Ernst Theodor Amadeus (E.T.A.)
Hoffmann
(eigentl. Ernst Theodor Wilhelm; 1805
"Amadeus" aus Verehrung für Mozart)
Lebensdaten Werk
*24. Januar 1776 Königsberg +25. Juni 1822 Berlin (Rückenmarkserkrankung) Grabstätte: Berlin, Friedhof der Gemeinde der Jerusalem- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor |
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Drittes Kind des
Hofgerichtsadvokaten Christoph Ludwig Hoffmann (1736-1797) und seiner Frau, der
Advokatentochter Luise Albertine, geb. Dörffer (1748-1796). Zerrüttete
Familienverhältnisse, Vater Alkoholiker, Mutter hochgradig hysterisch. Nach der Scheidung
der Eltern wächst der junge H., mit der Mutter im Haus der Großmutter wohnend, fern von
seinen Altersgenossen auf (im gleichen Haus wohnt auch Zacharias Werner mit
seiner irren Mutter). Strenge und fromme Erziehung durch seinen Onkel Otto Dörffer
(Kindheit "gleich dürrer Heide"); früher Unterricht in Musik und Zeichnen.
Vielseitige Begabung:
Maler, Zeichner, Karikaturist, Kapellmeister, Komponist, bedeutender Musikkritiker.
Problematische Künstlernatur; exzessiver Trinker. Medizinische und naturwissenschaftliche Studien, Interesse
für Psychiatrie, Magnetismus und die "Nachtseiten" der menschlichen Natur. Weltliterarische Bedeutung: Einfluss auf Dickens, Poe,
Gogol,
Puschkin, Dostojewski; zu den größten deutschen Autoren wird H. vor allem in
Frankreich gezählt (Nodier, Balzac, Hugo u.v.a. Baudelaire).
1802 |
Heirat mit Maria Thekla Michalina ("Mischa") Rorer-Trzynska (Tochter eines polnischen Stadtschreibers); Tochter: Cäzilia (1805-07) |
Der
grundsätzliche Dualismus, der sich in Hoffmanns Leben beobachten lässt (Jurist bei Tag,
Dichter und exzentrischer Gesellschaftsmensch bei Nacht) spiegelt sich in seiner Kunst:
Immer wiederkehrende Motive sind die Doppelung der Wirklichkeit in Alltagsrealität und
Realität des Wunderbaren, Außenwelt und Innenwelt; der Antagonismus zwischen
vernünftiger Normalität und fremdartiger Phantastik, zwischen Bürgerlichkeit und
romantischem Künstlertum; Persönlichkeitsspaltung, Doppelgängertum, Identitätsverlust,
Verfolgungswahn.
Das abwertende Urteil Goethes, der H. als Repräsentanten der "kranken"
Romantik ("krankhafte Werke", "Verirrungen") im Gegensatz zur
"gesunden" Klassik sieht, prägt lange Zeit das H.-Bild in Deutschland.
Gerechteres Urteil erst seit 1900. Stefan Zweig, 1928: "[E.T.A. Hoffmann gehört]
zur ewigen Gilde der Dichter und Phantasten, die am Leben, das sie quält, die schönste
Rache nehmen, indem sie ihm farbigere, vielfältigere Formen vorbildlich zeigen, als sie
die Wirklichkeit erreicht."
