Erich Kästner
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*23. Februar 1899 Dresden

+29. Juli 1974 München (Speiseröhrenkrebs)

begraben: München-Bogenhausen, St. Georgs-Friedhof

 


Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen; Vater: Emil Richard Kästner (1867-1957), Sattlermeister in einer Kofferfabrik; Mutter: Ida Amalia, geb. Augustin (1871-1951), ebenfalls aus sächsischer Handwerkerfamilie (leiblicher Vater höchstwahrscheinlich der jüdische Hausarzt der Familie Dr. Emil Zimmermann, der 1933 nach Brasilien emigriert). Sehr intensive Mutter-Beziehung, die auch sein problematisches Verhältnis zu Frauen prägt. Der Ehrgeiz der Mutter ermöglicht ihm Schule und Ausbildung; über 30 Jahre hinweg fast täglicher Briefwechsel.

1944-74

Lebenspartnerschaft mit der Journalistin Luiselotte Enderle (1908-1991)

1949-69

Langjähriges Verhältnis mit Friedhilde ("Friedel") Siebert (*1926); Trennung. Sohn: Thomas (*1957)

Schriftsteller, Drehbuchautor, Kabarettist.
Aufklärerischer Humanist (nach eigenem Bekunden "Moralist, Rationalist, Urenkel der deutschen Aufklärung"), liberaler Demokrat, humorvoller und zynischer Zeitkritiker. K., der Autor düsterer und resignierter, bissiger und bitterer Gedichte, [...] gehört zu den Moralisten, die zugleich Spaßmacher sind. In allem, was er geschrieben hat, dominiert unmissverständlich und dennoch unaufdringlich das Pädagogische. Mithin ein Schulmeister gar? Aber ja doch, nur eben Deutschlands amüsantester und geistreichster (Reich-Ranicki).
  In der Weimarer Republik einer der populärsten Autoren; in seinem Hauptwerk "Fabian" und seiner "Gebrauchslyrik" schonungslose Kritik an den Zuständen der Weimarer Republik, an Technisierung und Materialismus. Daneben Gedichte, humoristische Unterhaltungsliteratur; den größten Erfolg hatte K. mit seinen Kinderbüchern (in 40 Sprachen übersetzt).

Auszeichnungen:

1950

Bundesfilmpreis (für Das doppelte Lottchen)

1956

Literaturpreis der Stadt München

1957 

Georg-Büchner-Preis

1959

Großes Bundesverdienstkreuz

1960

Hans-Christian-Andersen-Medaille des Internationalen Jugendbuch-Kuratoriums

1968

Literaturpreis Deutscher Freimaurer und Überreichung des Lessing-Ringes

1970

Kultureller Ehrenpreis der Stadt München


wichtige Lebensdaten:

1906

Volksschule in Dresden.

1913

Eintritt in das Freiherrlich von Fletscher´sche Lehrer-Seminar Dresden.

1917-18

Militärdienst.

1918

Abschlusskurs im Strehlener Lehrerseminar.

1919

Abitur als Hospitant am König-Georg-Gymnasium; erste Gedichtveröffentlichung in der Theaterzeitschrift Der Zwinger. Kriegsabitur; Goldenes Stipendium der Stadt Dresden. Bekanntschaft mit der 17-jährigen llse Julius. Zum Wintersemester Studienbeginn in Leipzig (Germanistik, Geschichte, Philosophie, Theaterwissenschaften). 

1921-22

Fortsetzung des Studiums in Rostock, Berlin und wieder Leipzig; Anstellung bei der Neuen Leipziger Zeitung.

1923

Beginn der Freundschaft mit dem Zeichner Erich Ohser (= e.o. plauen).

1925

Promotion zum Dr. phil. (Friedrich der Große und die deutsche Literatur).

1926

Erste Auslandsreise mit der Mutter (Italien, Schweiz). Nov.: Trennung von Ilse Julius (vgl. das Gedicht "Sachliche Romanze").

1927

Bekanntschaft mit Luiselotte Enderle; Übersiedlung nach Berlin: Theaterkritiker; freier Mitarbeiter u.a. der Weltbühne, der Vossischen Zeitung und des Berliner Tageblatts; Freundschaft mit Hermann Kesten.

1928

Reise nach Paris mit dem Zeichner Erich Ohser. Bekanntschaft mit Walter Trier.

1930

April: zehntägige Reise in die Sowjetunion (mit Erich Ohser).

1931

Erste eigene Wohnung (Charlottenburg, Roscherstraße 16); Mitglied im PEN-Club.

1933

10. Mai: Verbrennung seiner Bücher; Publikationsverbot; K. veröffentlicht weiter in der Schweiz (Verlag Atrium, Zürich); hält sich mit Unterhaltungsromanen über Wasser; Dez.: erste Verhaftung durch die Gestapo.

