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Ödön von Horváth
 

eigentl. Edmund (Ödön) Josef von Horváth
 
Lebensdaten | Werk

Horváth-Texte im Netz



* 9. Dezember 1901 Sušak
(Vorort von Fiume; heute: Rijeka)

+ 1. Juni 1938 Paris (durch herabfallenden Ast)

Grabstätte: Paris, Friedhof St. Ouen; seit 1988 Ehrengrab in Wien, Heiligenstädter Friedhof
 

 

1919
Bildquelle: Wikimedia
 

    

Sohn des österreichisch-ungarischen Diplomaten Dr. Ödön Josef von Horváth (1874-1950; 1909 geadelt) und seiner Frau Maria Hermine, geb. Prehnal (1882-1959); der Vater stammt aus Slavonien, die Mutter aus Siebenbürgen (Sprache der Mutter ist Deutsch). Bruder: Lajos (1903-1968). Ungarischer Staatsbürger; häufiger Ortswechsel während der Schulzeit (Belgrad, Budapest, München, Wien, Preßburg); H. wechselt viermal die Unterrichtssprache: "Erst mit vierzehn Jahren schrieb ich den ersten deutschen Satz". - "'Heimat'? Kenn ich nicht. Ich bin eine typische alt-österreichisch-ungarische Mischung: magyarisch, kroatisch, deutsch, tschechisch - mein Name ist magyarisch, meine Muttersprache ist deutsch."

          

1933

Heirat mit Maria Elsner (1905-1981, Sängerin); 1934 Scheidung 

               

Dramatiker und Erzähler. Erneuerer des Volksstücks. Will in seinen Bühnenwerken die Entwurzelung des modernen Menschen aufzeigen. Ziel: "Demaskierung des Bewußtseins", also der Kleinbürgermentalität durch die Sprache, den "Bildungsjargon" seiner Figuren. Seine Stücke sind eine "Synthese von Ernst und Ironie". Grundelemente: "mißlingende menschliche Kommunikation, verfehltes Leben, gegenseitiger Haß, latente Gewalt, trügerische Idylle und Fassadenmoral, Zweifel an der Existenz Gottes" (Theo Buck). Nach 1933 wendet sich H. zunehmend ethisch-moralischen, metaphysischen Problemen zu; resignativer Grundton. "Entdeckung" in den 60er Jahren. Der Roman Jugend ohne Gott ist zum Klassiker der Schullektüre geworden.

   

Auszeichnung:
   

1931

Kleist-Preis


Wichtige Lebensdaten:

1902

Umzug der Familie nach Belgrad.

1908

Übersiedlung nach Budapest.

1909

Der Vater wird nach München versetzt; H. bleibt in Budapest; Besuch des Rákóczianum (erzbischöfliches Internat).

1913

Übersiedlung zu den Eltern. Kaiser-Wilhelm-Gymnasium, später Realgymnasium.  

1916

Umzug der Familie nach Preßburg.

1918

Übersiedlung nach Budapest.

1919

Versetzung des Vaters nach München. H. in Wien bei seinem Onkel Josef Prehnal; Privatgymnasium der Salvatorianer.

1919-22

Abitur in Wien; Studium an der Universität München (Philosophie und Germanistik); ohne Abschluss.

1923

Übersiedelung in die elterliche Villa nach Murnau; intensive schriftstellerische Tätigkeit.

1924

Parisreise. Übersiedelung nach Berlin.

1924-33

Überwiegend Aufenthalt in Murnau.

1927

Einbürgerungsgesuch von den bayerischen Behörden abgelehnt.

1929

Monatliche Garantiesumme durch den Ullstein-Verlag für seine gesamte dichterische Produktion. Reise zur Weltausstellung in Barcelona.

1930

12.9.: Austritt aus der katholischen Kirche.

1931

Als Zeuge in einem Saalschlacht-Prozess; zunehmende Angriffe rechter Kritiker.

1932

Auflösung des Vertrages mit dem Ullstein-Verlag.

