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Ernst Jünger

Lebensdaten | Werk

Jünger-Texte im Netz



* 29. März 1895
Heidelberg

+ 17. Februar 1998 Riedlingen

Grabstätte: Wilflingen (Gem. Langenenslingen bei Biberach), Friedhof
 


E. J. mit dem Pour le Mérite (1918)
Bildquelle: Wikipedia
   

     

Ältestes von sechs Kindern des Chemikers, Apothekers und Kaligrubenbesitzers Dr. Ernst Jünger (1868-1943) und seiner Frau Karoline, geb. Lampl (1873-1950). Sein Bruder ist der Schriftsteller Friedrich Georg Jünger (1898-1977). Frühe Kindheit in Hannover und Schwarzenberg.
 Zeitlebens in kein Schema zu pressen ("konservativer Anarchist", H. P. Schwarz): In der Jugend Ausbruch aus der bürgerlichen Ordnung in ein Dasein der Gefahr (Fremdenlegion, Weltkrieg); dann geistesaristokratisch-konservativer
Anti-Bürger, nationalbolschewistischer Gegner der Weimarer Republik und der Demokratie überhaupt, der sich aber weder von links noch von rechts vereinnahmen lässt. Nach der Machtergreifung dezidierter Gegner der Nationalsozialisten; später einsamer "Waldgänger", Individualist und Ästhetizist. Im Alter von 101 Übertritt zum Katholizismus.

     

1925 Heirat mit Gretha von Jeinsen (1906-1960); Söhne: Ernst (1926-1944, gefallen "auf den Marmorklippen" von Carrara), Alexander (1934-1993)
1962 2. Ehe mit der Germanistin Dr. Liselotte Lohrer, geb. Bäuerle (1917-2010)

    

Tagebuch- und Reiseschriftsteller, Essayist, Erzähler. In der Bundesrepublik umstritten und polarisierend. Weit positivere Resonanz im Ausland, vor allem in Frankreich (nahezu vollständig übersetzt), Spanien und Italien.
J. ist weder ideologisch noch literarisch auf einen Nenner zu bringen. Frühwerk vom Weltkriegserlebnis bestimmt (einzigartig die Darstellung des modernen technisierten Krieges; Heroisierung und Mythisierung des Kriegserlebens als männliche Bewährungsprobe). Sieht nach dem 1. Weltkrieg die autonome Technik des Industriezeitalters als neue Weltmacht, die sich in zwei neuen Menschentypen - dem Krieger und dem Arbeiter - verwirklicht. Später Wandlung: Der aristokratische, kämpferische oder philosophierende Einzelgänger steht gegen die moderne Massengesellschaft und technokratische Diktaturen. Übergang zum magischen Realismus des symbolischen Romans: Bekenntnis zu den antiken und christlichen Wurzeln des Abendlands. Forderungen nach Menschlichkeit und Freiheit (Der Friede).

    

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)
   

1955

Literaturpreis der Stadt Bremen
Kulturpreis der Stadt Goslar

1959

Großes Bundesverdienstkreuz

1960

Ehrenbürger der Gemeinde Wilflingen

1964

Ehrenbürger der Stadt Rehburg

1965

Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf

1981

Prix Europe-Littérature
Goldene Medaille der Humboldt-Gesellschaft

1982

Goethe-Preis der Stadt Frankfurt

1985

Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband

1986

Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst

1989

Ehrendoktor der Universität Bilbao

1993

Robert-Schuman-Preis

1995

Ehrendoktor der Universität Madrid-Alcalá
Silbermedaille des Senats von Spanien
Sondermarke der Deutschen Post


Wichtige Lebensdaten:

1907

Übersiedlung der Familie nach Rehburg/Hannover.

1911

Zusammen mit dem Bruder Mitglied der Wandervogelbewegung.

1913

3.11.: Flucht in die Fremdenlegion nach Afrika (Algerien); 4.12.: auf Intervention des Vaters entlassen.

1914

Aug.: Notabitur; Kriegsfreiwilliger im Füsilierregiment 73, Hannover.

1914-18

Ab Dez.: als Leutnant und Stoßtruppführer an der Westfront (bis Aug. 1918); mehrfach verwundet.

1918

Verleihung des Ordens Pour le Mérite.

1918-23

Dienst in der Reichswehr als Zugführer.

1920

Begegnungen mit Schwitters und Klabund in Hannover.

1923-24

Studium der Zoologie und Philosophie in Leipzig und Neapel (nicht abgeschlossen).

1925

Heirat in Leipzig; Wohnsitz in Berlin-Steglitz.

1925-1930

Mitarbeiter bei Zeitschriften der nationalistischen Rechten und der "Konservativen Revolution".

ab 1926

Freier Schriftsteller und Publizist.

ab 1929

Ausgedehnte Reisen (1929 Sizilien, 1931 Balearen,1932 Dalmatien, 1935 Norwegen, 1936 Brasilien, Marokko, Kanarische Inseln, 1937 Paris, 1938 Rhodos).

1933

Umgang mit Vertretern des rechten und linken Nationalismus (u.a. mit Niekisch, von Salomon, Strasser, Bronnen, Carl Schmitt, Valeriu Marcu, Mühsam).

1927

Ablehnung eines Reichstagssitzes der NSDAP.

1933

Ablehnung der Wahl in die nazifizierte Deutsche Akademie. Wohnungsdurchsuchung durch die Gestapo.

1933

Übersiedlung nach Goslar.

1936

Übersiedlung nach Überlingen am Bodensee.

1939

Übersiedlung nach Kirchhorst bei Hannover.

