Autoren | Epochen
  

Georg Kaiser

vollst.: Friedrich Carl Georg Kaiser

Lebensdaten | Werk
  


* 25. November 1878 Magdeburg
 

+ 4. Juni 1945 Ascona/Monte Verità (Embolie)

    

Grabstätte: Friedhof Morcote bei Lugano

    

 

Bildquelle: Wikipedia
 


  

In der Zeit zwischen den Weltkriegen neben Gerhart Hauptmann der meistgespielte deutschsprachige Bühnenautor; mehr als 70 Bühnenwerke; zwischen 1917 und 1933 vierzig Uraufführungen. Sicheres Gespür für den literarischen Trend. Nach naturalistischen und neuromantischen Anfängen in seiner mittleren Periode ein maßgebender Dramatiker des Expressionismus; im Gesamtwerk thematische und formale Vielfalt (nach Durzak "diffus" und "ziellos"). Wiederbelebung seiner Stücke nach Ende des 2. Weltkriegs (Resonanz aufgrund der Ablehnung von Gewalt und Krieg und der Forderungen nach Erneuerung des Menschen und sozialer Gerechtigkeit). Bekanntestes Werk (dramatisches Hauptwerk des Expressionismus): Die Bürger von Calais (auf dem Umweg über Rilke von Rodin angeregt, basierend auf Froissarts Chroniques de France). Komprimierte Sprache, Szenenreihung: Wirkung auf Brechts frühe Dramen (für Brecht ist K. einer seiner "unehelichen Väter").

Neben den Bühnenwerken stehen Romane, Erzählungen, Gedichte, Libretti und Filmentwürfe.

     

Fünfter von sechs Söhnen des Versicherungskaufmanns Johann Friedrich Kaiser (*1829) und seiner Ehefrau Antonie, geb. Anton (*1845). Epileptische Anfälle in der Jugend. Nach dem Südamerika-Aufenthalt lange Zeit krank, materiell abhängig von Eltern und Brüdern. Als erfolgreicher Autor elitäres Selbstverständnis, opulenter Lebensstil, zahlreiche Liebesaffären. Wechselvolles Auf und Ab des Lebens. Schreib- und Aufführungsverbot unter der nationalsozialistischen Diktatur; Emigration in die Schweiz.

  

Ich überfliege mein Leben: es ist keine glatte Landschaft mit Wiesenfrieden und Wälderrauschen - nein, es ist ein zerklüftetes Gebirge mit Schneegipfeln und wüsten Abgründen. Ich stieg und stürzte ab - ich raffte mich auf und klomm wieder hinan. Wieder Sturz und nie Rast ... (1942)

     

1908

Eheschließung mit der Kaufmannstochter Margarethe Habenicht, geb. Dschenfzig (1888-1970); zwei Söhne: Dante Anselm (*1914); Michael Laurent, (*1918); eine Tochter: Sibylle.

ab 1922

Heimliches eheähnliches Verhältnis mit Maria von Mühlfeld, geb. Fischel (1896-1947); Tochter: Olivia (*1927)

Auszeichnung

1944

Gottfried-Keller-Preis


Wichtige Lebensdaten:

1895

Mittlere Reife an der Klosterschule Unser Lieben Frauen. Buchhändlerlehre abgebrochen. Danach Lehre in einem Magdeburger Ex- und Importgeschäft; wieder Abbruch. - Autodidaktisches Studium Platons, Schopenhauers, Nietzsches; Lektüre antiker Klassiker, Shakespeares, Goethes, Kleists, Büchners, Ibsens. Erste dramatische Versuche. Gründung des literarischen Lesevereins Sappho.

1898

Als Kohletrimmer auf einem Frachtschiff nach Südamerika.

1898-1901

Büroangestellter der AEG in Buenos Aires.

1901

Malariaerkrankung; Herbst: Über Spanien und Italien Rückkehr nach Deutschland. Versuch, sich als freier Schriftsteller zu etablieren.