1934

Bekanntschaft mit der zwanzigjährigen Schauspielerin Herti Kirchner.

1936

Reise nach Davos; Emigration Walter Triers nach London.

1937

Zweite Verhaftung in Berlin; Reise nach Bad Reichenhall; täglicher Grenzübergang nach Salzburg, um Trier zu treffen.

1938

Reise nach London; Rückkehr wegen Kriegsgefahr.

1939

1.5.: Herti Kirchner kommt bei einem Autounfall ums Leben.

1942

Totales Schreibverbot.

1944

Kästners Wohnung wird zerbombt; er zieht zu Luiselotte Enderle; März: Verhaftung der Freunde Erich Ohser (Selbstmord) und Erich Knauf (hingerichtet).

1945

März: mit einer Filmexpedition der UFA in Mayrhofen/Tirol; Herbst: Gründung des Kabaretts Die Schaubude in München; Feuilletonchef der Neuen Zeitung in München (Mitarbeiterin: Luiselotte Enderle).

1946

Zusammen mit Luiselotte Enderle möblierte Wohnung in München (Schwabing, Fuchsstraße); Herausgeber der Jugendzeitschrift Pinguin; Sept.: Reise nach Berlin und Dresden, erstes Wiedersehen mit den Eltern.

1947

Reise zum PEN-Kongress in Zürich.

1949

Bekanntschaft mit Friedel Siebert.

1951

Mitbegründer des Kabaretts "Die kleine Freiheit" in München; Juli: Tod der Mutter in Dresden.

1951-62

Präsident des PEN-Zentrums der Bundesrepublik.

1953

Umzug in den Münchner Herzogpark.

1957

Dez.: Geburt des Sohnes Thomas; Silvester: Tod des Vaters.

1958

Rede zum 25. Jahrestag der Bücherverbrennung auf dem PEN-Kongress in Hamburg.

1961

Ischias-Erkrankung; Erkrankung an Tuberkulose.

1962-63

Jan.: Sanatoriumsaufenthalt in Agra im Tessin (bis Mai 1963).

1964

Jan. - Aug.: erneuter Aufenthalt in Agra; zeitweise bei Friedel Siebert in Berlin.

1965

Reisen zu Lesungen und zu Ehrungen nach Frankfurt/M., Düsseldorf, Stockholm, Westberlin.

1966

Reisen zu Ausstellungseröffnungen nach Kopenhagen und London; zu Lesungen nach Nürnberg und Wien.

1967

Reisen nach Dresden und Den Haag.

1974

Tod im Krankenhaus Neuperlach.


Werke:
(a = Uraufführung)

Romane

1931

Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (satir. Roman)

1934

Drei Männer im Schnee

1935

Die verschwundene Miniatur oder auch Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters

1936

Der Zauberlehrling (Frgm.)

1938

Georg und die Zwischenfälle (= Der kleine Grenzverkehr)

Gedichte

1928

Herz auf Taille (Gedichtband)

1929

Lärm im Spiegel (Gedichtband; u.a. Sachliche Romanze)

1930

Ein Mann gibt Auskunft (Gedichtband)

1932

Gesang zwischen den Stühlen (Gedichtband)

1936

Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke (Auswahlband)

1950

Kurz und bündig (Epigramme)

1955

Die dreizehn Monate (Gedichtzyklus)

Sammelwerke

1948

Der tägliche Kram. Chansons und Prosa 1945-48

1952

Die kleine Freiheit. Chansons und Prosa 1949-52

Dramen

1943
(1949 a Düsseldorf)

Zu treuen Händen (Lustspiel; u. d. Pseudonym Melchior Kurtz)

1956
(1957 a München)

Die Schule der Diktatoren (groteske Komödie)

1958
(a München)

Das Haus Erinnerung (Einakter)

Hörspiel

1929

Leben in dieser Zeit. Lyrische Suite in drei Sätzen

Drehbücher (u.a.)

1943
(a Berlin)

Münchhausen (für die Ufa, unter dem Pseudonym Berthold Bürger)

Übersetzung

1952
(a München)

J. M. Barrie: Peter Pan oder das Märchen vom Jungen, der nicht groß werden wollte

Kinderbücher

1928

Emil und die Detektive

1931

Pünktchen und Anton
Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee

1933

Das fliegende Klassenzimmer

1934

Emil und die drei Zwillinge

1949

Die Konferenz der Tiere (Bilderbuch)
Das doppelte Lottchen

1963

Der kleine Mann

1967

Der kleine Mann und die kleine Miss

Autobiographisches

1957

Als ich ein kleiner Junge war (Kindheitserinnerungen)

1961

Notabene 45. Ein Tagebuch

Gesamtausgabe

1958

Gesammelte Schriften (7 Bde.)


Links:

Kästner-Museum Dresden

Kästner im Netz

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