Hans Henny
Jahnn
eigentl.
Hans Henry Jahn
Lebensdaten Werk
+29. November 1959 Hamburg (Herz- und Nierenleiden) begraben: Hamburg,
Nienstedtener Friedhof |
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Sohn eines Schiffbauers. Orgelbauer von Weltruf, Pferdezüchter, Hormonforscher. In streng protestantischer Umwelt erzogen. Die religiöse Vorstellung des Erwachsenen schwört dem Christentum ab und wendet sich einem pantheistisch gedachten göttlichen Prinzip zu: Die Verpflichtung des Menschen besteht in der Ehrfurcht vor und dem Mitleid mit allem Leben. Literarischer und gesellschaftlicher Außenseiter; versucht in Dichtung und Leben aus den Konventionen der Gesellschaft auszubrechen; bisexuell.
1926 |
Ehe mit Ellinor Philips (Gymnastiklehrerin); Tochter Signe |
Einzelgänger unter den großen deutschen Schriftstellern der ersten Jahrhunderthälfte. Antichristliche Kultur- und Zivilisationskritik. Sein Werk, auf dessen Zug ins Sexualpathologische sich seinerzeit vor allem die Kritik einschoss ("Prophet der Unzucht"), beschwört eine elementare Welt jenseits von Gut und Böse. Antizivilatorische, kulturpessimistische Grundhaltung. Zwiespältiges Urteil über ihn: "Ich kenne keinen lebenden Dichter, der das Bild des klassisch schönen Menschen so großartig besudelt und das Besudelte so inbrünstig liebt wie Jahnn" (K. H. Kramberg, 1954). - "Ich halte Jahnn ohne jede Einschränkung für den größten deutschen Prosaisten unserer Zeit" (W. Muschg, 1957). Jahnn über sich selbst: "Anarchist mit guten Zielen, überzeugter Antimilitarist".
Auszeichnung:
1920 |
Kleist-Preis für "Pastor Ephraim Magnus" |
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1956 |
wichtige Lebensdaten:
1909-11 |
Realschule; Freundschaft mit Gottlieb Friedrich Harms (1893-1931; späterer Musikschriftsteller). |
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1911-14 |
Oberrealschule am Kaiser-Friedrich-Ufer; Abitur. |
1915-1918 |
Aug.: Als überzeugter Pazifist emigriert J. zusammen mit Harms, seinem Lebensgefährten, nach Norwegen; autodidaktisches Studium des Orgelbaus. |
1918 |
Rückkehr nach Hamburg; Restauration der Arp-Schnitger-Orgel von St. Jacobi. |
1919 |
Gründung der "Glaubensgemeinde Ugrino" in Eckel bei Hamburg zusammen mit Harms und dem Bildhauer Franz Buse: Versuch der Wiederbelebung eines elementaren Lebenszusammenhangs. Projekte zu monumentalen Sakralbautenbauten, die aber nie errichtet werden. |
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1920 |
Tod der Mutter. Austritt aus der evangelischen Kirche. |
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1921 |
Gründung des Ugrino-Verlags zusammen mit Harms. |
1923-1933 |
Orgelbauer; Organisator des "Hamburger Künstler-Kartells". |
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1928 |
Harms heiratet die Halbschwester von Jahnns Frau Sybille Philipps; gemeinsame Wohnung. |
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1931 |
Tod von Harms. |
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1931-33 |
Orgelexperte der Stadt Hamburg. |
1933 |
Emigration nach Zürich (wird jedoch von den Nazis nicht ausgebürgert). |
1934-1950 |
Bewirtschaftung eines Bauernhofs auf der dänischen Insel Bornholm, unterbrochen von kurzen Deutschland-Aufenthalten. Zwiespältige Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus. |
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1935 |
Tod des Vaters. |
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1945 |
Bornholm wird von russischen Truppen besetzt, J.'s Vermögen vom dänischen Staat beschlagnahmt. |
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1946-49 |
Mehrere Aufenthalte in Deutschland. |
1950 |
Endgültige Rückkehr nach Hamburg. In den folgenden Lebensjahren Mahner gegen deutsche Wiederbewaffnung und atomare Bedrohung. |
1956 |
Reise nach Moskau. |
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1959 |
Werke:
(e = entstanden; a = uraufgeführt in)
Romane
1929 |
Perrudja (unvollendet) |
1949-51 |
Fluß ohne Ufer (Romantrilogie): |
1949 |
Das Holzschiff |
1949-51 |
Die Niederschrift des Gustav Anias Horn |
1961 |
Epilog (unvollendet) |
1968 |
Jeden ereilt es (Frgm.) |
1956 |
Die Nacht aus Blei (aus: Jeden ereilt es) |
1919 |
Pastor Ephraim Magnus |
1921 |
Die Krönung Richards III. |
1922 |
Der Arzt, sein Weib, sein Sohn |
1924 |
Der gestohlene Gott |
1926 |
Medea (Tragödie) |
1931 |
Neuer Lübecker Totentanz |
1931 |
Straßenecke |
1952 |
Armut, Reichtum, Mensch und Tier |
1952 |
Spur des dunklen Engels |
1955 |
Thomas Chatterton (Tragödie) |
1961 |
Die Trümmer des Gewissens |
1968 |
Ugrino und Ingrabanien |
Tagebuch
1986 |
Bornholmer Tagebuch |
Ausgaben
1974 |
Werke und Tagebücher in 7 Bänden, hg. v. Thomas Freeman u. Thomas Scheuffelen, Hamburg |
1985ff. |
Werke in Einzelbänden, hg. v. Uwe Schweikert, Hamburg |
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