1902

Vier Monate im Sanatorium Haus Schönow in Berlin. In den Folgejahren abwechselnd Unterkunft bei seinen Brüdern.

1905

Erste Begegnung mit Margarethe Habenicht aus wohlhabendem Elternhaus.

1908

Finanzielle Unabhängigkeit nach der Heirat (Mitgift); Hauskauf in Seeheim/Bergstraße. Luxuriöser Lebensstil.

1912

Anmietung einer zweiten Villa in Weimar. 

1914

K. wird bei Kriegsausbruch aus gesundheitlichen Gründen nicht eingezogen. Zeitweilige Arbeit beim Roten Kreuz.

1915

Erste Begegnung mit dem Verleger Gustav Kiepenheuer in Weimar; bald tiefe Freundschaft.

1916

Permanente Geldschwierigkeiten, Schulden.

1917

Literarischer Durchbruch mit den Bürgern von Calais.

1918

Verschuldung trotz hoher Einnahmen. Konfiszierung des gesamten Eigentums. Mietwohnungen in München, dann in Tutzing.

1920

Erste Begegnung mit Mary Fischel (1896-1947) in Berlin. Okt.: Verhaftung wegen Betrugs und Unterschlagung.

1921

15.2.: Verurteilung zu einem Jahr Gefängnis. 16.4.: Entlassung aus der Strafanstalt Stadelheim (Bürgschaft des Kiepenheuer-Verlags, der Kaisers Schulden - eine halbe Million Mark - übernimmt).

1921-38

Wohnung in Grünheide bei Berlin. Daneben Wohnung in Charlottenburg. Produktivste Schaffensperiode. Gesellschaftlicher Verkehr u.a. mit Weill, Brecht.

1922

Mary Fischel wird Kaisers Geliebte (heimliche, von ihrer Familie verstoßene "Nebenfrau").

1926

Auf Betreiben Kaisers und unter Zuhilfenahme einer ansehnlichen Geldsumme schließt Mary mit Karl von Mühlfeld eine Scheinehe. - Wahl in die Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste.

1927

Geburt einer Tochter mit Maria von Mühlfeld: Olivia. - Liebesverhältnis mit Käthe Wurm (Frau seines Verlegers); K. überlässt Maria sich selbst.

1933

Von der SA inszenierter Theaterskandal in Leipzig (Uraufführung von Der Silbersee): Vorwand zum Aufführungs- und Publikationsverbot. Ausschluss aus der Akademie der Künste. Mai: Von der Bücherverbrennung sind auch die Werke Kaisers betroffen.

1938

Juni: Kurz vor einer Hausdurchsuchung durch die Gestapo zusammen mit den wiedergerufenen Maria und Olivia Flucht über Amsterdam in die Schweiz (Aug.; Einladung des Schweizer Dramatikers Caesar von Arx). Die Kernfamilie bleibt in Deutschland; die Nebenfamilie wird auch in der Schweiz verheimlicht.

1938-45

Bis zum Lebensende Exil in der Schweiz. Wechselnde Aufenthaltsorte, z. T. bei privaten Gönnern. Abhängig von Almosen seiner Freunde. 

1941

Von Thomas Mann und Einstein unterstützter Versuch, in die USA auszureisen; Ablehnung des Visumantrags. Zunehmende Vereinsamung, Resignation und Verbitterung.


Werke:

(e = entstanden; a = uraufgeführt in )

Dramatische Werke (Auswahl)

1911 (1904 e)

Die jüdische Witwe: Biblische Komödie

1913

König Hahnrei. Tragödie

1914 (1913 e)
1917 a Frankfurt/M.