1778 |
Scheidung der Eltern; der junge H. lebt mit seiner Mutter bei der Großmutter unter der Obhut seines Onkels Otto und seiner Tante Sophie. |
1782 |
Besuch der reformierten Burgschule in Königsberg. |
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1786 |
Freundschaft fürs Leben mit Theodor Gottlieb von Hippel. |
1792 |
Jurastudium an der Universität Königsberg; H. malt, zeichnet, komponiert, verfasst seinen ersten Roman und gibt Musikunterricht; |
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1794 |
Leidenschaftliche Liebe zu seiner Schülerin, der verheirateten Dora ("Cora") Hatt. |
1795 |
Examen als Regierungs-Auskultator; Amtstätigkeit in Königsberg. |
1796 |
Tod der Mutter. Um die Trennung von Dora Hatt herbeizuführen, betreibt sein Onkel Hoffmanns Versetzung ans Gericht in Glogau; Wohnung beim Onkel Johann Ludwig. Shakespeare-Lektüre. |
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1797 |
Tod des Vaters. Enttäuschende Wiederbegegnung mit Dora in Königsberg und Bruch mit ihr. |
1798 |
Verlobung mit der Cousine Minna Dörffer, der jüngsten Tochter des Onkels Johann. Juni: Referendarexamen und Versetzung ans Berliner Kammergericht. Reise ins Riesengebirge und nach Dresden (Gemäldegalerie). Aug.: Aufbruch nach Berlin, wo er wiederum bei der Familie seines Onkels Johann, der einen Ruf nach Berlin erhalten hat, wohnt. |
1800 |
März: Assessor-Examen mit der Note "vorzüglich"; Mai: Versetzung als Assessor ans Obergericht in Posen. |
1802 |
Lösung der Verlobung mit Minna; Juli: Heirat mit Mischa Rorer, mit der bereits einige Zeit zusammenlebt. H. verteilt bei einer Karnevals-Redoute selbstgezeichnete bissige Karikaturen von preußischen Offizieren; daraufhin Annullierung seiner Promotion zum Regierungsrat und Strafversetzung nach Plock an der Weichsel. |
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1803 |
Okt.: Beginn der Führung des intimen Tagebuchs. Geldsorgen. |
1804 |
H. nimmt die kleine Nichte Michalina Gottwald in seinen Haushalt auf. Unterstützung durch Hippel. Ernennung zum Regierungsrat mit entsprechendem Gehalt und Versetzung nach Warschau, der damaligen Hauptstadt von Süd-Ostpreußen. Freundschaft mit Julius Eduard Hitzig (dem späteren ersten Biographen) und Wiedersehen mit Zacharias Werner. |
1805-07 |
Mitbegründer und Dirigent der Musikalischen Gesellschaft; Aufführung eigener Werke. Italienisch-Studien. |
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1806 |
Nov.: Besetzung Warschaus durch französische Truppen. |
1807 |
Ab
Jan.: Mischa mit den beiden Mädchen bei ihrer Mutter in Posen. Juni: Die Franzosen
entlassen alle preußischen Beamten, die nicht auf Napoleons Seite treten. Erfolglose Stellungssuche in
Berlin; Bekanntschaft mit Fichte, Schleiermacher, Varnhagen von Ense,
Chamisso. Nachricht vom Tod der Tochter Cäzilia. |
1808 |
Juni - Juli: Glogau; Aug.: wieder mit Mischa zusammen. Ab Sept.: zuerst Kapellmeister, dann Theaterkomponist am Bamberger Theater. Erteilung von Gesangs- und Musikstunden für die Damen der guten Gesellschaft. |
1809 |
Bankrott des Theaters; Musikkritiker der Allgemeinen Musikalischen Zeitung. |
1810 |
Direktionsgehilfe, Hauskomponist, Bühnenarchitekt, Kulissenmaler am Bamberger Theater (inzwischen von einer Aktiengesellschaft geleitet). |
1811 |
H. gibt wieder Musikstunden und verliebt sich wieder leidenschaftlich in eine Schülerin: die 15-jährige Julia Mark (1796-1864), Urbild vieler seiner Frauenfiguren. Bekanntschaft mit Carl Maria von Weber; Besuch bei Jean Paul in Bayreuth. |
1812 |
H. verlässt das Bamberger Theater. Sept.: H. führt sich auf einer Landpartie skandalös auf und beleidigt in betrunkenem Zustand Julias Bräutigam, den Hamburger Kaufmann Georg Groepel. 3.12.: Hochzeit und Wegzug Julias (die sich später scheiden lässt und wieder nach Bamberg zurückkehrt). |
