Wilhelm Heinse
eigentl.: Johann Jacob Wilhelm Heintze
Lebensdaten Werk


* 15. Februar 1746 Langewiesen bei Ilmenau/Thüringen

+ 22. Juni 1803 Aschaffenburg (Schlaganfall)

begraben: Aschaffenburg, Altstadtfriedhof


Gemälde von F. Eich (1780)

Sohn des Stadtschreibers und späteren Bürgermeisters Johann Nikolaus Heintze und seiner Ehefrau Barbara Katharina, geb. Jahn. Schon als Kind ausgeprägtes Freiheitsgefühl. Auf dem Gymnasium Zusammenstoß mit dem auf die Theologie fixierten Bildungssystem. Selbstcharakterisierung als "armer thüringer Jean-Jacques [sc. Rousseau]": Verachtung der Konventionen im Namen der Natur.

Erzähler und Kunstschriftsteller, Aphoristiker (Tagebücher).
Individualist, der sich mit der bürgerlichen Kunstauffassung, dem Despotismus seiner Zeit und der christlichen Religion auseinandersetzt. Großes Aufsehen macht der erste deutsche Künstlerroman Ardinghello, der von Goethe und Schiller aber abgelehnt wird; enthusiastische Verkündigung des großen Renaissance-Menschen und eines neuen, romantisch-entgrenzten Lebensgefühls: All-Einheit mit der vergöttlichten Natur, "Lust und Freyheit". Einfluss auf Hölderlin und die Romantiker.


wichtige Lebensdaten:

1760

H. scheitert auf dem Gymnasium in Arnstadt an der Engstirnigkeit seiner orthodox-lutherischen Lehrer.

1762

Gymnasium in Schleusingen. 

1766

Jurastudium Universität Jena; klägliche Lebensumstände.

1768

Weiterführung des Studiums in Erfurt. Umgang mit Wieland. Publizistische Tätigkeit.

1771

Ohne Studienabschluss. Rheinreise als Reisebegleiter zweier verabschiedeter Offiziere. Aufenthalt in Erlangen.

1772

Durch Vermittlung Gleims Hauslehrer in Quedlinburg. Vertrauter Umgang mit Elisabeth von Massow, der Frau des Hausherrn, des Kriegs- und Domänenrats Valentin von Massow.

1773

Bei Gleim in Halberstadt.

1774

In Düsseldorf Mitherausgeber der Zeitschrift Iris (bis 1776); Zusammentreffen mit Goethe. H. wohnt im Hause Friedrich Jacobis (in Pempelfort).

1777

Freundschaft mit Klinger.

1780-83

Italienreise zu Fuß: Süddeutschland, Schweiz, Dauphiné, Provence; mit dem Schiff von Marseille nach Genua; halbjähriger Aufenthalt in Venedig.

1781

Mai: Florenz, Bologna, Livorno, Siena; ab September in Rom. Umgang mit Maler Müller und Franz von Kobell.

1783

Sept.: Rückkehr nach Düsseldorf.

1786

Okt.: Vorleser am Hof des Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl von Erthal.

1788

Ernennung zum Hofrat und Bibliothekar der kurfürstlichen Privatbibliothek (zusammen mit Georg Forster). Freundschaft mit dem Anatomen Samuel Thomas Soemmerring (seinem späteren Nachlassverwalter).

1792

Mainzer Republik: Flucht des kurfürstlichen Hofs an den Niederrhein.

1794

Rückkehr und unter dem Kurfürsten Karl Theodor von Dalberg Umzug mit der kurfürstlichen Bibliothek nach Aschaffenburg.

1796

Juli: Reise nach Kassel; Zusammentreffen mit Hölderlin und Susette Gontard samt Kindern, die vor den Revolutionstruppen aus Frankfurt geflüchtet sind; von dort zusammen nach Bad Driburg/Westfalen. Okt.: Rückkehr nach Aschaffenburg.

1802

Schlaganfall; einseitige Lähmung.

1803

17.6.: zweiter Schlaganfall; Tod tritt fünf Tage später ein.


Werke:
(e = entstanden)

Romane

1774
(veränd. 1799)

Laidion oder die Eleusinischen Geheimnisse 

1787

Ardhingello. Eine Italiänische Geschichte aus dem sechszehnten Jahrhundert (Briefroman; 2 Bde.) 

1795/96

Hildegard von Hohenthal (3 Teile)

1803

Anastasia und das Schachspiel: Briefe aus Italien (2 Bde.; iktive Briefe über das Schachspiel)

Lyrik

1771

Sinngedichte

Übersetzungen

1773

Begebenheiten des Enkolp: Aus dem Satyrikon des Petron übersetzt
Die Kirschen (Dorat, Les Cérises)

1780-81 e

Das befreyte Jerusalem von Torquato Tasso (4 Bde.)

1783 e

Roland der Wüthende. Ein Heldengedicht von Ludwig Ariost dem Göttlichen (4 Bde.)

Schriften

1776/77

Ueber einige Gemälde der düsseldorfer Galerie

1796 e

Erklärungen und eigne Gedanken bei den wichtigsten Stellen in der Ethik des Aristoteles. Im Januar 1796

1805

Musikalischen Dialogen

1966

Zur Erfindung der Buchdruckerkunst in Mainz

Tagebücher

1925
(1774-1803 e)

(Notizhefte mit Aphorismen, Gedanken, die sich mit allen Lebensgebieten befassen)

Werkausgaben

1838

Sämtlliche Schriften, hg. v. H. Laube (10 Bde.)

1902-25

Sämtliche Schriften, hg. v. C. Schuddekopf (10 Bde.)

Link:

Heinse-Freundeskreis

Heinse-Seite von Andy Schadwinkel

 

(Update: 31.07.2007)

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