Die Bürger von Calais. Bühnenspiel

1914 (1905 e)
1922 a Minden

David und Goliath. Lustspiel (= Großbürger Möller, 1914)

1914
1915 a Wien

Der Fall des Schülers Vehgesack. Eine kleine deutsche Komödie

1914

Der Kongreß. Komödie (= Der Präsident, 1927)

1914 (1903 e)

Rektor Kleist. Vier komitragische Akte (Neuf. 1918)

1915

Europa. Spiel und Tanz in fünf Aufzügen

1916 (1912 e)
1917 a München

Von morgens bis mitternachts. Stück in zwei Teilen (Stationendrama)

1916 

Die Zentaur. Lustspiel (= Konstantin Strobel, 1920)

1917 

Die Koralle

Die Sorina. Komödie
Die Versuchung. Eine Tragödie unter jungen Leuten

1918

Drei Einakter

  • Claudius

  • Friedrich und Anna

  • Juana

1918

Das Frauenopfer

1918
a Frankfurt/M.

Gas I

1919

Der Brand Brand im Opernhaus. Ein Nachtstück

1919 a

Hölle Weg Erde. Stück in drei Teilen

1920 a

Der gerettete Alkibiades (Komödie)

1920 a Brünn

Gas II

1921

Der Protagonist (= Libretto der gleichnamigen Oper; Musik: Kurt Weill; a 1926)

1922

Kanzlist Krehler. Tragikomödie
Noli me tangere

1923 a Berlin

Nebeneinander (Volksstück)

1923

Die Flucht nach Venedig
Der Geist der Antike. Komödie
Gilles und Jeanne. Bühnenspiel
Nebeneinander. Volksstück

1924 a

Kolportage. Komödie

1925

Gats
Margarine. Lustspiel

1926

Zweimal Oliver
Der mutige Seefahrer. Komödie

1927

Papiermühle. Lustspiel

1928

Oktobertag

1928 a

Die Lederköpfe

1929

Hellseherei. Gesellschaftsspiel

1930

Mississippi

1937

Alain und Elise

1938

Der Gärtner von Toulouse

1939

Der Schuß in die Öffentlichkeit

1940

Alain und Elise
Rosamunde Floris

1940 a Zürich

Der Soldat Tanaka (Antikriegsstück)

1941
1950 a Karlsruhe

Napoleon in New Orleans

1941
1958 a Marburg

Das gordische Ei

1943 a Basel

Die Spieldose

1948 (1941 e)

Der englische Sender

1948
1944 a Zürich

Zweimal Amphitryon

1948 (1944 e)
1953 a München

Pygmalion

1948 (1944 e)
1953 a Saarbrücken

Bellerophon

1952 (1940 e)
1949 a Brandenburg

Klawitter

1963 (1943 e)
1945 a Basel

Das Floß der Medusa

 

Opern-Libretti
 

1927

Der Zar läßt sich photographieren (Musik: Kurt Weill)

1930
1929 a Berlin

Zwei Krawatten (Revuestück: Musik: Mischa Spoliansky)

1933 a Erfurt, Magdeburg, Leipzig

Der Silbersee. Ein Wintermärchen (Musik: Kurt Weill)

Romane

1932

Es ist genug

1940

Villa Aurea

Erzählungen

1938 e

Leutnant Welzeck (Frgm.)
Ein Arbeitsloser

1943 e

Ein Arbeiter

Aufsätze (Auswahl)

1914

Das Drama Platons

1918

Vision und Figur

1922

Ein Dichtwerk in der Zeit
Dichtung und Energie
Form und Drama

1924

Der Mensch im Tunnel

Werkausgaben

1928-31

Gesammelte Werke, Potsdam: Kiepenheuer (3 Bde.)

1970-72

Werke, hg. v. Walter Huder, Frankfurt/M./Berlin/Wien: Propyläen (6 Bde.)

1979

Werke, hg. v. Klaus Kändler, Berlin: Aufbau (3 Bde.)

        


                

Literaturverein Georg Kaiser e.V.

  

    

14.11.2015

   

 

 GOWEBCounter by INLINE

Besucher seit dem 19.01.2001

 

up