1939/40

Als Hauptmann reaktiviert; im Winter Kompanieführer am "Westwall".

1940

Mai-Juli: Teilnahme am Frankreichfeldzug.

1941

Juni: im Stab des Militärbefehlshabers in Frankreich von Stülpnagel; Kontakt mit den Verschwörern des 20. Juli; in Paris Freundschaft und gesellschaftlicher Umgang mit Künstlern und Intellektuellen wie Cocteau, Morand, Braque, Picasso, Paulhan, Guitry, de Montherlant u.a.

1942-43

Okt.-Jan.: Inspektionsreise an die russische Front (Kaukasus), um die Truppenmoral zu erkunden.

1944

Als "geistiger Urheber" (Freisler) des Attentats vom 20. Juli als "wehrunwürdig" entlassen. Volkssturmkommandant in Kirchhorst (Niedersachsen).

1945-49

Publikationsverbot aufgrund seiner Weigerung, den Entnazifierungsfragebogen der Alliierten auszufüllen.

1948-50

Wohnsitz in Ravensburg; in den folgenden Jahren zahlreiche Reisen nach Südeuropa, Süd- und Ostasien, Afrika.

1950

Mai: Frankreichreise (Paris, Antibes); Verbindung mit Heidegger und dem Chemiker Albert Hofmann; Versuche mit Meskalin, Psyllocybin und LSD; Übersiedlung nach Wilflingen auf der Schwäbischen Alb.

1959-71

Zusammen mit dem Religionswissenschaftler Mircea Eliade Herausgabe der Zeitschrift Antaios.

1960

Tod von Gretha Jünger in Wilflingen.

1962

Zweite Eheschließung.

1966-81

Reisen.

1977

Tod des Bruders Friedrich Georg (20.7.).

1984

An der Seite von Helmut Kohl und François Mitterrand in Verdun bei der Ehrung der Opfer des Ersten Weltkrieges.

1988

Mit Bundeskanzler Kohl bei den Feierlichkeiten des 25. Jahrestags des Deutsch-Französischen Vertrags.

1993

20. Juli: Besuch des französischen Staatspräsidenten Mitterrand und des Bundeskanzlers Kohl in Wilflingen.

1996

Konversion zum Katholizismus.

1998

Tod im Kreiskrankenhaus Riedlingen.


Werke:

Kriegstagebücher und -essays

1920

In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers (2. Fassung 1924, 3. Fassung 1934)

1922

Der Kampf als inneres Erlebnis

1923

Sturm

1925

Das Wäldchen 125. Eine Chronik aus den Grabenkämpfen 1918
Feuer und Blut. Ein kleiner Ausschnitt aus einer großen Schlacht (2. Fassung. 1926)

1940

Gärten und Straßen. Aus den Tagebüchern von 1939 und 1940

1949

Strahlungen

1958

Jahre der Okkupation

(Reise-)Tagebücher und Memoiren (Auswahl)

1943

Myrdun. Briefe aus Norwegen

1947

Atlantische Fahrt

1948

Ein Inselfrühling. Ein Tagebuch aus Rhodos

1955

Am Sarazenenturm

1957

San Pietro
Serpentara

1960

Ein Vormittag in Antibes

1980

Siebzig verweht I

1981

Siebzig verweht II

1984

Aus der goldenen Muschel. Gänge am Mittelmeer (Aus der goldenen Muschel, Dalmatinischer Aufenthalt, Ein Inselfrühling, Ein Vormittag in Antibes, Xylókastron, Im Granit, Mália, Blick auf den Ätna, Um die "Petite Planète")

1993

Siebzig verweht III

1995

Siebzig verweht IV

1997

Siebzig verweht V

Essays (Auswahl)

1929

Das abenteuerliche Herz (2. Fassung 1938: Untertitel: Figuren und Capriccios)

1931

Die totale Mobilmachung

1932

Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt

1934

Blätter und Steine (Sammelbd., u.a. Dalmatinische Reise, Lob der Vokale, Über den Schmerz)
Die Geheimnisse der Sprache. 2 Essays

1943

Sizilischer Brief an den Mann im Mond

1945

Der Friede. Ein Wort an die Jugend Europas und an die Jugend der Welt

1947

Sprache und Körperbau

1950

Über die Linie

1951

Der Waldgang
Am Kieselstrand

1952

Drei Kiesel

1953

Der gordische Knoten

1954

Das Sanduhrbuch

1956

Rivarol

1958

Mantrana. Einladung zu einem Spiel

1959

An der Zeitmauer

1960

Der Weltstaat. Organismus und Organisation
Sgraffiti

1962

Das spanische Mondhorn

1963

Fassungen
Typus - Name - Gestalt

1967

Subtile Jagden

1968

Carabus Rutilans

1969

Federbälle

1970

Ad hoc
Annäherungen. Drogen und Rausch
Zahlen und Götter
Philemon und Baucis

1984

Autor und Autorschaft (Aphorismen)

Erzählende Prosa

1936

Afrikanische Spiele

1952

Besuch auf Godenholm

1983

Aladins Problem

1985

Eine gefährliche Begegnung

Romane

1939

Auf den Marmorklippen

1949

Heliopolis. Rückblick auf eine Stadt

1957

Gläserne Bienen

1973

Die Zwille

1977

Eumeswil

Werkausgaben

1960-65

Werke, Stuttgart: Klett (10 Bde.)

1978-82

Sämtliche Werke. Ausgabe letzter Hand, Stuttgart: Klett-Cotta (18 Bde.)

1999ff.

Supplementbände


           

Jünger-Haus in Wilflingen

Englische Jünger-Seite (Dr. John King)

          

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