1933

Streit mit der SA in Murnau; Hausdurchsuchung; H. verlässt Deutschland; Leben in Pensionen: Salzburg, Wien, Henndorf bei Salzburg. 27.12.: Heirat.

1934

Rückkehr nach Berlin. Auf eigenen Antrag Aufnahme in den nationalsozialistischen Reichsverband Deutscher Schriftsteller (bis 1937). Sept.: Scheidung.

1935

Herbst: Übersiedlung nach Wien (gemeinsam mit der Schauspielerin Wera Liessem).

1936

Entzug der Aufenthaltserlaubnis für das Deutsche Reich. Wien und Henndorf.

1937

Depressionen, finanzielle Probleme.

1938

März: nach dem Anschluss Österreichs Emigration; Budapest, Fiume, Teplitz-Schönau (Teplice), Prag, Mailand, Zürich, Brüssel, Amsterdam; Mai: Paris; 1.6.: Treffen mit Robert Siodmak (Verfilmung von Jugend ohne Gott); gegen 19.30 Uhr wird H. auf den Champs-Elysées in der Nähe der Place Clemenceau (gegenüber Théatre Marigny) während eines Gewitters von einem herabfallenden Ast erschlagen.


Werke:
(e = entstanden; a = Uraufführung)

Dramen

1922
(a München, konzertant; 1926 Osnabrück)

Das Buch der Tänze (Pantomime; 1926 Restauflage von H. aufgekauft und vernichtet)

1923 e
1970

Mord in der Mohrengasse

1926 e

Zur schönen Aussicht (Komödie)

1929 a (Berlin)
1970

Die Bergbahn (1926 e; urspr. Revolte auf Côte 3018; 1927 a Hamburg) (Volksstück)

1929 a (Berlin)
1970

Sladek der schwarze Reichswehrmann (urspr. Sladek oder Die schwarze Armee)

1929 e

Rund um den Kongreß (Komödie)

1930 e

Die Lehrerin von Regensburg

1930 (1931 a Berlin)

Italienische Nacht (Erstfass. u.d.T. Ein Wochenendspiel, Volksstück)

1931 (a Berlin)

Geschichten aus dem Wiener Wald (Volksstück)

1932 (a Leipzig)
1972

Kasimir und Karoline (Volksstück)

1932 e
(1936 a Wien)
1973 

Glaube Liebe Hoffnung. Ein kleiner Totentanz (Uraufführung: Liebe, Pflicht und Hoffnung)

1933 e
1971

Eine Unbekannte aus der Seine (Komödie)

1934 e
(1937 a Wien)
1971

Himmelwärts (Märchenposse)

1934 a (Zürich)
1971

Hin und her (Posse)

1935 e (a Wien)

Mit dem Kopf durch die Wand (Lustspiel)

1936 e
1975

Don Juan kommt aus dem Krieg

1936 e
(1937 a Prag)
1959

Figaro läßt sich scheiden (Komödie)

1936 e
(1937 a Mährisch-Ostrau)
1955

Der jüngste Tag. Schauspiel in sieben Bildern

1937 (a Prag)

Ein Dorf ohne Männer (Lustspiel)

1937 e

Pompeji. Komödie eines Erdbebens

Hörspiel

1929 e
1973

Stunden der Liebe

Romane

1930

Der ewige Spießer (darin integriert: Sechsunddreißig Stunden. Die Geschichte vom Fräulein Pollinger, 1929 e)

1937

Jugend ohne Gott

1938 (1937 e)

Ein Kind unserer Zeit (1953 u.d.T. Zeitalter der Fische)

Sonstige Prosa

1924-26

Sportmärchen

1932

Interview

1932

Gebrauchsanweisung

Gesamtausgaben

1970-71

Gesammelte Werke, Frankfurt/M. (4 Bde.)

1983ff.

Kommentierte Werkausgabe in Einzelbänden, Frankfurt/M. (15 Bde.)

1988

Gesammelte Werke, Frankfurt/M. (4 Bde.)


            

Ödön-von-Horváth-Gesellschaft

Schlossmuseum Murnau

                

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