1813 |
Apr.: Dresden; Blockade der Stadt durch die Franzosen. Mai: Auf dem Weg nach Leipzig Postwagenunglück, bei dem Mischa verletzt wird. Rückkehr nach Dresden; Engagement als Theater-Kapellmeister in Dresden; Belagerung und Eroberung Dresdens durch die Franzosen. Wieder Leipzig. |
1814 |
Nach Auseinandersetzungen Entlassung aus dem Theater. Berlin; Umgang mit de la Motte Fouqué, Chamisso, Tieck. |
1815 |
Als Expedient im Justizministerium; Freundschaft mit dem Schauspieler Ludwig Devrient; Bekanntschaft mit Brentano. |
1816 |
Uraufführung seiner Oper Undine; Liebe zur Hauptdarstellerin Johanna Eunicke (1798-1856). Ernennung zum Kammergerichtsrat. |
1819 |
Erkrankung; Kuraufenthalt in Schlesien; Ernennung zum Mitglied der Immediat-Commission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe; H. beweist Rückgrat. Konflikt mit dem Berliner Polizeidirektor von Kamptz. |
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1820 |
Protest gegen die Verhaftung des Turnvaters Jahn. |
1821 |
Entlassung aus der Kommission; Ernennung zum Mitglied des Oberappellationssenates am Kammergericht. |
1822 |
Einseitige Lähmung; Einleitung eines Disziplinarverfahrens wegen der Karikierung des Polizeidirektors im Meister Floh (als Spitzel Knarrpanti) und Beschlagnahme des Meister Floh. |
Romane
1815 |
Die Elixiere des Teufels. Nachgelassene Papiere des Bruders Medardus eines Capuziners. Bd.1 |
1816 |
Die Elixiere des Teufels. Bd.2 |
1819 |
Lebensansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern. Bd.1 |
1821 |
Lebensansichten des Katers Murr. Bd.2 |
Erzählungen
1814 |
Fantasiestücke in Callots Manier. Blätter aus dem Tagebuche eines reisenden Enthusiasten Bd.1
Bd.2
Bd.3
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1815 |
Fantasiestücke in Callots Manier Bd.4
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1816 |
Nachtstücke. 1. Teil
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1817 |
Nachtstücke. 2. Teil
Seltsame Leiden eines Theater-Direktors (2. Fass. 1819) |
1819 |
Klein Zaches genannt Zinnober |
1819 |
Die Serapionsbrüder Bd.1
Bd.2
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1820 |
Die Serapionsbrüder Bd.3
Prinzessin Brambilla. Ein
Capriccio nach Jakob Callot |
1821 |
Die Serapionsbrüder Bd.4
Die Geheimnisse |
1822 |
Die Doppeltgänger |
1823 |
Neueste Schicksale eines abenteuerlichen Mannes |
1827/39 |
Ausgewählte Schriften. 15 Bde., Berlin (Bd.1-10), Stuttgart (Bd.11-15) |
1844-45 |
Gesammelte Schriften, Berlin (Reimer, 12 Bde.) |
1879-83 |
Werke, Berlin (15 Bde., Hempel, National-Bibliothek sämmtlicher deutscher Classiker) |
1900 |
Sämtliche Werke in fünfzehn Bänden, hg. v. Eduard Grisebach, Leipzig (Hesse) |
1908-28 |
Sämtliche Werke, hist.-krit. Ausgabe, hg. v. Carl Georg v. Maassen, Bde 1-4; 6-10; München, Leipzig (Georg Müller) |
1912 |
Werke in 15 Teilen, hg. v. Georg Ellinger, Berlin/Leipzig/Wien/Stuttgart (5/7 Bde.; Bong, Goldene Klassiker-Bibliothek) |
1922 |
Sämmtliche Werke. Serapions-Ausgabe in vierzehn Bänden, hg. v. Leopold Hirschberg, Berlin/Leipzig (de Gruyter) |
1924 |
Dichtungen und Schriften sowie Briefe und Tagebücher. Gesamtausgabe in fünfzehn
Bänden, hg. v. Walther Harich, Weimar (Lichtenstein) |
1957-62 |
Poetische Werke, hg. v. Klaus Kanzog, Berlin (12 Bde., de Gruyter) |
1976-83 |
Gesammelte Werke in Einzelausgaben, hg. v. Hans-Joachim Kruse u.a., Berlin/Weimar (8 Bde.) |
1985ff. |
Sämtliche Werke, hg. v. Wulf Segebrecht u.a., Frankfurt/M. (6 Bde.) |
Links:
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