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Christian Hof(f)mann von Hof(f)mannswaldau

  
Lebensdaten | Werk

Hoffmannswaldau-Texte im Netz


* unbek.; Taufdatum: 25. Dezember 1616 Breslau

+ 18. April 1679 Breslau

Grabstätte: Breslau

  


Stich nach einem Gemälde von
Georg Schulze
  

  

Über das Leben Hoffmannswaldaus ist wenig bekannt; die wesentlichsten Informationen stammen aus der Lob-Rede Casper von Lohensteins vom 30.4.1679, aus dem Briefwechsel und den Vorworten zu den Texten.
  Aus Breslauer Patrizierfamilie. Sohn des schlesischen Kammersekretärs und späteren (1622) Kaiserlichen Rats Johannes Hoffmann (1575-1652) und seiner ersten Ehefrau Anna, geb. Nagel (1591-1621); nach dem Tod der ersten Frau heiratet der Vater in zweiter Ehe 1622 Magdalene Hogel (+1627) und nach deren Tod in dritter Ehe Maria von Artzat (1588-1662). 1612 wird er in den österreichischen Adelsstand, 1629 in den Reichsadelsstand erhoben.
  Ruhige Kindheit und Jugend in der vom Krieg verschonten Heimatstadt.
  Als Dichter bereits von seinen Zeitgenossen gefeiert; seine Dichtungen erscheinen aber im Wesentlichen erst nach seinem Tod im Druck.

 

1643

Heirat mit Marie Webersky (1626-1692); zwei Söhne: Hans Christian, Georg Moritz.

  

Bedeutender Lyriker des Hochbarock. Weltmännisch und belesen. Literarische Vorbilder: Martin Opitz (1597-1639, in formaler Hinsicht) und Giambattista Marino (1569-1625); Meister des Sonetts; neben Lohenstein der Hauptvertreter des deutschen Marinismus. Überraschungseffekte durch geistreichen Witz, ungewöhnliche und pointierte Metaphorik (concetti); Musikalität der Sprache; religiöse Bilder zur Darstellung erotischer Erfahrungen. Die Gedichte kreisen inhaltlich zum großen Teil um Sinnenlust und Lebensfreude, wiewohl auch der Vergänglichkeits-Gedanken thematisiert wird. H. führt als erster mit Erfolg die Gattung des Heldenbriefs nach dem Vorbild von Ovids Heroides in die deutsche Literatur ein (Briefpaare statt Einzelbriefe verlassener Frauen wie bei Ovid). Wirkung auf die Rokoko-Literatur. Bei den Aufklärern stößt H. auf Ablehnung: Vorwurf der Frivolität und Obszönität, Abqualifizierung seines Stils als Schwulst.

 


Wichtige Lebensdaten:

1636

Wechsel vom Elisabeth-Gymnasium in Breslau auf das Akademische Gymnasium in Danzig; Freundschaft mit Martin Opitz.

1638

Okt.: Immatrikulation an der Universität Leiden; Studium der Rechtswissenschaften; daneben auch Besuch von Kollegs in Amsterdam. Bekanntschaft mit Andreas Gryphius.

1639

Begleiter des Fürstensohns Frémonville auf seiner Bildungsreise: Holland, England, Frankreich (Bekanntschaft mit Hugo Grotius) und Italien (Genua, Pisa, Siena, Rom); Rückreise über Florenz, Bologna, Venedig nach Wien.

1641

Rückkehr nach Breslau.

1643

Zur Ehe gedrängt; 16.2. Heirat. H. kommt als Kaufmann zu Vermögen; Gutsbesitzer.

1647

Wahl zum Ratsschöffen; bis zum Lebensende in verschiedenen Funktionen Mitglied des Stadtrats (1670 und 1674 Schöffenpräses, 1671-1673, 1675-1676 Zweiter Konsul).

1657

Senator; in Angelegenheiten der Stadt Reise an den Kaiserhof in Wien; Ernennung zum Kaiserlichen Rat durch Leopold I.

1660

In diplomatischem Auftrag in Wien.

1669-70

Amtlicher Aufenthalt in Wien.

1677

Ratspräses (Bürgermeister) der Stadt Breslau; Landeshauptmann des Fürstentums Breslau (bis zum Tod).

1679

Tod. Sein Freund, der Breslauer Syndikus und Dramatiker Casper von Lohenstein, hält die Grabrede.


