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Mittelalter - mittelhochdeutsche Zeit (1050-1350)
 


Datierung:

Mhd.: Entwicklungsstufe der dt. Sprache vom Althochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen.
a) Zeit der Salier (1050-1170)
b) staufische (= höfische) Epoche (1170-1250)
c) späthöfische Zeit (1250-1350)

Tragende Schicht:

a) Kleriker (Kloster, Bischofssitz), landsässiger Adel
b) Adel; Zentren: Kaiserhof, Fürstenhof; Fürst als Gönner und Auftraggeber des dichtenden Ritters
c) Aufstieg des Bürgertums; Städte werden zu Bildungszentren neben den Höfen

Grundzüge:

a) Vorherrschaft der Kirche
b) Loslösung von der Vorherrschaft der Kirche: Machtentfaltung des staufischen Kaisertums, Erweiterung des Gesichtskreises durch die Kreuzzüge führt zu einer weltlichen, ritterlichen, eigenständig dt. Kultur. Höf. Ethos: ritterl. Lebensideale und Tugendvorstellungen (mâze: Maßhaltenkönnen, zuht: Erziehung, Selbstzucht; hoher muot: seel. Hochgestimmtsein; froide: heitere Lebenshaltung; êre; triuwe; staete: Beständigkeit; milte). Veredelnd wirkt die minne, eine gesellschaftl.-öffentliche Form der Frauenverehrung (Dienst an der vollkommenen,  unerreichbaren, verheirateten, höhergestellten frouwe). Einfluss Frankreichs.
Dichtung idealistisch, aristokratisch, formal durchgebildet.
c) polit. u. kultureller Niedergang der höf.-ritterl. Kultur, Aufstieg des Bürgertums; ideelles Zentrum fehlt; Verlust der mâze; Verfall des Formgefühls; Laienfrömmigkeit, Mystik

Themen:

a) relig. Themen; vorhöf. Epos: Legende, Sage
b) german. Stoffe (Heldenepos), kelt. Sage (höf. Epos), Minne; Zeitgeschichte (polit. Spruchdichtung)
c) ritterliche, legendarische, geschichtl. u. geistl. Themen

Dichter:

a) neben Klerikern zunehmend Laien
b) Ritter, vor allem Ministeriale (urspr. unfreihe Lehensträger, die seit dem 11. Jh. aufstiegen)
c) neben Rittern Bürgerliche

Bevorzugte Formen:

a) Lehrgedicht, Predigt, Satire, Nacherz. bibl. u. legendärer Stoffe, relig. Lyrik; vorhöf. Epos ("Spielmannsdichtung")
b) Epos, Lyrik
c) Epos, didaktisch-gelehrte Dichtung, Lyrik, Legende, geistl. Spiel, Chronik, myst. Schriften


Autoren:

 Die Herrin überreicht dem Ritter den Helm und gewährt urloup.
(Codex Manesse, Der Schenk von Limburg)

     

Nibelungenlied (um 1200, Anf.):
Uns ist in alten maeren  wunders vil geseit
von helden lobebaeren,  von grôzer arebeit,
von freuden hôchgezîten,  von weinen und von klagen,
von küener recken strîten  muget ir nu wunder hoeren sagen.

   

Walther von der Vogelweide
hohe minne:

Ganzer fröiden wart mir nie sô wol ze muote:
mirst geboten, daz ich singen muoz.
saelic sî diu mir daz wol verstê ze guote!
mich mant singen ir vil werder gruoz.
diu mîn iemer hât gewalt,
diu mac mir wol trûren wenden
und senden
fröide manicvalt. [...]

    

ebene minne:

Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ mugt ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
  schône sanc diu nahtegal. [...]

 

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© Willi Vocke

2000

   

    

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