Autoren | Epochen
 

Uwe Johnson

vollst.: Uwe Klaus Dietrich Johnson

LebensdatenWerk


 
* 20. Juli 1934 Cammin
(Pommern; heute Kamien Pomorski/Polen)

+ 23./24. Februar 1984 Sheerness-on-Sea/England (Herzversagen)

Grabstätte: Sheerness-on-Sea, Friedhof
 

 

   

Sohn des Landwirts und Oberkontrollassistenten der Anklamer Molkerei Erich Johnson und seiner Frau Erna, geb. Sträde.

Mitglied der Gruppe 47. Die komplex-sperrige Struktur seiner Romane (Montagetechnik, Auflösung der Handlungs- und Umweltkonturen) spiegelt eine Welt, die, weil verworren und widersprüchlich, nicht mehr traditionell erzählbar, nur in "Mutmaßungen" fassbar ist. Stilmerkmale wie innerer Monolog, Dialogfragment, Konjunktiv, Anakoluth, Fragesatz, asyndetische Parataxe unterstreichen diese Unbestimmbarkeit. Zentrales Motiv ist die Spaltung Deutschlands. Die Probleme der Wirklichkeitsbeschreibung ergeben sich speziell aus der Verschiedenheit zweier politischer Wertesysteme im geteilten Deutschland und ihren Auswirkungen auf das Leben der Menschen bzw. ihr Verhältnis zueinander. Johnson wird so schon mit dem Erscheinen seines ersten Romans zum "Dichter der beiden Deutschland" (Günter Blöcker) abgestempelt, ein Klischee, das der Komplexität seiner Texte nicht gerecht wird, die sich einer einfachen Deutung entziehen.

1962

Heirat mit Elisabeth Schmidt; 1978 Trennung. Eine Tochter.

Auszeichnungen:

1960

Fontane-Preis

1962

Stipendium der Villa Massimo in Rom
Prix Formentor

1971

Georg-Büchner-Preis

1975

Wilhelm-Raabe-Preis

1979

Thomas-Mann-Preis

1983

Heinrich-Böll-Preis


Wichtige Lebensdaten:

1934

Geburt im Kreiskrankenhaus Cammin.

1934-1944

Kindheit in Anklam (Vorpommern).

1944-1945

Trennung von der Familie: Schüler einer nationalsozialistischen "Deutschen Heimschule" in Kosten (Kóscian), deren Hauptziel in der Wehrerziehung liegt.

1945

Mit einem Flüchtlingstreck Rückkehr zu den Eltern. - April: Flucht der Familie vor der Roten Armee nach Recknitz in Mecklenburg. Bei einem nochmaligen Besuch der Eltern in Anklam wird der Vater verhaftet und in die Ukraine deportiert. 

1946

Umzug nach Güstrow.

1948

Der Vater wird für tot erklärt.

1948-1952

Besuch der John-Brinckman-Oberschule in Güstrow; aktives Mitglied der FDJ.

1952-1954

Studium der Germanistik und Anglistik in Rostock.

1954

Weigerung, eine Verleumdungskampagne gegen die christliche Junge Gemeinde zu unterstützen; Austritt aus der FDJ.

1954-1956

Fortsetzung des Studiums an der Leipziger Karl-Marx-Universität.

1956

Studienabschluss mit einer Diplomarbeit über Ernst Barlach. - Mutter und Schwester verlassen die DDR.

1956-1959

Ohne Anstellung; freiberufliche Tätigkeit als Lektor und Übersetzer. Der Romanerstling Ingrid Babendererde wird von den DDR-Verlagen (und vom Suhrkamp-Verlag) abgelehnt.

1959

Übersiedlung nach Westberlin. Die Freundin Eisabeth Schmidt bleibt in der DDR. - Mutmaßungen über Jakob erscheint bei Suhrkamp. 

1961

Erster USA-Aufenthalt.

1962

Elisabeth Schmidt gelingt die Flucht aus der DDR. Heirat. - Als Stipendiat der Villa Massimo in Rom.

1964

Fernsehkritiker für den Berliner Tagesspiegel.

1966-1968

Aufenthalt in New York. Tätigkeit als Schulbuchlektor; Stipendiat der Rockefeller Foundation.

1969

Mitglied des PEN-Zentrums und der Akademie der Künste in Berlin (West).

1972

Vizepräsident der Akademie der Künste.

1974

Übersiedlung nach Sheerness-on-Sea auf der Themse-Insel Sheppey (Marine Parade Nr. 26).

1975

Ehe-Katastrophe: Johnson erfährt von einer früheren Liaison seiner Frau mit einem Prager Musikhistoriker, den er für einen Spitzel des tschechoslowakischen Geheimdienstes hält. Schwere persönliche Krise, verbunden mit einer Schreibblockade. Alkoholprobleme.

1977

Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

1979

Austritt aus der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

1979-1980

Poetik-Dozent an der Universität Frankfurt/M.

1983

Austritt aus dem Verband deutscher Schriftsteller aus Solidarität mit Franz Xaver Kroetz.

1984

In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar einsamer Tod in seinem Haus in Sheerness. Der Leichnam wird erst am 13. März entdeckt. - Alleinerbe ist der Suhrkamp-Verlag.


Werke:
(e = entstanden)

Romane

1959

Mutmaßungen über Jakob 

1961

Das dritte Buch über Achim

1965

Zwei Ansichten

1970

Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl Bd. 1

1971

Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl Bd. 2

1973

Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl Bd. 3

1983

Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl Bd. 4

1985 (1956 e)

Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953

Erzählungen

1964

Karsch und andere Prosa:

  • Osterwasser

  • Beihilfe zum Umzug

  • Geschenksendung, keine Handelsware

  • Eine Reise wegwohin, 1960

  • Jonas zum Beispiel

1974

Eine Reise nach Klagenfurt (Nekrolog auf Ingeborg Bachmann)

1982

Skizze eines Verunglückten (Max Frisch gewidmet)

Aufsätze

1975

Berliner Sachen (Aufsätze 1961-1970)

1979

Ein Schiff

1980

Begleitumstände (Vorlesungen)

1987 (1964 e)

Der 5. Kanal (Fernsehkritiken Ostfernsehen)

Übersetzungen

1960

Hermann Melville: Israel Potter. Seine fünfzig Jahre im Exil (anonym)

1961

Nibelungenlied (nhd. Prosafassung; anonym)

1963

John Knowles: A Separate Peace (In diesem Land)

J. als Herausgeber

1965

Brecht: Me-ti. Buch der Wendungen

1967

Das neue Fenster (deutschsprachiges Lesebuch für die High School)

1977

Verzweigungen (Autobiographie der Journalistin Margret Boveri)

Werkausgabe

 2014ff.

Historisch-kritische Edition der Werke, Schriften und Briefe (in Planung)


                    

Uwe Johnson-Gesellschaft

Uwe Johnson Literaturhaus

Figurenlexikon/Register zu "Jahrestage"

             

 

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