Werke:
(e = entstanden)

Lyrik

1663

Allerhand kurtzweilige Grab-Schrifften (Epigramme; anonym; verm. Neuauflage: Hundert Grab-Schrifften)

1663

Spiel-ersinnliche Sterbens-Gedancken (Neuauflage der Grabschriften)

1673

Deutsche Übersetzungen und Getichte (anonym)

1679-82

Deutsche Vbersetzungen und Getichte. 9 Teile:

  • Der Getreue Schäffer

  • Sterbender Socrates

  • Helden-Brieffe

  • Poetische Geschicht-Reden

  • Hochzeit Gedichte

  • Begräbnüß Gedichte

  • Geistliche Oden und Vermischte Gedichte

  • Poetische Grab-Schriften

  • D. C. v. Lohenstein Lob-Rede

1680

Sinnreiche Helden-Brieffe. Auch andere herrliche Gedichte

1695/97

Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte (hg. v. Benjamin Neukirch = "Neukirch'sche Sammlung"; 7 Bde. bis 1727; H. in den ersten beiden Bänden)

Poetische Episteln

1679 (1664 e)

Helden-Brieffe

Übersetzungen

1647 e

Giovanni Francesco Biondi: Eromena (Roman)

1678 (1652 e)

Der getreue Schäfer (Giovanni Battista Guarini: Pastor fido; anonym)

1679

Sterbender Socrates (Théophile de Viau: Mort de Socrate; Dialog)

Studienanleitungen

1700 (1659 e)

De curriculo studiorum vitae civili profuturorum 

1702

Rede-Übungen

Werkausgabe

1984-1993

Sämtliche Werke, hg. v. Franz Heiduk, Hildesheim/Zürich/New York: Olms (3 Teile)


      

 
An Albanie

    Albanie, gebrauche deiner Zeit
Und laß den Liebeslüsten freien Zügel,
    Wenn uns der Schnee der Jahre hat beschneit,
So schmeckt kein Kuß, der Liebe wahres Siegel,
    Im grünen Mai grünt nur der bunte Klee.
                                                            Albanie.
     Albanie, der schönen Augen Licht,
Der Leib und was auf den beliebten Wangen,
    Ist nicht für dich, für uns nur zugericht.
Die Äpfel, die auf deinen Brüsten prangen,
    Sind unsre Lust und süße Anmutssee.
                                                            Albanie.  

        Albanie, was quälen wir uns viel
Und züchtigen die Nieren und die Lenden?
    Nur frisch gewagt das angenehme Spiel!
Jedwedes Glied ist ja gemacht zum Wenden,
    Und wendet doch die Sonn sich in der Höh.
                                                            Albanie.

         Albanie, soll denn dein warmer Schoß
So öd und wüst und unbebauet liegen?
    Im Paradies, da ging man nackt und bloß
Und durfte frei die Liebesäcker pflügen.
    Welch Menschensatz macht uns dies neue Weh?
                                                           Albanie.

        Albanie, wer kann die Süßigkeit
Der zwei vermischten Geister recht entdecken?
    Wenn Lieb und Lust ein Essen uns bereit,
Das wiederholt am besten pflegt zu schmecken,
    Wünscht nicht dein Herz, daß es dabei vergeh?
                                                           Albanie.

        Albanie, weil noch der Wollusttau
Die Glieder netzt, und das Geblüte springet,
    So laß doch zu, daß auf der Venusau
Ein brünstger Geist dir knieend Opfer bringet,
    Daß er vor dir in voller Andacht steh!
                                                           Albanie.

 

                   
                 WO sind die Stunden

                      Der süssen Zeit /
                  Da ich zu erst empfunden /
                      Wie deine Lieblichkeit
                  Mich dir verbunden?
Sie sind verrauscht / es bleibet doch dabey /
Daß alle Lust vergänglich sey.

                  Das reine Schertzen /
                      So mich ergetzt /
                  Und in dem tieffen Hertzen
                      Sein Merckmahl eingesetzt /
                  Läst mich in Schmertzen /
Du hast mir mehr als deutlich kund gethan /
Daß Freundlichkeit nicht anckern kan.

                  Das Angedencken
                      Der Zucker-Lust /
                  Will mich in Angst versencken.
                      Es will verdammte Kost
                  Uns zeitlich kräncken /
Was man geschmeckt / und nicht mehr schmecken soll /
Ist freudenleer und jammervoll.

                  Empfangne Küsse /
                      Ambrirter Safft /
                  Verbleibt nicht lange süsse /
                      Und kommt von aller Krafft;
                  Verrauschte Flüsse
Erquicken nicht. Was unsern Geist erfreut /
Entspringt aus Gegenwärtigkeit.

                  Ich schwamm in Freude /
                      Der Liebe Hand
                  Spann mir ein Kleid von Seide /
                      Das Blat hat sich gewand /
                  Ich geh' im Leide /
Ich wein' itzund / daß Lieb und Sonnenschein
Stets voller Angst und Wolcken seyn.

 

Sonnet.
Vergänglichkeit der Schönheit

  ES wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen /
Der liebliche Corall der Lippen wird verbleichen;
  Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand /

 

  Der Augen süsser Blitz / die Kräffte deiner Hand /
Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen /
Das Haar / das itzund kan des Goldes Glantz erreichen /
  Tilgt endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band.

 

Der wohlgesetzte Fuß / die lieblichen Gebärden /
Die werden theils zu Staub / theils nichts und nichtig werden /
  Dann opffert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht.

 

Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen /
Dein Hertze kan allein zu aller Zeit bestehen /
  Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.

   

    

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