankfurt/M: Zweitausendeins (3 Bde.)

2001ff.

Gutzkows Werke und Briefe, hg. vom Editionsprojekt Karl Gutzkow, Münster: Oktober Verlag

    

20.07.2015


     

Gutzkow-Editionsprojekt

     

    

 

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